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Was bei einem Damenbart oder starkem Haarwuchs hilft

Haarwuchs an Stellen, wo ihn sonst nur Männer haben? Für viele Frauen ein Graus. Hirsutismus heißt das Syndrom. Gene oder Hormone können dafür verantwortlich sein


Unerwünschte Haare lassen sich zum Beispiel mit Wachs entfernen

Ob Vollbart, Dreitagebart oder glatt rasiert: In Sachen Haarbewuchs im Gesicht ist bei Männern (fast) alles möglich und erlaubt. Für Frauen hingegen ist üppiger Wildwuchs etwa an Oberlippe und Wangen absolut tabu. Kein Wunder, dass einzelne Haare meist umgehend entfernt werden. Umso schlimmer, wenn die Haare nicht nur einzeln hervortreten, sondern auffallend stark und gewissermaßen flächendeckend nach männlichem Muster. "Damenbart" heißt das Phänomen im Volksmund.

Experten sprechen von "Hirsutismus", wenn Haare an Stellen wachsen, wo sie geschlechtstypisch nicht auftreten sollten. Es kommt vor allem bei Frauen vor. Sie haben dann Haare, wo sie in der Regel nur bei Männern vorkommen. Beispielsweise an der Oberlippe, im Brust- oder im Schamhaarbereich, wobei sich der Bewuchs bis zum Bauch oder zu den Oberschenkeln hin ausweiten kann. Die Häufigkeit des Syndroms ist noch unklar. „Vermutlich ist aber jede zehnte bis zwanzigste Frau betroffen“, sagt Professor Christos Zouboulis, Chefarzt der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie im Städtischen Klinikum Dessau.


Psychisches Leid entscheidet

Ab wann gilt ein verstärkter Haarwuchs überhaupt als krankhaft? Medizinisch lässt sich diese Frage mit Hilfe des Ferriman-Gallwey-Index beantworten. Er misst an neun Körperstellen die Haarverteilung auf einer Skala von null bis vier. Hirsutismus liegt vor, wenn die Summe den Wert acht überschreitet.

Doch diese Zahl allein sagt wenig aus, gibt Dermatologe Zouboulis zu bedenken: „Entscheidend ist der Leidensdruck der Patientin“. Hirsutismus ist vor allem ein psychisches (Folge-)Leiden. Und das ist immer relativ. Die eine Frau stört eine Haarverteilung mit einem Wert von drei oder vier Punkten. Eine andere empfindet diese möglicherweise nicht als Problem. Eine große Rolle spielt, wo die Haare sich befinden. Im Gesicht lassen sie sich nicht so leicht verbergen wie an weniger exponierten Stellen. Sie verursachen damit bei ihren Trägerinnen wesentlich mehr Leid.

Gene und Hormone als Auslöser

Beide Geschlechter besitzen auf der gesamten Haut feine, kaum sichtbare Flaumhärchen, sogenannte Vellushaare. Tritt der Körper in die Geschlechtsreife ein, wächst ein Teil von ihnen sich zu den dickeren Terminalhaaren aus. Bei Frauen ist das gewöhnlich nur an wenigen Stellen der Fall. Medizinisch korrekt handelt es sich bei Hirsutismus also um ein vermehrtes Auftreten von Terminalhaaren.

Gewöhnlich tritt der unerwünschte Wuchs zuerst während der Pubertät oder im frühen Erwachsenenalter auf. In den meisten Fällen hat das genetische Ursachen. Seltener liegt eine Hormonstörung vor. Meist produzieren die Nebennieren oder Eierstöcke zu viele männliche Geschlechtshormone (Androgene). Zu wenige weibliche Sexualhormone können ebenfalls zu Bartwuchs bei Frauen führen. Lassen Sie das Phänomen vom Arzt abklären: “In extremen Fällen kann ein Tumor für die Störung verantwortlich sein“, sagt Zouboulis. Das kommt allerdings nur sehr selten vor.

Langwierige Therapie

Welche Behandungsmöglichkeiten gibt es gegen die lästigen Haare? Eine Therapie, die die Haare verlässlich dauerhaft beseitigt, existiert nicht. Zunächst ist es wichtig, dass der Hautarzt oder Endokrinologe die Betroffenen gründlich untersucht, um der Ursache auf den Grund zu gehen und eine hormonelle Erkrankung oder einen Tumor auszuschließen.

Nach der Ursache richtet sich auch die Behandlung. Liegt zum Beispiel ein Überschuss an männlichen Geschlechtshormonen ohne spezielle Grunderkrankung oder aber infolge einer bestimmten Störung der Nebennieren vor, kann der Arzt jeweils Hormone verschreiben. Teilweise sind die medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten aber nur begrenzt wirksam.

Rasieren, Wachsen oder Lasern?

Kurzfristig können Patienten die störenden Haare mit verschiedenen Methoden beseitigen. Die einfachste ist die Rasur. Sie nimmt nur wenig Zeit in Anspruch, hat aber den Nachteil, dass die Haare nur abgeschnitten werden. Die Wurzel unter der Hautoberfläche bleibt erhalten, die Haare wachsen schnell wieder nach. Die stoppelfreie Zeit dauert deutlich länger, wenn die Wurzeln selbst entfernt werden. Das geht mit Wachs, Epilierer oder Enthaarungscreme. Dafür ist die Prozedur meist auch unangenehmer als bei einer Rasur.

Eine längere Haarentfernung versprechen die Lasermethode oder ein Verfahren mit Blitzlicht. Sie zerstören die Haarwurzeln regelrecht und verhindern so ein schnelles Nachwachsen. „Allerdings wirken sie nicht sehr verlässlich“, sagt Zouboulis. Meist sind mehrere Sitzungen nötig. Das macht die Verfahren zeitaufwendig und teuer. Zudem besteht das Risiko von Hitzeschäden auf der Haut. Betroffene sollten sich diesen Schritt also gut überlegen und sich nur einem ausgewiesenen Experten anvertrauen.

Der Arzt wird genau erkunden, was die Patentin stört und gezielt die Therapie darauf ausrichten. Manchmal sind für die Betroffenen die Haare gar nicht das eigentliche Problem, sondern Konflikte im Privatleben. „Der Arzt ist in solchen Fällen auch als Psychologe gefragt“, weiß Dermatologe Zouboulis aus eigener Erfahrung.



Stephan Soutschek / www.apotheken-umschau.de; 02.01.2012
Bildnachweis: istock/Adam Gregor

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