Stress lass nach! Wenn wir aufgeregt oder wütend sind, meinen wir das Blut regelrecht in den Adern pochen zu hören. Das Blut schießt dann in den Kopf, der Puls rast.
In akuten Stresssituationen steigt unser Blutdruck. Das ist völlig normal und sogar lebensnotwendig. Der Blutdruck ist eine dynamische Größe, die der Körper auf die Anforderungen von unterschiedlichen Situationen anpasst. Bei Stress oder körperlichen Arbeit pumpt das Herz mehr Blut in den Kreislauf, um beispielsweise die Muskeln mit mehr Sauerstoff zu versorgen. Entspannen wir uns dagegen, sinkt der Blutdruck.
Auch im Tagesverlauf unterliegt der Blutdruck natürlichen Schwankungen: Am Morgen ist er im Vergleich zur Nacht etwas höher, um sich im Laufe des Tages meist ein wenig abzusenken.
Volksleiden Bluthochdruck
Schätzungsweise 20 Millionen Deutsche leiden unter erhöhtem Blutdruck. In der Altersgruppe über 55 Jahren ist es wahrscheinlich sogar jeder Zweite. Verlässliche Zahlen gibt es hierzu allerdings keine. Die Anzahl derer, die einen eher niedrigen Blutdruck haben, könnte jedenfalls seltener sein.
Der Blutdruck hat bei einem gesunden Menschen einen Wert von ungefähr 120/80 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule). Die erste Zahl bezeichnet dabei den systolischen, die zweite den diastolischen Druck.
Als Systole bezeichnet man in der Medizin die Auswurfphase des Herzens, bei der sich die linke Herzkammer zusammenzieht und das Blut in die Aorta pumpt. Der Blutdruck ist zu diesem Zeitpunkt am höchsten. Anders dagegen die Diastole. Sie bezeichnet die Entspannungsphase der Herzmuskeln. Die beiden Herzkammern erweitern sich, um neues Blut hineinströmen zu lassen. Der Blutdruck ist in diesem Moment am geringsten.
So wird der Blutdruck bestimmt
Es werden die Geräusche in einer Arterie gemessen, die das durchfließende Blut aufgrund des Pulstaktes verursacht. Das kann manuell durch den Arzt mit Hilfe eines Stethoskops oder durch einen Messautomaten erfolgen.
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Der Arzt legt eine Manschette um den Oberarm und bläst sie mit Luft auf. Mit dem Stethoskop kann er die Pulstöne des fließenden Blutes im Gefäß abhören. Den Druck in der Manschette misst ein Zeigerinstrument.
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Die Manschette wird so lange aufgepumpt, bis das Gefäß vollständig zusammengepresst ist und kein Blut mehr fließt. Das ist der Fall, wenn der Arzt keine Pulstöne mehr mit seinem Stethoskop hört.
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Nun wird langsam die Luft abgelassen. Wenn der Manschettendruck den Blutdruck in der Arterie unterschreitet, fließt stoßartig wieder das erste Blut, hörbar als kurzes Geräusch im Stethoskop. Die Anzeige auf dem Manometer entspricht dem systolischen Wert.
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Der Druck in der Manschette sinkt weiter. Nach einiger Zeit werden die Pulstöne schwächer, bis sie irgendwann nicht mehr hörbar sind. Der Druck beim letzten gehörten Ton entspricht dem diastolischen Wert.
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Oszillometrische Methode
Kommt bei vollautomatischen elektronischen Blutdruckmessgeräten zum Einsatz. Hier registriert ein Drucksensor den Blutfluss. Ein Computer errechnet aus den Daten die Blutdruckwerte. Das Auf- und Abpumpen der Manschette erledigt ein Gebläse mit Motor.
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Ist der systolische Wert dauerhaft über 140 und der diastolische über 90 mmHg, liegt nach internationaler Definition ein leichter Bluthochdruck vor. Eine schwere Hypertonie beginnt bei Werten von über 180.
Ein ausgeklügeltes System aus Hormonen, Gefäß- und Nervenaktionen steuert den Blutdruck. Der Sympathikus gehört zum vegetativen Nervensystem. Bei Bedarf steigert er Kraft und Frequenz des Herzschlags. Gleichzeitig verengen sich die kleinen Blutgefäße, die zudem auch eine Art Selbstregulation haben. Binnen Sekundenbruchteilen kann sich so der Blutdruck erhöhen. Der Parasympathikus nimmt dagegen den Gegenpart zum Sympathikus ein. Er senkt den Blutdruck.
Die den Blutdruck regulierenden Hormone produziert der Körper in den sympathischen Nervenfasern und in den Nieren und Nebennieren. Die Nieren geben das Enzym Renin ins Blut. Es ist für die Produktion des gefäßverengenden Hormons Angiotensin II verantwortlich. Die Nebennieren erhöhen vor allem mit Hilfe von Adrenalin den Blutdruck.
Warum ist hoher Blutdruck gefährlich?
Gefährlich ist ein zu hoher Blutdruck vor allem wegen seiner Folgeerkrankungen. Muss die linke Herzkammer unter Dauerdruck arbeiten, können ihre Wände sich verdicken und zu einer Herzschwäche führen. Darüber hinaus kann es infolge von zu hohem Blutdruck zur Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) kommen. Dadurch steigt das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko.
Problematisch kann ein dauerhaft zu hoher Blutdruck auch für die Nieren sein. Schäden an den Nieren können nicht nur zu einem Nierenvetsagen führen, sondern sie wirken auch auf den Blutkreislauf zurück. Die vermehrte Ausschüttung von Hormonen lässt den Blutdruck weiter ansteigen – ein Teufelskreis.
Im Gegensatz dazu führt zu niedriger Blutdruck nicht zu ernsthaften Organ- und Gefäßschäden. Negative Begleiterscheinungen können allerdings Schwindelgefühle und anhaltende Müdigkeit sein. Manchmal kommt es auch zu Kollapszuständen.
Risikofaktoren für zu hohen Blutdruck
Bluthochdruck kann verschiedene Ursachen haben. "Mögliche Risikofaktoren sind vor allem Stress, Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen und Alkohol", erklärt der Kardiologie Professor Dr. Wolfram Delius. Allerdings gibt es bei allen diesen Faktoren keinen Automatismus. Nicht bei jedem führt zu wenig Sport zu einem erhöhten Blutdruck. Das gilt auch für Kochsalz, das ebenfalls als blutdrucksteigernd gilt. Bei normalen Blutdruck ist Salz meist kein Problem. "Wer aber zu hohem Blutdruck neigt, bei dem kann zu viel salzen zu einem Anstieg des Blutdrucks beitragen", sagt Delius.
Neben diesen beeinflussbaren Risiken kann Bluthochdruck auch auf genetische Veranlagungen zurückführbar sein. Zudem können bestimmte Organerkrankungen den Blutdruck beeinflussen, beispielsweise eine Erkrankung der Nieren. Man spricht dann von einer sekundären Hypertonie.
Zu hoher Blutdruck ist mit Medikamenten inzwischen gut behandelbar. Diese kommen je nach den vorliegenden Umständen einzeln oder kombiniert zum Einsatz. Bei einem relativ neuen Therapieverfahren werden Nervenstränge an den Nierenarterien mit Hilfe eines Katheters verödet. Diese Nerven gehören zum Sympathikus und sind an der Steuerung des Blutdrucks beteiligt.
Noch bedeutsamer ist aber eine dauerhafte Veränderung des Lebensstils der Patienten. "Am wichtigsten für die Bekämpfung von zu hohem Blutdruck ist eine Gewichtsreduktion", sagt Delius. Das bedeutet: Regelmäßig Sport treiben und die Ernährung auf kalorien- und fettreduzierte Speisen umstellen. Bewährt hat sich die sogenannte Mittelmeerküche: Viel Obst und Gemüse, wenig Fleisch und Geflügel, dafür viel Fisch und pflanzliche Fette.
Stephan Soutschek / www.apotheken-umschau.de;
18.05.2011
Bildnachweis: W&B/Jörg Neisel, W&B/Martin Ley
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