Blutdruck, was ist das eigentlich?

Vom Blutdruck hat jeder schon einmal gehört. Doch was beeinflusst die Werte? Wann sind sie zu hoch, wann zu niedrig? Wir informieren über Hintergründe und Risiken

von Stephan Soutschek, aktualisiert am 01.02.2016

Den Blutdruck kann jeder selbst einfach zu Hause messen

W&B/Marcel Weber

Stress lass nach! Wenn wir aufgeregt oder wütend sind, meinen wir das Blut regelrecht in den Adern pochen zu hören. Das Blut schießt dann in den Kopf, der Puls rast.

In akuten Stresssituationen steigt unser Blutdruck. Das ist völlig normal und sogar lebensnotwendig. Der Blutdruck ist eine dynamische Größe, die der Körper auf die Anforderungen von unterschiedlichen Situationen anpasst. Stress oder körperliche Arbeit treiben das Herz zu mehr Leistung an. Muskeln werden stärker durchblutet und besser mit Sauerstoff versorgt. Gleichtzeitig steigt der Blutdruck. Entspannen wir uns dagegen, sinkt der Blutdruck.


Auch im Tagesverlauf unterliegt der Blutdruck natürlichen Schwankungen: Am Morgen ist er im Vergleich zur Nacht etwas höher, um sich im Laufe des Tages meist ein wenig abzusenken.


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Was den Blutdruck beeinflusst

Ein ausgeklügeltes System aus Hormonen, Gefäß- und Nervenaktionen steuert den Blutdruck. Der Sympathikus, ein Teil des vegetativen Nervensystems, steigert bei Bedarf Kraft und Frequenz des Herzschlags. Gleichzeitig verengen sich die kleinen Blutgefäße. Binnen Sekundenbruchteilen kann sich so der Blutdruck erhöhen. Der Parasympathikus nimmt dagegen den Gegenpart zum Sympathikus ein. Er senkt den Blutdruck.

Die den Blutdruck regulierenden Hormone stellt der Körper in den sympathischen Nervenfasern, in den Nieren und Nebennieren her. Die Nieren geben das Enzym Renin ins Blut. Es setzt die Produktion des gefäßverengenden Hormons Angiotensin II in Gang. Die Nebennieren erhöhen vor allem mit Hilfe von Adrenalin den Blutdruck, aber auch mit Stoffen wie Noradrenalin und Aldosteron. Die Messfühler der Halsschlagader und Hauptschlagader überprüfen und regulieren die Höhe des Blutdrucks.

Volksleiden Bluthochdruck

Schätzungsweise 20 Millionen Deutsche leiden unter erhöhtem Blutdruck (Hypertonie). In der Altersgruppe über 65 Jahren ist es wahrscheinlich sogar jeder Zweite. Verlässliche Zahlen gibt es hierzu allerdings keine.

Die Anzahl derer, die einen eher niedrigen Blutdruck haben, dürfte weit darunter liegen. Betroffen sind einerseits eher jüngere Menschen, andererseits Ältere. Letztere können Probleme beim Wechseln vom Liegen zum Stehen oder Sitzen haben. Denn bei plötzlichen Veränderungen der Körperposition in die aufrechte Haltung (Orthostase) oder beim Bücken kann der Blutdruck stark abfallen (orthostatische Hypotonie). Wenn der Kreislauf nicht rasch gegensteuert, sind Symptome wie Schwarzwerden vor den Augen, starker Schwindel, Kopfschmerzen, Ohrensausen und Kollaps möglich.


So wird der Blutdruck bestimmt

  • Blutdruck messen
    W&B/Jörg Neisel

    Es werden die Geräusche in einer Arterie gemessen, die das durchfließende Blut aufgrund der Pulswelle, die auf einen nachlassenden Kompressionsdruck trifft, verursacht; die beengte Blutströmung führt zu Turbulenzen und Bewegungen der Gefäßwand. Der nachlassende Kompressionsdruck entsteht, indem langsam Druck aus der zuvor aufgepumpten Manschette abgelassen wird. Dadurch weitet sich das zuvor zusammenpresste Gefäß und lässt wieder vermehrt Blut durch. Wenn die Schlagader völlig durchgängig ist, verschwinden die Geräusche.

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  • Blutdruckmessung
    W&B/Jörg Neisel

    Der Arzt legt eine Manschette um den Oberarm und bläst sie mit Luft auf. Den Druck in der Manschette misst ein Zeigerinstrument.

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  • Blutdruckmessung
    W&B/Jörg Neisel

    Der Druck in der Manschette presst das Gefäß zusammen. Sie wird so weit aufgepumpt, bis der angezeigte Druck ungefähr 20 mmHg über dem zu erwartenden Blutdruck liegt oder über dem Druck, bei dem der Arzt keine Pulstöne mehr mit seinem Stethoskop hört oder der in der Ellenbeuge getastete Puls verschwindet.

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  • Blutdruckmessung
    W&B/Jörg Neisel

    Nun wird langsam die Luft abgelassen. Wenn der Manschettendruck den Blutdruck in der Arterie unterschreitet, fließt stoßartig wieder Blut, hörbar als kurzes Geräusch im Stethoskop. Die Anzeige auf dem Manometer entspricht dem oberen, systolischen Wert.

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  • Blutdruckmessung
    W&B/Jörg Neisel

    Der Druck in der Manschette sinkt weiter. Nach einiger Zeit werden die Pulstöne schwächer, bis sie irgendwann nicht mehr hörbar sind. Der Druck beim letzten gehörten Ton entspricht dem unteren, diastolischen Wert.

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  • Blutdruckmessung
    W&B/Jörg Neisel

    Oszillometrische Methode

    Kommt bei vollautomatischen elektronischen Blutdruckmessgeräten zum Einsatz. Hier registriert ein Drucksensor den Blutfluss. Ein Mini-Computer errechnet aus den Daten die Blutdruckwerte. Das Auf- und Abpumpen der Manschette erledigt ein Gebläse mit Motor.

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Der Blutdruck hat bei einem gesunden Menschen einen Wert von rund 120/80 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule). Die erste Zahl bezeichnet dabei den systolischen, die zweite den diastolischen Druck.

Als Systole bezeichnet man in der Medizin die Auswurfphase des Herzens, bei der sich die linke Herzkammer zusammenzieht und das Blut in die Aorta pumpt. Zugleich gelangt aus der rechten Herzkammer Blut in den Lungenkreislauf. Der Blutdruck ist zu diesem Zeitpunkt am höchsten. Anders dagegen die Diastole. Sie bezeichnet die Entspannungsphase der Herzkammern. Diese erweitern sich, um neues Blut hineinströmen zu lassen. Der gemessene Blutdruck ist in diesem Moment am niedrigsten.

Ist der systolische Wert dauerhaft über 140 bis 159 und /oder der diastolische über 90 bis 99 mmHg, liegt nach internationaler Definition ein leichter Bluthochdruck beziehungsweise ein Bluthochdruck Grad 1 vor. Eine schwere Hypertonie beginnt bei Werten größer / gleich 180 systolisch und /oder größer / gleich 110 mmHg diastolisch.


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Warum ist hoher Blutdruck gefährlich?

Gefährlich ist ein zu hoher Blutdruck vor allem wegen seiner Folgeerkrankungen. Muss die linke Herzkammer unter Dauerdruck arbeiten, können ihre Wände sich verdicken. Dies kann in eine Herzschwäche münden. Darüber hinaus kann es infolge von zu hohem Blutdruck zur Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) kommen. Dadurch steigt das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Bluthochdruck ist ein wichtiger Risikofaktor für Schlaganfälle.

Problematisch ist ein dauerhaft zu hoher Blutdruck auch für die Nieren und die Augen. Schäden an den Nieren können nicht nur zu einem Nierenversagen führen, sondern sie wirken auch auf den Blutkreislauf zurück. Die vermehrte Ausschüttung von Hormonen lässt den Blutdruck weiter ansteigen – ein Teufelskreis. An den Augen sind Netzhautschäden, die das Sehvermögen beeinträchtigen können, möglich.

Im Gegensatz dazu führt zu niedriger Blutdruck ohne weitere krankhafte Ursache bei gesunden Menschen nicht zu ernsthaften Organ- und Gefäßschäden. Negative Begleiterscheinungen können allerdings Schwindelgefühle und anhaltende Müdigkeit sein. Mitunter kommt es zu Kollapszuständen. Diese können auch Ausdruck eines krankhaft niedrigen Blutdrucks (Hypotonie) sein. Mehr dazu im Ratgeber "Niedriger Blutdruck".

Risikofaktoren für zu hohen Blutdruck

Bluthochdruck kann verschiedene Ursachen haben. "Mögliche Risikofaktoren sind vor allem Stress, Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen und Alkohol", erklärt der Kardiologie Professor Dr. Wolfram Delius. Allerdings gibt es bei allen diesen Faktoren keinen Automatismus. Nicht bei jedem Menschen führt zu wenig Sport zu einem erhöhten Blutdruck. Das gilt auch für Kochsalz, das ebenfalls als blutdrucksteigernd gilt. Bei normalem Blutdruck ist Salz meist kein Problem. "Wer aber zu hohem Blutdruck neigt, bei dem kann zu viel salzen zu einem Anstieg des Blutdrucks beitragen", sagt Delius.

Neben diesen beeinflussbaren Risiken kann Bluthochdruck auch auf genetische Veranlagungen zurückführbar sein. Zudem können bestimmte Organerkrankungen den Blutdruck beeinflussen, beispielsweise eine Erkrankung der Nieren. Man spricht dann von einer sekundären Hypertonie.


Zu hoher Blutdruck ist mit Medikamenten gut behandelbar. Diese kommen je nach den vorliegenden Umständen einzeln oder kombiniert zum Einsatz. Bei einem relativ neuen Therapieverfahren werden Nervenstränge an den Nierenarterien mit Hilfe eines Katheters verödet. Diese Nerven gehören zum Sympathikus und sind an der Steuerung des Blutdrucks beteiligt. Diese Methode wird derzeit genauer überprüft.

Noch bedeutsamer ist aber eine dauerhafte Veränderung des Lebensstils der Patienten. "Am wichtigsten für die Bekämpfung von zu hohem Blutdruck ist eine Gewichtsreduktion", sagt Delius. Das bedeutet: Regelmäßig Sport treiben und die Ernährung auf kalorien- und fettreduzierte Speisen umstellen. Bewährt hat sich die sogenannte Mittelmeerküche: Viel Obst und Gemüse, wenig Fleisch und Geflügel, dafür viel Fisch und pflanzliche Fette.



Bildnachweis: W&B/Jörg Neisel, W&B/Marcel Weber

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