Bein- und Fußbeschwerden

Zahlreiche Probleme können an Beinen und Füßen auftreten – von Hühneraugen über Plattfüße bis hin zu Knochenbrüchen
von Justus Schönemann, aktualisiert am 13.04.2017

Beine und Füße des Menschen werden stark strapaziert. Nicht immer sind Knochen, Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke den Beanspruchungen gewachsen, so dass viele Beschwerden an diesen Extremitäten auf Verschleiß oder Verletzungen beruhen.

Jedoch können an den Beinen und Füßen auch unabhängig von Verschleiß und Gewalteinwirkung Erkrankungen auftreten. Arterien, Venen, Lymphsystem und Muskeln können betroffen sein, Gelenkentzündungen unterschiedlichen Ursprungs auftreten oder Nervenschädigungen (Ischiassyndrom, Bandscheibenvorfall) für Schmerzen, Kribbel- und Taubheitsgefühle sorgen.

Typische Probleme der Füße sind übermäßiges Schwitzen (Schweißfuß), Fußpilz, Hornhautverdickungen (zum Beispiel Hühneraugen), Fehlstellungen der Zehen (zum Beispiel Hammerzehe, Hallux valgus) und krankhafte Verformungen der Fußknochen, die angeboren oder erworben sein können, aber nicht immer Beschwerden machen. Dazu gehören etwa Platt-, Senk-, Hohl-, Knick- und Spreizfuß.

Der folgende Überblick bietet nur eine Auswahl wichtiger Ursachen von Bein- und Fußproblemen. Er ist nicht vollständig und darf nicht als Anleitung zur Selbstdiagnose verstanden werden. Die Diagnose kann nur der Arzt stellen.

Von den Gelenken ausgehende Bein- und Fußbeschwerden

Verstauchung: Bei einer Verstauchung (Distorsion) – besonders häufig infolge eines Umknickens des Fußes – werden die Kapselbänder des Gelenks überdehnt, meist so sehr, dass sie zerreißen. Es kommt zu Blutaustritten ins Gelenk.

Knochenbrüche: Treten nach einer Gewalteinwirkung (Unfall, Sturz) Schmerzen im Bein auf, muss immer an einen Bruch gedacht werden, auch wenn er – was bei einem geschlossenen Bruch vorkommen kann – nicht gleich erkennbar ist. Die häufigste Bruchverletzung der unteren Gliedmaßen ist der Sprungelenkbruch, aber auch Unterschenkelbrüche (Schien- und Wadenbein) sind relativ oft betroffen. Oberschenkel- und Oberschenkelhalsbruch sind typische Bruchverletzungen älterer Menschen, weil diese aufgrund von Gangunsicherheiten ein erhöhtes Sturzrisiko haben.

Bänder- und Sehnenprobleme: Probleme an Bändern und Sehnen sind meist Folge von Überlastung oder Gewalteinwirkung. So können beispielsweise an den Knien, am Sprunggelenk und der Achillessehne Entzündungen auftreten, die bei jeder Bewegung Schmerzen verursachen. Spürt man nach einem Sturz, Tritt oder Schlag Schmerzen, können dafür eine Sehnenzerrung, ein Sehnenriss, eine Bänderzerrung oder ein Bänderriss verantwortlich sein.

Gelenkentzündung (Arthritis): Akute oder chronische Entzündung von Gelenken, die verschiedenste Ursachen haben kann. Grob unterscheiden lassen sich

- die rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis), bei der sich meist mehrere Gelenke aufgrund einer Autoimmunreaktion entzünden;

- die bakterielle Arthritis, bei der Krankheitserreger in die Gelenkhöhle gelangen, beispielsweise durch eine Punktion oder eine Verletzung;

- die reaktive Arthritis, die im Gefolge einer bakteriellen Infektion im Magen und Darm oder an den Harnwegen und Geschlechtsorganen auftreten kann.

Eine Sonderform der Arthritis ist die Gicht. Es handelt sich dabei um eine Stoffwechselstörung, bei der sich Harnsäurekristalle in den Gelenken ansammeln und – vor allem nachts – plötzliche und äußerst schmerzhafte Gichtanfälle hervorrufen. Das Großzehengelenk ist meisten zuerst betroffen.

Gelenkverschleiß (Arthrose): Besonders häufig sind Hüft- und Kniegelenke von Gelenkverschleiß betroffen. Während die Schmerzen bei einer Kniearthrose in der Regel auf das Gelenk beschränkt bleiben, strahlen sie bei einer Hüftarthrose oft auch in den Leisten- und Gesäßbereich, den Oberschenkel und sogar ins Knie aus.

Von den Muskeln ausgehende Bein- und Fußbeschwerden

Muskelschmerzen (Myalgien) in Ober- und Unterschenkel können verschiedenste Ursachen haben. Sehr oft stecken Muskelverspannungen (Myogelosen) oder Muskelverletzungen dahinter (Muskelkater, Muskelprellung, -zerrung, -riss, Muskelfaserriss), seltener Skeletterkrankungen, Muskelerkrankungen, Gelenkprobleme oder neurologische Leiden.

Vor allem ein Problem älterer Menschen sind (nächtliche) Wadenkrämpfe.

Ein Hexenschuss (Lumbago/Lumbalsyndrom) ist häufig Folge einer verspannten Rückenmuskulatur. Typisch ist der plötzlich in den Rücken einschießende Schmerz, zum Beispiel beim Bücken oder wenn etwas Schweres gehoben wird. Meistens bleiben die Schmerzen auf die Kreuz- und Lendenregion begrenzt, sie können aber auch in Gesäß und Oberschenkel und sogar bis ins Knie ausstrahlen.

Von den Nerven ausgehende Bein- und Fußbeschwerden

Ischiassyndrom: Durch eine Reizung des Ischiasnervs entstehender Schmerz, der vorwiegend in der Lendengegend auftritt, aber meist auch ins Bein ausstrahlt. Ursache sind häufig Verschleißerscheinungen an Bandscheiben oder Wirbelkörpern, seltener Entzündungen oder Schädigungen des Ischiasnervs durch andere Grunderkrankungen (zum Beispiel Rheuma).

Bandscheibenvorfall (Prolaps/Discusprolaps): Er entsteht, wenn der elastische Gallertkern einer gerissenen Bandscheibe aus dem Faserring austritt. Passiert dies im Bereich der Lendenwirbelsäule und drückt der Kern auf Nervenwurzeln, die dort aus dem Rückenmark austreten, werden dadurch Schmerzen ausgelöst, die typischerweise über Gesäß und Oberschenkel bis in die Kniekehle und den Fuß ausstrahlen. Zusätzlich können Kribbeln und Taubheitsgefühle auftreten bis hin zu Lähmungserscheinungen. Diese Symptome können auch dann schon eintreten, wenn der Faserring der Bandscheibe noch nicht gerissen ist, sondern nur eine Bandscheibenvorwölbung (Protrusion) vorliegt.

Polyneuropathie: Schädigung von Nerven des peripheren Nervensystems, in der Regel als Folge oder Symptom anderer Erkrankungen (zum Beispiel Diabetes mellitus, Diphtherie, Borreliose, Krebserkrankungen). In den Körperregionen, die durch den geschädigten Nerv versorgt werden, treten bei der Polyneuropathie Empfindungs- und Funktionsstörungen auf.

Restless legs: Neurologische Erkrankung, bei der die Beine – insbesondere in Ruhe und nachts – kribbeln, schmerzen und zucken. Mehr erfahren Sie im Beitrag Restless Legs Syndrom.

Von den Gefäßen ausgehende Bein- und Fußbeschwerden

Durchblutungsstörungen: Durchblutungsstörungen in den Beinen treten vorwiegend dann auf, wenn die Blutgefäße durch eine Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) verengt sind. Zunächst müssen sich noch keine Beschwerden zeigen, im Laufe der Zeit kann sich jedoch eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) entwickeln, bei der es zunächst unter Belastung, später auch in Ruhe zu Beinschmerzen kommt. Endstadium der PAVK ist das sogenannte Raucherbein, bei dem aufgrund der Mangeldurchblutung auch Gewebe zugrunde geht (Nekrose).

Bei einer Thrombose verschließt ein Blutgerinnsel (Thrombus) ein Blutgefäß und verursacht so eine akute Durchblutungsstörung. Am häufigsten kommen Thrombosen in den Bein- und Beckenvenen vor (oberflächliche und tiefe Beinvenenthrombose, Beckenvenenthrombose).

Das Raynaud-Syndrom ist eine Durchblutungsstörung, die vorwiegend die Hände betrifft, aber sich auch an den Füßen bemerkbar machen kann. Es handelt sich um eine spontane – und schmerzhafte – Gefäß(über)reaktion beim Wechsel von warm auf kalt. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag: Kalte Füße.

Krampfadern: Krampfadern (Varikose) sind nicht nur ein Schönheitsfehler, sondern häufig Ausgangspunkt für verschiedene Venenerkrankungen und andere Beinbeschwerden. Zu nennen sind hier vor allem die Venenentzündung (Varikophlebitis) eventuell mit Thrombenbildung (Thrombophlebitis), chronische Schwellungen (Ödeme), Hautveränderungen, Unterschenkelgeschwür (offenes Bein/Ulcus cruris), Venenversagen (chronisch-venöse Insuffizienz) sowie das postthrombotische Syndrom.

Sonstige mögliche Ursachen für Bein- und Fußbeschwerden

Hautkrankheiten, Knochenentzündung, Knochenschwund (Osteoporose), Knochenkrebs, Wundrose (Erysipel; eine bakterielle Hautentzündung, bevorzugt am Unterschenkel), Lymphödem (Schwellung der Haut und Unterhaut durch verminderte Funktion der Lymphgefäße, zum Beispiel infolge von Operationen, Entzündungen, Tumoren).

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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