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Was tun bei Verbrennungen?

Geringfügige Verbrennungen können Sie selbst versorgen. Bei schwereren Brandverletzungen ist ein Arztbesuch unbedingt erforderlich – oder sogar der Notarzt gefragt

Erste Hilfe bei Kindern

Verbrennungen: Gerade im Haushalt passiert schnell ein Unglück

Ein Fondue mit Freunden ist lecker und macht Spaß. Gefährlich wird’s, wenn Fett in die Flamme tropft. „Wer jetzt mit Wasser löschen will, versursacht eine Verpuffung mit schlimmen Verbrennungsfolgen“, warnt Professor Dr. Peter Sefrin, Bundesarzt beim Deutschen Roten Kreuz. Im Sommer häufen sich Unglücksfälle beim Grillen. Auslöser sind oft Brandbeschleuniger. Im Haushalt lauern besonders viele Gefahren – vor allem der Nachwuchs zieht gefährliche Situationen geradezu magisch an. „Typisch sind Unfälle, bei denen Kinder Gefäße mit heißem Inhalt vom Tisch ziehen“, sagt Sefrin. Im Verhältnis zur Körperoberfläche der Kleinen kann schon eine Tasse Kaffee gefährliche Verbrühungen anrichten.


Kühlen – aber richtig und in Maßen

Ist das Unglück passiert, hieß es früher immer gleich: kühlen, kühlen, kühlen. Das sehen Experten heute etwas anders. „Bei großflächigen Verbrennungen etwa am Bauch oder Rücken schadet Kühlen mehr, als es hilft. Es drohen Unterkühlungen, deren Folgen noch schlimmer sind als die der Verbrennung“, erklärt Sefrin. Bei kleineren Verletzungen reduziert die Kälte lediglich die Schmerzen. „Ein 'Nachbrennen' gibt es nicht“, klärt der Experte auf. „Der Gewebeschaden ist zu Ende, sobald die Hitzeeinwirkung vorbei ist.“

Wichtig ist also, es mit der Kälte nicht zu übertreiben: Leitungswasser mit einer Temperatur von 15 bis 20 Grad ist zum Kühlen optimal. Kleinflächige Brandwunden damit kurzfristig kühlen, maximal etwa zehn Minuten. Bei kleinen Kindern ist besondere Vorsicht vor Unterkühlung geboten. Bei großflächigen Verbrennungen besser nicht eigenständig kühlen, sondern so rasch wie möglich den Notarzt verständigen. Ist eine heiße Flüssigkeit im Spiel gewesen, die auch Kleidungsstücke durchtränkt hat, entfernen Sie die Textilien vor dem Kühlen vorsichtig von der Haut. Aber Achtung: Kleben die Kleidungsstücke an der Haut fest, müssen Sie sie dort belassen.

Finger weg von Hausmitteln bei Verbrennungen

Die Brandwunden dann mit keimfreien Auflagen abdecken. Ein entsprechendes Verbandtuch aus dem Erste-Hilfe-Kasten ist dazu ideal. Finger weg von diversen Hausmittelchen. Sie verschlimmern die Verletzung nur. Selbst wenn die Verbrennung auf den ersten Blick harmlos aussieht, ist es oft besser, den Arzt darauf schauen zu lassen. Dies gilt vor allem dann, wenn Kinder oder Senioren betroffen sind.

Grundsätzlich immer sollten Sie einen Arzt aufsuchen, wenn:

  • großflächige Verbrennungen vorliegen.
  • der Betroffene keine Schmerzen an der verbrannten Stelle wahrnimmt.
  • der Betroffene möglicherweise Rauch eingeatmet hat.
  • besonders empfindliche Körperteile wie das Gesicht, die Hände, die Füße, Bereiche über großen Gelenken oder Genitalien betroffen sind.

Bei Blasenbildung kann der Arzt helfen, Verbrennungen vom Grad 2a von Grad 2b zu unterscheiden (siehe unten). Bei Verbrennungen vom Grad 2b können chirurgische Maßnahmen notwendig sein, um die Wunde fachgerecht zu versorgen und Komplikationen vorzubeugen.

Verbrennungen von Grad 1 bis Grad 4

Wie stark der Schaden ist, den die Haut genommen hat, drücken Mediziner in Graden aus. Bei Verbrennungen vom Grad 1 ist die Haut gerötet und schmerzt. Ein Beispiel ist ein gewöhnlicher Sonnenbrand. Bei kleinflächigen, leicht schmerzhaften Sonnenbrand-Rötungen reicht meist eine Behandlung mit kühlender Salbe und Après-Sun-Präparaten. Bessern sich die Beschwerden nicht oder sind größere Hautflächen betroffen, ist ein Arztbesuch angebracht, ebenso bei Blasenbildung.

Experten unterscheiden bei Verbrennungen zweiten Grades zwischen Grad 2a und 2b. Alle Verbrennungen vom Grad 2 gehen mit Brandblasen einher. Hier gilt: Bloß nicht öffnen. Es drohen Infektionen. Bei Grad 2a ist nur die Hautoberfläche geschädigt. Das Erkennungsmerkmal ist der rote Blasengrund. Die betroffenen Hautbereiche tun bei Berührung weh. Bei Grad 2b ist nicht nur die Hautoberfläche verletzt, sondern auch darunter liegende Schichten. Der Blasengrund ist weißlich. Eine ärztliche Behandlung ist notwendig, um Narbenbildung und Komplikationen zu verhindern. Auch eine Hauttransplantation kann erforderlich sein. Noch tiefer gehen die Schädigungen bei Verbrennungen vom Grad 3. Zu erkennen sind sie an weißen Hautstückchen, die sich ablösen. Die verletzten Hautregionen sind schmerzfrei. Bei Verbrennungen vom Grad 4 hinterlässt die Hitzeeinwirkung verkohlte Haut und tiefreichende Gewebeschädigungen.

Die Handflächenregel für Verbrennungen

Um die Schwere von Verbrennungen abzuschätzen, kommt es neben dem Verbrennungsgrad auch darauf an, wie viel Körperoberfläche geschädigt ist. Als Faustformel gilt: Die Handinnenfläche mit Fingern des Patienten entspricht einem Prozent der Körperoberfläche. Gerade Verbrennungen höheren Grades und solche, die große Teile der Körperoberfläche betreffen, führen zu einem deutlichen Flüssigkeitsverlust. Die Folgen davon können dramatisch sein. „Es drohen Blutdruckabfall, Nierenschädigungen und letztlich ein Multi-Organversagen. Es besteht Lebensgefahr“, weiß Dr. Bernd Hartmann, Chefarzt am Zentrum für Schwerbrandverletzte mit Plastischer Chirurgie am Unfallkrankenhaus Berlin. Der Notarzt wird solche Patienten daher mit Flüssigkeitsinfusionen versorgen.

Narben müssen nicht immer sein

Selbst kleine Bagatellverbrennungen können unschöne Narben hinterlassen. Vor allem dann, wenn sie schlecht heilen oder an ungünstigen Stellen liegen, etwa an Gelenken. Patienten mit größeren Brandverletzungen brauchen oft eine psychologische Betreuung, um den Unfall und dessen Folgen zu verarbeiten. Oft plagen sie Ängste, für immer entstellt zu sein. „Bei einer optimalen und rechtzeitigen Behandlung lässt sich bei vielen Verbrennungen der Narbenbildung vorbeugen“, macht Experte Hartmann Mut. Die Techniken in Verbrennungszentren sind so ausgereift, dass auch schlimme Verbrennungsunfälle verhältnismäßig wenig Spuren hinterlassen können. Die Patienten müssen sich aber zum Teil auf eine aufwendige, jahrelange Behandlung mit Operationen und Hauttransplantationen einstellen. Und auch Menschen mit alten, schlecht verheilten Brandwunden müssen nicht unbedingt den Rest ihres Lebens unter den Narben leiden: Manchmal können spezialisierte Zentren auch hier noch gute Verbesserungen erreichen.




Bildnachweis: W&B/Christine Beckmann

Nicole Schuster / www.apotheken-umschau.de; 01.11.2012, aktualisiert am 15.07.2013
Bildnachweis: W&B/Christine Beckmann

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