Wie ungesund ist Limonade wirklich?

Gezuckerte Cola-Getränke gelten als Dickmacher, Light-Limonaden als ungesund, manche Inhaltsstoffe von Softdrinks sollen gefährlich sein. Was dran ist an solchen Behauptungen

von Dr. Martina Melzer, 22.07.2014

Süße Versuchung: Eine eiskalte Cola schmeckt gut, enthält aber ziemlich viel Zucker

iStock/Lev Dolgatshjov

Neun Würfel Zucker stecken in einem Glas Cola (0,25 Liter). Wer gleich einen ganzen Liter davon trinkt, hat etwa 36 Stück Würfelzucker intus. Es fallen pro Liter gut 420 Kilokalorien an. Kein Wunder, dass Ernährungsfachleute von solchen Getränken abraten.

Zuckerhaltige Softdrinks – schlecht für die Figur

"Wer regelmäßig gezuckerte Getränke zu sich nimmt, legt eher an Gewicht zu", sagt Professor Matthias Schulze, Ernährungswissenschaftler am Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam-Rehbrücke. Übergewicht erhöht das Risiko für einige der bedeutendsten Volkskrankheiten unserer Zeit: Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten.


"Durch zuckerhaltige Softdrinks schnellt zudem der Blutzuckerspiegel rasch in die Höhe", erklärt die Biologin Dr. Gisela Olias, die am selben Institut wie Schulze arbeitet. Dies gelte besonders, wenn solche Limonaden unabhängig von einer Mahlzeit getrunken werden. Eine Studie der Potsdamer Wissenschaftler hat gezeigt: Schwankt der Blutzuckerspiegel stark, schadet dies langfristig wohl den Insulin-bildenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. "Wer seinen Durst täglich mit gezuckerten Getränken löscht, hat auch deshalb ein deutlich erhöhtes Risiko für Diabetes mellitus", warnt Schulze.

Auch die Zähne leiden. Bakterien, die im Mund leben, ernähren sich vom Zucker und vermehren sich. Ihre Ausscheidungsprodukte greifen den Zahnschmelz an und können so Karies begünstigen. Den gleichen Effekt auf die Zähne haben Säuren – zum Beispiel Zitronensäure – die in vielen Softdrinks vorkommen.

Wichtig: Nicht nur in Cola-Getränken, süßen Limonaden und Fruchtnektaren ist oft reichlich Zucker. Auch in Saft-Schorlen, Obstsäften, Joghurt-Drinks und Cappuccino-Pulvern können erstaunlich große Mengen stecken. "Ein Liter Apfelsaftschorle kann zum Beispiel bis zu 20 Würfel Zucker enthalten", sagt Olias. Allerdings stammt der Zucker in Obstsäften und -schorlen oft aus den Früchten selbst und wird nicht extra zugesetzt.

Sind Light-Getränke eine Alternative?

Diät-Limonaden enthalten deutlich weniger oder teilweise so gut wie gar keine Kalorien, da Süßstoffe den Zucker ersetzen. "Wer auf Cola-Getränke nicht verzichten mag, sollte wenigstens ein Light-Produkt wählen", empfiehlt Schulze. Allerdings geraten die künstlichen Süßungsmittel immer wieder in Verruf. Sie könnten dick machen, sie würden Herz und Kreislauf schaden und seien sogar krebserregend. Einige Studien weisen auf solche Zusammenhänge hin. Doch "ein klarer wissenschaftlicher Beleg fehlt bislang dafür", sagt der Ernährungswissenschaftler.

Koffein, Chinin, Phosphat – sind diese Stoffe bedenklich?

Koffein: Einige Erfrischungsgetränke enthalten Koffein. Wer den Wachmacher in sehr großer Menge oder in sehr konzentrierter Form einnimmt – zum Beispiel als Tablette – kann durchaus gesundheitliche Probleme bekommen. Die Menge Koffein, die üblicherweise in einer Tasse Kaffee oder einer Portion eines normalen Cola-Getränks vorkommt, gilt jedoch für gesunde Erwachsene als unbedenklich. Schwangere, besonders sensible Personen und Kinder sollten trotzdem zurückhaltend sein, um nicht zu viel Koffein zu sich zu nehmen.

Chinin: Wer zu viel Chinin aufnimmt, kann unter anderem mit Kopfschmerzen, Brechreiz und Sehstörungen reagieren. Diese Nebenwirkungen spielen vor allem eine Rolle, wenn Chinin als hochdosiertes Arzneimittel eingenommen wird – etwa gegen Wadenkrämpfe. Trotzdem: "Schwangere sollten auf chininhaltige Getränke verzichten, da der Stoff die Wehen fördern kann", sagt Olias. Wer an chronischen Krankheiten wie zum Beispiel Ohrenproblemen oder Herzrhythmusstörungen leidet, sollte sicherheitshalber mit dem Arzt klären, ob Chinin für ihn problematisch ist. Wer bestimmte Medikamente, wie zum Beispiel Gerinnungshemmer einnimmt, sollte sich ebenfalls beim Arzt oder Apotheker über mögliche Wechselwirkungen informieren.

Phosphat: In Cola-Getränken und anderen Softdrinks kommt teilweise Phosphat vor. Der Körper benötigt das Mineral für zahlreiche Vorgänge in den Zellen. "Befindet sich jedoch zu viel Phosphat im Körper, fördert es den Knochenabbau", erklärt Schulze. Gerade freies Phosphat als Nahrungsmittelzusatzstoff gelangt sehr effektiv in den Organismus. Besonders Patienten mit Nierenschwäche sollten darauf achten, nicht zu viel davon zu sich zu nehmen.

Sind Vitaminzusätze in Softdrinks sinnvoll?

Softdrinks werden teilweise mit Vitaminen angereichert. Ein Beispiel sind ACE-Getränke, welche Provitamin A, Vitamin C und E enthalten. "Sie sind normalerweise nicht nötig, um den täglichen Bedarf zu decken, wenn sich ein Mensch ausgewogen ernährt", erläutert Schulze. Außerdem legen Studien nahe, dass sich ein übermäßiger Genuss von ACE-Säften auch negativ auf die Gesundheit auswirken kann. 

Fazit: Wer täglich gezuckerte Limonaden trinkt, um seinen Durst zu löschen, kann auf Dauer seiner Gesundheit schaden. Wenn Sie auf Cola-Getränke nicht verzichten möchten, kommen Lightprodukte als Alternative durchaus infrage. "Softdrinks liefern dem Körper jedoch weder wichtige Nährstoffe, noch löschen sie den Durst besser als Wasser", sagt Schulze. Trinken Sie lieber – zum Beispiel zum Frühstück – ein Glas naturbelassenen Fruchtsaft, der neben Vitaminen auch Mineralien und Ballaststoffe enthält. Da in Obstsäften ziemlich viel Fruchtzucker steckt, sind Wasser oder verdünnte Saftschorlen (ein Viertel Saft, drei Viertel Wasser) die besten Durstlöscher für tagsüber.



Bildnachweis: iStock/Lev Dolgatshjov

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