Nordic Diet: Was kann die nordische Diät?

Nicht nur mediterranes Essen ist gesund. Forscher untersuchen, wie gute Ernährung auch weiter nördlich klappt – mit regionalen Zutaten wie Beeren, Lachs, Rapsöl und Nüssen

von Julia Rudorf, aktualisiert am 09.01.2017

Essen wie in Skandinavien: Zur Nordic Diet gehören auch einige Beerensorten

Thinkstock/istock

Wo kommt das gesündeste Essen auf den Teller? Lange Zeit fiel Ernährungswissenschaftlern da nur eine Gegend ein: das Mittelmeer. Zahlreiche Studien zeigten, dass die Küche Ita­liens, Spaniens oder Griechenlands nicht nur lecker, sondern auch noch gesund ist. Wer sich mit mediterraner Kost ernährt, senkt sein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes oder Krebs. Die wichtigsten Bestandteile des Speiseplans: viel frisches Obst und Gemüse, Getreide, Olivenöl, Nüsse, Fisch und Hülsenfrüchte – aber nur wenig tierische Fette, rotes Fleisch oder Wurst.

Wissenschaft und Medizin loben die Mittelmeerkost, auf allen Tellern landet sie trotzdem nicht – nicht einmal in Italien oder Spanien. Der Grund sind zum einen globalisierte Ess­gewohnheiten. Auch rund ums Mittelmeer essen viele lieber Fritten als Fenchel und Fisch. Doch vieles von dem, was als gesund gilt, ist im Süden Europas zumindest ein fester Teil der traditionellen Küche – und damit der Ernährungsgewohnheiten. Etwa das Olivenöl: Ein paar Tropfen davon landen in fast jedem Gericht.

Nordic Diet: Abwandlung der Mittelmeerkost

"Wenn man aber nicht am Mittelmeer groß wurde und dort lebt, ist es nicht so einfach, diese Kost konsequent durchzuhalten", sagt die Biochemikerin Liselotte Cloetens von der Universität Lund in Schweden. Sie arbeitete deshalb gemeinsam mit Forschern aus Island, Schweden, Dänemark, Finnland und Norwegen an einer nordischen Variante der Mittelmeerkost, der "Nordic Diet".


"Sie orientiert sich an der Mittelmeerkost, legt aber Wert auf regional typische Lebensmittel", erklärt Cloetens. Die Studienteilnehmer durften verspeisen, was von Dänemark bis Finnland zur traditionellen Ernährung gehört: viele Beeren, Wur­zelgemüse, Vollkornprodukte, auch aus Roggen, dazu Lachs und Rapsöl. Auf Butter, rotes Fleisch und Weißmehlprodukte sollten sie dagegen möglichst verzichten.

Positive Wirkung auf Blutfette und Entzündungswerte

Auf die Gesundheit wirkt sich die Ernährungsumstellung positiv aus. So untersuchte die Forschergruppe 166 Erwachsene, die an einem metabolischen Syndrom erkrankt waren, einer Kombina­tion aus Übergewicht und erhöhten Blutfett-, Blutdruck- und Blutzuckerwerten, die als Vorstufe etwa von Diabetes oder Arteriosklerose gilt. Während ein Teil der Patienten sich ein halbes Jahr lang mit landesüblicher Durchschnittskost ernährte, orientierten sich die anderen an den Richtlinien der Nordic Diet. Kalo­rien zählen musste niemand.


Nach sechs Monaten hatten sich bei den Mitgliedern der Nordic-Diet-Gruppe die Blutfett- und bestimmte Entzündungswerte verbessert. "Das deutet darauf hin, dass sich langfristig das Risiko für Typ-2-Diabetes durch diese Ernährung senken lässt", sagt Cloetens. Bei der  Analyse von Blutproben der Nordic-Diet-Gruppe stellten die Wissenschaftler außerdem fest, dass sich die Aktivität an bestimmten Genen, die mit dem Immunsystem in Verbindung gebracht werden, veränderte. "Darin sehen wir einen weiteren Hinweis, dass diese Ernährungsform den Fettstoffwechsel positiv beeinflusst", sagt die Ökotrophologin Lena Leder, die an der Uni Oslo zur Nordic Diet forscht.

Abnehmen mit angepasster Mittelmeerdiät

Ob sich der mediterrane Speiseplan auch an deutsche Essgewohnheiten anpassen lässt, haben Wissenschaftler am Institut für Ernährungspsycho­logie an der Universitätsmedizin Göttingen untersucht.

Sie wollten herausfinden, ob sich die Kost zum Abnehmen eignet, und beschränkten sie in der Diät-Gruppe auf täglich 1300 Kilokalorien. Vor allem bei der Auswahl von Fetten und Ölen gab es Änderungen im Vergleich zur Mittelmeerdiät. Statt Oliven- sollte Rapsöl verwendet werden, auch eines mit Buttergeschmack. Und anstelle von Mandeln, Haselnüssen und Pinienkernen kamen Walnüsse auf den Tisch – wegen der Omega-3-Fettsäuren.

Vermutlich gesünder als normale Kost

Das Ergebnis der Göttinger Untersuchung: Tatsächlich verloren die Teilnehmer mit der eingedeutschten Mittelmeerkost in zwölf Wochen jeweils rund fünf Kilogramm. Die Blutfettwerte verbesserten sich ebenfalls. Institutsleiter und Ernährungspsychologe Dr. Thomas Ellrott: "Mit großer Wahrscheinlichkeit ist diese veränderte Mittelmeerkost die gesündere Alternative zur Normalkost der Durchschnittsbevölkerung."

Isst es sich nordisch also genauso gesund wie klassisch mediterran? "Da müssen wir leider antworten: Wir wissen es nicht", sagt Lena Leder. Eine wissenschaftliche Studie, die beide Ernährungsformen mitein­ander vergleicht, steht noch aus.



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