Ein schöner Topf voller köstlicher Miesmuscheln. Verfeinert mit landestypischen Gewürzen, serviert einfach pur im salzigen Sud. Dazu ein zartes Weißbrot. Wer kann da schon widerstehen? Vor allem im Sommerurlaub am Meer gehört diese Delikatesse für viele Feriengäste einfach dazu.
Und wenn man schon direkt an der Quelle, dem Meer, urlaubt, dann kann doch sicherlich auch gar nichts passieren oder? "Naja, Muscheln können immer noch verschiedene Krankheiten übertragen", warnt Professor Hans Dieter Nothdurft, Oberarzt der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Zum einen kann man sich beim Verzehr mit Hepatitis-A-Viren infizieren. "Die Krankheitserreger gelangen über schlecht geklärte Abwässer in die Meere", erklärt Nothdurft. Die Muscheln filtern das Wasser und haben die Eigenart, die Viren in ihrem Organismus anzureichern.
Da die Speise oft nur leicht gedünstet oder halb gegart auf den Tisch kommt, überleben viele Viren die Zubereitung. "Nur ausreichend lange, und bei mindestens 60 Grad Celsius gekocht, sterben die Viren ab", so der Tropenmediziner. Die Krankheitserreger lösen beim Menschen eine akute Hepatitis aus, gemeinhin bekannt als "Gelbsucht". Die möglichen Symptome reichen von Fieber, Übelkeit, Durchfall, Schwindel, bis zur Dunkelfärbung des Urins und Gelbfärbung der Haut.
Eine weitere Gefahr stellt eine Infektion mit E.Coli Bakterien dar. Wenn die Muscheln zu lange aufbewahrt werden, dann können sich diese Krankheitserreger wunderbar vermehren und eine böse Magen-Darm-Grippe auslösen. "Das läuft dann genauso ab, wie bei einer Fischvergiftung", so Nothdurft.
Viele kennen sicherlich noch die Regel: Muscheln darf man nur in Monaten essen, in denen ein "r" vorkommt. Das ist nämlich die kalte Jahreszeit, die Waren können nicht so schnell verderben. Gilt die alte Fischer-Weisheit heute noch? "Nein, denn die Kühlkette ist mittlerweile sicher genug. Und die meisten Muscheln, die auf dem Tisch landen, stammen sowieso aus einer Züchtung", weiß unser Experte. Sicher vor Hepatitis ist man aber auch mit den neuen Kühlanlagen nicht. Und auch in Zuchtbänken können Viren die Muscheln infizieren.
"Menschen, die gerne Meeresfrüchte essen, sollten sich auf jeden Fall gegen Hepatitis-A impfen lassen", rät Nothdurft. Denn leider kann man die infektiösen Muscheln äußerlich weder erkennen, noch riechen sie anders als ihre harmlosen Artgenossen. Auf Grund der diversen Risiken gehören Muscheln hierzulande mittlerweile zwar zu den am besten kontrollierten Lebensmitteln, aber sicher ist sicher.
Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de;
11.08.2010, aktualisiert am 10.10.2011
Bildnachweis: Fotolia/Dalmatin/2010
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