Ist Tee wirklich gesund?

Tee ist beliebt. Aber hat er sein gesundes Image auch verdient? Was Sie wissen sollten
von Dr. Christine Pander, aktualisiert am 27.04.2017

Auszeit: Viele schwören auf die tägliche Tasse Tee

F1online/Reality

Manche kann man damit jagen, andere lieben ihn: 28 Liter Tee hat jeder Deutsche nach Angaben des deutschen Teeverbandes im Jahr 2015 durchschnittlich getrunken. 70 Prozent davon wurden als schwarzer und 30 Prozent als grüner Tee aufgebrüht. Kräuter- und Früchtetees sind dabei noch nicht einmal berücksichtigt, denn streng genommen sind das keine Tees, sondern nach gesetzlicher Definition "teeähnliche Erzeugnisse". Ihnen fehlt in der Regel die anregende Wirkung des Koffeins. "Echter" Tee, egal ob schwarz oder grün, stammt vom selben Teestrauch Camellia sinensis. Welche Sorte daraus wird, entscheidet der Herstellungsprozess. 

Gesundheitseffekt aus dem Tee

Egal ob "echter Tee"oder teeähnliches Getränk: Tee verbreitet Gemütlichkeit und tut gut – vor allem in der kalten Jahreszeit. "Und Tee ist ein kalorienfreies Getränk, wenn er nicht mit Zucker gesüßt wird", sagt Sabine Ellinger, Professorin für Ernährungswissenschaften an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach.


Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt gesunden Erwachsenen, täglich etwa 1,5 Liter Flüssigkeit durch Getränke zu sich zu nehmen. Die benötigte Menge kann bei Hitze, Fieber, Durchfall oder Ausdauersport auch höher liegen. "Ungezuckerte Kräuter- und Früchtetees sind neben Mineralwasser eine gute Alternative, um den Körper mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen", sagt Sabine Ellinger.

Möglicherweise kann Tee aber auch noch viel mehr: Es gibt Hinweise darauf, dass beispielsweise der regelmäßige Konsum von grünem Tee das Risiko für Krebs, Demenz oder Herz-Kreislauferkrankungen senken könnte. Forscher vermuten, dass die darin enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe, und zwar die sogenannten Polyphenole, zu denen auch die Flavonoide gehören, dabei eine wichtige Rolle spielen.

Wie gesund ist grüner Tee?

Dr. Mario Lorenz, Molekularbiologe am Kardiologischen Forschungslabor der Berliner Charité, forscht speziell zur Wirkung von grünem Tee. "Der grüne Tee enthält eine sehr hohe Anzahl an unterschiedlichen sekundären Pflanzenstoffen, die im Körper eine positive Wirkung auslösen", sagt Lorenz. Das Trinken von einem halben Liter starkem grünem Tee führte seiner Studie zufolge dazu, dass die Blutgefäße der Versuchsteilnehmer elastischer und flexibler reagierten. 

"Wir konnten in dieser Studie nur zeigen, dass der Tee in der Lage ist, kurzzeitig eine Gefäßerweiterung zu erzeugen", sagt Lorenz. Möglicherweise könnte das einen positiven Einfluss auf das Herzinfarktrisiko nehmen. Noch ist das aber nicht sicher. Andere Studien kamen zu dem Ergebnis, dass grüner Tee den Blutdruck und das LDL-Cholesterin senken kann. Von zugespitzten Aussagen mancher Gesundheitsexperten, dass Konsumenten von grünem Tee gesünder sind und länger leben, hält Lorenz allerdings wenig. "Wer grünen Tee trinkt, hat meist auch einen sehr gesunden Lebensstil", sagt der Forscher.

Die Ernährungswissenschaftlerin Sabine Ellinger hat sich im Jahr 2011 auch mit grünem Tee beschäftigt: Für eine große Übersichtsarbeit wertete sie mit ihrem Team mehr als 30 Studien zum Einfluss von Grünteekonsum auf antioxidative Wirkungen aus. Das Fazit: Wer regelmäßig 0,6 bis 1,5 Liter grünen Tee am Tag trinkt, kann möglicherweise seinen antioxidativen Schutz verbessern. Dies könnte wiederum dazu beitragen, das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und einige Krebserkrankungen zu senken.

Kräutertees und das Schadstoff-Problem

Wenig Positives förderte dagegen eine Stichprobe des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) im Sommer 2013 bei verschiedenen Kräutertees zu Tage: Die Experten schlugen damals Alarm, weil sie unter anderem unerwartet hohe Dosen an Pyrrolizidinalkaloiden (PA) festgestellt hatten.

Diese PAs sind Pflanzeninhaltsstoffe, die von den Pflanzen unter anderem zur Abwehr von Fressfeinden gebildet werden. Sie können gesundheitliche Auswirkungen auf den Menschen haben und zum Beispiel in hoher Dosierung zu Leberschäden führen. Im Tierversuch wurden unter anderem krebserregende Effekte der PA nachgewiesen. Woher die PA im Tee überhaupt kommen, ist nicht ganz klar: Die Experten vermuten, dass Unkräuter wie Kreuzkraut, Natternkopf oder Greiskraut während der Ernte unbeabsichtigt zwischen die anderen Kräuter geraten waren. Diese Unkräuter bilden dem BfR zufolge die unerwünschten PA. Untersucht hatten die Experten des BfR hauptsächlich Babyfencheltee, Fencheltee, Kamillentee, Kräutertee, Pfefferminztee, Brennesseltee und Melissentee. Ihr anschließender Rat: Kindern zur Deckung ihres Flüssigkeitsbedarfs nicht ausschließlich Kräutertees oder andere Tees anbieten.

Auch Schwangere und Stillende sollten Tees grundsätzlich mit anderen Getränken abwechseln. Welche Tees für sie geeignet sind, besprechen sie am besten mit Arzt oder Apotheker. Ist im Tee beispielsweise Süßholzwurzel enthalten, sollten Schwangere nicht zu viel davon aufnehmen, da hohe Dosierungen vermutlich das Risiko für eine Frühgeburt steigern können. Bei Säuglingen und Kleinkindern gilt ebenfalls: Wählen Sie ausschließlich Teesorten und -zubereitungen, die geeignet sind.

Keine guten Nachrichten für Teetrinker hatte dann auch die Stiftung Warentest im Jahr 2015: In allen 27 überprüften Darjeeling- und Ceylon-Assam-Tees waren verschiedene Schadstoffe enthalten; teils in geringen, teils in erheblichen Dosen. In einer Stellungnahme schrieb das BfR daraufhin, dass akute Gesundheitsschädigungen durch eine vereinzelt hohe Zufuhr unwahrscheinlich seien. Gefährlich kann es eventuell werden, wenn jemand über einen längeren Zeitraum große Mengen des belasteten Tees zu sich nimmt. Gabriele Kaufmann vom aid Infodienst für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat einen Tipp für alle Teekonsumenten: "Wechseln Sie die Teesorten und Hersteller regelmäßig, dann besteht auch kein Risiko einer durch den Teekonsum erhöhten PA-Zufuhr."

Für mehr Sicherheit: die richtige Tee-Zubereitung

Die Japaner, Engländer und Chinesen machen es vor: Sie zelebrieren ihre Tee-Zeit. Es gibt sogar eine ISO Norm, wie man Tee perfekt zubereitet. Sie soll bei der Verkostung die Vergleichbarkeit gewährleisten. Und auch die Royal Society of Chemistry hat eine Anleitung für das Gelingen veröffentlicht. So viel Aufwand muss vielleicht nicht sein, wichtig ist es aber dennoch, den Tee korrekt zuzubereiten, damit er als sicheres Lebensmittel genossen werden kann. Da Tee ein Naturprodukt ist, müssen viele Teesorten beispielsweise mit kochendem Wasser übergossen werden, damit mögliche Keime abgetötet werden. "Sporen können jedoch auch im warmen Wasser auskeimen, daher sollte Kräutertee frisch getrunken und nicht über mehrere Stunden stehen gelassen oder auf dem Stövchen oder in der Thermoskanne nur lauwarm gehalten werden", sagt Gabriele Kaufmann vom aid.

Ziehzeit und Freisetzung der Polyphenole

Schwarzer und grüner Tee enthält nicht nur Polyphenole, sondern auch Koffein. Bestimmte Personengruppen sollten daher nicht zu viel davon zu sich nehmen. Schwangere, die nicht zu einer Risikogruppe gehören, können bis zu drei Tassen Kaffee oder bis zu sechs Tassen koffeinhaltiger Tee pro Tag trinken. Menschen mit Bluthochdruck sollten ebenfalls nicht zu viel Koffein aufnehmen und insbesondere etwa eine Stunde vor dem Blutdruckmessen darauf verzichten. Welche Menge Tee oder Kaffee es bei ihnen täglich sein darf, besprechen Betroffene am besten mit ihrem Arzt.

Durch die Ziehzeit beim Zubereiten des Tees kann der Gehalt an Koffein und Polyphenolen gesteuert werden. Nach dem Aufgießen eines Tees wird in den ersten drei Minuten vorwiegend das anregende Koffein aus den Teeblättern freigesetzt und nur wenig Polyphenole. "Danach geben die Blätter überwiegend Polyphenole ab sowie Gerbstoffe, die Abkömmlinge der Polyphenole sind. Die Gerbstoffe wirken beruhigend auf den Magen-Darm-Trakt und verleihen dem Tee den bitteren Geschmack und die herbe Note", sagt Ernährungswissenschaftlerin Ellinger. Zieht der Tee länger als fünf Minuten, können viele Polyphenole beziehungsweise Gerbstoffe in den Aufguss übergehen. Ellinger warnt: "Dann wird der Tee richtig bitter." Das ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Am besten halten Teetrinker sich daher an die Empfehlungen auf der Verpackung.

Fazit: Es spricht nichts dagegen, regelmäßig Tee zu trinken, wenn man das Naturprodukt richtig zubereitet und immer wieder die Sorte wechselt. Ob das Getränk wirklich einen gesundheitsfördernden Effekt hat, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Bis dahin gilt: abwarten und Tee trinken.




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