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Gesund und aromatisch: Alte Apfelsorten

Alte Apfelsorten sind unverwechselbar im Geschmack. Noch dazu enthalten sie anscheinend mehr sekundäre Pflanzenstoffe


Auf deutschen Streuobstwiesen wachsen auch seltene alte Apfelsorten

Samtrot leuchten die reifen Äpfel aus dem Blättergewirr. Genauso wie sie aussehen, heißen sie auch: Pfirsichrote Sommeräpfel. Dr. Ute Hoffmann-Deterding pflückt einen, dreht ihn prüfend in der Hand und stellt fest: „Rundum perfekt.“ Nach ihrem Lieblingsapfel gefragt, mag sich die 48-jährige Inhaberin einer Bioland-Obstbaumschule im niedersächsischen Asendorf nicht auf eine Sorte festlegen: „Goldrenette Freiherr von Berlepsch besitzt ein besonders schönes Aroma. ,Hasenkopf, der Echte Prinz‘ mit seinem weißen Fruchtfleisch schmeckt vorzüglich. Und der Boiken wiederum hat eine kräftige, zitronige Note – sehr lecker.“

Viele dieser traditionsreichen Apfelsorten kennt sie noch aus ihrer Kindheit, denn im Obstgarten ihrer Großeltern reiften beispielsweise Kaiser Wilhelm und Cox Orange. Mehr als 1000 alte Apfelsorten gibt es in Deutschland, von denen jede ihren eigenen, charakteristischen Geschmack hat. Die genauen Zahlen kennt niemand, denn je nach Region kann die gleiche Frucht auch einmal anders heißen.


Auf ihrem Anwesen pflanzt und ver­edelt Hoffmann-Deterding rund 500 Apfelsorten, zum Beispiel den nach seiner zitronengelben Schale benannten Sees­termüher Zitronenapfel. In anderen Gegenden Deutschlands handelt man ihn als Goldgelbe Renette oder Kohlapfel. Früher arbeitete Hoffmann-Deterding als Biologin. Doch nie vergaß sie den Zauber des heimischen Gartens mit den hohen, kräftigen Baumstämmen und den ausladenden Kronen. Eines Tages versuchte sie selbst, Alt­bewährtes zu ziehen und zu veredeln: „Das gelang mir so gut, dass ich nach einiger Zeit umsattelte.“

Äpfel – das beliebteste Obst der Deutschen

Rund 26 Kilogramm Äpfel verzehrt jeder Bundesbürger durchschnittlich im Jahr – umgerechnet ungefähr 173 Stück. Obwohl die Frucht deshalb als beliebtestes Obst der Deutschen gilt, finden sich in den Supermarktregalen meist nur sechs bis acht neue Sorten. Einige sind anfällig für Mehltau und Schorf. Nur mit reichlich Pflanzenschutzmitteln lassen sich Krankheiten in Schach halten. „Dafür sind die Erträge dieser neuen Sorten stabil und liegen viel höher als bei den alten. Zudem lassen die Äpfel sich sehr gut lagern“, erläutert Roland Lebe vom Bundessortenamt, Prüfstelle Wurzen, die Vorteile. „Für eine alte Sorte wie Cox Orange müsste man eigentlich einen höheren Preis erzielen“, ergänzt der Gartenbauingenieur, „weil er anfällig ist und unser wechselhaftes Klima nicht verträgt. Das gelingt jedoch nicht.“

Trotzdem spielt der Anfang des 19. Jahrhunderts aus England eingeführte Cox Orange mit seinem unverwechselbaren Geschmack noch eine kommerzielle Rolle. Oft entdeckt man ihn – ebenso wie die Goldparmäne, eine der ältesten Sorten überhaupt – im Direktverkauf auf Wochenmärkten und in Hofläden.

Unterschiedliche Reifezeiten

Das ganze Jahr über gibt es in unseren Geschäften Äpfel aus aller Welt. Ökologisch günstiger gelingt das fast ebenso mit heimischen, traditionellen Sorten. Denn je nach Typ reifen diese zu unterschiedlichen Jahreszeiten, und das meist ungespritzt. „Den Pfirsichroten Sommerapfel und den aus Russland eingeführten Charlamowsky ernten wir von Mitte bis Ende Juli“, sagt Hoffmann-Deterding. Anfang August folgen der „Wohlschmecker aus Vierlanden“ mit seiner karminrot-marmorierten Schale und der Klarapfel. Die letzten Paradiesfrüchte, wie den Roten Eiserapfel, holen Obstbauern erst im November von den Bäumen. Danach müssen manche Sorten noch Wochen bis Monate lagern, bis sie ihr volles Aroma entwickelt haben. Kühl und bei hoher Luftfeuchtigkeit aufbewahrt, hält sich dann zum Beispiel der Rote Eiserapfel bis in den Frühsommer des nächsten Jahres. „Auch der Boiken ist eine robuste Lagersorte“, sagt Lebe.

Beliebt sind Äpfel sicher auch, weil sie ohne Aufwand sofort genießbar und gleichzeitig gesund sind. „Mit dieser Frucht nehme ich einen guten Mix an Vitaminen, Mineral- und sekundären Pflanzenstoffen zu mir“, erläutert die Ernährungswissenschaftlerin Gabriele Kaufmann vom aid infodienst in Bonn. Vor allem alte Sorten enthalten anscheinend mehr sekundäre Pflanzenstoffe, die im Körper antioxidativ, also zellschützend, wirken. Bei einer aktuellen Untersuchung des Gabriel-Lippmann-Zentrums in Luxemburg fanden Forscher in der alten Grauen Renette und in der Goldparmäne deutlich mehr von diesen Substanzen als in neuen Sorten wie dem Graham-Apfel oder dem Topaz.

Eine Studie der Universität Würzburg wies vor allem in Boskop, Bohnapfel und Winterrambur viele dieser schützenden Bestandteile nach. Das Problem dabei: Die Inhaltsstoffe der Früchte variieren von Jahr zu Jahr je nach Nährstoffversorgung, Klima, Alter der Bäume, Stress und weiteren Faktoren.

Streuobstwiesen sind Lebensraum für zahlreiche Tierarten

Schwierig ist es auch festzustellen, ob Menschen, die an einer Kreuzallergie zwischen Birkenpollen und Äpfeln leiden, alte Apfelsorten besser vertragen als neue. „Es gibt Hinweise darauf, dass das so sein könnte. Doch um diese Schlussfolgerung wissenschaftlich korrekt zu ziehen, fehlen uns die umfassenden Daten“, erklärt Professor Stefan Vieths, Leiter der Abteilung Allergologie und Vizepräsident des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen. „Patienten, die wissen, dass sie nur relativ milde Symptome einer Apfelallergie haben, können ausprobieren, ob sie eine Sorte vertragen.“

In der Nähe von Gehöften und rund um kleine Ortschaften prägen Streuobstwiesen mit knorrigen Bäumen in vielen Gegenden Deutschlands noch die Landschaft. „Bei dieser traditionellen Art des Obstanbaus sind Pestizide tabu“, sagt Agrar-Referent Ralf Bilke vom BUND Nordrhein-Westfalen. Auf der Wiese grasen Kühe und Schafe. Manchmal nutzt der Bauer das Grün zum Heumachen. Und auf den Bäumen wachsen verschiedene Früchte. „Diese besonderen und gefährdeten Kulturlandschaften bieten zahlreichen Tierarten Lebensraum“, erläutert Bilke.

In Apfelbäumen gibt es häufig kleine Höhlen, in denen Vögel oder Fledermäuse nisten. Unter der Rinde sucht der Specht nach Maden. Auf den Wiesen locken seltene Pflanzen Bienen, Hummeln, Käfer und Schmetterlinge an. Ralf Bilke ist sich sicher: „Streuobstwiesen sind ideal für eine gesunde Ernährung, den Naturschutz und eine optimale Erholung.“


Eine Auswahl alter Apfelsorten

  • Alte Apfelsorte: Goldparmaene

    Goldparmäne

    1/4

  • Alte Apfelsorte: Weißer Klarapfel

    Klarapfel

    2/4

  • Alte Apfelsorte: Kaiser-Wilhelm-Apfel

    Kaiser Wilhelm

    3/4

  • Alte Apfelsorte: Freiherr von Berlepsch

    Freiherr von Berlepsch

    4/4



Bildnachweis: Flora Press Agency GmbH/FocusOnGarden / Borste, Strandperle Medien Services e.K/PRISMA, W&B/Fotolia/RYF, Laif GmbH/Bernd Jonkmanns, Wildlife GmbH/D. Harms

Christine Wolfrum / Apotheken Umschau; 30.08.2012
Bildnachweis: Flora Press Agency GmbH/FocusOnGarden / Borste, Strandperle Medien Services e.K/PRISMA, W&B/Fotolia/RYF, Laif GmbH/Bernd Jonkmanns, Wildlife GmbH/D. Harms

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