Zur Ruhe kommen mit Meditation

Gelassener werden, Stress besser wegstecken: Von Meditation können gesunde Menschen profitieren, aber auch Krebspatienten und chronisch Schmerzkranke

von Martina Janning, aktualisiert am 27.03.2015

Meditation kann helfen, Stress, aber auch Schmerzen besser zu bewältigen

Fotolia/yellowj

Einmal alles um sich herum vergessen, ganz in sich selbst versinken und mehr Gelassenheit entwickeln – das klingt für viele Menschen sehr verlockend. Meditation ist deshalb zu einem populären Mittel der Stressbewältigung geworden. Was ursprünglich in vielen Religionen als Weg entstand, um ein tieferes Verständnis von sich selbst und seinem Dasein zu erlangen, soll heute vor allem helfen, die Belastungen des Alltags besser zu meistern. Allerdings ist Meditation wesentlich mehr als Relaxen. "Es geht nicht nur um Entspannung im eigentlichen Sinne, sondern um das achtsame Gewahrsein des Augenblicks. Das bedeutet unter anderem, für eine Weile nicht an Vergangenheit oder Zukunft zu denken", erläutert Gustav Dobos, Professor für Naturheilkunde an der Universität Duisburg-Essen.

Regelmäßige Meditation hilft gegen Stress

Damit Meditation gegen Stress wirken kann, sei es wichtig, sie nicht nur "im Notfall" einzusetzen, betont Dobos. "Durch regelmäßiges Praktizieren kann der Meditierende in belastenden Situationen gelassener bleiben, ohne dass er direkt körperlich reagieren muss, indem es beispielsweise zu Herzrasen und ähnlichen vegetativen Reaktionen kommt."


Reize von außen ausblenden oder nicht bewerten

Wer meditieren will, kann zwischen einer Vielzahl von Arten und Techniken wählen. "Einerseits finden sich Praktiken mit Bewegung wie zum Beispiel Yoga, Tai Chi oder Qigong, Geh- und Tanzmeditation. Andererseits gibt es Formen ohne Bewegung wie etwa die Achtsamkeitsmeditation", sagt Dobos. Zum Meditieren würden oft visuelle, körperliche oder akustische Reize benutzt. So konzentrieren Meditierende sich zum Beispiel auf die Flamme einer Kerze oder ein verinnerlichtes Bild, auf ihre Atmung oder ihren Herzschlag, auf Klänge oder Wortformeln, Mantren genannt.

Je nach Meditationsmethode geht es entweder darum, Umweltreize auszublenden oder Außenreize zwar aufzunehmen, aber nicht zu bewerten. "Welche Meditationsform am besten für einen geeignet ist, findet man am einfachsten heraus, indem man es ausprobiert", erklärt Dobos, der auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Naturheilkunde ist. Denn Meditieren sei "immer eine sehr persönliche und individuelle Erfahrung".

Das Herz schlägt langsamer, der Blutdruck sinkt

Dass Meditation Vorgänge im Körper beeinflussen kann, belegen verschiedene Untersuchungen. Demnach schlägt das Herz beim Meditieren langsamer und der Blutdruck sinkt. Die Konzentration der Hormone Adrenalin und Kortisol im Blut verringert sich, die Spannung der Muskeln lässt nach und der Hautwiderstand wächst – alles Zeichen dafür, dass Stress nachlässt. Deshalb kann Meditation Asthma, Bluthochdruck, Schlafstörungen und Gelenkentzündungen bessern. Sogar der Cholesteringehalt im Blut kann durch Meditieren sinken – allerdings nur, wenn Sie es zehn bis zwanzig Jahre lang regelmäßig praktizieren. Bei Menschen, die schon längere Zeit meditieren, arbeiten obendrein die beiden Gehirnhälften besser zusammen. Das soll sich positiv auf die Denkfähigkeit und die emotionale Stabilität auswirken. "Langfristig – bei sehr erfahrenen Meditierenden – kann Meditation möglicherweise sogar die natürliche Gehirnalterung verlangsamen und Altersvergesslichkeit vorbeugen und bei älteren Menschen die fluide Intelligenz steigern", ergänzt Dobos.

Meditation als Zusatztherapie bei Krebs

Die wissenschaftliche Untersuchung von Meditation fand bislang vor allem für klar strukturierte Programme wie dem MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction) statt, so Experte Dobos. Auch für Formen der Bewegungstherapie wie Yoga nimmt die Zahl der wissenschaftlichen Studien stetig zu. Die vergleichende Forschung zu den Unterschieden von bestimmten Mediationsformen befindet sich jedoch noch in den Anfängen.

"Immer häufiger kommt Meditation als begleitende Therapie von Krebspatienten zum Einsatz", berichtet Dobos. Sie könne Ängstlichkeit und Depressivität der Betroffenen reduzieren und deren Wohlbefinden verbessern. Im Klinikum Essen-Mitte, wo Dobos die Abteilung für Innere Medizin, Naturheilkunde und Integrative Medizin leitet, setzt er MBSR ein. Bei dieser aus dem Buddhismus stammenden Achtsamkeitsmeditation konzentriert man sich auf seinen Atem und versucht, das Kreisen um seine Sorgen zu beenden. Richtig erlernt, gelänge es bei MBSR tatsächlich, "negative Gedanken quasi wie von einer Wolke immer wieder hinwegtragen zu lassen, bis sie schließlich völlig verblassen", erklärt der Mediziner. Auch die Deutsche Krebsgesellschaft beurteilt Meditation positiv, um Verkrampfungen zu lösen und zur Ruhe zu kommen. Denn eine Tumorerkrankung sei für Körper und Seele eine belastende Zeit, in der die meisten Menschen mit innerer Unruhe und körperlichen Verspannungen reagieren. Und auch die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e.V. (AGO) empfiehlt in ihren Leitlinien den unterstützenden Einsatz von MBSR und Yoga.

Linderung für Schmerzpatienten

Bei chronischen Schmerzen kann Meditation ebenfalls eine positive Wirkung entfalten: Manche Betroffene können mit ihren Schmerzen besser umgehen, wenn sie sich ihnen bewusst stellen und ihnen mit Neugierde und Akzeptanz begegnen, wie US-amerikanische und europäische Studien zeigen konnten. Um sich derart zu verhalten, praktizierten die Schmerzkranken regelmäßig Achtsamkeitsmeditation. Das Resultat: Erfahrene Meditierende empfanden den Schmerz als deutlich weniger belastend. In zahlreichen Studien genügte sogar schon eine relativ kurze Meditationserfahrung, etwa die Teilnahme an einem 8-wöchigen MBSR-Kurs, um die Schmerzen besser akzeptieren zu können und als weniger belastend zu empfinden. Daher könne Meditation die Therapie mit Medikamenten sinnvoll ergänzen, sagt Mediziner Dobos.

Vorsicht vor zu großen Erwartungen

Allzu hohe Erwartungen sollte Meditation allerdings nicht wecken. So ist zwar die Effektivität von MBSR und Yoga als Zusatztherapie bei Krebs und Schmerzerkrankungen relativ gut belegt, es bedarf allerdings weiterer Forschung, um diese Befunde abzusichern. Und bei vielen anderen Erkrankungen steckt die Erforschung der Wirksamkeit der Meditation noch in den Anfängen. Zudem wird befürchtet, dass Meditation Wahnvorstellungen und Psychosen verstärken kann, auch wenn es hierzu kaum wissenschaftliche Belege gibt. "Für Menschen mit schizophrenen Psychosen oder Zwangsneurosen sind Meditationsübungen daher eher nicht geeignet. Bei traumatisierten Patienten sollten sie nur mit besonderer Vorsicht erfolgen", warnt Dobos. Im Allgemeinen jedoch gelte Meditation als ein sehr risikoarmes Verfahren.



Bildnachweis: Fotolia/yellowj, W&B

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