Darmkrebs: Stuhltests helfen bei der Früherkennung

Die Darmspiegelung und ein Test auf Blut im Stuhl können helfen, Darmkrebs zu erkennen, solange er gut heilbar ist. Neue Stuhltest verheißen zusätzlichen Nutzen
von Simone Herzner, aktualisiert am 30.03.2016

Gutes Gefühl: Wer die Darmkrebs-Früherkennung wahrnimmt, hat beste Chancen, Darmkrebs zu verhindern

Digital Vision/ RYF

Im Frühstadium verursacht Darmkrebs keinerlei Beschwerden, weshalb er oft erst spät erkannt wird. In fast 26.000 Fällen im Jahr geht die Krankheit daher tödlich aus. Auch bei der Sterblichkeitsrate steht Darmkrebs damit an Platz zwei hinter Lungenkrebs bei Männern und Brustkrebs bei Frauen.

Dies müsste eventuell nicht so sein: Mit regelmäßigen Vorsorge-Untersuchungen wie Darmspiegelungen und Stuhltests, könnte Darmkrebs zu 80 bis 90 Prozent verhindert werden, sagt Professor Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg. Der Leiter der Abteilung Klinische Epidemiologie und Alternsforschung erforscht mit seinem Team seit Jahren die verschiedenen Möglichkeiten zur Darmkrebs-Früherkennung.

Darmspiegelung – die sicherste Methode zur Früherkennung

Die sicherste Methode ist eine Darmspiegelung (Koloskopie), bei der bösartige Veränderungen oder auch gutartige Polypen (Adenome = Geschwulste an der Darmwand), die eine Vorstufe von Darmkrebs sein können, entdeckt und sofort entfernt werden können. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine präventive Darmspiegelung bei Männern und Frauen ab dem 55. Geburtstag. Eine weitere Vorsorge-Koloskopie nach frühestens zehn Jahren wird ebenfalls bezahlt. Modellrechnungen zufolge sind von 1000 bei einer Krebs-Früherkennung vorgenommenen Darmspiegelungen 280 auffällig. Davon werde bei acht Personen tatsächlich Darmkrebs gefunden, die übrigen haben ein oder mehrere Polypen, aus denen sich Darmkrebs entwickeln könnte.

Test auf Blut im Stuhl als Alternative zur Darmspiegelung

Vielen Menschen ist die Vorstellung einer – in den weitaus meisten Fällen schmerzlosen – Darmspiegelung jedoch so unangenehm, dass diese Früherkennungs-Maßnahme noch zu selten genutzt wird. Die Angst vor der Darmspiegelung sollte auf keinen Fall dazu führen, gar nichts zu tun: Alternativ können Personen ab dem Alter von 55 Jahren nämlich auch alle zwei Jahre auf Kosten der gesetzlichen Krankenkasse einen Test auf Blut im Stuhl machen. Es handelt sich dabei um den selben Test, der Personen ab 50 Jahren einmal jährlich kostenlos angeboten wird, bis sie 55 sind.

"Der Stuhltest ist in der Lage, Blutungen aus Darmkrebs oder seinen Vorstufen zu entdecken", sagt Brenner vom Heidelberger Krebsforschungszentrum. Darmkrebs blutet oft leicht. Jedoch ist das Blut im Stuhl mit bloßem Auge meist nicht sichtbar. Ein Okkultbluttest (okkult: lateinisch für verborgen) kann dieses Blut nachweisen. "Allerdings blutet ein Darmkrebs nicht immer, Vorstufen bluten oft überhaupt nicht", gibt Brenner zu bedenken. Daher ist es wichtig, die Stuhltests in den angebotenen Abständen zu wiederholen.

Es ist zu erwarten, dass in Deutschland demnächst der bisherige chemische Test auf Blut im Stuhl durch immunologische Testverfahren abgelöst wird. Diese Testverfahren weisen den Blutfarbstoff Hämoglobin mittels Antikörper nach. In vielen anderen Ländern sind diese immunologischen Testverfahren auf Blut im Stuhl schon Standard.

Der chemische Stuhlbluttest

In Deutschland wird bislang beim chemischen Stuhlbluttest das Guajak-Verfahren angewandt, auch Löschblatt-Test genannt. Patienten bekommen vom Arzt drei Testbriefchen mit nach Hause. Eine kleine Menge Stuhl aus drei aufeinander folgenden Stuhlproben wird auf mehrere Testfelder aufgetragen. Im Labor wird eine Entwicklerlösung hinzugegeben. Ist Blut im Stuhl, färbt sich das Testfeld blau. Ein positives Ergebnis muss auf jeden Fall durch eine Darmspiegelung abgeklärt werden.

Die Deutsche Krebshilfe spricht von 30 auffälligen Ergebnissen auf 1000 chemische Stuhltests – bei 15 handele es sich um ein falsch-positives Ergebnis, also um falschen Alarm. Denn bei den Löschblatt-Tests kann nicht nur Blut zu positiven Ergebnissen führen, sondern auch Lebensmittel wie Blutwurst, rotes Fleisch, Steckrüben. Auch die Menstruationsblutung bei der Frau sowie manche Medikamente (zum Beispiel mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen) können das Testergebnis verfälschen. Wenn Sie entsprechende Arzneimittel einnehmen, fragen Sie Ihren Arzt, ob und wann Sie diese vor dem Test absetzen sollen. Auch falsch-negative Ergebnisse sind möglich, also dass Darmkrebs oder Vorstufen nicht erkannt werden. Hoch dosiertes Vitamin C zum Beispiel kann zu einem (falsch-)negativen Testergebnis führen. Insgesamt spürt der gängige Test viel weniger als die Hälfte bestehender Darmkrebserkrankungen auf. Zum Aufspüren von Krebsvorstufen ist er noch schlechter geeignet. Das ist einer der Gründe, warum Experten dazu raten, die Darmspiegelung zu nutzen, sobald sie einem angeboten wird.

Der immunologische Stuhlbluttest

"Die immunologischen Stuhltests entdecken Darmkrebs und seine Vorstufen häufiger als der chemische Test", hebt Krebsforscher Brenner hervor. "Sie finden im Vergleich etwa zwei- bis dreimal so viele bestehende Tumore und dreimal so viele Vorstufen", sagt Brenner. Das zeigte 2013 eine Studie von Brenner und einer Mitarbeiterin.

2016 deutet nun eine Studie des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen darauf hin, dass mit den neuen immunologischen Tests ein längeres Untersuchungsintervall von bis zu fünf Jahren möglicherweise den gleichen Nutzen bringt wie eine Untersuchung mit herkömmlichen Stuhltests alle ein bis zwei Jahre. Voraussetzung sei, dass der Test empfindlicher und exakt eingestellt wird, berichtet Professorin Ulrike Haug, die Erstautorin der Studie. Ob sich das aber auf die Empfehlungen zur Testhäufigkeit auswirken wird, ist abzuwarten. Ein Nachteil bleibt: Auch immunologische Stuhltests liefern manchmal falsch-positive Ergebnisse.

Was zahlt die Krankenkasse?

Für Patienten zwischen 50 und 55 Jahren bezahlt die Krankenkasse einmal jährlich die Kosten für einen chemischen Stuhlbluttest beim Arzt. Ab dem 56. Lebensjahr wird alternativ zur Darmspiegelung alle zwei Jahre ein chemischer Stuhltest übernommen. Obwohl für die immunologischen Stuhltests eine deutlich höhere Empfindlichkeit nachgewiesen wurde, zählen die Kosten von rund 15 Euro (noch) nicht zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen.

Was tun bei positivem Test-Ergebnis?

Bei chemischen wie immunologischen Stuhlbluttests können Blutspuren im Stuhl auch auf Hämorriden (Hämorrhoiden) oder harmlose Verletzungen der Afterschleimhaut zurückzuführen sein. Gehen Sie bitte trotzdem auf jeden Fall zum Arzt!

Wie sicher kann ich mir bei einem negativen Testergebnis sein?

Auch bei einem negativen Testergebnis sollten Sie weiterhin einmal jährlich einen Stuhlbluttest durchführen. Darmkrebsvorstufen bluten nicht immer, so dass Sie eventuelle Veränderungen regelmäßig überprüfen sollten. Noch eine Nummer sicherer geht, wer sich im entsprechenden Alter einen Termin für eine Darmspiegelung beim Facharzt geben lässt.

Gehören Sie zu einer Risikogruppe?

Das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, nimmt mit steigendem Alter zu. Die Veranlagung kann aber auch vererbt werden – etwa ein Viertel der Fälle treten erblich gehäuft auf. Wenn es in Ihrer Familie bereits Fälle von Darmkrebs, Darmpolypen oder anderen Krebsarten gibt, könnte auch Ihr persönliches Darmkrebsrisiko erhöht sein. Eine erbliche Belastung bedeutet aber nicht, dass Sie zwangsläufig erkranken. Die Deutsche Krebshilfe hat drei Kernfragen formuliert, anhand derer Sie Ihr Risiko einschätzen können.

1. Ist in Ihrer Familie bei einem oder mehreren Verwandten Darm- oder Gebärmutterkrebs aufgetreten?

2. Ist die Erkrankung vor dem 50. Lebensjahr aufgetreten?

3. Sind in Ihrer Familie bei einem oder mehreren Verwandten vor dem 40. Lebensjahr ein oder mehrere Darmpolypen aufgetreten?

Wenn Sie mindestens eine der Fragen mit "ja" beantworten, sollten Sie die Vorsorgemaßnamen wie Stuhltests oder eine Darmspiegelung bereits vor dem 50. Lebensjahr beginnen. Fragen Sie dazu Ihren Hausarzt oder wenden Sie sich an eines der sechs Zentren für "Erblichen Darmkrebs" der Deutschen Krebshilfe in Bochum, Bonn, Dresden, Düsseldorf, Heidelberg und München/Regensburg.


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