Darmverwachsungen: Enge im Bauch

Verwachsungen im Darm können zu Bauchbeschwerden führen. Die Diagnose ist oft schwierig

von Dr. Christian Guht, aktualisiert am 10.02.2015

Darmverwachsungen können Bauschmerzen auslösen

F1online/Axel Leschinski

Es drückt und kneift im Bauch, oft über Jahre und keiner findet etwas. Was Patienten meist nicht wissen und woran Ärzte häufig nicht denken: Schuld an den Beschwerden kann eine Jahre zurückliegende Bauch- oder Beckenoperation sein. Nach vielen solcher Eingriffe treten sogenannte Adhäsionen auf. Das sind Verwachsungen von Darm und Bauchfell, die je nach Ausmaß und Lokalisation unterschiedlich starke Krankheitssymptome verursachen.

"Das ist ein ziemliches Problem," berichtet Dr. Ernest Mathavan, Gastroenterologe aus München, "zumal die Adhäsionen sich auch nur schwer nachweisen lassen." Mediziner setzen daher vor allem auf Prävention: Möglichst geringe Verletzung (Traumatisierung) und gute Spülung des Gewebes während einer Operation sollen helfen, den Bauchverwachsungen vorzubeugen. Doch auch wenn sich solche bereits gebildet haben, gibt es Hilfe.


Wie entstehen Darmverwachsungen?

Adhäsionen entstehen durch fehlgeleitete Wundheilungsprozesse des Bauchfells. Dies kleidet die Bauchhöhle aus und umgibt die Bauchorgane, so auch den Darm. Wird es bei einer Operation verletzt, sondert es Gerinnungsstoffe ab, um die Wunde zu verschließen. Nach einigen Tagen ist der Defekt üblicherweise verheilt und der Körper baut den Wundverschluss langsam um und teilweise wieder ab. Passiert das aber nur unzureichend, verkleben die Wundränder, es kommt zu größeren Verwachsungen.

"In gewissem Umfang entspricht dieser Prozess allerdings der normalen Wundheilung, die ja erwünscht ist", stellt Professor Jürgen Weitz klar, Direktor der Klinik für Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum Dresden. Problematisch seien größere Adhäsionen, die zu Beschwerden führen. Auch Stränge aus Bindegewebe, sogenannte Briden, können entstehen und den Bauchinhalt einengen.

Komplikationen drohen umso stärker, je ausgedehnter die Operationswunde ist. Außerdem begünstigen zusätzliche Infektionen oder Durchblutungsstörungen die Darmverwachsungen. Bei gynäkologischen Operationen treten Adhäsionen ebenfalls häufig auf, da die inneren Geschlechtsorgane der Frau auch von Bauchfell überzogen sind.

Was für Beschwerden treten auf?

Adhäsionen können chronische Bauchschmerzen auslösen, außerdem Blähungen und Stuhlunregelmäßigkeiten. "Neben Patienten mit solch chronischen Beschwerden gibt es welche, die relativ kurzfristig starke Schmerzen und Verdauungsbeschwerden entwickeln", sagt Ernest Mathavan. Schlimmstenfalls hat sich dann ein Darmverschluss (Ileus) entwickelt, der notfallmäßig behandelt werden muss. Verwachsungen im Becken können bei Frauen auch zur ungewollten Kinderlosigkeit führen.

Wie wird das Problem erkannt?

Beim chronischen Beschwerdebild ist die Diagnose schwierig, denn die Symptome sind unspezifisch, können also auch auf ganz andere Probleme hinweisen. Außerdem entgehen Adhäsionen meist der bildgebenden Diagnostik wie Röntgen oder Ultraschall. Hinweise liefern können unter Umständen hochauflösender Ultraschall oder eine spezielle Verwachsungsbauch-Kernspintomografie. Allerdings ist diese Technik sehr aufwändig und noch nicht spezifisch genug, um weit verbreitet angewendet zu werden. Nur durch eine Sondierung und Inspektion der Bauchhöhle etwa per Schlüssellochtechnik, der sogenannten Laparoskopie, lassen sich die Verwachsungen eindeutig nachweisen. Es kann aber einige Zeit dauern, bis ein entsprechender Verdacht gestellt und dadurch der invasive Eingriff begründet wird. "Bei akuten Beschwerden ist der Zusammenhang offenkundiger," sagt Jürgen Weitz, "da findet man die Ursache häufig schneller."

Was für Therapien gibt es?

Adhäsionen können nur durch eine erneute Operation gelöst werden. So ein Eingriff kann aber seinerseits wieder Verwachsungen auslösen, weshalb die Maßnahme gut abzuwägen ist. "Einzelne Briden kann man gut lösen aber bei der Operation großflächigen Adhäsionen ist die Gefahr erneuter Narbenbildung hoch", differenziert Weitz. Daher kann unter ärztlicher Beobachtung abgewartet werden, ob die Beschwerden auch durch Ruhe und eine Nahrungspause abklingen. Gelingt das aber nicht, bleibt nur die Operation.

Mediziner versuchen daher, dem Problem vorzubeugen. Schonende Operationstechniken mit möglichst geringen Gewebedefekten und wenig Fremdkörperkontakt wirken in diesem Sinne. Auch gibt es spezielle Flüssigkeiten und Barrierefolien, die eingebracht in den Bauchraum der überschießenden Narbenbildung entgegen wirken sollen. "Die Studienlage zum Erfolg dieser Maßnahmen ist allerdings nicht ganz eindeutig", so Jürgen Weitz.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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