Künstliche Linsen bringen vielen Menschen, die am „Grauen Star“ leiden, die verlorene Sehschärfe zurück. Für die Kosten stehen die Krankenkassen gerade. Manche Augenärzte versuchen, aus der erforderlichen Operation einen doppelten Nutzen zu ziehen. Sie setzen den Patienten so genannte Sonderlinsen ein. Diese sollen optische Schwächen ausgleichen, können eine Brille ersparen oder vor anderen Augenleiden schützen. Allerdings sind die Speziallinsen hinsichtlich ihres Werts umstritten.
Multifokallinsen
Durch eine speziell angefertigte Optik bilden Multifokallinsen (richtiger wäre „Bifokallinsen“) zwei unterschiedliche Bilder für Fernes und Nahes auf der Netzhaut scharf ab. Sie sollen dadurch den Patienten eine Brille für die Nahsicht ersparen. Manche Operateure setzen sie sogar Patienten ohne Grauen Star ein, wenn diese keine sonst wegen Alterssichtigkeit nötige Lesebrille tragen wollen.
Viele Augenärzte lehnen die Sonderanfertigungen rigoros ab. „Die meisten Chirurgen würden sie selbst nicht wollen, weil die Abbildungsqualität schlechter ist“, sagt Professor Wolfgang Heider von der Augenklinik Herzog Carl Theodor in München. „Ich verwende sie auf keinen Fall, weil sie immer Streulicht erzeugen und die Patienten blendempfindlicher sind“, erklärt Professor Martin Wenzel, ärztlicher Leiter der Augenklinik Petrisberg bei Trier.
Positiver gestimmt ist dagegen Dr. Stephan Kohnen, niedergelassener Augenarzt in Aachen: „Die Technik ist besser geworden, die Beschwerden der Patienten seltener“, erklärt er. Dennoch seien diese Linsen nicht unkompliziert; er würde sie zum Beispiel bei hoher Hornhautverkrümmung oder auch bei übersteigerten Erwartungen des Patienten nicht einsetzen. Es könne schon ein halbes Jahr dauern, bis sich das Gehirn daran gewöhnt hat, dass die Netzhaut ihm immer zwei scharfe Bilder liefert – und der Patient damit umgehen kann. Auch Autofahrern, die viel bei Nacht unterwegs sind, würde er abraten. Allerdings, so Kohnen, seien die Menschen unterschiedlich blendempfindlich.
Monovision
Bei dieser in den USA sehr verbreiteten Methode wird mit unterschiedlich starken Linsen ein Auge auf die Ferne eingestellt, das andere auf bis zu 1,5 Dioptrien Kurzsichtigkeit (und damit auf die Nähe) eingestellt. „Ich finde das die bessere Alternative“, meint Martin Wenzel. Wer vorübergehend Probleme damit habe, könne einfach mittels Brille auf Normalsichtigkeit umstellen. „Ich bin eher zurückhaltend“, erklärt dagegen Stephan Kohnen. Hauptproblem: Die Fähigkeit zum räumlichen Sehen leide. Einzige Ausnahme für Kohnen: Menschen, die von Natur aus zum Beispiel ein kurzsichtiges und ein normalsichtiges Auge haben.
Torische Linsen
Wer eine Hornhautverkrümmung („Zylinder“ im Brillenpass) von wenigstens einer Dioptrie hat, kann diese mit einer individuell angefertigten „torischen“ Linse ausgleichen lassen. „Diese Korrektur ist besser als die mit einer Brille“, sagt Stephan Kohnen. Dabei komme es aber auf eine besonders exakte Vermessung des Auges an. Einfacher sei die Anpassung, indem man die torische Linse bei einem späteren Zweiteingriff vor die zunächst implantierte Kunstlinse setzt, meint Martin Wenzel.
Asphärische Linsen
Das Auge des Menschen ist ein Asphäre: Es gleicht die Verzerrung zwischen Randbereich und Zentrum seiner Optik (Hornhaut und Linse) durch unterschiedliche Brechung aus. Eine gewöhnliche Kunstlinse vermag dies nicht. Deshalb entwickelten Firmen asphärische Linsen, die Messdaten zufolge eine etwas bessere Abbildungsqualität liefern. Ob Menschen diesen Unterschied jedoch auch wahrnehmen, ist jedoch fraglich. Am ehesten profitieren jüngere Menschen, deren Pupillen sich weiter öffnen als bei älteren.
Blaufilterlinsen
Diese leicht gelblich gefärbten Linsen filtern blaues Licht, das möglicherweise zur Entwicklung der Augenkrankheit „Makuladegeneration“ beiträgt. Da diese Theorie allerdings derzeit erst in Studien untersucht wird und noch unbewiesen ist, steht auch nicht fest, ob der Blaufilter die Netzhaut wirklich schützt. „Wir bieten das Menschen mit einer beginnenden Makuladegeneration an sowie jenen, bei denen ein familiäres Risiko besteht“, berichtet Stephan Kohnen. Auch für jüngere Menschen sei dies eine Option, da diese von dem potenziellen Schutz am längsten profitieren würden.
Reinhard Door / www.apotheken-umschau.de;
06.07.2009, aktualisiert am 15.06.2011
Bildnachweis: PhotoDisc/ RYF
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