Fastenblog 2017: Die vierte Woche

Nun isst unser Redakteur Roland Mühlbauer schon seit drei Wochen täglich fünf Portionen Obst und Gemüse, geht 10.000 Schritte und trinkt keinen Alkohol. So läuft Woche vier

von Dr. med. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 27.03.2017

Kunstfund am Isarufer: Bei meinen Spaziergängen entdecke ich viele nette Details

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Thunfischdip mit Pfeffer und Chiliflocken

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Tag 24 (Freitag 24.3.2017): Missverstanden

Liebe Leser, es hat für einige Irritationen gesorgt, dass ich bei meinen Obst- und Gemüseangaben auch Gerichte erwähne, bei denen Fleisch oder Reis dabei ist. Kurze Erklärung: Mein Ziel ist es, mich an die Vorgabe der Deutschen Gesellschaft für Ernährung "mindestens 5 Portionen Obst und Gemüse am Tag" zu halten, und generell so viel Gemüse zu essen, wie ich schaffe.

Dadurch esse ich natürlich weniger andere Lebensmittel. Das bedeutet aber für mich nicht, nur noch ausschließlich Obst und Gemüse zu essen! Das würde ich erstens nicht durchhalten, und zweitens fände ich es auch Unsinn. Ich will mich ja trotzdem ausgewogen ernähren und genug Eiweiß und Vitamin B12 zu mir nehmen.

Natürlich nehme ich auf diese Weise nicht so rasch ab. Aber ich habe ja Zeit. Denn das Fernziel meines Projekts ist eher, dass ich mich dadurch an eine gesündere Lebensweise gewöhne als davor. Ideal wäre, wenn ich danach automatisch die Regeln befolge, ohne Buch führen zu müssen.

Apropos Eiweiß: Inspiriert von einer Zuschrift habe ich mal wieder ein neues Dip angerührt. 150g Magermilchjoghurt, 175g fettreduzierter Frischkäse, 150g Thunfischfilets im eigenen Saft, und dazu eigentlich Cayennepfeffer.

Letztere Zutat hatte ich nicht, deshalb habe ich es großzügig mit schwarzem Pfeffer und Chiliflocken versucht. Aber erst mit etwas Salz und Sambal Oelek wurde es richtig lecker, vom Geschmack her in etwa wie Vitello tonnato in scharf. Und die Menge des Dressings reicht gut für mehrere Leute beziehungsweise mehrere Mahlzeiten.

Haben Sie weitere Rezepte, die ich ausprobieren soll? Bitte per E-Mail an roland.muehlbauer@wortundbildverlag.de


Daten für Donnerstag den 23.3.2017:

Bewegung: 10.457 Schritte / 7,51 km / 6 Stockwerke / errechnete Schrittlänge: 72 cm

Obst und Gemüse: Grapefruit, Lauchcreme-Suppe mit Räucherlachsstreifen, Gemüsebrühe (mit Mienudeln, Zuckerschoten, Paprika, Staudensellerie, Zwiebeln und Sojasprossen), Waldbeer-Smoothie, eine Karotte, Cherrytomaten, Hähnchenkeule mit mediterranem Gemüse (Zwiebeln, Tomaten, Paprika, Zucchini)


Selfie vor dem Beginn des Bladens: Alles noch in Ordnung

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Tag 23 (Donnerstag 23.3.2017): Pech und Panne

Das ist nicht meine Woche. Aber so überhaupt gar nicht. Vermutlich vergraule ich mit meinem Geunke noch alle Leser. Aber auch beim Rollerbladen hatte ich wieder ein niederschmetterndes Erlebnis.

Ich hatte mir Dienstag Abend zum Inlineskaten eine 18 Kilometer lange Runde quer durch den Perlacher Forst ausgesucht (von denen meine App nur 5 Kilometer erfasst hat, für so eine Fortbewegung taugt sie nicht, wer kennt Alternativen? Zuschriften bitte an roland.muehlbauer@wortundbildverlag.de).

Die ersten eineinhalb Stunden ging das Bladen gut. Dann wurden meine Beine langsam müde und der Himmel verfinsterte sich mit dunklen Regenwolken. Eine feuchte Straße wäre Gift fürs Bladen. Also schnell die Runde beenden und ab nach Hause, war mein Gedanke.

In dem Moment kam mir an einer abschüssigen Stelle ein Ast auf dem Boden in die Quere. Ich blieb mit den Rollen an ihm hängen, wurde ausgehebelt und landete hart auf meinen Knien, Armen und meiner Brust. Genau genommen habe ich mir wohl die Arme in die Brust gerammt. Es muss recht spektakulär ausgesehen haben, denn ein Mann von der anderen Straßenseite kam gleich herübergerannt, um mir aufzuhelfen.

Zum Glück hatte ich Schützer an. Aber der Schmerz in der Brust blieb. Nicht so ein Schmerz, der bei jedem Atemzug sticht. Aber einer, den ich bei jedem Husten spüre. Und der mich weckt, wenn ich mich nachts im Schlaf auf die lädierte Seite drehe. Hoffentlich sind keine Rippen angeknackst.

Außerdem zerriss beim Sturz meine Jeans, zwanzig Zentimeter die Naht entlang: Totalschaden. Der Kopfhörer geht nur noch einseitig, und das Display meines Smartphones hat einen neuen Sprung. Die Fersen habe ich mir nebenbei auch noch aufgelaufen.

Viel Katzenjammer also. Trotzdem war ich nach eingehender Begutachtung all meiner Schäden froh: Keine erkennbaren Knochenbrüche, Bänderrisse oder sonstigen schwereren Verletzungen. Immerhin ist mir nicht so viel passiert, dass ich mein Projekt abbrechen müsste.

Gestern abend habe ich dann auf weitere gefährliche Exkursionen verzichtet und mich auf meinem verstaubten Hometrainer abgestrampelt, um die lädierten Füße zu schonen.


Daten für Mittwoch den 23.3.2017:

Bewegung: Fahrradtrainer; 11.506 Tritte / 8,26 km / 4 Stockwerke / (errechnete Schrittlänge: 72 cm)

Obst und Gemüse: Zwei Mandarinen, Karotten mit Kräuterquark, großer Salat mit Kalbfleischpflanzerln, Karotten mit Thunfischdip, Apfelmark ohne Zuckerzusatz


Weghindernis, Marke "Hinterhältiger Schädelspalter"

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Tag 22 (Mittwoch 22.3.2017): Der Schrei

Auf den von mir bevorzugten Naturpfaden liegen wie schon beschrieben jede Menge hölzerne Hindernisse herum. Bewegliche Äste entferne ich gleich. Reiner Selbstschutz, schließlich weiß ich nie, wie stark es schon dämmert, wenn ich an die Stelle zurückkomme. Wie freue ich mich auf die Zeitumstellung am Wochenende!

Außerdem gibt es umgestürzte Bäume, über die ich steigen oder klettern muss. Und hin und wieder in Brusthöhe quer über den Weg ragende Bäume, bei deren Unterquerung ich mich wie ein Limbotänzer fühle. Auch kein größeres Problem.

Doch dann kam diese eine fiese Kombination. Mehrere Stämme am Boden und gleichzeitig hohe Balken. Während ich noch damit beschäftigt war, die Hindernisse unter mir zu überwinden, knallte mein Kopf schon mit voller Wucht gegen einen der oberen Scheusale. Oh dröhnender, unerwarteter, schockierender Schmerz!

Lieber Leser, falls Sie an der Isar bei Schäftlarn spazieren waren und einen markerschütternden Schrei samt ein paar deftigen hinterher folgenden Flüchen vernommen haben: das war dann wohl ich, ich bekenne mich schuldig.

Danach tastete ich erst einmal meinen Kopf ab auf Bruchkanten und austretende Flüssigkeit. Tatsächlich fühlten sich meine Haare irgendwie verkrustet an. Blut? Nein, zum Glück nur Rinde und Schmutz, die sich vom Baum gelöst haben.

Irgendwie kam mir danach mein alter Rollhockey-Helm in den Sinn. Ihn beim Walking zu tragen sähe natürlich albern aus. Dabei sollte ich mich einfach in Zukunft vorsichtiger bewegen. Aber ich könnte ja auch mal eine Runde mit den Inline-Skates drehen als Alternative. Und schon hatte ich mir einen neuen Vorsatz gefasst. Bericht folgt.


Daten für Dienstag den 21.3.2017:

Bewegung: Rollerbladen; 10.020 "Schritte" / 5,78 km / 4 Stockwerke / (errechnete Schrittlänge: 58 cm)

Obst und Gemüse: Grapefruit, Cherrytomaten, Karotten, Spinat-Kokossuppe, mediterrane Gemüsespieße mit Schafskäse-Oliven-Dip auf Tomatenreis, Obstsalat mit Minze, Apfel, gemischter Salat


Ostern wirft einen langen Schatten voraus

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Tag 21 (Dienstag 21.3.2017): Zu früh gefreut

Halbzeit! Wollte ich zumindest jubelnd rufen. Heißt es doch immer, dass sich die Fastenzeit über vierzig Tage erstreckt. Denkste. Nachdem ich in den Kalender gesehen habe, musste ich feststellen: Aschermittwoch war der 1. März, Ostersonntag ist erst am 16. April. Macht laut meiner Zählung (Ostersonntag ausgenommen) 46 Tage! Wie in aller Welt kann das denn sein?

Wieder habe ich recherchiert: Es kommt daher, dass die Kirche die Sonntage von der Fastenzeit ausgenommen hat, weil der Wochentag ja an die Auferstehung erinnert. Puh. Und da liegen ganze sechs beziehungsweise mit Ostersonntag sieben Sonntage in der Zeit. Die Erkenntnis kommt ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem ich mir die erste böse Blase an der Fußsohle gelaufen habe. Mein innerer Schweinehund heult gerade.

Aber es hilft ja nichts. Ich werde trotzdem an den Sonntagen auch die Regeln beachten, bis Ostersonntag durchhalten und dann halt erst am Ende des 23. Fastentags Richtfest feiern. Ist ja schon übermorgen. Also aufgerappelt, Möhren gerade gerichtet, Sportschuhe geschnürt, die Schlaufen der Nordic Walking-Stöcke um die Handgelenke geschlungen, und weiter marschiert. When the going gets tough, the tough get going *summ*


Daten für Montag den 20.3.2017:

Bewegung: 12.410 Schritte / 8,67 km / 5 Stockwerke / berechnete Schrittlänge: 70 cm + eine Stunde Tennis

Obst und Gemüse: Cherrytomaten, Grapefruit, Karotten, Zwiebelsuppe, Großer Salat mit Calamari, Eis mit heißen Himbeeren, Tomatensalat mit roten Zwiebeln


Badesaison eröffnet: Pause am Fluss mit Fußbad

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Tag 20 (Montag 20.3.2017): Steiniger Weg

Die Waage zeigt 700 Gramm weniger an im Vergleich zu letzter Woche! Und mein Bauchumfang hat in den letzten zwanzig Tagen um etwa drei Zentimeter abgenommen. Langsam geht es voran.

Außerdem sind ja Gemüseessen und Bewegung an sich schon ein wichtiger Beitrag zur Gesundheit. Und mit der Zeit gehen mir die Regeln in Fleisch und Blut über, wird der Lebensstil zur Gewohnheit. Als im Fernsehen Passanten berichteten, wie gerne sie in eine knackige Wiener Wurst beißen, dachte ich automatisch, dass eine Karotte doch viel knackiger ist. Wiener Wurst = 230 kcal/100 g, Karotte = 41 kcal/100 g. Sticht!

Vor allem aber freue ich mich schon jeden Tag auf die Bewegung. Durch den Fastenblog habe ich einen guten Grund, mir dafür Zeit zu nehmen und andere gesellschaftliche Verpflichtungen hintenan zu stellen.

Alle Stockeinsätze, bereits gelaufenen Schritte und Gewichtsfragen rücken eh in den Hintergrund, wenn das Wetter passt, warme Winde über meine Haut streichen und hinter jeder Wegbiegung eine neue Aussicht lockt. So war es am Freitag, als ich einen weiteren Isarweg erkundete. Der Weg endete schließlich auf einer einsamen Kiesbank, und der Fluss glitzerte so verführerisch, dass ich einfach ins Wasser waten musste: soooo... eisiiiig... Brrr! Eine äußerst erfrischende Kneippanwendung samt steiniger Reflexzonenmassage der Fußsohlen, cold stone therapy sozusagen.

Als ich schließlich zurück trottete, flößte mir eine entgegen kommende laut bellende Hundemeute gehörigen Respekt ein. Offenbar ein Hundezüchter oder ein Hundesitter mit (viel zu) vielen Kunden. Was die gekläfft haben! Gibt es eigentlich Selbstverteidigung mit Nordic Walking Stöcken? Muss ich mal recherchieren.


Daten für Freitag den 17.3.2017:
Bewegung: 17.256 Schritte / 12,34 km / 15 Stockwerke
Obst und Gemüse: Erdbeeren mit Joghurt, Nudelsalat mit Rucola und Tomaten, Wurstsalat mit Paprika und Radieschen, 500ml Gemüsecocktail mit Meersalz, Karotten
Daten für Samstag den 18.3.2017:
Bewegung: 17.674 Schritte / 11,63 km / 25 Stockwerke + eineinhalb Stunden Hallenfußball
Obst und Gemüse: Apfel, Karotten, Salat Nizza, Papayasalat mit Karotten, Koriander und Melisse, Reis mit Gemüse (Brokkoli, Zucchini, Bohnen, Bambusstreifen, Paprika, Frühlingszwiebeln)
Daten für Sonntag den 19.3.2017:
Gewicht: 87,8 kg
Bewegung: 26.503 Schritte / 19,07 km / 28 Stockwerke
Obst und Gemüse: Heiße Limette mit Ingwer, Matjes auf Salat (Kopfsalat, Tomaten, Zwiebeln, Bohnen, Rote Bete), Apfel, Karotte, Smoothie (Granatapfel, Heidelbeere, Acai-Beere)


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