Fastenblog 2017: Die fünfte Woche

Redakteur Roland Mühlbauer isst schon seit vier Wochen täglich fünf Portionen Obst und Gemüse, geht 10.000 Schritte und trinkt keinen Alkohol. So läuft Woche fünf

von Dr. med. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 31.03.2017

Angezählt: Woche fünf ist angebrochen, sieben sind es insgesamt bis Ostern

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Meine zweitliebste Rohkost

Thinkstock/Hemera

Tag 31 (Freitag 31.3.2017): Essen und Enten

Liebe Leser, nochmal ein Hinweis, um Missverständnisse zu vermeiden: Ich esse nicht nur ausschließlich Obst und Gemüse! Das würde ich weder durchhalten noch empfehlen. Eiweiß, Vitamin B12 und bestimmte Fette sind natürlich auch ein essenzieller Bestandteil der Ernährung.

So habe ich diese Woche beispielsweise am Montag Schinken zum Spargel gegessen, am Mittwoch Calamari, und gestern einen Salat mit Thunfisch und Ei. Als Dressing verwende ich außerdem bei den Salaten meistens Essig und Olivenöl, und ich dippe meine Rohkost in Kräuterquark oder Paprikafrischkäse. Nur esse ich halt so viel Obst und Gemüse wie ich schaffe, mindestens fünf Portionen am Tag. Davon sollten mindestens drei Portionen Gemüse sein, weil bei extrem viel Obst der Fruchtzucker Probleme machen kann.

Bezüglich Rohkost noch ein Nachtrag zu gestern: Meine zweitliebste Sorte nach Karotten sind inzwischen Streifen von roter Paprika. Vor allem, seitdem ich Paprika aufschneiden kann, ohne die gelben Kerne in der Frucht zu verteilen: Deckel ab, Boden ab, und dann rund um den Kern herumsäbeln. Wie schön, dass es auch dazu hilfreiche Anleitungen im Internet gibt!

Noch zu etwas völlig anderem: Auf meine Frage hin, auf was andere Menschen bei ihren Wanderungen achten, hat mir Frau Reppel aus Nordrhein-Westfalen folgende schöne Anekdote geschickt:

"Wenn ich zu Fuß in unser Städtchen gehe, nehme ich stets den Weg durch unseren kleinen Stadtgarten, am sogenannten Gondelteich vorbei. Seit Jahren bevölkern zig Enten den Teich und die angrenzenden Wiesen. Ab und zu hört man sie gackern, Spektakuläres passiert nicht, außer, dass sie Nahrung suchen und ihre Küken füttern.

An einem Morgen hörte ich aber plötzlich ein schrilles Gackern, was mich erschrocken und neugierig auf den Teich blicken ließ. Aus den gegenüber liegenden Ufern flogen zwei Enten direkt über dem Wasser aufeinander zu. Ich befürchtete schon ein Unglück, und das nicht nur ich. Alle anderen Enten rundherum blickten ebenfalls stumm auf das Geschehen.

Aber kurz bevor die zwei aufeinander zu prallen drohten, bremsten beide das Tempo ab und glitten lautlos aufeinander zu. Dann berührten sie sich mehrmals mit ihren Schnäbeln sanft, schwammen immer wieder umeinander rum und wiederholten das Ritual oft. Ich vermute, dass sie sich nach ihrer Rückkehr aus dem Winterquartier wieder getroffen und in liebevoller Weise begrüßt haben. Die Intensität ihrer Begegnung hat mich fast zu Tränen gerührt.

Auf meinem Rückweg habe ich mir eingebildet, die beiden wieder erkannt zu haben: Immer noch schwammen zwei Enten entfernt von allen anderen nebeneinander auf dem Teich."

Weitere Berichte nehme ich liebend gerne entgegen unter roland.muehlbauer@wortundbildverlag.de


Daten für Donnerstag den 30.3.2017:

Bewegung: 13.011 Schritte / 9,14 km / 4 Stockwerke / errechnete Schrittlänge: 70 cm + 40 Minuten Bauch- und Rückentraining

Obst und Gemüse: Rote Paprika mit Paprikafrischkäse, Orange, Chicoree-Kartoffelsuppe, Canneloni Ricotta-Spinat mit Tomatensoße, Mandarine, Salatschüssel mit Thunfisch, Ei, Kapern und Zwiebeln


Meine Lieblingskarotten

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Tag 30 (Donnerstag 30.3.2017): Rübenengpass

Montag und Dienstag habe ich karottenfreie Tage eingelegt. Das liegt nicht daran, dass meine Liebe zur Rübe am Erlöschen wäre. Vielmehr macht mir ein Möhrenbeschaffungsproblem zu schaffen.

"Wie?", werden Sie fragen, "Im Umkreis von München verkaufen die Supermärkte keine gelben Rüben mehr?" – Ganz so schlimm ist es nicht. Aber Karotte ist nicht gleich Karotte! Rohkostfans werden jetzt, vermute ich, wissend nicken.

Und tatsächlich finde ich in den Geschäften, wenn ich nach Arbeit und Walking kurz vor Ladenschluss dort eintreffe, nicht mehr die von mir heißgeliebte Sorte. Ich spreche von den grazilen, zarten, langstieligen Babykarotten. Optimales Bissgefühl und eine perfekte Handhabung beim Dippen gehen dabei einher mit einem optisch ansprechenden Äußeren. Früher gab es sie sogar in der für mich optimalen Portionsgröße von 150 Gramm.


Für mich die zweite Wahl aus dem Kühlregal

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Aber derzeit herrscht gähnende Leere im Gemüseregal, was diese Leckerbissen angeht. Wenn ich momentan überhaupt Babymöhren erhasche, finde ich höchstens Karottinis im Kühlregal, meist in der etwas sperrigeren 250 Gramm-Packung. Sie sind bereits geschält, gewaschen und verzehrfertig. Klein und dick und recht einheitlich, wirken sie eher wie Bruchstücke von größeren Karotten. Ihre geraspelte Oberfläche ist weicher, und sie schmecken meines Erachtens weniger frisch als meine Lieblingssorte.

Natürlich habe ich auch schon große Möhren probiert. Und ein paar sehr holzige Exemplare erwischt. Um sie mundgerecht dippen zu können, habe ich sie der Länge nach geviertelt, wobei sich das Messer bedenklich verbogen hat. Mein Kauvergnügen hielt dementsprechend lange an, hielt sich dabei aber sehr in Grenzen. Und ich muss gestehen, dass mir von der ein Kilogramm-Packung die letzten Exemplare gnadenlos verschrumpelt sind und unverzehrt im Biomüll landeten.

Welche Karotten essen Sie am liebsten? Und wo finden Sie die orangen Carotinbomben? Antworten bitte wie immer an roland.muehlbauer@wortundbildverlag.de


Daten für Mittwoch den 29.3.2017:

Bewegung: u.a. Nordic Walking-Gruppe; 12.233 Schritte / 10,52 km (laut GPS der Trainerin aber mindestens 2 km zuviel) / 10 Stockwerke / (errechnete Schrittlänge: 86 cm)

Essen: 250g Babykarotten mit Paprikafrischkäse, Gemischter Salat, 400g Ananas, Bruschetta mit Tomaten, Calamari ala livornese (mit Oliven, Kapern, Tomaten, Broccoli, Karotten)


Gemüse-Highlight aus der Verlags-Kantine: Vegetarisches Curry

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Tag 29 (Mittwoch 29.3.2017): Nachgefragt

Liebe Leser, heute bitte ich mal aufdringlich um Ihre Mithilfe. Ich soll nämlich einen Artikel mit Anregungen schreiben, wie Menschen mit wenig Zeit trotzdem Bewegung in ihren Alltag bringen können. Schließlich hat vermutlich nicht jeder die Muße, wie ich nach Dienstschluss täglich eineinhalb Stunden durch die Gegend zu walken.

Nun füllte sich mein Brainstorming-Zettel zwar recht schnell. Für die Fahrt zur Arbeit das Rad benutzen, oder weiter weg parken, an der Haltestelle auf und ab tigern und so weiter. Ich bin mir allerdings unsicher, ob meine Ideen die Lebenswirklichkeit der Leute treffen:

Schließlich hat nicht jeder einen Arbeitsweg, den er gefahrlos mit dem Fahrrad zurücklegen kann. Oder die Anfahrt ist auch schlicht zu weit und das Wetter oft zu schlecht. Oder das Rad wurde mal wieder gestohlen, wie in meinem Fall.

Die Motivation, das Auto woanders abzustellen und den Rest zu Fuß zu gehen, sinkt sicherlich mit jeder Einkaufstüte und jedem Getränkekasten, die man mitschleppen muss. Viele haben außerdem ein besseres Gefühl, wenn der Wagen in Sichtweite ist. Und Garagenbesitzer finden den Gedanken wahrscheinlich sowieso absurd.

Wer mit der S-Bahn fährt, hat vermutlich seine Anfahrt schon zeitlich so weit optimiert, dass nur selten größere Wartezeiten an den Gleisen aufkommen. Oder der Bahnsteig ist so voll, dass sich die anderen Wartenden gestört fühlen.

Natürlich hätte ich auch für den Büroalltag Tipps: Statt mit dem Kollegen telefonieren, einfach zu ihm hingehen und von Auge zu Auge sprechen. Stellt sich nur die Frage, ob der Kollege das will und im Arbeitsstress die Zeit dafür da ist. Und Meetings im Gehen abzuhalten, dürfte auch recht oft mit der Unternehmenskultur kollidieren.

Es sind auch nicht alle Büros mit Stehpulten ausgerüstet, und nur wer in einem Einzelzimmer sitzt, kann beim Telefonieren ungestört auf und ab gehen. Oder die Mittagspause für Bewegung nutzen: Viele werden wohl kaum Zeit für Essen und Verdauungsspaziergang haben.

Was meinen Sie: Sehe ich das zu kritisch? Oder reicht es letztendlich, jedem selbst zu überlassen, wo er in seinem Lebensalltag Inseln für Bewegung findet? Haben Sie weitere Anregungen, an die man vielleicht nicht von selber denkt? Meinungen und Tipps bitte an roland.muehlbauer@wortundbildverlag.de


Daten für Dienstag den 28.3.2017:

Bewegung: 12.307 Schritte / 7,91 km / 11 Stockwerke / errechnete Schrittlänge 64 cm

Obst und Gemüse: Cherrytomaten, Selleriecremesuppe, Vegetarisches Curry (mit Pak Choi, Paprika, Sojasprossen und geröstetem Sesam), Grapefruit, kleine Banane, Kräuteroliven, Tomatensalat


Naturerlebnis: Per Steg mitten in der Würm

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Tag 28 (Dienstag 28.3.2017): Neuer Blickwinkel

Kennen Sie das, wenn andere Menschen dazu beitragen, dass man seine Umwelt ganz neu wahrnimmt? So geschah es mir: Mich hat auf meinen 10.000 Schritten eine befreundete Biologin begleitet, die sehr für Vögel schwärmt.

Wir wanderten an der Würm entlang, einem trägen Flüsschen, das aus dem Starnberger See entspringt und sich nach München schlängelt. Am Ufer legen Biber ganz viele Bäume um, deren Äste dann knapp über die Wasseroberfläche herausragen: Solche wassernahen Äste sind der bevorzugte Sitzplatz für den seltenen Eisvogel, ließ ich mich aufklären.

Alsbald verwandelte sich die Wanderung in eine fieberhafte Fotosafari auf der Suche nach dem legendären blau schimmernden Federträger. Um es kurz zu machen: Trotz regem Einsatz eines Feldstechers haben wir ihn nicht entdecken können.

Dafür haben wir aber Dutzende anderer Vogelarten gesehen, deren Vielfalt mir bis dahin verborgen war: Rotkehlchen, Bachstelzen, Gebirgsstelzen, Blaumeise, Kohlmeise, Stockente, Kolbenente, Schwan, Kanadagans, Amsel, Wasseramsel, Wacholderdrossel, Star, Kleiber, Turmfalke, Buchfink, Zaunkönig, Rabenkrähen, Gänsesäger, Ringeltaube, Hohltaube, Haustaube, Mäusebussard und Rohrweihe.

Ach ja, Grünspecht, Buntspecht und Kolkrabe haben wir außerdem gehört.
Was entdecken Sie vor allem bei Ihren Spaziergängen? Bitte E-Mail an roland.muehlbauer@wortundbildverlag.de


Daten für Montag den 27.3.2017:

Bewegung: 13.974 Schritte / 10,93 km / 14 Stockwerke / errechnete Schrittlänge: 78 cm + eine Stunde Tennis

Obst und Gemüse: Roter Paprika mit Kräuterquark, gemischter Tagessalat, Grapefruit, Spargel mit Schinken, Tomatensalat mit Zitronensaft und Olivenöl als Dressing


Solche Schilder machen mich beim Erkunden neuer Wege sehr neugierig

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Tag 27 (Montag 27.3.2017): Motivation

87,0 kg! Wieder 800 Gramm weniger. Damit habe ich seit Beginn der Fastenzeit dreieinhalb Kilogramm Gewicht verloren, mein Body Mass Index ist auf 26,9 gefallen und der BMI-Rechner moniert nur noch "leichtes Übergewicht". Fünf Kilo weniger, und ich wäre bereits im Bereich des Idealgewichts. Das spornt doch an! (Herausforderung für Mathe-Asse: Wer kann aus den Angaben meine Körpergröße berechnen? Die Lösung bitte per Mail an roland.muehlbauer@wortundbildverlag.de)

Seit meinem Fastenprojekt bin ich auch hellhörig, was andere Projekte zu den Themen gesünder leben und abspecken angeht. Am Wochenende habe ich deshalb interessiert eine Fernsehreportage verfolgt. In Großbritannien bilden seit Anfang 2016 übergewichtige Männer im dreistelligen Kilobereich Fußballteams.

Sie trainieren und stellen ihre Ernährung um. Jeden Samstag ist dann ein Ligaspiel in der Halle über 30 Minuten gegen ein anderes Team aus dem Projekt angesagt. Über Sieg und Niederlage entscheiden dabei nicht nur die auf dem Platz geschossenen Tore. Nach dem Match werden die Spieler gewogen. Wer abgenommen hat, erzielt einen Bonustreffer für seine Mannschaft.

Diese Mischung aus Wettkampf und Teamgeist – zynischere Zungen sprechen von Gruppenzwang – scheint die Männer bei der Stange zu halten. Angeblich nehmen 95 Prozent der Teilnehmer dadurch ab, und die Webseite brüstet sich damit, dass alle zusammen bereits über 11.000 Kilogramm verloren haben.

Ich würde zwar noch gerne wissen, wie gut die ärztliche Begleitung ist und wie viele Verletzungen es dabei gibt. Aber die glücklichen Gesichter der Fußballer haben mich schon beeindruckt. Ich war ein bisschen neidisch auf ihre gemeinsamen Erfolgserlebnisse, und dass sie sich gegenseitig so stark unterstützen.

Außerdem habe ich bei der New York Times online eine Studie über Postangestellte gelesen. Wer als Briefträger mindestens 15.000 Schritte täglich macht, ist demnach bezüglich Herz-Kreislauf-Erkrankungen am gesündesten. 15.000 Schritte! Am Tag! Das ist echt eine Nummer. So viele habe ich letzte Woche gerade mal am Samstag geschafft, als ich abends noch tanzen war. Vielleicht sollte ich auf Postbote umschulen.

Wobei das auch eine schöne Aufgabe als Fortsetzung meines Projekts wäre: In jedem Club Münchens, in den ich hineingelassen werde, 15.000 Schritte schwofen...


Daten für Freitag den 24.3.2017:

Bewegung: 11.447 Schritte / 7,31 km / 11 Stockwerke / errechnete Schrittlänge: 64 cm

Obst und Gemüse: Joghurt mit Erdbeeren und Mango, Nudelsalat mit Cherrytomaten und Rucola, Apfelmark, Grillgemüse (Tomaten, Paprika, Zucchini, Auberginen, Zwiebeln) mit Arrabiatasoße, nochmal Erdbeeren
Daten für Samstag den 25.3.2017:

Bewegung: 22.805 Schritte / 14,64 km / 12 Stockwerke / errechnete Schrittlänge: 64 cm

Obst und Gemüse: Babykarotten mit Paprikafrischkäse, Grapefruit, Trauben, Apfel, eingelegter weißer Spargel, Cherrytomaten, Mezzelune Ricotta-Spinat mit Tomatensoße
Daten für Sonntag den 26.3.2017:

Gewicht: 87,0kg

Bewegung: 12.390 Schritte / 9,57 km / 15 Stockwerke / errechnete Schrittlänge: 77 cm

Obst und Gemüse: Babykarotten mit Radieschenfrischkäse, Papaya mit Zitrone, mediterraner Salat (gemischt mit Schafskäse, Oliven und Pepperoni), Bruschetta (mit Tomaten, Basilikum, Rucola), Obstkuchen (mit Banane, Birne und Pfirsich), eingelegter weißer Spargel, Orange



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