Gelenkschmerzen

Ist es Arthrose? Rheuma? Oder vielleicht die Gicht? Mehr zu Ursachen von Gelenkschmerzen, Wissenswertes über Diagnose und Therapie. Mit Gelenkschmerz-Check


Das Knie: Hält zwar viel aus, ist aber auch bei Schmerzen Spitzenreiter

Schnell die Treppen rauf und rein in die nächste U-Bahn, die Schnürsenkel binden, in der Hocke werkeln, fleißig tippen – mit gesunden Gliedern alles kein Problem. Fangen Gelenke aber zu schmerzen an und geraten ins Stocken, schränkt uns das ein: Arbeiten im Beruf und Alltag fallen schwerer oder gehen ohne Behandlung gar nicht mehr. Auch für Hobbies mit Gelenkeinsatz wie Sport bedeuten Gliederschmerzen oft das Aus.

Was Gelenken guttut

Wer rastet, der rostet: Banal, aber wahr. Um in Form zu bleiben, brauchen Gelenke vor allem eins: Bewegung. Regelmäßig und moderat sollte sie sein. So werden die Gelenke gut „geölt“. Das heißt, die Flüssigkeit im Gelenkspalt, die das bewerkstelligt und tatsächlich Gelenkschmiere heißt, kann dann ihre Schutzfunktionen voll entfalten. Sport, der uns verträglich fordert, bewährt sich ebenfalls sehr. Außerdem zählt das Körpergewicht: Gelenke, die nicht zu schwer tragen müssen, bleiben länger fit. Optimal ist Normalgewicht – am besten von Kindesbeinen an.


Ernähren Sie sich kalorienbewusst, aber ausgewogen, damit zum Beispiel das Knochensystem genügend stärkendes Kalzium bekommt. Bewegung stärkt die Knochen ebenfalls, und überschüssige Pfunde schmelzen dahin. So profitieren die Gelenke gleich mehrfach.

Was Gelenken schadet

Gliederschmerzen nach körperlichen Strapazen sind meist harmlos und bald wieder vorbei. Kurze Spitzenbelastungen, etwa ein Umzug, müssen im Alltag nun mal drin sein – übliche Wehwehchen danach inbegriffen. Klar ist auch: Gelenkige, gut trainierte Menschen stecken solche Belastungen besser weg als Bewegungsmuffel. Andererseits kann falsches Training Gelenken auch schaden.

Die größten Belastungen

Überbelastung: Ein echtes Problem für Gelenke ist ständige Überbelastung. Einseitige, gleichförmige, schwere körperliche Arbeiten, Leistungssport „extrem“, Übergewicht oder Fettleibigkeit (Adipositas): alles Gift fürs Gerüst. Statisch ungünstig können sich auch Fehlstellungen von Gliedmaßen auswirken, zum Beispiel die X-Stellung eines Beines im Kniegelenk (X-Bein, genu valgum). Bei all dem nutzen Gelenke oft vorzeitig zeitig ab, schmerzhafter Verschleiß (Arthrose) ist programmiert.

Keine Frage – berufliche Körperbelastungen sind oft unvermeidlich. Wichtig ist dann, die  Arbeitsschutzmaßnahmen einzuhalten und ansonsten alles zu vermeiden, was den Gelenken zusätzlich schadet, eben Übergewicht zum Beispiel.

Rauchen: Auf der langen Liste der Gründe, warum Rauchen gesundheitsschädlich ist, finden sich ganz am Ende auch die Gelenke. So fördert der blaue Dunst zum Beispiel
Erkrankungen wie die Psoriasis-Arthritis, also die Gelenkentzündung im Rahmen der Schuppenflechte. Das ist eine Form von Rheuma. Rheuma-Patienten wird geraten, vom Rauchen abzusehen (mehr zu Rheuma im „Gelenkschmerz-Check“ weiter unten).

Verletzungen: Wenn gelenknahe Knochen nach einem Bruch nicht wieder glatt zusammenwachsen oder wenn der Gelenkknorpel geschädigt wurde, kann es vorzeitig zu Gelenkverschleiß und Schmerzen kommen. Typisches Beispiel ist eine Sprunggelenk-Arthrose als Verletzungsfolge.

Erbliche Faktoren, Lebensalter: Veranlagung, Alter und Geschlecht prägen unsere Konstitution – und damit auch die Gelenke. Ob diese gesund mit uns altern oder ob und wann sich welche Beschwerden einstellen, ist natürlich individuell ganz verschieden. Nicht zuletzt liegt es auch daran, dass manche Krankheiten, die Gelenken zusetzen, auf Veranlagung beruhen und teilweise dann schon in jungen Jahren auftreten oder  angeboren sind. Das gilt auch für einige Fehlstellungen von Gelenken (siehe oben, Überbelastung). Erblich bedingt sind zum Beispiel auch Stoffwechselkrankheiten wie die Gicht.

Und was andererseits das Alter betrifft: In der Zeit um die Wechseljahre verspüren viele Frauen plötzlich Schmerzen an Gelenken, die früher alles problemlos mitgemacht haben. Häufig macht sich zum Beispiel jetzt erstmals eine Arthrose bemerkbar (siehe unten, „Gelenkschmerz-Check“).

Krankheiten: Viele Erkrankungen, die auf Gelenke zielen, bewirken, dass diese sich entzünden: Es kommt zu einer Arthritis (arthros, griech. Gelenk; die lat. Endung -itis steht für entzündet). Zu den Symptomen gehören Schmerzen an den Gelenken (Arthralgien, siehe unten). Bei anhaltender Entzündung drohen eventuell Verformungen von Gelenken und in der Folge Behinderungen. Je nach Ursache sind verschiedene Begleitsymptome möglich, etwa Fieber.



Das Kniegelenk und seine wichtigsten Bauteile

Akute Gelenkentzündung? Fünf Arthritis-Leitsymptome

  • Das Gelenk schmerzt (Arthralgie),
  • es ist geschwollen,
  • schlechter beweglich,
  • kann sich heiß anfühlen,
  • und äußerlich gerötet sein.

Was schmerzt genau?

Häufig gehen Schmerzen nicht vom Gelenk selbst, sondern von den umliegenden Stützgeweben aus. Die Gelenke selbst müssen also gar nicht entzündet sein. So können körperliche Sondereinsätze die Muskeln, Schleimbeutel oder eine schon leicht lädierte Sehne schnell überlasten. Die Folge: Es kommt zu Reizungen oder kleinsten Einrissen, bestimmte Bewegungen schmerzen, oder es tut bei Druck mit dem Finger am Sehnenansatz weh.

Sehnen- oder Schleimbeutelentzündungen sind manchmal recht langwierig. Schleimbeutel liegen in Gelenknähe und puffern Gleitbewegungen von Sehnen über Knochenvorsprüngen ab. Strapazierte Bänder, die den Gelenken Extra-Halt geben, und nicht zuletzt die Muskeln können erhebliche Schmerzen bereiten – wie eine entzündete Knochenhaut oder ein entzündetes Gelenk eben auch. Im Falle des Gelenkes ist häufig die Gelenkinnenhaut betroffen.


Welche Gelenke tun am häufigsten weh?

Gelenkverschleiß oder Arthrose ist mit Abstand die führende Gelenkerkrankung. Die Knie trifft es am häufigsten – sie sind in Sachen Gelenkschmerzen Spitzenreiter. Der Rücken hält bei Schmerzen auch gut mit. Hier machen zum Beispiel häufiger die kleinen Wirbelgelenke Probleme. Arthrose setzt ihnen oft im Bereich der Lenden- und der Halswirbelsäule zu.

Auch Rheuma, etwa die rheumatoide Arthritis, kann die Wirbelsäule angreifen, hauptsächlich oben am Hals. Möglicher Hinweis auf Probleme an der Halswirbelsäule sind Schmerzen im Nacken und am Hinterkopf, die sich bei Kopfbewegungen verstärken, manchmal auch ein steifer Hals.

Am Kreuz spielt Rheuma in Form einer Kreuzbein-Darmbeinentzündung (auch Sakroiliitis) wie bei der Bechterew-Krankheit oder von Entzündungen der kleinen Wirbelgelenke (Spondyloarthritis) wie bei Schuppenflechte eine Rolle. Obwohl all diese Probleme unter Rheuma laufen, sind jeweils verschiedene Erkrankungen dafür verantwortlich.

Der größere Anteil an Rücken-, Kreuz- und Nackenschmerzen geht allerdings aufs Konto überstrapazierter Muskeln und Bänder. Mediziner bezeichnen das als funktionell, insoweit sie organische Krankheitsursachen ausgeschließen konnten.

Für schmerzende Ellbogen und Schultern sind oft lädierte Sehnen und Schleimbeutel verantwortlich. Ellbogen und Knie können sich unter anderem bei Gicht, Pseudogicht oder chronischer Borreliose entzünden. Allerdings liegt der typische Brennpunkt bei der Gicht im Großzehengrundgelenk.

Gerade auch die Finger, unsere Feinmotorik-Spezialisten, sind ebenfalls im Fokus vieler Krankheiten – häufig wiederum Arthrose und Rheuma.

Gelenkschmerzen: Wenn der Körper als Ganzes erkrankt

Es gibt Erkrankungen, die neben Gelenken noch weitere Organe erfassen – etwa Augen, Herz, Lungen, Nieren und Nerven. Daher heißen sie Systemerkrankungen: Jedes Organ im Körper kann erkranken, meist mehr als zwei. Daher sind vielfältige Symptome möglich.

Außerdem kommt es häufig zu allgemeinen Beschwerden wie Hautausschlag, Fieber, Müdigkeit, Gewichtsabnahme und Durchblutungsstörungen, etwa an den Fingern. Häufig stecken rheumatische Krankheitsbilder beziehungsweise sogenannte Autoimmun-Krankheiten dahinter, aber nicht nur.



Manchmal sind Gelenkschmerzen ein Notfall

Gelenkschmerzen als Alarmzeichen?

Ein durch Bakterien infiziertes Gelenk mit starker Schwellung, Rötung, schmerzhaft eingeschränkter Beweglichkeit, gegebenenfalls Fieber und Schüttelfrost (siehe Abschnitt „Ursachen von Gelenkschmerzen“) beispielsweise ist ein Notfall. Rufen Sie den Arzt, außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst in Ihrer Gegend, im Zweifelsfall den Notarzt (via Rettungsleitstelle, Tel.: 112), kühlen Sie derweil das Gelenk und halten es ruhig.

Dies gilt auch im Falle einer möglichen Gelenkblutung, die teilweise ähnliche Symptome macht (siehe unten: „Gelenkschmerz-Check“). Patienten mit bekannter Bluterkrankheit begeben sich unverzüglich in das zuständige Hämophilie-Zentrum.

Hohes Fieber, Schüttelfrost, dazu deutliche Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen, Lichtscheu, ein Hautausschlag sowie Gelenk- und Muskelschmerzen weisen eventuell auf eine Hirnhautentzündung hin. Auch hier umgehend den Notarzt alarmieren.  

Gelenkschmerzen in Verbindung mit Atemnot, schnellem Puls, Brustschmerzen, blutigem Urin und Fieber können gelegentlich einer akut-entzündlichen Systemerkrankung geschuldet sein. Ziehen Sie auch hier rasch den Notarzt hinzu. Schnell muss es gehen, weil unter anderem ein Herzinfarkt auszuschließen ist.

Selten sind Schwellungen eines Gelenkes – mit oder ohne Schmerzen – durch eine Geschwulsterkrankung (Tumor) bedingt. Möglicherweise hat sich ein gutartiger Tumor am Gelenkknorpel oder an einer Sehne gebildet. Auch Gefäß- und Fettgewebswucherungen kommen vor.

Bösartig sind unter anderem Weichteiltumoren wie Synovialsarkome, die gelenknah in Verbindung zu Gelenkkapseln, Sehnen und Schleimbeuteln wachsen – meist im Umfeld des Knie- oder Hüftgelenkes. Gelegentlich siedeln sich Tochtergeschwülste von Tumoren (Metastasen) in einem Gelenk an. Schließlich kann es bei Krebs manchmal auch ganz allgemein zu Gelenkschmerzen kommen (sogenannte paraneoplastische Gelenkschmerzen).

! Wichtig: Gehen Sie bei auffallenden Veränderungen oder Beschwerden an einem oder mehreren Gelenken immer zum Arzt!

Mehr zu den hier genannten und anderen möglichen Ursachen von Gelenkschmerzen im „Gelenkschmerz-Check“ weiter unten.


Gelenkschmerzen: Wann zum Arzt?

  • Bei einer Verletzung, die unter anderem offenbar ein Gelenk, die Wirbelsäule oder den Brustkorb mit einbezogen hat
  • Wenn ein Gelenk schmerzt, wenn es geschwollen, schlechter beweglich ist und die Haut darüber gerötet aussieht
  • Wenn ein oder mehrere Gelenke schmerzen, gleichzeitig oder eins nach dem anderen (wandernder oder springender Schmerz), auch bei Kindern
  • Wenn Glieder – Gelenke oder Muskeln – anhaltend oder immer wieder Schmerzen bereiten
  • Wenn ein Gelenk bei typischen Bewegungen ein schmerzhaftes Schnappen erzeugt
  • Wenn Gelenke nachts oder frühmorgens schmerzhaft und / oder morgens nach dem Aufstehen länger steif sind, etwa bis zu eine Stunde
  • Bei „Gelenkschmerz plus ...“, das heißt bei Begleitsymptomen wie Krankheitsgefühl, Hautausschlag, auch im Genitalbereich, Fieber, Schüttelfrost, Gewichtsverlust, Müdigkeit. Und bei weiteren Krankheitszeichen wie gerötete oder trockene Augen, Mundtrockenheit, Sehstörungen, Husten, Auswurf, Durchfall, Depressionen...
  • Wenn Gelenkschmerzen trotz Therapie sich nicht bessern oder sich akut verschlechtern

Ursachen von Gelenkschmerzen: Fünf Wichtige & mehr

Arthrose durch Verschleiß, Gicht durch zu viel Harnsäure im Körper, Infektionen durch Krankheitserreger, die Schmerzkrankheit Fibromyalgie-Syndrom und Rheuma – so lauten die führenden Ursachen von Gelenkschmerzen. Von Rheuma ist allein schon deshalb häufig die Rede, weil für viele Menschen Gliederschmerz und Rheuma dasselbe ist. Manchmal laufen selbst die Gicht oder das Fibromyalgie-Syndrom großzügiger- oder fälschlicherweise unter dem Begriff Rheuma.

Vor allem geht es bei Rheuma-Beschwerden um das zentrale Krankheitsbild der rheumatoiden Arthritis, kurz gesagt Gelenkrheuma, eine der führenden Autoimmun- und Systemkrankheiten (siehe nachfolgend). Andere rheumatische Krankheiten kommen zwar deutlich seltener vor, Gelenkschmerzen gehören aber fast immer zu den Symptomen.

Was sind Autoimmunkrankheiten?

Wenn plötzlich das Körpergewebe vom eigenen Immunsystem angegriffen wird und sich entzündet, handelt es sich um eine Autoimmunreaktion. Typisches Beispiel eben: Gelenkrheuma. Oder die sogenannten Kollagenosen, bei denen sich das Bindegewebe entzündet. Dazu gehören das relativ häufige Sjögren-Syndrom oder der Systemische Lupus erythematodes. Auch Vaskulitis-Erkrankungen zählen letztlich dazu. Hier entzünden sich kleine, mittelgroße oder große Schlagadern, selten (auch) Venen. Es kommt zu Gefäßschäden und vielfältigen Krankheitsbildern. Eins davon ist die Polymyalgia rheumatica. Am Bewegungssystem, vor allem im Nacken, Schulter- und Beckengürtel, verursacht sie besonders nachts starke Schmerzen.

Manchmal treten schmerzhafte Gelenkentzündungen nach einer Infektion mit Bakterien auf, weil das Immunsystem auf bestimmte Erregerbestandteile reagiert (infektbedingte Autoimmunreaktion). Das rheumatische Fieber nach einer Streptokokken-Angina ist so ein Beispiel. Dabei kommt es neben schmerzhaften Entzündungen großer Gelenke auch zu Fieber und Hautausschlägen, unbehandelt kann sich ein Herzfehler entwickeln. Seit der Antibiotika-Ära gehört es bei uns fast schon zu den vergessenen Krankheiten.

Veranlagung und Immunreaktionen im Spiel: Entzündungen der Wirbelgelenke und Kreuzbein-Darmbein-Gelenke

Eine Entzündung von Wirbelgelenken heißt Spondyloarthritis (SPA), für die Entzündung der Kreuzbein-Darmbein-Gelenke gibt es den Fachbegriff Sakroiliitis. Einige hier zugrunde liegende Erkrankungen wie die Bechterew-Erkrankung zählen ebenfalls zu Rheuma, auch wenn im Blut typische Rheumawerte wie die sogenannten Rheumafaktoren fehlen. Charakteristisch sind Rücken- und / oder Kreuzschmerzen, dazu oft auch Schmerzen an einem Gliedmaßengelenk, etwa am Knie.

Eine andere mögliche Grunderkrankung in diesem Zusammenhang ist die Hautkrankheit Schuppenflechte (Psoriasis). Bestehen neben Kreuz- oder Gelenkschmerzen gleichzeitig deutliche Darmsymptome wie etwa Durchfälle, kann unter anderem eine chronische Darmentzündung vom Typ Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa vorliegen.

Manchmal entwickelt sich nach einer Infektion des Darm-, Harn- oder Geschlechtstrakts eine Spondyloarthritis / Sakroiliitis. In dem Fall wird das ebenfalls autoimmune Krankheitsbild reaktive Arthritis genannt. Es betrifft etwa zwei bis drei Prozent der Patienten, ist also gar nicht so selten.

Veranlagung spielt bei den meisten dieser Erkrankungen eine Rolle, was durch ein bestimmtes Genmerkmal im Blut (HLA-B27) zum Ausdruck kommt.

Seltener ist dagegen die wiederkehrende (rezidivierende) Polychondritis, eine entzündliche Krankheit des Knorpelgewebes. Auch hier ist ein bestimmtes Genmerkmal (HLA-DR4) von Bedeutung. Es kann jedoch gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen, etwa Kollagenosen, oder mit entzündlichen Gefäßerkrankungen (Vaskulitis, siehe jeweils oben) vorkommen. Schmerzen an verschiedenen Gelenken, auch an den Verbindungen zwischen Rippen und Brustbein, sind mitunter erste Krankheitszeichen. Im weiteren Verlauf kann es zu schweren Verunstaltungen kommen wie einer „Sattelnase“, sogenannten „Schlappohren“ durch Auflösung des Ohrläppchenknorpels und einer „Trichterbrust“ mit eingesunkenem Brustkorb. Noch gravierender sind innere Komplikationen, zum Beispiel an den Herzklappen. Je nach Schweregrad können aber, wie bei etlichen anderen Rheuma-Erkrankungen auch, immununterdrückende Therapien helfen.

„Multisystemerkrankung“ Sarkoidose

Dieses Krankheitsbild gehört nicht zu den Autoimmunerkrankungen. Jedoch kann die Sarkoidose als entzündliche Systemkrankheit ebenfalls viele Organe erfassen. Schwerpunktmäßig geht es hier um die Lungen. An der wiederum seltenen akuten Form (Löfgren-Syndrom), die auch Gelenke tangiert, erkranken hauptsächlich jüngere Frauen.

Stoffwechsel- und Speicherkrankheiten: Gicht & Co.

Bei der Stoffwechselkrankheit Gicht können sich Harnsäurekristalle in Gelenken ablagern und dort eine heftige Entzündung auslösen. Dichter und Maler haben der Gicht Denkmäler gesetzt. Bei Wilhelm Busch heißt es: „Der Dicke aber – autsch! mein Bein – hat wieder heut das Zipperlein“. Zipperlein stand einst für die Gicht. Heute hört es sich „untertrieben“ an, sind doch Gichtanfälle dafür bekannt, höllisch weh zu tun. Völlig richtig ist der Hinweis auf die Körperfülle: Gicht war schon immer eine Zivilisationskrankheit und ist es auch heute noch.

Die gute Nachricht: Keineswegs jeder Betroffene bekommt es dabei mit den Gelenken zu tun. Dennoch ist es wichtig, den Harnsäurespiegel im Zielbereich zu halten, wozu auch eine Ernährung mit Blick auf die sogenannten Purine gehört, aus denen im Körper Harnsäure entsteht.

Weniger bekannt ist eine Verwandte der Gicht namens Pseudogicht, die zu mehr oder weniger schmerzhaften Ablagerungen von Kalziumkristallen im Gelenkknorpel führt.

Oder die Tatsache, dass auch erbliche Störungen des Fettstoffwechsels oder die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) die Gelenke in Mitleidenschaft ziehen können. Gelenkschmerzen in Verbindung mit Fettstoffwechselstörungen dagegen kommen jedoch verhältnismäßig selten vor, ebenso im Zuge einer Eisenspeicherkrankheit.

Rätselhaft: Fibromyalgiesyndrom und Chronisches Müdigkeitssyndrom


Das Fibromyalgie-Syndrom (FMS) zeichnet sich durch Gliederschmerzen in vielen Bereichen, vegetative Beschwerden wie vermehrtes Schwitzen und Störungen zahlreicher Körperfunktionen aus. Die Ursache ist unklar. Veranlagung und Störungen bestimmter Nervenfasern scheinen eine mitauslösende Rolle zu spielen. Das FMS begleitet mitunter eine rheumatische Erkrankung.


Bei einem Chronischen Müdigkeits- oder Fatigue-Syndrom (auch Myalgische Enzephalomyelitis (ME) genannt) kommt es ohne erkennbare Ursache zu plötzlicher körperlicher und geistiger Erschöpfung. Zudem können Muskel- und Gelenkschmerzen sowie verschiedene andere Symptome auftreten.

Ein „Fatigue-Syndrom“ anderer Art kann bei eingreifenden Krankheiten wie Krebs und und entsprechenden Therapien vorkommen.

Wenn Infektionen auf die Gelenke schlagen

Virus-Krankheiten wie Masern, Windpocken, Röteln, Hepatitis B und Hepatitis C, HIV / Aids oder Krankheiten durch Bakterien, darunter sexuell vermittelte Infektionen wie Gonorrhö (Tripper) oder mit Chlamydien führen neben typischen Hauptbeschwerden häufig zu Gelenkschmerzen. Bei der Grippe, eine der weltweit häufigsten Krankheiten überhaupt, gehören Muskel- und Gliederschmerzen zu den Leitsymptomen. Was genau hier wehtut, ist im Einzelnen aber gar nicht genau unterscheidbar – irgendwie ist es das ganze „Gestell“.

Sehr selten kündigen Gelenk- und Kreuzschmerzen eine Whipple-Krankheit (siehe unten, „Gelenkschmerz-Check“) an. Frühestmögliche Diagnose und Therapie helfen hier wie bei vielen anderen Krankheiten auch, Komplikationen zu vermeiden.

Gelangen Bakterien in ein Gelenk, etwa bei einer Verletzung, droht eine akute bakterielle Infektion. Sie gefährdet das Gelenk und muss umgehend behandelt werden (Gelenk-Notfall, siehe weiter oben). Zudem können die Keime streuen und eine gefährliche Blutvergiftung (Sepsis) provozieren. Umgekehrt können Bakterien auf dem Blutweg ins Gelenk gelangen und ihm gefährlich werden (septische Arthritis). Oder sie stammen aus einem angrenzenden, infizierten Knochen.

Menschen mit Rheuma sind anfälliger für Gelenkinfektionen, da das entzündete Gewebe Bakterien anlockt. Auch spezielle Rheuma-Therapien begünstigen das, sie unterdrücken Abwehrreaktionen. Trotzdem sind sie in vielen Fällen alternativlos.
Weniger akut verlaufen Gelenkinfektionen durch Pilze oder bei einer Tuberkulose.

Weitere seltene Erkrankungen als Ursachen von Gelenk- oder Skelettschmerzen

Regelrechte „Entzündungskrisen“ brechen bei den ebenfalls seltenen erblichen Fieberkrankheiten aus, etwa dem familiären Mittelmeerfieber. Die Betroffenen, in der Regel unter zehn Jahre alten Kinder, erleiden wiederholte Fieberschübe, Hautausschläge an den Beinen, schmerzhafte Entzündungen einzelner Gelenke und Muskelschmerzen. Auch das Rippen- oder Bauchfell kann sich entzünden. Dann kommt es zu Atembeschwerden oder Bauchschmerzen. Näheres im Beitrag „Fieber“ (Kapitel „Erbliche Fiebererkrankungen“).


Auf der Ursachenliste von Gelenkschmerzen gibt es aber noch mehr zu entdecken: etwa das seltene Sweet-Syndrom mit Fieber, einem knötchenförmigen Hautausschlag im Gesicht und an Gliedmaßen sowie schmerzhaften Gelenkentzündungen. Es kann unter anderem nach Infektionen der oberen Atemwege, bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, bei bösartigen Erkrankungen wie zum Beispiel Leukämie, nach Gabe bestimmter Medikamente und aus unklarer Ursache auftreten.

Auch Gelenkblutungen durch die Bluterkrankheit (Hämophilie) oder andere Gerinnungsstörungen, sodann eine Erkrankung wie die Akromegalie und nicht zuletzt Tumoren können Ursache von Gelenkschmerzen sein. Bestimmte Formen von Blutarmut wie die erbliche Sichelzellkrankheit (Sichelzellanämie) und Thalassämie gehen mehr mit mit diffusen Skelett- als mit Gelenkschmerzen einher. Dazu kommt es infolge von Durchblutungsstörungen im Knochenmark.

Zu einigen hier genannten Krankheiten finden Sie nun noch weiterführende Informationen im „Gelenkschmerz-Check“


Gelenkschmerz-Check

Gelenkschmerzen können zahllose Ursachen haben. Sie alle aufzulisten, ist kaum möglich. Wir können Ihnen hier nur eine erste Orientierung geben. Bitte beachten Sie auch die weiterführenden Links.



Wo man Arthrose spürt

Gelenkverschleiß (Arthrose)

Gelenke fangen schon um die 30 an zu verschleißen, meist aber unmerklich. Ab 60 hat jede/r Fünfte/r Arthrose an Knien oder Hüften, gut die Hälfte dadurch Schmerzen, mit höherem Alter nimmt die Zahl der Betroffenen weiter zu. Außer dem Lebenalter gehören Veranlagung, weibliches Geschlecht, Verletzungen, Überbelastung und spezielle Gelenkerkrankungen zu den Risikofaktoren.

Ärzte bezeichnen die Arthrose als das degenerative Gelenkleiden schlechthin. Der Verschleiß betrifft vor allem den Gelenkknorpel, den relativ dünnen Schutzüberzug der Gelenkflächen. Geschädigter Gelenkknorpel regeneriert sich von alleine nicht mehr, sodass das Gelenk fortan Belastungen ungeschützt ausgesetzt ist.

Symptome: Nach einer langen symptomlosen Zeit treten bohrende oder stechende Schmerzen im betroffenen Gelenk auf, häufig ein einzelnes, großes. Mitunter schmerzt auch ein benachbartes Gelenk, etwa bei Hüftarthrose das Knie. Die unebenen Gelenkflächen „knirschen“ oft. Bei Hüftarthrose ist die Innenrotation der Hüfte eingeschränkt, der Oberschenkel lässt sich also nicht mehr vollständig heranziehen, und die Schmerzen werden häufig in der Leiste verspürt. Ein Arthrose-Knie lässt sich unter anderem schlechter durchstrecken. Daher legen die Betroffenen zum Beispiel beim Schlafen gerne ein Kissen oder eine Rolle unter.

Der weitere Verlauf ist durch Morgensteifigkeit und Anlaufschmerzen gekennzeichnet: Das steife Gelenk kommt erst nach ein paar schmerzhaften Schritten in Gang. Danach bessern sich die Beschwerden, können aber bei längerer Belastung wieder auftreten. Mit der Zeit schmerzt es jedoch immer mehr – nicht nur beim Gehen, Treppensteigen und sonstigen Belastungen, sondern auch nachts und in Ruhe.
Ohne Therapie wird das Gelenk unbeweglicher und verformt sich. Im akuten Erkrankungsschub („Aktivierung“) ist das Gelenk entzündet, kann durch einen Erguss geschwollen sein und tut sehr weh; äußerlich fühlt es sich heiß an. Nach Einsatz einer Prothese können mitunter erneut Schmerzen im Gelenk auftreten.

Frauen haben nach den Wechseljahren häufig mit Fingerarthrose zu tun. Als Heberden-Arthrose zeigt sie sich an Fingerendgelenken, etwa am Zeigefinger und kleinen Finger. Die optisch störenden „Knubbel“ auf der Streckseite der Hand können sich entzünden und schmerzen; die betroffenen Finger sind kraftlos und weniger beweglich.

An den Fingermittelgelenken spielt sich die sogenannte Bouchard-Arthrose ab. Auch hier entstehen schmerzhafte Knoten. Verschleißkandidat ist außerdem das Sattelgelenk des Daumens (Rhizarthrose). An den übrigen Gelenken der Hand ist Arthrose eher selten, ebenso an den Ellbogen- und Schultergelenken.

Mehr dazu in den Ratgebern „Arthrose des Kniegelenks“, „Arthrose des Hüftgelenks“, „Arthrose der Hand- und Fingergelenke“ und „Schwellungen und Knoten an den Händen“.


• Autoimmunkrankheiten – entzündliche Systemerkrankungen

Normalerweise schützt und verteidigt das Immunsystem den Körper. Bei einer Autoimmunkrankheit greift es ihn plötzlich an – warum, ist meist unbekannt. Erbgut und Geschlecht spielen eine gewisse Rolle. Darauf weisen teilweise bestimmte Genmerkmale im Blut hin. Häufiger liegen die Störungen auch in der Familie und betreffen vermehrt Frauen.

Da oftmals verschiedene Organe gleichzeitig erkranken, darunter mehr als ein Gelenk, ist auch von Systemerkrankungen die Rede. Sie verlaufen meist schubartig und müssen nachhaltig behandelt werden, um Schlimmeres möglichst abzuwenden. Und weil Autoimmunkrankheiten sich häufiger auch mit einem Hautausschlag präsentieren, sodass die erste Anlaufstelle oft Hautärzte sind, haben diese eine weitere Bezeichnung namens „Dermatitis-Arthritis-Syndrome“ eingeführt.


Übungen bei Rheumaerkrankung

Wichtig bei Rheuma der Hände: Fingerübungen

Rheuma

Weit über 100 Krankheitsbilder ordnen Mediziner hier ein. Das häufigste ist das chronische Gelenkrheuma alias rheumatoide Arthritis.

– Rheumatoide Arthritis (RA, chronische Polyarthritis): Polyarthritis heißt, dass sich viele Gelenke – kleine und große – entzünden. Bei der RA geht es um etwa ein Prozent der Erwachsenen insgesamt, im Alter über 55 Jahren sind etwa zwei Prozent betroffen. Es gibt spezielle Formen, darunter das sehr ernste Felty-Syndrom bei Erwachsenen, oder allein sieben verschiedene RA-Varianten bei Kindern und Jugendlichen. Denn auch diese Altersgruppe erkrankt mitunter an Rheuma, wenn auch seltener als Erwachsene.

Im Laufe der Erkrankung kommt es zu Schäden am Gelenkknorpel und dem darunterliegenden Knochen. Gezielte Langzeittherapien können dies mildern und abbremsen, eine Heilung ist noch nicht möglich.

Symptome: Zum einen treten unbestimmte Krankheitszeichen wie zum Beispiel leichtes Fieber, Müdigkeit, Gewichtsverlust und Krankheitsgefühl auf. Mitunter haben die Betroffenen auch Nachtschweiß. Zum anderen kommt es zu Beschwerden an Gelenken. Schon früh lassen Kraft und Beweglichkeit der erkrankten Glieder nach – meist erkranken zunächst kleine Gelenke an Zehen und Fingern, etwa die Grundgelenke – erst auf einer, dann auf beiden beiden Körperseiten. Diese schließlich symmetrische Verteilung ist recht typisch. Morgens fühlen sich die Gelenke steif an und können anschwellen. Die Morgensteifigkeit einzelner Gelenke ist ein Frühsymptom. Sie hält mindestens bis zu eine halbe Stunde oder Stunde an und bessert sich bei Bewegungen.

Verdächtig sind im weiteren Verlauf auch Schmerzen beim Händedruck oder beim Beugen und Strecken der Finger. Später kann die Entzündung auf andere kleinere und größere Gelenke übergreifen. Auf den Streckseiten unter der Haut an Händen oder Ellenbogen und an Sehnen bilden sich gelegentlich „Rheumaknoten“. Auch Sehnenscheiden und Schleimbeutel in Gelenknähe entzünden sich manchmal und weisen dann schmerzhafte Schwellungen auf. Erkranken andere Organe, führt das zu entsprechenden Symptomen.

– – Morbus Still: Morbus bedeutet Krankheit. Die Ursachen sind unklar. Eine Form betrifft Erwachsene (sogenannte adulte Form, sehr selten). Eine andere Variante, das juvenile Still-Syndrom (auch systemische Arthritis genannt), kommt im Kleinkindalter vor. Es wird heute als Störung der angeborenen Immunabwehr gedeutet und derzeit noch bei Rheuma eigeordnet.

Gelenkschmerzen sind hier gegenüber anderen Symptomen wie Fieber eher im Hintergrund. Die Erkrankung zielt besonders auf innere Organe wie das Rippenfell (Rippenfellentzündung), Leber, Milz, das Bauchfell, den Herzmuskel (Myokarditis) und den Herzbeutel (Perikarditis). Im Blut finden sich deutliche Entzündungszeichen, jedoch keine typischen Rheumafaktoren. Die Symptome sind bei Kleinkindern und Erwachsenen relativ ähnlich. Bei starken inneren Entzündungen sind Komplikationen bis hin zum Organversagen möglich.

Symptome: Es kommt zu wiederholten Fieberanstiegen über 39° C  bis zu zweimal täglich, meist nachmittags und abends, bei Erwachsenen für mindestens eine Woche. Ein – allerdings oft flüchtiges – Kennzeichen sind lachsfarbene, nicht juckende Hautausschläge an Rumpf, Oberarmen und Oberschenkeln, die auf dem Höhepunkt des  Fiebers auftreten können. Zudem entwickeln sich Gelenkentzündungen und -schmerzen an beiden Händen (bei Erwachsenen für mindestens zwei Wochen), außerdem Muskelschmerzen, Halsschmerzen und Lymphknotenschwellungen. Weitere Symptome betreffen miterkrankte innere Organe.

Zur Diagnose ziehen Ärzte alle richtungweisenden Befunde heran. Bei der Therapie setzen sie entzündungshemmende und immunologisch wirksame Substanzen ein, von Kortison bis hin zu sogenannten Biologicals (siehe auch Abschnitt: „Gelenkschmerzen: Therapie“) und Immunglobulinen.

Mehr über Rheuma lesen Sie im Beitrag „Rheumatoide Arthritis“.


Kollagenosen: ebenfalls Systemerkrankungen

Bei diesen Autoimmunerkrankungen dreht sich alles um eine Entzündung des Bindegewebes. Namensgebend ist der Grundstoff Kollagen. Da Bindegewebe überall im Körper vorkommt – von der Haut über Blutgefäße und innere Organe bis zu den Gelenken –, erkranken in der Regel mehrere Organe gleichzeitig (Systemerkrankung). Kollagenosen gehören zu den seltenen Krankheiten.

Typisch für manche Kollagenosen sind unter anderem Durchblutungsstörungen der Finger oder Zehen. Sie heißen sekundäres Raynaud-Syndrom; sekundär bedeutet infolge einer anderen Krankheit. Es werden vorübergehend ein oder mehrere Finger weiß, schmerzen und kribbeln manchmal. Nachdem das Blut wieder einschießt, verfärben sie sich violett bis rot. Die bei einem normalen Raynaud-Syndrom (primäre Form, etwa als Reaktion auf Kälte oder Stress) übliche Rötung kann bei einer Kollagenose wegen Gefäßschäden ausbleiben.



Bei Frauen können Östrogene einen "Lupus" auslösen

– Systemischer Lupus erythematodes (SLE): Tatsächlich nur wenige (0,05 Prozent) erkranken an SLE – überwiegend Frauen, meist im Alter von 17 bis 50 Jahren. Es gibt genetische Faktoren und Auslöser wie UV-Licht und Medikamente, darunter Penicillin oder Herz-Kreislauf-Medikamente wie ACE-Hemmer.

Auch weibliche Geschlechtshormone vom Typ Östrogene, wie sie etwa in Verhütungspillen vorkommen oder vermehrt in der Schwangerschaft wirksam werden, spielen eine Rolle. Blutwerte wie positive antinukleäre Antikörper (abgekürzt ANA) gehören zu den Indizien. Die entzündliche Erkrankung erfasst viele Organe: Gelenke, Muskeln, Nieren, Haut, Augen, Lungen, Herz, Nerven und das Gehirn.

Symptome: Anfangs treten Fieber und Gewichtsverlust auf, die Betroffenen fühlen sich abgeschlagen und krank. Schließlich stellen sich Schmerzen an zwei oder mehr kleinen Gelenken ein, wobei diese auch äußerlich gerötet erscheinen, morgens steif sind und anschwellen können. Mögliche Spätfolge sind Fehlstellungen der Gelenke (sogenannte Jaccoud-Arthropathie nach langjähriger Erkrankung). Gelegentlich schwellen Lymphknoten an. Sonnenlicht ruft häufig eine typische schmetterlingsförmige Rötung im Gesicht hervor, vor allem an den Wangen und auf dem Nasenrücken. Auch an Dekolleté, Oberarmen und Streckseiten der Finger können sich leuchtend rote Flecken zeigen, schuppend und mit Knötchen.

An den Nägeln finden sich weißliche Veränderungen am Falz sowie Splitterblutungen. Häufig kommt es auch zu Haarausfall. Im Mund machen Aphthen zu schaffen, an der Nasen-Rachen-Schleimhaut kleine Geschwüre. Erkranken andere Organe, ergeben sich weitere Symptome – bis hin zu neurologischen und psychischen Störungen.

Über Ursachen, Diagnose und Therapie finden Sie im Beitrag „Systemischer Lupus erythematodes“ weitere Informationen.

– Progressive systemische Sklerose / Sklerodermie: Bei dieser ebenfalls seltenen Gruppe von Erkrankungen tendiert das Bindegewebe dazu, sich zu verhärten (Sklerose). Das betrifft bei begrenzten, langsam sich entwickelnden Sklerodermie-Formen vor allem die Haut und Hautgefäße, teilweise auch die Schleimhäute, etwa in der Speiseröhre. Bei ausgedehnten (diffusen), rascher fortschreitenden Formen erkranken mehr innere Organe. Wenn kleine Gefäße veröden (Mikroangiopathie), kann Gewebe absterben (Infarkt), etwa in den Nieren. Begrenzte Krankheitsformen kommen dreimal häufiger vor als ausgedehnte, und es sind überwiegend Frauen im Alter von 30 bis 50 Jahren betroffen.

Die genaue Ursache ist unbekannt, es gibt genetische Einflüsse, im Blut sind je nach Krankheitsform ebenfalls bestimmte Eiweißstoffe (Autoantikörper, vor allem sogenannte antinukleäre Antikörper (ANA), sodann spezielle Komponenten davon) nachweisbar. Die Hautveränderungen beginnen mit Schwellungen, meist an den Händen, und schreiten dann Richtung Rumpf fort.

Symptome: Es kommt zu teigigen Schwellungen an den Händen oder einzelnen Fingern („Wurstfinger“). Häufig entwickelt sich allmählich oder rasch auch eine krankhafte Straffung (Sklerose beziehungsweise Sklerodaktylie) der Haut an den Fingern. Diese geraten in Beugestellung (Beugekontraktur), wenn die verhärtete Haut schrumpft. Kennzeichnend sind zudem Gefäßkrämpfe mit Durchblutungsstörungen an einem oder mehreren Fingern: zunächst sind sie weiß, dann violett und rot, wenn das Blut wieder fließt. An den Fingerkuppen können sich offene Stellen bilden. Über Gelenk- und Muskelschmerzen klagen weit mehr als die Hälfte der Betroffenen.

Typisch sind zudem Veränderungen im Gesicht: spitze Nase, verkleinerter Mund mit Faltenbildung darüber, Starre des Ausdrucks. Weitere Symptome hängen davon ab, welche Organe sonst noch erkranken, etwa Schluckstörungen und Rückflussbeschwerden aufgrund der sich verhärtenden Speiseröhre, Herzrhythmusstörungen oder Lungenveränderungen, die unter anderem einen Lungenhochdruck nach sich ziehen können. Eine entsprechende Variante heißt CREST-Syndrom. Hier bilden sich auch Verkalkungen unter der Haut, im Gesicht und an den Händen fallen kleine erweiterte Gefäße auf (Teleangiektasien).


Wie der Arzt die Diagnose stellt, welche Therapien je nach Ausprägung helfen können und so früh wie möglich eingesetzt werden sollten, beschreibt der Ratgeber „Systemische Sklerodermie“.


– Sjögren-Syndrom: Neben der rheumatoiden Arthritis, die es mitunter auch begeitet, ist das Sjögren-Syndrom das häufigste entzündlich-rheumatische Krankheitsbild. Es kommt auch zusammen mit weiteren Autoimmunerkrankungen vor, etwa bei systemischem Lupus erythematodes (SLE), der progressiven systemischen Sklerodermie (siehe jeweils oben) und dem Sharp-Syndrom (siehe unten). Auch bei Leberkrankheiten wie primär biliäre Zirrhose, Hepatitis B oder Hepatitis C oder ist es als Zweiterkrankung sprich als sekundäres Sjögren-Syndrom, bekannt.

Daneben gibt es eine eigenständige, primäre Form. Die Ursache ist – hier gibt es keinen Unterschied zu anderen Kollagenosen – unbekannt. Es finden sich aber häufiger bestimmte Genmerkmale (HLA-DR2 und -DR3). Primäres und sekundäres Sjögren-Syndrom sind in etwa gleich häufig, Frauen erkranken weitaus häufiger als Männer.

Ein  großes Problem ist die chronische Entzündung der Speichel- und Tränendrüsen. Im Drüsengewebe spiegelt sich das in Ansammlungen von Abwehrzellen (Lymphozyten). Äußerlich zeigt sich die Entzündung durch Anschwellen der Speicheldrüsen vor dem Ohr und am Kieferwinkel nebst Folgen: Qualität und Menge von Tränen und Speichel lassen nach, schließlich versiegt die Produktion so gut wie ganz. Daraus leiten sich die Hauptsymptome des auch „Trockenheits-“ oder „Sicca-Syndrom“ genannten Krankheitsbildes ab (lat. siccus, trocken; siehe nachfolgend).

Das primäre Sjögren-Syndrom verläuft überwiegend gutartig. Es besteht jedoch eine gewisse Neigung zu Allergien und einer Glutenunverträglichkeit (Zöliakie, glutensensitive Sprue). Mögliche Komplikationen sind Hornhautschädigungen infolge der trockenen Augen oder die Mitbeteiligung innerer Organe, etwa Lungen, Nieren oder Gefäße. Auch ist das Risiko für bestimmte Formen von Lymphdrüsenkrebs etwas erhöht.

Leitsymptome sind trockene Augen sowie Brennen und Trockenheit im Mund. Die Zähne neigen vermehrt zu Karies, zudem können sich Störungen des Geschmacks- und Geruchssinnes einstellen. Auch die Atemwege können austrocknen, was zu Heiserkeit und Husten führt. Ebenfalls zu Entzündungen (und Pilzbefall) neigen die trockenen Schleimhäute der Verdauungswege, etwa in der Speiseröhre. In der Folge sind Schluckbeschwerden möglich. Ist der Genitaltrakt betroffen, kann das sexuelle Störungen zur Folge haben.

Dazu treten sowohl bei primären wie bei sekundären Formen häufiger Gelenk- oder Gliederschmerzen und Missempfindungen (Kribbeln) an Händen und Füßen auf. Durchblutungsstörungen der Finger (Raynaud-Syndrom) durch entzündete Gefäße und Lymphknotenschwellungen sind ebenfalls möglich. Viele Betroffene leiden auch unter Müdigkeit (Chronic Fatigue-Syndrom; mehr dazu weiter unten).


Achtung: Trockene Augen oder Mundtrockenheit treten manchmal auch bei nicht-autoimmunen Erkrankungen auf, etwa bei einer Sarkoidose oder einem Fibromyalgie-Syndrom (siehe ebenfalls unten). Außerdem können Medikamente, etwa Antihistaminika oder bestimmte Antidepressiva, ferner eine Bestrahlungsbehandlung im Kopfbereich für trockene Schleimhäute verantwortlich sein. Betagtes Alter und Flüssigkeitsmangel speilen ebenfalls eine Rolle.

Über den Umgang mit diesem Krankheitsbild informiert Sie der Beitrag „Sjögren-Syndrom“ eingehend.

– Polymyositis / Dermatomyositis: Bei Polymyositis entzünden sich Skelettmuskeln. Die Variante Dermatomyositis geht zusätzlich mit Hauterscheinungen einher: unter anderem Rötungen im Gesicht sowie Knötchen, Rötungen und Einrisse der Haut an den Fingern.

Das Entzündungsmuster der Muskulatur ist hier feingeweblich noch prägnanter. Beide Krankheitsbilder können zudem im Zuge anderer Kollagenosen, des Sharp-Syndroms, bei Vaskulitis-Erkrankungen (siehe jeweils weiter unten), bei einer HIV-Infektion oder auch bei Tumoren vorkommen. Haupterkrankungsalter: 31 bis 60 Jahre.

Leitsymptome sind jeweils muskelkaterähnliche Schmerzen, dazu auch Muskelschwäche, schwerpunktmäßig der Schulter- und Beckenmuskeln sowie der Oberschenkel. Zugleich fällt das Aufstehen, Treppensteigen und Hochheben der Arme über die Brust- und Schulterhöhe hinaus wegen der Muskelschwäche schwer. Gelenkschmerzen deuten auf die Sonderform Anti-Jo 1-Syndrom hin.

Die Hautveränderungen konzentrieren sich auf sichtbare Partien wie Gesicht und Hände, was die Betroffenen auch psychisch belastet: Um die Augen treten dunkelrote Schwellungen auf („Lilakrankheit“), an den Streckseiten der Finger weißlich-hellrote Plaques. Die Handflächen und Fingerkuppen sind rissig und gerötet.

Wenn innere Organe wie Speiseröhre, Herz oder Lungen miterkranken, können Symptome wie Schluckstörungen, Herzrhythmusstörungen und Atemnot Hinweise darauf geben.

Bei einer Sonderform namens Anti-Jo 1-Syndrom entzünden sich häufig auch Gelenke und bereiten Schmerzen, außerdem treten Durchblutungsstörungen an den Fingern (siehe oben: sekundäres Raynaud-Syndrom) und Lungenprobleme auf.


Die Diagnose fokussiert umfassend auf die betroffenen Muskeln: Ausgehend vom Beschwerdebild und bestimmten Laborwerten, darunter Muskelenzyme und spezielle Antikörper, über die Aufzeichnung der elektrischen Muskelaktivität (Elektromyografie (EMG)) und Abbildung von Gewebeveränderungen in der Magnetresonanztomografie bis hin zu einer feingeweblichen Untersuchung von Muskelgewebe (Muskelbiopsie) lässt sich die Diagnose sichern. Ergänzende Untersuchungen erfolgen bei Verdacht auf eine Mitbeteiligung innerer Organe oder eine mutmaßlich auslösende Tumorerkrankung.

Die Therapie
umfasst neben Physiotherapie auch Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, sodann spezielle Immuntherapien, und bei einem Tumor oder einer HIV-Infektion eine gezielt darauf ausgerichtete Behandlung.

Mehr dazu im Beitrag „Dermatomyositis“.

– Sharp-Syndrom: Gelegentlich überschneiden sich verschiedene Kollagenosen. Ein Beispiel für solche „Überlappungskrankheiten“ ist das Sharp-Syndrom. Dabei kommen Merkmale eines Systemischen Lupus erythematodes (SLE), einer Sklerodermie, einer rheumatoiden Arthritis (RA) und einer rheumatischen Muskelentzündung (Polymyositis) in unterschiedlicher Ausprägung zusammen.

Symptome: Neben Gelenkbeschwerden nach Art einer rheumatoiden Arthritis treten an den Fingern praktisch immer Durchblutungsstörungen im Sinne eines Raynaud-Syndroms und Hautveränderungen wie bei Sklerodermie auf (siehe oben).

Richtungweisend für die Diagnose sind antinukleäre Antikörper im Blut (ANA) und Hautproben (Biopsien).

Therapie: Die Behandlung hängt vom Krankheitsmuster und den Symptomen ab. Bei stärker Ausprägung kommen eine immununterdrückende Medikamente wie bei SLE infrage (siehe weiterführender Link oben).



Gefäßentzündungen: sichtbar an Händen, mitunter auch Füßen, wenn die Durchblutung dort streikt

Immunreaktiv: Gefäßentzündungen (Vaskulitis-Erkrankungen)

Bei einer Vaskulitis entzünden sich große, mittlere oder kleine Schlagadern (Arterien), selten auch Venen. Im Falle entzündeter kleiner Gefäße unterscheiden Mediziner die danach, ob sich spezielle Eiweißstoffe (Antikörper des Typs ANCA: antineutrophile zytoplasmatische Antikörper) im Blut finden oder nicht. Die Vielfalt der Krankheitsbilder führt auch zu vielfältigen Krankheitszeichen. Gelenkschmerzen als eines der Symptome können vor allem bei drei Krankheitsbildern auftreten:

  • Polymyalgia rheumatica (betrifft große und mittlere Arterien)
  • Polyarteriitis nodosa (betrifft mittelgroße Arterien)
  • Purpura Schönlein-Henoch (auch IgA-Vaskulitis; betrifft die kleinen Arterien und kleinste Gefäße, eventuell auch Venen; ohne ANCA-Antikörper)

Nur selten schmerzen Gelenke bei der sogenannten Kryoglobulinämischen Vaskulitis. Auch bei dieser Erkrankung fehlen ANCA-Antikörper; dafür können Kryoglobuline auftauchen: spezielle Antikörper, die in einer Blutprobe, die auf unter 37° C gekühlt wird, ausfallen. Nur gelegentlich klagen Patienten, die eine Granulomatose mit Polyangiitis (früher Wegenersche Granulomatose) haben, über Gelenkschmerzen.

– Polymyalgia rheumatica (PMR): Die Krankheit betrifft überwiegend Frauen ab 50 Jahren. Häufig entzünden sich Gefäße, Gelenke und Schleimbeutel im Schulterbereich.

Symptome: Kennzeichnend sind heftige Schmerzen im Bereich von Nacken, beiden Schultern, Becken, Hüften und Oberschenkeln, die besonders nachts als äußerst quälend empfunden werden. Die Muskeln sind bei Druck mit den untersuchenden Fingern äußerst schmerzhaft und morgens oder nach einer längeren Ruhephase (etwa einer Autofahrt) mindestens 45 Minuten steif. Mit der Zeit lässt die Muskelkraft nach. Dazu können allgemeine Beschwerden wie Krankheitsgefühl, depressive Verstimmung, Gewichtsverlust, Fieber, Schweißausbrüche kommen.

Etwa ein Drittel der Betroffenen entwickeln auch eine Entzündung an Kopfschlagadern, eine sogenannte Riesenzellarteriitis (RZA; früher: Arteriitis cranialis oder Arteriitis temporalis Horton). Häufig ist die Schläfenader betroffen, genauso können aber auch andere Gefäßbereiche erkranken. Zwischen beiden Erkrankungen gibt es deutliche Überlappungen, sodass bei Vorliegen der einen auch an die andere zu denken ist, wenn entsprechende Symptome vorliegen. Besonders wichtig ist das im Hinblick auf eine mögliche Riesenzellarteriitis, da sie das Sehen gefährden kann.
Warnsymptome RZA: pochende Schläfenkopfschmerzen und / oder Schmerzen  beim Kauen, Augenschmerzen, Sehstörungen.


Diagnose: Der Arzt stellt die Diagnose einer Polymyalgia rheumatica klinisch und mithilfe technischer Untersuchungen. Dazu gehören Blutuntersuchungen, die deutlich auf eine Entzündung im Körper hinweisen, jedoch keine typischen Rheumazeichen ergeben. Ultraschall- und MRT-Aufnahmen zielen auf die Gelenke im Schmerzbereich. Bei Sehstörungen muss der Arzt sowohl eine RZA als auch einen drohenden Schlaganfall ausschließen.

Therapie: Die Behandlung erfolgt zügig in der Regel mit Kortison, bei Verdacht auf RZA muss zuvor eine entsprechende Diagnostik erfolgen. Ein erhöhtes Risiko für eine Osteoporose wird der Arzt mit der Gabe von Vitamin D und Kalzium aufzufangen versuchen. Wenn die Beschwerden unter der Kortisonbehandlung schnell nachlassen, so bestätigt dies die Diagnose. Meistens kann die Dosis langsam etwa abgesenkt werden.

Über das verwandte Krankheitsbild der Riesenzellarteriitis informiert der entsprechende Ratgeber.

– Polyarteriitis nodosa (cPAN, das c steht für die klassische Form): Diese seltene, aber schwerwiegende Vaskulitisform, an der Männer häufiger als Frauen erkranken – Alter: 45 bis 65 Jahre – betrifft kleine und mittelgroße Gefäße. Auslösend ist häufig eine Hepatitis-B-Infektion, die genaue Ursache ist unbekannt.

Die entzündeten Gefäße verformen, verengen oder verschließen sich und werden zerstört (Fachbegriff: nekrotisierend). Dies hat Durchblutungsstörungen und schwere Gewebeschäden in den betroffenen Organen zur Folge, am Herzen etwa einen Herzinfarkt, am Gehirn ein Schlaganfall – auffälligerweise treten beide dann auch schon in eher jüngeren Jahren auf (siehe oben: Altersangabe). Auch Schädigungen einzelner oder mehrerer Nerven mit Bewegungs- und / oder Gefühlsstörungen und psychische Veränderungen sind möglich.

Symptome:
Es kommt zu Beschwerden wie Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust, starke Abgeschlagenheit, Gelenkentzündungen mit Schmerzen sowie Muskelschmerzen. An den Händen zeigen sich häufig schmerzhafte Gefäßkrämpfe. Hautveränderungen wie die Livedo reticularis (netzartige dunkler-fleckige Hautveränderungen) können ein Hinweis sein.

Je nachdem, in welchen Körperbereichen Gefäße erkranken, lassen sich entsprechende Beschwerden zuordnen: etwa Bauchschmerzen durch Gefäßverschlüsse von Darmgefäßen, Brustschmerzen durch einen Herzinfarkt, Kopfschmerzen durch starken Bluthochdruck aufgrund von geschädigten Nierengefäßen, Hodenschmerzen durch Gefäßstörungen in diesem Gebiet.


Diagnose: Die Gesamtheit der Untersuchungsergebnisse wie Beschwerden, klinischer Befund, Blutwerte, feingewebliche Untersuchungen, etwa der Haut oder Muskeln, gegebenenfalls eine Gefäß-Röntgenuntersuchung (Angiografie) festigen die Diagnose.

Therapie: Gezielte Behandlung verbessert das Krankheitsbild in den ersten Jahren drastisch, und der weitere Verlauf kann gut beeinflusst werden. Bei Nachweis einer Hepatitis B ist es unerlässlich, diese zu behandeln. Zusätzlich kommen Kortison und weitere Maßnahmen zum Einsatz. Eine alleinige cPAN ohne Hepatitis behandeln Ärzte mit verschiedenen Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken, wie Methotrexat.

– Purpura Schönlein-Henoch (IgA-Vaskulitis): Betroffen sind hier meist Kinder im Vorschulalter, seltener junge Menschen (Altersgrenze etwa 21 Jahre). Die Erkrankung kann leichter oder schwerer verlaufen. Vorausgeht ein Atemwegsinfekt, häufig eine Grippe (Influenza A). In der Folge kommt es zu einer immunbedingten Entzündung kleiner und kleinster Gefäße. Dabei lagern sich sogenannte Immunkomplexe ab, die körpereigene Abwehrstoffe, sogenanntes Immunglobulin A (IgA) enthalten. Betroffen sind vor allem die Haut, der Darm und die Nieren. Gelegentlich kann sich Darm ineinanderstülpen (siehe unter Darmeinstülpung auf www.baby-und-familie.de). Auch das Gehirn kann miterkranken.

Symptome: Die Patienten haben mehr oder weniger hohes Fieber, fühlen sich mehr oder weniger krank und entwickeln einen charakteristischen Hautausschlag an den Streckseiten der Beine und am Gesäß: kleine punktförmige, knötchenartige Blutungen unter der Haut (Purpura, was in die Bezeichnung der Krankheit eingeflossen ist, ebenso wie die Namen der erstbeschreibenden Ärzte).

Häufig entzünden sich Gelenke akut, schwellen an und schmerzen, etwa die Sprunggelenke. Das hat zur Folge, dass die erkrankten Kinder sich plötzlich weigern, zu laufen. Krampfartige Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Darmblutungen weisen auf eine Darmentzündung, gegebenenfalls auch eine Darmeinstülpung, hin. Blutiger Urin lässt zum Beispiel auf eine Nierenentzündung schließen.

Diagnose: Je nach Schwere des Krankheitsbildes wird das Kind ambulant vom Kinderarzt oder in einer Klinik behandelt. Zur Diagnose tragen Laborwerte wie Analysen des Blutes und Urins, Ultraschallbilder, je nach Krankheitszeichen und Ergebnissen dieser Befunde weiterführende Untersuchungen bei (etwa eine Magnetresonanztomogafie (MRT) von Gelenken und anderen Organen, gegebenenfalls eine Haut- oder Nierenbiopsie) bei.

Therapie: Der Arzt setzt Schmerzmittel wie Paracetamol, gegebenenfalls auch ein entzündungshemmendes Medikament bis hin zu Kortison ein. Die Miterkrankung der Nieren macht eine intensivere Behandlung erforderlich. Die dabei eingesetzten Medikamente richten sich nach dem Schweregrad. Sie reichen von sogenannten ACE-Hemmern oder Angiotensin 1 (AT-1)- Rezeptorblockern über eine vorübergehend höhere Kortisondosis bis hin zu immununterdrückenden Arzneien wie etwa Cyclophosphamid.



Kreuzschmerzen immer abklären lassen, besonders, wenn sie den Schlaf stören

Entzündungen der Wirbel- und Kreuzbein-Darmbeingelenke

Rückenschmerzen können auch entzündlich bedingt sein. Zum Beispiel können sich Gelenke zwischen den Wirbeln (Spondyloarthritis) entzünden. Bei einigen rheumatischen Krankheitsbildern sind mitunter auch die (festen) Gelenkfugen zwischen dem Kreuzbein und Darmbein mitbeteiligt (Sakroiliitis). Ab und zu reagiert ein Gliedmaßengelenk mit wie das Knie, oder es betrifft die Fingergelenke. Ursächlich kommen vor allem folgende Krankheitsbilder infrage:

  • Bechtererew-Krankheit (Morbus Bechterew, auch ankylosierende Spondylitis)
  • Psoriasisarthritis (Gelenkentzündung bei Schuppenflechte)
  • Reaktive Arthritis (früher: Reiter-Syndrom)
  • Enteropathische Arthritiden mit Sakroiliitis bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Arthritiden = Mehrzahl von Arthritis)

Häufig findet sich bei diesen Erkrankungen neben typischen Röntgen- oder MRT-Bildern – und bei Schuppenflechte den Hautveränderungen – ein bestimmtes genetisches Merkmal im Blut, das sogenannte HLA-B27.

– Bechterew-Krankheit (Morbus Bechterew, ankylosierende Spondylitis): Es erkranken etwa bis zu ein Prozent der Erwachsenen, Männer zwischen 20 und 40 Jahren dreimal so häufig wie Frauen. Die auch Spondylitis ankylosans genannte Krankheit (griech. spondylos = Wirbel; ankylos = gekrümmt) weist häufig eine bestimmte genetische Komponente auf, das HLA-B27-Merkmal. Außer den Kreuzbein-Darmbein-Gelenken können sich auch Wirbelgelenke, einzelne Gliedmaßengelenke, Bänder am Brustbein und Schambein sowie Sehnenansätze (Fachbegriff: Enthesiopathie oder Enthesitis) an Hüfte, Ferse beziehungsweise Achillessehne und Fußsohle entzünden. Gelegentlich bezieht die Krankheit die Augen (Augenentzündung, vordere Uveitis), das Herz, die Hauptschlagader oder die Nieren mit ein.

Symptome sind vor allem Schmerzen aufgrund der Entzündung der Kreuz-Darmbein-Gelenke (Sakroiliitis). Sie machen sich besonders im Kreuz oder Gesäß bemerkbar und können bis in die Oberschenkel ausstrahlen. Typischerweise treten sie vor allem in der zweiten Nachthälfte oder frühmorgens auf, was am Schlaf nagt. Im Laufe des Tages bessern sie sich.

Möglich sind außerdem Schmerzen am Brustkorb. Finden sie sich auf derselben Höhe, aber mehr am Rücken, können Wirbelgelenke am Übergang von der Lenden- zur Brustwirbelsäule mitentzündet sein. Bei etwa einem Drittel der Patienten entzünden sich noch andere Gelenke und schmerzen, etwa das Knie. Manchmal bildet sich ein Fersensporn. Ein entzündetes Schambein bereitet Schmerzen vorne in der entsprechenden Körpergegend bis in die Leiste.

Auch unbestimmte Krankheitszeichen wie Müdigkeit, depressive Stimmungen, Gewichtsverlust, leichtes Fieber kommen vor. Die Krankheit verläuft recht unterschiedlich; sie kann jederzeit zum Stillstand kommen. Mitunter wird die Wirbelsäule jedoch zunehmend steif. Knochenspangen zwischen Wirbeln und verhärtete entzündete Wirbelbänder führen eventuell dazu, dass das Rückgrat sich verformt (Rundrücken, Kyphose) und zunehmend nach oben hin versteift.

Der Ratgeber „Morbus Bechterew (M. Bechterew, Spondylitis ankylosans)“ beschreibt das Krankheitsbild ausführlich.



Schuppenflechte

Gelenkentzündung bei Schuppenflechte (Psoriasis-Arthritis): Psoriasis ist eine der häufigsten Krankheiten der Haut und Nägel; bis zu drei Prozent der Bevölkerung hat damit zu tun. Meist entwickeln sich die schmerzhaften Gelenkentzündungen lange Zeit nach Beginn der Hautveränderurngen, seltener ohne Hautveränderungen oder ihnen vorausgehend.

Rauchen und Übergewicht können eine Psoriasis-Arthritis begünstigen. Im Zusammenhang mit den Gelenkbeschwerden lässt sich häufiger das HLA-B27-Mermal im Blut nachweisen.

Hautsymptome bei Schuppenflechte: Es gibt vielfältige Veränderungen. Typisch sind beispielsweise flächenhafte, scharf begrenzte Herde mit rötlichem Grund und silbrig weißen, glänzenden Schuppen. Sie finden sich häufig am Ellbogen, Schienbein, Kopf, Gesäß, an Brust und Rücken. Die Nägel zeigen Querrillen, Tüpfelungen oder weiß-graue Schuppungen.

Gelenksymptome: Die Gelenkentzündungen verlaufen schubweise und über Jahre. An beiden Händen können sich einzelne Fingergelenke wie Fingermittel- oder -endgelenke entzünden. Dann schwellen sie an, schmerzen, die Haut darüber ist überwärmt und gerötet. Manchmal ähnelt das einer aktiven Arthrose (siehe weiter oben).

Oder es erkranken alle Gelenke eines Fingers oder Zehs, der sich dann als Ganzes verdickt („Wurstfinger“, „Wurstzehe“). Auch ein eher symmetrisches Entzündungsmuster  mehrerer Fingergelenke ähnlich wie bei rheumatoider Arthritis kommt vor. Auf Dauer können sich betroffene Finger stark verformen oder verstümmeln („Teleskopfinger“).

Mitunter konzentriert sich die Entzündung auf das Sprunggelenk oder Knie, Hüfte, auf die Wirbel- und Kreuzbein-Darmbein-Gelenke, sodann auf Sehnenansätze, etwa an der Ferse.


Mehr zur Schuppenflechte und der damit verbundenen Gelenkentzündung im Ratgeber „Schuppenflechte (Psoriasis)“.

Außerdem existiert eine seltene Krankheits„variante“, bei der an Handinnenflächen und Fußsohlen akneförmige eiterähnliche Bläschen (Pusteln) auftreten: das SAPHO-Syndrom (Synovitis-Akne-Pustulosis-Hyperostosis-Osteitis). Anders als bei Eiter sind die Bläschen keimfrei (Pustulosis).

Außer Gelenken (Synovitis) können sich noch andere Knochenstellen entzünden (Osteitis) und schmerzhafte Knoten, sogenannte Hyperostosen, bilden. Sie finden sich zum Beispiel an den Ansatzstellen der Rippen am Brustbein oder an der Wirbelsäule. Es sind auch Bezüge zu chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (siehe unten) beschrieben.



"Spätzünder" Gelenke: Manchmal lösen Infektionen im Nachhinein Gelenkentzündungen aus

– Reaktive Arthritis (postinfektiöse Arthritis): Zwei bis sechs Wochen nach einem bakteriellen Infekt des Harn-, Geschlechtstraktes oder des Darmes kommt es bei etwa zwei bis drei Prozent der Betroffenen zu Gelenkschmerzen. Mutmaßlich im Spiel: Erreger wie Chlamydien, Mykoplasmen, Gonokokken im Harn- und Geschlechtstrakt, im Darm Krankheitskeime wie Yersinien, Salmonellen, Shigellen, Campylobacter.

Als auslösend wird eine erbliche Veranlagung angesehen, die eine (auto-)immunologische Reaktion in Gelenken begünstigt. Dazu passt, dass sich bei vielen Patienten das HLA-B27-Genmerkmal findet. Meistens klingen die Beschwerden innerhalb eines Jahres ab.

Symptome:
Beschwerden machen vor allem Sprung- und Kniegelenke, Zehen- oder Fingergelenke, mitunter auch Wirbelgelenke und Kreuz-Darmbein-Gelenke. Etwa ein Drittel der Betroffenen entwickelt das früher so genannte Reiter-Syndrom: Neben teils wandernden Schmerzen an Gelenken wie Knien oder Sprunggelenken, mitunter auch Fingern oder Zehen, sowie Sehnenschmerzen ist es durch eine Augenentzündung, Geschwüre im Mund, eine Harnröhrenentzündung und verschiedene Hautveränderungen gekennzeichnet – an den Handflächen, Fußsohlen, am Körper, bei Männern auch am Genitale (sogenannte Balanitis circinata). Mögliche Begleitsymptome sind Fieber, eventuell Herz- und Atembeschwerden.

Für die Therapie ist entscheidend, ob sich noch Genmaterial eines mutmaßlich verantwortlichen Erregers in der Gelenkflüssigkeit finden lässt. Dann ist eine Behandlung mit Antibiotika sinnvoll. Andererseits heilt die Krankheit in der Mehrzahl der Fälle spontan aus, wenn auch erst nach Monaten (siehe oben).

Entzündungshemmende Medikamente lindern die Beschwerden. Ausgeprägte Fälle oder eine chronische Gelenkentzündung, auch an der Wirbelsäule, machen eine immundämpfende Therapie notwendig.


• Systemkrankheit Sarkoidose

Die Ursache dieser seltenen, auch Morbus Besnier-Boeck-Schaumann genannten Erkrankung ist unbekannt. Erbliche Faktoren spielen eine Rolle, Autoimmunvorgänge nicht, jedoch Störungen bestimmter Immunzellen. Daraus resultiert eine entzündliche Erkrankung, die mit speziellen Gewebeveränderungen einhergeht, sogenannten Granulomen. Betroffen sind etwa 0,05 Prozent der Erwachsenen.

Vor allem junge Frauen erkranken an der akuten Verlaufsform, bei der Gelenkschmerzen bedeutsam sind. Diese auch als Löfgren-Syndrom bezeichnete Ausprägung geht mit Lymphknotenschwellungen im Brustraum, Husten, Fieber, einem Hautausschlag namens Erythema nodosum sowie Gelenkentzündungen, etwa der Sprunggelenke, einher.

Als EOS-Syndrom (engl. early onset sarcoidosis, also eine Erkrankungsform des frühen Lebensalters) tritt die Sarkoidose spontan bei Kindern unter fünf Jahren oder auch familiär gebunden (Blau-Syndrom) auf. Dabei kommt es zu einer Entzündung von Gelenken, der Augen (Uveitis), zu Hautausausschlägen, häufig auch Müdigkeit, Fieber und Appetitlosigkeit.

Am häufigsten ist jedoch die chronische Verlaufsform mit Lungenveränderungen, die anfangs nur wenig Beschwerden bereiten. Es gibt verschiedene Ausprägungen. Teilweise heilen sie von selbst aus. Manchmal kann es jedoch zu einer Lungenverhärtung (Fibrose) kommen, oder es erkranken auch andere Organe im Sinne einer Systemerkrankung. Bei entsprechend komplizierten Verläufen setzen Ärzte Medikamente ein, die auf das Immunsystem einwirken.

Unter „Sarkoidose (M. Boeck)“ erfahren Sie mehr über das Krankheitsbild.


– Gelenkschmerzen bei chronischen Darmentzündungen:

– – Morbus Crohn und Colitis ulcerosa: Ungefähr 25 Prozent der Patienten mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung entwickeln eine Arthritis, 15 Prozent eine Kreuzbein-Darmbein-Gelenkentzündung (Sakroiliitis). Die Ursachen chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen sind unbekannt. Offenbar kommt es zu einer Barrierestörung gegenüber der normalen Darmflora. Veranlagung spielt eine Rolle.

Die Crohn-Krankheit betrifft häufig den letzten Dünndarm- und den ersten Dickdarmabschnitt. Doch kann die Entzündung auch den gesamten Verdauungstrakt – vom Mund bis zum Darmausgang – erfassen. Dabei entzündet sich die Wand bis in die Tiefe. Raucher erkranken häufiger.

Die Colitis ulcerosa konzentriert sich auf den Dickdarm und führt dort zu mehr oberflächlich verteilten Geschwüren in der Schleimhaut. Beide Krankheiten können verschiedenste Komplikationen nach sich ziehen. Wichtig jeweils: eine frühestmögliche Therapie und zuverlässige Verlaufskontrollen.

Hauptsymptome der Crohn-Krankheit sind Durchfälle, Blähungen und Bauchschmerzen, manchmal auch leichtes Fieber. Recht häufig macht sich die Erkrankung zu Beginn mit Fisteln oder Abszessen im Analbereich bemerkbar. Für eine Colitis ulcerosa sprechen eher blutig-schleimige Durchfälle. Die Darmentleerungen können schmerzhaft sein. Eventuell treten leichtes Fieber und Blutarmut auf.

Gelenkentzündungen gehören bei beiden Krankheiten zu den Symptomen. Bei der Crohn-Krankheit entzündet sich gelegentlich das Kniegelenk oder auch ein Sehnenansatz am Knie; Gelenkschmerzen sind hier häufiger als bei Colitis ulcerosa. Beide Darmkrankheiten gehen manchmal auch mit Entzündungen der Kreuzbein-Darmbein-Gelenke einher. Das bedeutet, dass es auch zu Kreuz- und Gesäßschmerzen kommt. Meist ist dann das HLA-B27-Merkmal im Blut positiv.

Zwei Klicks für weitere Informationen: „Morbus Crohn“, „Colitis ulcerosa“.

! Übrigens: Manchmal liegt einer Arthritis auch eine sogenannte bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarmes (engl.: small intestinal bowel overgrowth, kurz: SIBO) zugrunde. Dieses Krankheitsbild kann viele Ursachen haben, von Funktionsstörungen der Bauchspeicheldrüse, Milchzuckerunverträglichkeit, Fruktose-Intoleranz, Sklerodermie (siehe oben) und Zöliakie über bestimmte Medikamente, etwa Säureblocker, bis hin zu einem operativ veränderten Magen-Darm-Verlauf. Je nach Ursache können weitere kennzeichnende Symptome auftreten.

Außerdem im Fokus bei Gelenkbeschwerden und Darmsymptomen wie wässrigen Durchfällen: die sogenannte mikroskopische Colitis. Anders als bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa kann der Arzt diese Darmerkrankung jedoch nicht anhand von typischen Veränderungen der Darmschleimhaut bei der Darmspiegelung erkennen. Vielmehr bedarf es dazu Gewebeproben, die er bei der Spiegelung entnimmt und mikroskopisch untersuchen lässt. Es gibt zwei Formen der mikroskopischen Colitis: die lymphozytäre und die kollagene Colitis.

! Achtung: Gewebeproben werden bei Verdacht auf eine Darmentzündung immer angefordert, um die Diagnose zu sichern.



Klassischer Gichtort: Das Grundgelenk am großen Zeh

• Stoffwechsel-, Ablagerungs- und Speicherkrankheiten

– Gelenkentzündung bei Gicht (Arthritis urica): Voraussetzung ist ein erhöhter Harnsäurespiegel im Blut (Hyperurikämie). Ganz überwiegend geht er auf eine ungenügende Ausscheidung der Nieren zurück. Diese ist zwar erblich bedingt, tritt aber vor allem bei einem Überangebot sogenannter Nahrungspurine auf, Ausgangsstoffe der Harnsäure. Quelle der Gicht ist somit Überernährung, wie sie heute bei uns oft an der Tagesordnung ist. Insofern die Bezeichnung „Wohlstandskrankheit“.

Wir kennen die Gicht aber auch aus der Geschichte, als Leiden vermögender Herrscher. Damals wie heute liegen Männer vorne. Mit der Zeit können sich bei Gicht Harnsäure- beziehungsweise Uratkristalle im Gewebe ablagern (sogenannte Tophi). Im Falle der Gelenke spricht man auch von Kristallarthropathie. Dies kommt jedoch nur bei etwa jedem Zehnten mit erhöhten Werten vor. Wird der Harnsäurespiegel beizeiten und dauerhaft gesenkt, lassen sich Organschäden verhindern.

Symptome: Die Gicht zielt bekanntlich auf das Großzehengrundgelenk, greift aber auch die Mittelfußgelenke, das Daumensattelgelenk, Sprunggelenk oder Kniegelenk an. Typisch sind akute Schmerzattacken. Das erkrankte Gelenk ist hochgradig berührungsempfindlich, fühlt sich heiß an, schmerzt beim Bewegen, ist geschwollen, äußerlich gerötet oder bläulich verfärbt. Häufig tritt auch Fieber auf. Zwischen den Anfällen ist der Betroffene beschwerdefrei.

Bleibt die Gicht unbehandelt, schreitet sie fort, und ist mit Entzündungen an Sehnen und Schleimbeuteln, Schäden an den Knochen und schließlich verformten Gelenken zu rechnen. Auch können sich Nierensteine bilden. Sie begünstigen Infektionen der Nieren und belasten sie dauerhaft (Gichtniere). Mögliche Folge ist unter anderem ein Bluthochdruck und Nierenversagen.

Was genau die Ursachen und Risikofaktoren der Gicht sind, wie sie behandelt wird und welche Rolle die Ernährung spielt, erklärt Ihnen der Beitrag „Gicht (Hyperurikämie)“.


Pseudogicht (Chondrokalzinose): Es lagern sich hier Kalziumkristalle (Kalziumpyrophosphat-Dihydrat, daher auch der Name Pyrophosphat-Gicht) im Gelenkknorpel ab. Offenbar begünstigt Verschleiß diese Entwicklung, da meist Menschen über 60 Jahren betroffen sind. Die Auslöser sind unbekannt, sofern nicht eine andere Stoffwechselerkrankung zugrunde liegt (sekundäre Form), etwa die Gicht, eine Überfunktion der Nebenschilddrüse oder Diabetes mellitus.
Symptome: Oft sind einzelne große Gelenke betroffen, zum Beispiel das Kniegelenk, das Schultergelenk, das Hand-, Sprung- oder Ellbogengelenk, Hüfte und Schultern. Das oder die erkrankten Gelenke können sich akut entzünden, anschwellen und lassen sich dann nur schlecht bewegen. Auch bestimmte Muskelpartien, etwa im Becken- oder Schulterbereich, können sich entzünden und mit schmerzhafter Schwäche einhergehen. Die Schmerzen sind allerdings nicht so stark wie bei der Gicht, manchmal fehlen sie auch ganz. Hier wie dort ist Übergewicht ein Risikofaktor. Und auch hier gilt: Wiederholte Anfälle und Entzündungen können die Gelenke dauerhaft schädigen.

Was alles hinter der Krankheit steckt, verrät Ihnen der Beitrag „Pseudogicht (Chondrokalzinose)“.

Durch Ablagerungen von Kristallen aus Hydroxylapatit, dem Basismineral von Knochen und Zähnen, oder von Kalziumoxalat bei Patienten mit chronischem Nierenversagen sind ebenfalls schmerzhafte Gelenkentzündungen möglich. Röntgenbilder und die Untersuchung von Gelenkflüssigkeit lassen erkennen, um welche Kristallart es sich handelt.


Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose): Die Krankheit beruht auf einer erblichen Eisenüberladung des Körpers, die betroffenen Gewebe nehmen Schaden. Ursächlich liegen verschiedene Genveränderungen (Mutationen) und unterschiedliche Erbgänge zugrunde. Von einer Mutation des sogenannten HFE-(High Iron FE-)Gens ist etwa jeder Tausendste betroffen. Andere verantwortliche Gendefekte treten weitaus seltener auf.

Bei Männern macht sich die Hämochromatose zehnmal häufiger als bei Frauen bemerkbar, da der Eisenverlust bei der Menstruation teilweise den Überschuss ausgleicht. Im Prinzip kann die Erkrankung sich schon bei Neugeborenen, ansonsten im Jugend- oder erst im Erwachsenenalter zeigen. Dann sind die Betroffenen meist zwischen 40 und 50 Jahre alt. Eine sekundäre Form tritt bei einigen Blutkrankheiten auf. Hat ein Patient zudem eine alkoholische Leberschädigung oder Hepatitis C, besteht die Gefahr, dass das abgelagerte Eisen der Leber besonders zusetzt.

Symptome: Unbehandelt kommt es allmählich zu einer Leberschädigung mit Übergang in eine Verhärtung (Leberzirrhose). Die Haut wird dunkler, besonders unter den Achseln (bei den Betroffenen häufig haarlos). Außerdem stellen sich Herzveränderungen, Stoffwechsel- und Hormonstörungen ein. Zum Beispiel tritt eine Zuckerkrankheit auf, die wegen der Hautverfärbung „Bronzediabetes“ heißt.

Die Gelenksymptome ähneln einer Arthrose und sind manchmal das erste Krankheitszeichen. Zunächst zeigt sich eine schmerzhafte Gelenkschädigung im Bereich der Fingergrundgelenke, später auch der Knie, Schultern und Hüften.


Über Diagnostik und Therapie informiert Sie eingehend der Ratgeber „Hämochromatose“.



Verdächtig auf Borreliose: "Wanderröte" an der Einstichstelle

• Was Infektionen an Gelenken anrichten können

– Chronische Borreliose (Lyme-Arthritis): Etwa fünf bis sechs Prozent der Menschen, die in einem Zeckengebiet einen Zeckenstich erlitten haben, weisen Anzeichen für eine Infektion im Blut auf: Antikörper gegen die auslösenden Bakterien namens Borrelien. Doch nur etwa ein Prozent erkrankt.

Möglichst frühe Behandlung ist wichtig, um zu verhindern, dass die Infektion chronisch wird. Eine Gelenkentzündung ist neben anderen Störungen Ausdruck einer chronischen Borreliose. Die Krankheit verläuft in mehreren Phasen, kann sich aber auch erst spät bemerkbar machen.

Symptome (gelenkbezogen): In den ersten Wochen sind unter anderem (siehe zum Beispiel nebenstehendes Foto) grippeartige Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Nachtschweiß, Glieder- und Muskelschmerzen möglich.

Eine Gelenkentzündung kann innerhalb von sechs Monaten aufreten und spielt sich vorwiegend am Kniegelenk oder anderen größeren Gelenken ab, etwa dem Ellbogengelenk. Die Gelenkschmerzen können über Monate schwanken und lassen dann meist langsam nach. Zirka ein Fünftel der Betroffenen trägt Schäden am betroffenen Gelenk davon.


Wie die einzelnen Krankheitsphasen genau aussehen, wie die Krankheit behandelt wird und wie man sich schützen kann, steht im Ratgeber „Lyme-Borreliose“.


– – Sonderfall: Der rheumaähnliche Morbus Whipple: Diese seltene Erkrankung tritt hauptsächlich im mittleren Lebensalter auf. Männer erkranken achtmal häufiger als Frauen. Auslösend ist ein Bakterium namens Tropheryma whipplei. Es kommt häufig im Darm vor, wird aber nur bei manchen Betroffenen zum krankmachenden Faktor.

Der Erreger befällt dann unter anderem bestimmte Abwehrzellen im Darm, begünstigt durch eine Störung des Immunsystems. Mitunter wird das HLA-B27 im Blut festgestellt, was auf genetische Einflüsse schließen lässt. Auch spielt wohl eine kaukasische Herkunft eine gewisse Rolle.

Symptome: Gelenkentzündungen mit Schwellungen und Gelenkschmerzen gehören zu den frühen Beschwerden – späteren Symptomen gehen sie um Jahre voraus. Betroffen sind große und kleine Gelenke. Auch die Kreuzbein-Darmbein-Gelenke können miterkranken (Kreuzschmerzen!). Die Gelenkbeschwerden treten attackenartig für Stunden bis Tage auf, verschwinden dann wieder und werden gerne als „Rheuma“ interpretiert.

Erst einige Jahre später kommt es in Verbindung mit einer Dünndarmentzündung zu Bauchschmerzen und Durchfällen, auch in Form von Fettstühlen. In der Folge drohen Mangelernährung, Schwellungen am Körper, Gewichtsverlust und Blutarmut. Auch wiederholte Lymphknotenschwellungen und Fieber treten auf, nicht selten auch Husten und Brustschmerzen. Außerdem sind entzündliche Schäden am Herz, Gehirn und an den Augen möglich.


Diagnose: Blutuntersuchungen, spezielle Analysen der Gelenkflüssigkeit und / oder anderer Körperflüssigkeiten, von Gewebeproben aus dem Magen-Darmtrakt oder eines vergrößerten Lymphknotens führen zur Diagnose und ermöglichen eine gezielte Therapie. Die Kenntnis der Kranken- und Familiengeschichte kann vorab Indizien liefern.

Therapie: Sie umfasst die Gabe bestimmter Antibiotika, zunächst über die Blutbahn (Einleitungstherapie) und dann für ein Jahr in Form von Tabletten (Erhaltungstherapie). Der intensive Antibiotikaeinsatz ist wichtig, da das Bakterium länger im Körper überdauern kann.

Außerdem behandelt der Arzt mögliche Begleitsymptome wie zum Beispiel einen Vitaminmangel. Gezielte und möglichst frühzeitige Therapie kann einen schweren, womöglich lebensbedrohlichen Verlauf verhindern und die Krankheit zum Ausheilen bringen. Wegen möglicher Rückfälle empfehlen sich regelmäßige Kontrollen beim Arzt.



Dank Blutgerinnung schließen sich Wunden

• Notfall: Gelenkblutung


– Bluterkrankheit (Hämophilie): Bei der Hämophilie A, der häufigsten und schwersten Form, fehlt in 90 Prozent der Fälle der Gerinnungsfaktor VIIIC, bei zehn Prozent der Erkrankten ist er inaktiv. Im Falle der Hämophilie B betreffen diese Veränderungen den Gerinnungsfaktor IX.

Es erkranken jeweils Männer, die den Defekt über ein weibliches X-Chromosom der Mutter erben. Spontane Genveränderungen kennzeichnet die zweite Gruppe Erkrankter. Nur unter sehr speziellen Voraussetzungen erkranken auch Frauen an Hämophilie.

Symptome (gelenkbezogen): Abhängig von der Restaktivität des Gerinnungsfaktors (normal ist über 75 Prozent) kommt es unter Umständen nur zu Nachblutungen nach größeren Verletzungen oder Operationen, zu Nasenbluten oder verstärkten Menstruationsblutungen. Bei starker Ausprägung treten spontan großflächige Blutungen auf, insbesondere in Gelenken (Hämarthros) und Muskeln.

Am häufigsten passiert das an den Kniegelenken, ferner an Sprunggelenken, Ellbogen, Schultern, Hüften. Viel seltener sind die kleinen Finger- und Zehengelenke betroffen. Anzeichen ist eine Schwellung des Gelenkes; es entzündet sich, schmerzt und fühlt sich heiß an. Dazu tritt Fieber auf. Wiederholte Blutungen verursachen eine chronische Entzündung im Gelenk. Es kann sich verformen und lässt sich dann nicht mehr gut bewegen.

Diagnose: Richtungsweisend sind die Kranken- und Familiengeschichte, der körperliche Befund, Blutuntersuchungen wie Blutbild, Gerinnungswerte, die gemessene Aktivität der Gerinnungsfaktoren VIII und IX, außerdem eine Ultraschalluntersuchung betroffener Gelenke.

Therapie: Sie erfolgt im zuständigen Hämophiliezentrum. Unter anderem wird schnellstmöglich der fehlende Gerinnungsfaktor (hochgereinigt und virusinaktiviert oder auch biotechnisch hergestellt) über die Blutbahn gegeben. Die Dosierung richtet sich nach den Umständen und dem angestrebten Faktorenspiegel im Blut.

Zur Therapie gehört im Allgemeinen auch ein vorbeugender Hepatitis-B-Impfschutz. Bei leichter Hämophilie A mit erhöhtem Blutungsrisiko eignet sich eventuell auch eine Kurztherapie mit Desmopressin (DDAVP) intravenös oder als Nasenspray. Es mobilisiert die eigenen Reserven an Faktor VIIIC und einen Co-Faktor.

Nicht erbliche Hämophilie: Hier blockiert zum Beispiel ein Antikörper im Blut die Gerinnung (sogenannte Hemmkörperhämophilie), was dann Blutungen nach sich ziehen kann. Mögliche Ursachen: Medikamente – auch zugeführte Gerinnungsfaktoren bei Bluterkrankheiten (vor allem Faktor VIII) –, eine vorausgegangene Schwangerschaft (ohne vorherige Hämophilie), Autoimmun- und Tumorerkrankungen.

– Andere Gerinnungsstörungen (Koagulopathien): Die Blutgerinnung ist ein Balanceakt, der bei grundlegenden Störungen im Körper schnell außer Kontrolle geraten kann. Bei einem Zuwenig an Gerinnung drohen innere Blutungen wie auch Blutungen in Gelenken. Bei einem Zuviel dagegen ist ein akuter Gefäßverschluss (Thrombose), eventuell mit einer Lungenembolie, möglich. Dabei verstopft das Gerinnsel ein Lungengefäß, die Lunge kann mehr oder weniger Schaden nehmen.

Beides – zu viel und zu wenig Gerinnung - kann auch kombiniert auftreten. Ursache sind meist schwere, akute Krankheiten. Die Behandlung liegt je nach Ursache in der Hand verschiedener Fachärzte zusammen mit einem Gerinnungsspezialisten (Hämostaseologe).

– Gerinnungshemmende Therapie: Sehr selten kommen Gelenkblutungen unter der Einnahme von Gerinnungshemmern vor. Eine solche „Blutverdünnungs-Behandlung“ dient der Vorbeugung von Gefäßverschlüssen und Embolien. Dabei setzen bestimmte Medikamente die Blutgerinnung herab. Ziehen Sie bei Blutungszeichen unverzüglich Ihren Arzt hinzu, der Ihre Behandlung kontrolliert, außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder Notarzt. Bei einer Behandlung mit einem Gerinnungshemmer wie Phenprocoumon den Gerinnungsausweis bereithalten.



Hirnanhangdrüse: klein und mächtig (zur Vergrößerung bitte auf die Lupe klicken)

• Gelenkschmerz: ja oder nein? Weitere Krankheitsursachen


– Akromegalie:
Bei dieser seltenen Krankheit, die meist Menschen im mittleren Lebensalter betrifft, bildet eine gutartige Geschwulst der Hirnanhangsdrüse vermehrt Wachstumshormon. Daraufhin nimmt, kurz gesagt, Gewebe an Körperendpunkten langsam zu (griech. Akro = Spitze, megalo = groß): etwa der Nasenknorpel oder das Bindegewebe von Gelenkkapseln, das Kinn, die Stirn, Kiefer, Füße, Hände. Bei Heranwachsenden kommt es zu übermäßigem Längenwachstum.

Auch die Haut und innere Organe können sich vergrößern, ebenso können die Zunge und der Kehlkopf zulegen. Alles dies kann erhebliche funktionelle Störungen nach sich ziehen.

Symptome: (gelenkbezogen): Wenn es an Kapsel-Band-Ansätzen der Gelenke zu knöchernen Anwüchsen kommt und die Gelenke sich verdicken, lassen sie sich schlechter bewegen und nutzen verstärkt ab. Damit können unter anderem Rücken-, Schulter-, Kreuz- und Knieschmerzen bei Akromegalie zusammenhängen. Hände und Füße mitsamt Fersenpolster und sogar der Schädel vergrößern sich. Ob Handschuhe, Schuhe, Hut oder Helm – nichts passt mehr.

An Fingern und Zehen können zudem Durchblutungsstörungen auftreten, an den Händen ein Karpaltunnelsyndrom (siehe unten). Die Konsistenz der Muskeln verändert sich, sie werden kraftloser. Bei einigen Patienten kommt es zu einer Pseudogicht (siehe weiter oben) mit akuten Schmerzanfällen.


Im Ratgeber „Akromegalie“ finden Sie alles Wissenswerte zu diesem Krankheitsbild.



Karpaltunnelsyndrom: manchmal mit einer Gelenkerkrankung verwechselt

– Karpaltunnelsyndrom: Hier ist der Mittelnerv in der Hand, genauer: unter einem Band im sogenannten Karpaltunnel der Hohlhand, durch Druck geschädigt. Dieser entsteht durch einen Engpassvor Ort. Der Nerv vermittelt das Gefühlsempfinden am Daumen, Zeige- und teilweise Mittelfinger und er steuert bestimmte Hand- und Fingermuskeln. Es gibt viele Ursachen für das Engpasssyndrom, darunter Schwellungen von Sehnenscheiden, etwa in der Schwangerschaft (nach der Entbindung meist wieder rückläufig), eine Entzündung bei Rheuma, Arthrose, ferner Verletzungen oder selten eine Akromegalie (siehe oben).

Symptome sind anfangs zeitweise Schmerzen und Kribbeln in den betroffenen Fingern, manchmal bis in den Arm ausstrahlend; Daumen bis Mittelfinger wirken wie „eingeschlafen“. Durch angewinkelte Handhaltungen, bei denen die Durchblutung kurzfristig nachlässt, etwa im Schlaf, können die Schmerzen vermehrt auftreten. Bei fortgeschrittener Erkrankung sind die Beschwerden ständig da. Gefühllosigkeit vom Daumen bis zu Teilen des Mittelfingers und an der Handinnenfläche sowie eine Rückbildung des Daumenballens und geschwächte Handbewegungen, typischerweise beim Greifen, sind ein Zeichen einer deutlichen Schädigung des Nervs.

Mehr über Symptome und Therapiemöglichkeiten im Ratgeber „Karpaltunnelsyndrom“.



Beispielhaft: Oberes Sprunggelenk

– Hypertrophe Osteoarthropathie, Trommelschlägelfinger...

Diese Namen beschreiben folgende, manchmal relativ rasch sich entwickelnde Veränderungen: Die Finger- und Zehenendglieder verbreitern und verdicken sich, was in Höhe der Nagelbasis am meisten auffällt: „Trommelschlägelfingern“. Auch an den Zehen ist das möglich. Zugleich sind wegen bestimmter Gefäßveränderungen und einer Zunahme des Bindegewebes im Nagelbett die Nägel deutlich gewölbt (Uhrglasnägel).

Außerdem treten Schmerzen an entzündeten Gelenken auf, etwa Knie, Sprunggelenke und Hände. Schließlich setzt ein Knochenanbau ein, meist an der Knochenhaut am unteren Ende der Unterschenkel- und Unterarmknochen. Es können auch andere röhrenförmige Knochen betroffen sein, zum Beispiel das Schlüsselbein. Eine weitere Bezeichnung für das Krankheitsbild ist Pierre-Marie-Bamberger-Syndrom.

Zu den Ursachen gehören vor allem Lungen- und Brustraumerkrankungen – entzündliche wie die Sarkoidose (siehe oben), häufiger aber noch bösartige Tumoren. „Einfache“ Trommelschlägelfinger mit Uhrglasnägeln kommen zum Beispiel bei bestimmten Krankheiten des Herzens (die selbst durchaus kompliziert sein können) vor. Entsprechend variieren die Begleitsymptome.

Sehr selten ist eine hypertrophe Osteoarthropathie erblich bedingt (primäre Form, teilweise andere Symptome).

Zur Diagnose tragen das Beschwerdebild des Patienten bei, seine Angaben zur Krankengeschichte, Befunde der körperlichen Untersuchung, Röntgenbilder und gegebenenfalls eine Szintigrafie. Je nach vermuteter Krankheitsursache sind weiterführende Untersuchungen notwendig.

Die Therapie besteht in der Behandlung der Grundkrankheit, wodurch sich die Veränderungen zurückbilden können, und in symptomatischen Maßnahmen, zum Beispiel Gabe eines entzündungshemmenden Medikamentes.

Möchten Sie noch mehr über Gelenkschmerzen erfahren? Unter „Knieschmerzen“ gibt es einen Überblick über wichtige Knieprobleme, darunter auch „Wachstumsschmerzen“ bei Kindern. Weitere Beiträge: „Chronische Schulterschmerzen“, „Hüftschmerzen“, „Fersenschmerzen“ und „Rückenschmerzen“.



Einige der Schmerzpunkte bei Fibromyalgie

• Fibromyalgie-Syndrom

Insgesamt ist etwa drei Prozent der Bevölkerung von diesem Krankheitsbild betroffen, schwerpunktmäßig Frauen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren. Dabei kommt es zu chronischen Schmerzen in mehreren Körperbereichen und zu weiteren Beschwerden. Krankheitsauslöser fehlen. Das Fibromyalgie-Syndrom tritt eigenständig wie auch bei Rheuma oder chronischen Infektionen auf, etwa Hepatitis B und Hepatitis C.

Oder es begleitet andere Schmerzkrankheiten wie das Chronische Müdigkeitssyndrom (siehe nächster Abschnitt), eine Endometriose, eine bestimmte Form von Blasenentzündung (interstitielle Zystitis), mitunter auch eine chronisch entzündliche Darmerkrankung. Das Fibromyalgie-Syndrom kann zudem mit einer depressiven Störung verbunden sein. Es gilt selbst aber nicht als Depression. In jedem Fall ist vor jeglicher Diagnosestellung eine sorgfältige ärztliche Abklärung notwendig.

Symptome: Schmerzen bereiten vor allem Nacken, Rücken, Brust, Bauch, Gelenke. Hände und Füße fühlen sich oft geschwollen, übrigens auch kalt, die Glieder morgens steif an. Dazu kommen Beschwerden wie Mundtrockenheit, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Atem- und Herzbeschwerden, schmerzhafte Menstruationen, Depressionen.

Möchten Sie mehr über dieses rätselhafte Krankheitsbild erfahren? Der Beitrag „Fibromyalgie-Syndrom“ informiert Sie ausführlicher.

• Chronisches Müdigkeitssyndrom (Myalgische Enzephalomyelitis)

Schätzungsweise 300.000 Menschen aller Altersgruppen in Deutschland leiden an ausgeprägter krankhafter Erschöpfung, Frauen etwas häufiger als Männer. Ärzte sehen teilweise Zusammenhänge mit vorausgegangenen Operationen, Verletzungen, wiederholten Infekten oder chronischem Stress, auch wenn das alles nicht wirklich die mitunter abgrundtiefe Erschöpfung erklärt. In letzter Zeit werden Zusammenhänge mit einer veränderten Immunreaktion auf ein Virus namens Epstein-Barr (EBV) diskutiert. Vermutlich spielt auch Veranlagung eine Rolle.

Das Krankheitsbild gilt als neurologische, nicht aber psychosomatische Störung. Es kann zu ganz erheblicher Einschränkung des Befindens, Perspektivlosigkeit bis hin zu Suizidgefahr führen. Anderereits erholen Betroffene sich auch wieder, fühlen sich dann aber oft weniger fit als früher. Abzugrenzen sind Erschöpfungszustände oder Fatigue-Syndrome, die sich im Zuge einer ernsthaften Erkrankung, etwa auch während oder nach einer Tumortherapie, entwickeln können.

Symptome: Kennzeichnend ist eine plötzlich auftretende, „grundlose Müdigkeit und Erschöpfung, die über sechs Monate anhält. Ruhepausen bringen keine Besserung, die Betroffenen geraten in eine bisher ungekannte Passivität.

Sie leiden außerdem unter Muskel- und Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, Schwankungen der Körpertemperatur, Blässe, verändertem Schlaf-Wachrhythmus, nicht erholsamem Schlaf, Lymphknotenschwellungen, Halsschmerzen,
Gedächtnisstörungen und anderen körperlichen oder geistigen Funktionseinschränkungen. Stress kann die Symptome verstärken.

Die Diagnose besteht im Ausschluss anderer Krankheiten, darunter einer Depression. Sie bedarf also einer Reihe von Untersuchungen. Bei der Therapie stehen derzeit  Physiotherapie und psychologische Behandlungsverfahren im Vordergrund.
 
Lesen Sie im Ratgeber „Chronisches Fatigue-Syndrom“ und im Beitrag „Müdigkeit“ genauer über mögliche Ursachen und Hilfen nach.


Gelenkschmerzen: Diagnose

Im Gespräch mit dem Arzt, zunächst meist dem Hausarzt, ergeben sich erste Hinweise auf die mögliche Krankheitsursache. Zur Sprache kommen die Beschwerden, die persönliche Krankengeschichte, körperliche Belastungen durch Beruf und Freizeit, Erkrankungen in der Familie. Weitere Anhaltspunkte liefert die körperliche Untersuchung. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den Gelenken, entscheidend ist aber der Gesamteindruck – das „klinische Bild“, das der Patient dem Arzt vermittelt.

Blutanalysen und bildgebende Verfahren, etwa (hochauflösende) Ultraschallbilder und Röntgenaufnahmen zum Nachweis von Gelenkveränderungen, können oft schon die Diagnose, etwa eine Arthose, belegen. Jetzt entscheidet sich auch meist, ob zum Beispiel ein Orthopäde oder Internist – beide können zusätzlich Fachärzte für Rheuma (Rheumatologen) sein – die weitere ärztliche Betreuung übernimmt. Einen Hautausschlag begutachtet ein hinzugezogener Hautarzt (Dermatologe).

Was das Blut und andere Körperflüssigkeiten verraten

Eine Entzündung oder Infektion spiegeln sich in veränderten Laborwerten wie beschleunigte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG), erhöhtes C-reaktives Protein (CRP) sowie Auffälligkeiten des Blutbildes und der Bluteiweiße. Positive Rheumafaktoren und weitere Antikörper wie Anti-CCP (gegen cyclisches citrulliniertes Peptid) sind bei rheumatoider Arthritis aussagekräftig. Antinukleäre Antikörper (ANA) sprechen unter anderem für einen systemischen Lupus erythematodes. Weitere spezielle Autoantikörper treten bei progressiver Sklerodermie oder Vaskulitis-Erkrankungen auf. Erhöhte Muskelenzyme, etwa CK oder LDH, finden sich bei einer Polymyositis oder Dermatomyositis.

Patienten mit einer Bechterew-Krankheit zum Beispiel weisen oft das HLA-B27-Merkmal im Blut auf; HLA steht für Human Leukocyte Antigen). Wie der Rheumafaktor kann es aber auch bei gesunden Menschen vorkommen. Daher betrachtet der behandelnde Arzt Laborwerte immer im Gesamtzusammenhang.

Tests auf Zellen oder Bakterien in der Gelenkflüssigkeit, in Abstrichen, im Blut oder Urin, weitere Urinuntersuchungen sowie genetische Analysen gehören ebenfalls zum Diagnose-Repertoire. Der Nachweis bestimmter Kristalle in der Gelenkflüssigkeit lässt auf eine sogenannte Kristallarthropathie schließen, etwa eine Gicht.

Befunde in Bildern

Über die Ultraschall- und Röntgenbilder hinaus kann eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) ein Gelenk am genauesten abbilden. Bei mutmaßlicher Sklerodermie schaut sich der Arzt die kleinsten Gefäße am Nagelbett unter einem speziellen Mikroskop (Nagelbett-Kapillarmikroskopie) an. Der Blick ins Gelenk mit einem Endoskop (Arthroskopie) erlaubt nicht nur Aussagen zur Diagnose, sondern auch Behandlungsmaßnahmen.

Steht zu vermuten, dass im Zuge einer Gelenkerkrankung weitere Organe erkrankt sind, richten sich die Untersuchungen danach. Infrage kommen zum Beispiel eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie), ein Check beim Augenarzt (Ophthalmologe), Lungenfacharzt (Pneumologe) oder Nervenarzt (Neurologe).

Verschiedene Knochenerkrankungen lassen sich durch eine Szintigrafie oder PET-CT, der Kombination aus einem speziellen nuklearmedizinischen Verfahren und einer Computertomografie, aufspüren. Manchmal sind noch ergänzende Maßnahmen notwendig, etwa die Entnahme einer Gewebeprobe.

Mikroskopisch die Diagnose sichern


Feingeweblich untersuchtes Gewebe (Biopsien) kann zum Beispiel die Verdachtsdiagnose eine Vaskulitis oder Sarkoidose bestätigen. Endoskopisch bei einer Magenspiegelung (Gastroskopie) und einer Darmspiegelung (Koloskopie) entnommene Gewebeproben, die den gesamten Magen-Darm-Trakt „abbilden“, sind geeignet, zusammen mit anderen Befunden die Diagnose einer Crohn-Krankheit (Morbus Crohn) zu belegen. Die Beispiele ließen sich noch weiter fortsetzen.


Gelenkschmerzen: Therapie

Die Entzündung eindämmen

Die Regel lautet: Ein entzündetes Gelenk braucht Schonung. Hochlagern und Kühlen unterstützen das Abschwellen. Entzündungshemmende Medikamente wie nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) oder eine Weiterentwicklung, sogenannte Cox-2-Hemmer, bekämpfen Entzündungen und damit verbundene Schmerzen meist rasch.
Gegen starke Schmerzen gehen Ärzte je nach Krankheitsbild mitunter zusätzlich mit Schmerzmitteln im engeren Sinn vor.

! Vorsicht: Bei Hämophilie-Patienten entscheidet der Arzt im Hämophilie-Behandlungszentrum, welche Art der Schmerzbekämpfung sich individuell am besten eignet.

Patienten, die eine gerinnungshemmende Therapie bekommen, müssen bei der Einnahme entzündungshemmender Schmerzmittel stets vorsichtig sein und sollten sich an die Verordnung des Arztes halten. Weitere Informationen gibt auch der Apotheker.

Kortison ist ein erprobter Entzündungshemmer. Daher kommt es zum Beispiel bei einer aktivierten Arthrose infrage. Mitunter spritzen Ärzte Kortison in ein überreiztes Gelenk, sofern eine bakterielle Infektion ausgeschlossen ist. Zugleich dämpft Kortison die Immunaktivität, es hat eine sogenannte immunsuppressive Wirkung.


Spezielle Immunsuppressiva (engl. disease modifying antirheumatic drugs, also krankheitsverändernde Antirheumatika wie Methotrexat (MTX), Azathioprin, Sulfasalzin, D-Penicillamin, Ciclosporin, Cyclophosphamid), außerdem Immunbiologika (therapeutische Antikörper wie Rituximab, Infliximab und andere) sind weitere wichtige Medikamente in der Rheumatherapie.

Erkrankungen wie etwa die reaktive Arthritis oder eine Borrelieninfektion können je nach Krankheitsphase gut auf eine Behandlung mit Antibiotika ansprechen.


Den Körper aktivieren, Muskeln aufbauen: Physikalische Therapie – Physiotherapie

Zu den physikalischen Therapieverfahren gehören Anwendungen von Strom, Ultraschall, Iontophorese, Wärme und Kälte. Massagen sowie Bewegungs- und Koordinationstraining (Funktionstraining) sind zentrale Maßnahmen der Physiotherapie (früher: Krankengymnastik): Sie alle verbessern die Durchblutung in Gelenken und umgebenden Geweben und helfen so, Schmerzen zu lindern. Zudem stärkt die Übungstherapie Muskeln, Kreislauf und Atmung – und sie tut der Psyche gut.

Manchmal muss ein Eingriff sein

Immer wieder kommen bei chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankungen auch Eingriffe infrage. Zum Beispiel entlasten Ärzte einen fortbestehenden Gelenkerguss gegebenenfalls durch eine Punktion. Diese kann vorab auch für die Diagnose bedeutsam sein. Mitunter wird die Gelenkinnenhaut entfernt. Diese Synovektomie lässt sich auf verschiedenen Wegen erreichen. Auch korrigierende Operationen wie eine Umstellungsoperation oder ein Gelenkersatz sind wichtige Optionen.


Psychotherapie setzt innere Kräfte frei

Psychologische Therapien wie Biofeedback, das sich nach Anleitung in Eigenregie anwenden lässt, und andere Entspannungsverfahren können die rein körperorientierten Therapien bei Gelenkschmerzen sinnvoll ergänzen. Bei Schmerzkrankheiten, etwa dem Fibryomyalgiesyndrom, haben sich Psychotherapieverfahren wie kognitive Verhaltenstherapie bewährt.

Auch Akupunktur kann manchmal helfen

Bei chronischen Schmerzen an der Lendenwirbelsäule oder bei Kniearthrose kann auch eine Nadel-Akupunktur-Behandlung sinnvoll sein.


Fachliteratur zu diesem Ratgeber:

Grifka J, M. Kuster M (Hrsg.): Orthopädie und Unfallchirurgie, 1. Auflage, Berlin Heidelberg Springer-Verlag, 2011

Herold G und Mitarbeiter: Innere Medizin 2015, Gerd Herold, Köln

Longo, Fauci, Kasper, Hauser, Jameson, Loscalzo: Harrisons Innere Medizin.
Herausgegeben von M. Dietel, N. Suttorp, M. Zeitz, dt. Ausgabe in Zusammenarbeit mit der Charité, McGraw-Hill, 18. Auflage, Berlin ABW Wissenschaftsverlag, 2012

Herausgeber (Koordination): Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Schmerztherapie (DIVS) und zahlreiche beteiligte wissenschaftliche Fachgesellschaften:
Leitlinie "Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgie-Syndroms". AWMF-Reg. Nr. 041/004 S3 vom 04.2012. Online:
http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/041-004.html (Abgerufen: 20.05.2015)


Addendum zu "Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgie-Syndroms". Online:
http://www.awmf.org/fileadmin/user_upload/Leitlinien/041_D_Interdisziplinaere_V_fuer_Schmerztherapie/041-004_Addendum_vom_21_10_2013_deutsch.pdf (Abgerufen: 20.05.2015)

www.aerzteblatt de/nachrichten/60676/Chronisches-Muedigkeitssyndrom-Hirnveraenderungen-im-Kernspin (29.10.2014) (Abgerufen: 20.05.2015)

Fatigatio e.V.: Bundesverband Chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS/CFIDS/ME):
http://www.fatigatio.de/positionspapier-zu-cfsme/ (Abgerufen: 20.05.2015)

Dhawan R: Hypertrophic Osteoarthropathy. Medscape Reference. Drugs, Dieseases & Procedures. 16. April 2015. Online:
http://emedicine.medscape.com/article/333735-overview (Abgerufen: 20.05.2015)


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Wichtig:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.




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Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 26.05.2015,
Bildnachweis: W&B/ Szczesny, CCVision/RYF, W&B, Thinkstock/Hemera, Foto: W&B/ S.Kracke, W&B/Neisel, PhotoDisc/RYF, W&B/Brigitte Sporrer, Panthermedia/Rilo Naumann, Panthermedia/Szekeres Szabolcs, W&B/Szczesny, W&B/Astrid Zacharias, Panthermedia/Robert Byron/Ingram, W&B/Jörg Neisel, Panthermedia/Alila, W&B/ TU München Klinik für Dermatologie, Thinkstock/Comstock Images

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