Gesund im Büro: Mal sitzen, mal stehen

An höhenverstellbaren Tischen wechseln Büroarbeiter regelmäßig zwischen Sitzen und Stehen. Dies beugt Rückenschmerzen vor. Elf Tipps für einen dynamischen Arbeitstag

von Dr. med. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 27.06.2016

Sitzen oder stehen? Am besten öfters die Position wechseln

Imago Stock & People/Westend61

In Deutschland arbeiten rund 17 Millionen Menschen im Büro. Die meisten sitzen die größte Zeit des Tages am Schreibtisch. Ärzte warnen, dass zu langes Sitzen schädlich ist. Ständiges ruhiges Sitzen soll zur Gewichtszunahme beitragen, das Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen erhöhen, die Beinvenen belasten und dem Bewegungsapparat schaden: Muskeln verkümmern, die Körperhaltung kann sich verschlechtern und es kommt eventuell zu Schmerzen im Rücken sowie im Schulter- und Nackenbereich. "Falsches Sitzen und einseitige Belastung können auch zum Entstehen von Bandscheibenvorfällen beitragen", sagt Sportwissenschaftlerin Carolin Heilmann, die apotheken-umschau.de regelmäßig berät.

Arbeitsmediziner plädieren für Dynamik im Büro

Manche Menschen haben daraus die Konsequenz gezogen, an Stehpulten zu arbeiten. Wer allerdings die ganze Zeit steht, strapaziert auch dadurch die Beinvenen und kann die Muskulatur überlasten. Deshalb empfehlen Sportwissenschaftler und Arbeitsmediziner einen Mittelweg. Sie plädieren für Dynamik im Büroalltag: Der Arbeitsplatz sollte erlauben, beliebig oft am Tag zwischen Stehen und Sitzen zu wechseln. Heilmann erklärt: "Im Stehen sind andere Muskeln und insgesamt mehr Muskeln gefordert als beim Sitzen." Deshalb entlaste und fordere der Stellungswechsel die Muskulatur zugleich.


Einige Studien belegen, dass sich abwechselndes Sitzen und Stehen günstig auf die Arbeitsleistung auswirkt: Bei Studenten in Texas nahmen innerhalb eines halben Jahres das Arbeitsgedächtnis und andere geistige Fähigkeiten zu. In einer amerikanischen Untersuchung berichteten die Teilnehmer, sie seien wacher und hätten mehr Energie durch die Steh-Sitz-Kombinationen. 96 Prozent der Probanden wollten sie weiterhin nutzen. In einer weiteren Studie wurde bei übergewichtigen Angestellten ein um fünf mmHg niedrigerer Blutdruck gemessen, wenn sie an einem achtstündigen Arbeitstag insgesamt zweieinhalb Stunden standen statt nur zu sitzen. In einem anderen Experiment hatten die Probanden nach acht Wochen mit durchschnittlich 73 Minuten Stehen pro Arbeitstag günstigere Fettwerte im Blut: Der Cholesterinspiegel war um 0,40 mmol/L gesunken.

Elektrisch höhenverstellbare Tische ab 500 Euro

Der Arbeitsmediziner Dr. Stephan Weiler ist Betriebsarzt bei Audi in Ingolstadt. In dem Unternehmen gibt es bereits 15.000 Arbeitsplätze mit elektrisch höhenverstellbaren Schreibtischen, die einen ständigen Wechsel zwischen Sitzen und Stehen ermöglichen. Derzeit plant er, weitere 4.000 Arbeitsplätze mit diesem System zu versehen. Die Einrichtung eines solchen Arbeitsplatzes ist auch für Privatpersonen erschwinglich. "Im freien Handel kosten entsprechende Schreibtische etwa 500 bis 1000 Euro", so Weiler.

Das Feedback der von Weiler betreuten Mitarbeiter fällt sehr positiv aus, auch wenn nicht jeder die Möglichkeit zum Stehen nutzt. "Aber gerade Menschen, die schon mal Rückenschmerzen hatten, sind von dem dynamischen System begeistert", erzählt Weiler, der auch im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin e.V. (DGAUM) ist. Seiner Meinung nach ermöglichen die Tische einen gesunden Umgang mit vorgeschädigten Wirbelsäulen. "In etwa 80 Prozent der Bevölkerung leiden im Laufe eines Jahres unter Rückenschmerzen, also ist das ein großes Thema."

Elf Tipps, die Sie beim Stehen beachten sollten:


Meetings im Stehen abhalten

Bei Audi werden auch Konferenzräume immer öfter mit Stehmöglichkeiten ausgestattet. "Dadurch werden die Teilnehmer bei den Besprechungen nicht so müde, und im Stehen kommen sie auch besser in Kontakt mit den anderen", sagt Weiler. Schließlich könne man sich im Stehen leichter bewegen und gestikulieren. Ein weiterer Nebeneffekt: Die Sitzungen sind kürzer. "Wir schätzen, dass die Meetings ein Drittel bis die Hälfte weniger Zeit in Anspruch nehmen, weil die Leute eher auf den Punkt kommen." Man gebe sich in geringerem Maße der Lethargie des Sitzens hin und sei aufmerksamer. "Außerdem wird den Leuten das Stehen mit der Zeit unbequem."


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