Schluss mit Verspannungen

Wenn Nacken oder Rücken schmerzen, helfen oft schon einfache Maßnahmen

Qualvoll: Verspannungen im Nacken können leicht zu Schmerzen führen

Kassiererinnen im Supermarkt sind sie wohlbekannt, Brummi- und Taxifahrer werden ebenso davon geplagt wie Krankenschwestern und -pfleger, aber auch der Büromensch stöhnt auf, wenn sich Verspannungen im Rücken und im Nacken schmerzhaft bemerkbar machen.

 

Besonders dann, wenn die Muskeln nicht genug trainiert sind, führen ständig gleiche, eintönige Bewegungsabläufe schnell zu Problemen. „Eine Verspannung ist dadurch gekennzeichnet, dass die Muskulatur auch im Ruhezustand dauerhaft angespannt ist“, erklärt Professor Hans-Joachim Appell, Sportwissenschaftler am Institut für Anatomie und Physiologie der Deutschen Sporthochschule in Köln.

 

Neben monotonen Bewegungen und Fehl haltungen können langes Sitzen in falscher Haltung, eine zu weiche oder zu harte Matratze sowie Stress die Ursache sein. „Muskelverspannungen im Rückenbereich stellen sich manchmal auch ein, wenn ungelöste Konflikte bestehen“, weiß der Kölner Mediziner.

 

Auch Zugluft, eine Fahrt im Cabrio oder der Auf enthalt in stark klimatisierten Räumen kann sich schnell rächen. Zudem zieht man bei Kälte oft unbewusst die Schultern ein und verkrampft die Muskulatur. „Durch die Dauerkontraktion wird die Durchblutung des Muskels reduziert, und er wird nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt“, sagt Appell. In manchen Fällen können chronisch verspannte Muskeln bestimmte Wirbelsäulensegmente reizen und dadurch zu Begleitbeschwerden führen. Schnell geraten die Betroffenen in einen Teufelskreis aus Anspannung und Schmerz, den es mithilfe der richtigen Maßnahmen zu durchbrechen gilt.

Wärme lockert die Muskeln. Sie fördert die lokale Durchblutung, wenn sie nicht nur oberflächlich auf der Haut wirkt, sondern möglichst tief in die Muskulatur dringt. Geeignet sind warme Vollbäder, Fangopackungen, Wärmekompressen und die gute alte Wärmflasche, auch Rotlichtstrahler haben sich bewährt. Zusatzvorteil: Wärmende Maßnahmen besitzen auch einen psychologischen Wohlfühleffekt. Um Verspannungen erst gar keine Chance zu geben, sollten Sie sich stets vor Zugluft schützen – im Sommer beispielsweise mit einem leichten Seidenschal.

 

Schmerzmittel durchbrechen den Teufelskreis. Eine medikamentöse Behandlung der Schmerzen bei Verspannungen ist immer dann sinnvoll, wenn andere Maßnahmen nicht ausreichend wirken. Zur kurzfristigen Selbstbehandlung geeignet sind Präparate mit Wirkstoffen wie Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac. Mittel zur äußerlichen Anwendung enthalten Beinwell, Arnika oder Ketoprofen. Sie helfen, den Teufelskreis zwischen Anspannung und Schmerz zu durchbrechen.

Langsame Dehnübungen helfen. Dehnen ist das Mittel der Wahl bei akuten muskulären Verspannungen. „Die Muskelspindeln, die den Muskeltonus regulieren, werden dadurch desensibilisiert“, erklärt Experte Appell. Weil der Effekt aber meist nur kurz anhält, empfiehlt er, Dehn übungen mehrmals täglich über längere Zeit auszuführen – auch vorbeugend. Wichtig dabei ist, plötzliche und ruckartige Bewegungen zu vermeiden.

Folgende Übung hält Steffen Tröster, Physiotherapeut an der Sporthochschule Köln, für eine der besten: gerade hinsetzen, den rechten Arm nach unten durchstrecken und die Hand nach oben anwinkeln. Jetzt mit der anderen Hand den Kopf greifen und vorsichtig nach links ziehen, dabei immer nach vorn schauen. Die Spannung fünf bis zehn Sekunden halten, dann die Übung mit der anderen Seite wiederholen. Mehrmals täglich vier bis fünf Durchgänge.


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