Herr Dr. Wittig, ist es überhaupt zu vertreten, dass Patienten ihre Migräne selbst behandeln?
Starke Kopfschmerzen sind grundsätzlich vom Arzt abzuklären, vor allem wenn sie häufiger auftreten. Hat dieser eine Migräne diagnostiziert, kann der Patient die Attacken durchaus selbst behandeln. Anders als beim normalen Kopfschmerz sollte er jedoch hoch dosiert und möglichst frühzeitig ein Schmerzmittel nehmen.
Welche Medikamente eignen sich für die Selbstbehandlung?
Im Prinzip alle rezeptfreien Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Naproxen und Diclofenac sowie koffeinhaltige Kombinationspräparate. Paracetamol hilft zwar gegen den Schmerz, nicht aber gegen die Gefäßentzündung. Die rezeptfreien Triptane Naratriptan und Almotriptan lindern auch Begleitsymptome wie Übelkeit und Schwindel. Das können andere Schmerzmittel nicht.
Wann sind rezeptfreie Triptane überhaupt angebracht?
Wenn ein Kunde ein rezeptfreies Triptan verlangt, wird ihn der Apotheker zunächst umfassend beraten. Wir würden das hochwirksame Medikament nur abgeben, wenn ein Arzt die Diagnose gestellt hat. War der Patient wegen seiner Kopfschmerzen noch nicht beim Arzt, sollte er kein Triptan einnehmen. Und wenn die erste Dosis nicht gewirkt hat, sollte er auf keinen Fall eine zweite nehmen. Außerdem klärt der Apotheker, ob Gegenanzeigen wie Herzerkrankungen, Schlaganfälle oder Bluthochdruck vorliegen. Grundsätzlich sollte der Patient uns über alle seine Erkrankungen und Medikamente informieren. Wenn er das nicht kann, verweisen wir ihn an den Arzt.
Wie häufig darf ein Patient rezeptfreie Schmerzmittel einnehmen?
Da auch rezeptfreie Schmerzmittel und Triptane bei regelmäßiger Einnahme selbst Kopfschmerzen verursachen können, dürfen sie nicht öfter als zehn Tage im Monat und höchstens drei Tage hintereinander eingenommen werden. Wenn jemand an mehr als 20 Tagen im Monat Schmerzmittel braucht, ist davon auszugehen, dass er an Schmerzmittelkopfschmerz leidet. In diesem Fall wird der Apotheker das Gespräch mit dem Patienten suchen und Lösungsmöglichkeiten aufzeigen.
Was können die Patienten sonst noch tun?
Eine mit Gel gefüllte Kühlbrille oder einige Tupfer Minzöl auf der Stirn empfinden viele als angenehm. Wissenschaftliche Studien weisen auf eine vorbeugende Wirkung von Magnesium hin. 600 Milligramm am Tag senken die Attackenhäufigkeit um 25 Prozent. Jeder Patient muss jedoch sein ganz persönliches Migränemittel finden: Was dem einen hilft, kann bei einem anderen wirkungslos sein.
Barbara Kandler-Schmidt / Apotheken Umschau;
24.09.2010
Bildnachweis: W&B/Birgitta Kowsky, iStock/laflor
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