Statine: So wirken die Cholesterinsenker

Viele Menschen müssen Statine einnehmen, um erhöhte Cholesterinspiegel zu senken. Die wichtigsten Infos über Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen dieser Medikamente

von Dr. Katharina Kremser, aktualisiert am 07.11.2016

Im Blister: Patienten nehmen Statine typischerweise als Tablette ein

mauritius images / Jeffrey Blackler / Alamy

Statine sind eine Gruppe von Medikamenten, die den Cholesterinspiegel senken. Andere Namen für diese Arzneimittelgruppe sind HMG-CoA-Reduktase-Hemmer (HMG-CoA-Reduktase-Inhibitoren) oder Cholesterinsyntheseenzymhemmer (CSE-Hemmer). Statine sind verschreibungspflichtig. Viele Menschen in Deutschland nehmen Statine ein. Wirkstoffe, die zur Gruppe der Statine gehören, erkennt man üblicherweise an der Endung "-statin": Beispielsweise Simvastatin, Atorvastatin, Lovastatin, Fluvastatin, Pravastatin oder Rosuvastatin.

Wie wirken Statine?

Sie hemmen ein Enzym im menschlichen Körper, die sogenannte HMG-CoA-Reduktase. Diese stellt Cholesterin her. Ist das Enzym blockiert, entsteht weniger Cholesterin in den Zellen, was zur Folge hat, dass sie mehr des mit der Nahrung zugeführten Cholesterins aus dem Blut aufnehmen. Dadurch sinken der Gesamt-Cholsterinspiegel, das LDL-Cholesterin und die Triglyceride im Blut. Zusätzlich können die Statine den HDL-Spiegel etwas erhöhen. HDL-Cholesterin transportiert überschüssiges Cholesterin ab. Statine wirken sich also insgesamt positiv auf die Blutfettwerte aus.


Wann kommen die Medikamente zum Einsatz?

Ärzte verschreiben Statine vor allem bei erhöhten Cholesterinwerten. Daneben kommen Statine bei einer Verkalkung der Herzkranzgefäße oder nach einem Herzinfarkt zum Einsatz – auch wenn die Cholesterinwerte nicht erhöht sind. Denn Statine sollen auch Entzündungsprozesse und die Blutgerinnselbildung an den Gefäßwänden hemmen.

Typische Nebenwirkung: Muskelschmerzen

  • Statine können Beschwerden in der Muskulatur verursachen, die von harmlosen Muskelschmerzen bis hin zur Zersetzung von Muskelfasern reichen können. Letzteres ist eine lebensbedrohliche Nebenwirkung, die aber nur selten bis sehr selten auftritt. Die Auswirkungen von Statinen auf die Muskulatur hängen vom Präparat und der Dosis ab. Das bedeutet, sie sind wahrscheinlicher, wenn die Arzneien in größerer Menge eingenommen werden. Häufig sind andere Medikamente mitbeteiligt, wenn es zu Muskelbeschwerden unter einer Statintherapie kommt. Gegebenenfalls kann der Arzt einen anderen Blutfettsenker verschreiben. Manchmal ist es auch möglich, die Dosis zu reduzieren, wenn Sie zum Beispiel ein Arzneimittel einnehmen müssen, welches das Risiko für Nebenwirkungen erhöht. Wichtig: Wenn Sie Statine einnehmen, sollten Sie Ihren behandelnden Arzt umgehend darauf ansprechen, wenn bei Ihnen Muskelschmerzen oder ein dunkler Urin auftreten.
  • Die Leberwerte können unter einer Behandlung mit Statinen ansteigen.
  • Statine können zu erhöhten Zuckerwerten führen und damit das Risiko erhöhen, an einem Diabetes zu erkranken. Mit ausreichend Bewegung und dem Abbau überflüssiger Pfunde lässt sich dieser Nebenwirkung zumindest teilweise entgegenwirken.
  • Weitere Nebenwirkungen können beispielsweise Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Juckreiz und Mundtrockenheit sein.

Wer sollte keine Statine einnehmen?

Gegen die Einnahme von Statinen können Leber- und Muskelerkrankungen sprechen. Schwangere und stillende Frauen sollten ebenfalls auf Statine verzichten.

Was ist bei der Einnahme zu beachten?

Statine schluckt man üblicherweise abends. Bei manchen Präparaten wird die Aufnahme des Medikaments durch das Essen beeinflusst. Auch Grapefruit kann die Wirkung bestimmter Statine verändern. Verzichten Sie daher besser darauf. Halten Sie sich zudem an die Anweisungen in der Packungsbeilage und an die Tipps Ihres Arztes oder Apothekers.

Der Arzt sollte regelmäßig die Leberfunktion sowie die Höhe des Enzyms Creatinkinase (CK) im Blut bestimmen, um mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen. Creatinkinase wird unter anderem bei der Zerstörung von Muskelfasern freigesetzt.

Welche Wechselwirkungen sind möglich?

Verschiedene Medikamente vertragen sich nicht gut mit Statinen, gehen mit diesen Wechselwirkungen ein. Dazu zählen unter anderem:

  • bestimmte Antibiotika wie Erythromycin und Clarithromycin
  • manche Mittel gegen Pilze (Antimykotika) wie Ketokonazol und Itraconazol
  • die ebenfalls fettsenkenden Fibrate
  • das Immunsuppressivum Ciclosporin
  • einige Medikamente gegen HIV

Wer Statine einnimmt, sollte den Arzt generell darauf aufmerksam machen. Auch wer in der Apotheke nicht verschreibungspflichtige Mittel kauft, sollte erwähnen, dass er Statine anwendet. So lassen sich mögliche Wechselwirkungen entdecken. Unter Umständen gibt es eine andere Therapieoption oder ein alternatives Präparat, das sich problemlos mit Statinen kombinieren lässt.


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