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Leberzirrhose bei Hepatitis: durch Medikamente heilbar?

Stimmt es, dass eine Leberzirrhose aufgrund einer Hepatitis mithilfe von Medikamenten rückgängig gemacht werden kann? Es hieß immer, allenfalls sei eine Leberverpflanzung möglich. Aus der "Experten-Sprechstunde Verdauungskrankheiten"


Leberzirrhose schematisch: Die Leber ist von Bindegewebszügen durchsetzt (weiße Stellen im Bild), sodass sich "Knoten" bilden

Eine Leberentzündung vom Typ Hepatitis B etwa, die bereits zur Leberzirrhose geführt hat, sollte in jedem Fall mit einem Nucleos(t)idanalogon behandelt werden, also einem Mittel, das die Vermehrung der Viren hemmt. Wenn die Hepatitis-Viren hierdurch unter die Grenze der Nachweisbarkeit im Blut gedrückt werden können (was leider meist nicht einer Ausheilung gleichkommt, nach Absetzen der Medikamente würde die Virusvermehrung wieder einsetzen), lässt sich das Auftreten von Folgeproblemen der Leberzirrhose häufig auch langfristig aufhalten.

 

Eine Leberfibrose (siehe weiter unten in diesem Abschnitt) und auch eine frühzeitig behandelte und nicht vollständig entwickelte Leberzirrhose können sich in den meisten Fällen auch wieder gänzlich zurückbilden. Generell gilt für jede Lebererkrankung: Wenn es gelingt, mit Medikamenten die Krankheit komplett zu stoppen, dann lassen sich auch fortgeschrittene Bindegewebsbildungen (entsprechen der sogenannten Leberfibrose) beziehungsweise frühe Zirrhoseformen rückgängig machen. Dies konnte für die Hepatitis-C-Virusinfektion (Hepatitis C), die Hepatitis B und auch für die sogenannte autoimmune Hepatitis (siehe auch Frage: ”Autoimmunhepatitis, was versteht man darunter?”) gezeigt werden.

 

Eine fortgeschrittene Leberzirrhose, die bereits zu Komplikationen wie Bauchwasser geführt hat, ist meist nicht mehr rückbildungsfähig. Es kann aber möglich sein, durch eine Therapie den Verlauf der Erkrankung deutlich zu verlangsamen, was beispielsweise ebenfalls für die Hepatitis B gezeigt werden konnte. Eine Hepatitis C ist auch noch behandelbar, wenn bereits eine Leberzirrhose vorliegt und diese noch in einem frühen Stadium ist. Wenn die Ausheilung der Hepatitis C gelingt, ist auch hier eine Regeneration möglich. Bei weit fortgeschrittener Leberzirrhose ist eine Hepatitis-C-Therapie meist nicht mehr aussichtsreich möglich, die Hepatitis B sollte aber auch hier unbedingt noch behandelt werden. 

 

Das Ausmaß der Leberverhärtung und somit die Frage, ob eine Fibrose, eine fortgeschrittene Fibrose oder bereits eine Zirrhose vorliegt, wird über eine Leberbiopsie, also die Entnahme von Gewebeproben, die feingeweblich untersucht werden, bestimmt bzw. beantwortet. Hierbei wird nach örtlicher Betäubung mit einer nicht allzu dicken Nadel eine kleine Gewebestanze aus der Leber entnommen. Alternativ bieten neuerdings größere Leberzentren eine Fibrosemessung mittels Fibroscan® an. Hierbei misst ein neu entwickeltes Gerät die Geschwindigkeit, mit der sich eine Klopfwelle über die Leber verbreitet. Je "fester" die Leber (zum Beispiel bei Zirrhose), desto schneller wird die Welle geleitet.

 

 

Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Berg und Dr. med. Michael Biermer
Charité, Universitätsmedizin Berlin
Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie

Unsere Experten beantworten in der „Sprechstunde Verdauungskrankheiten“  weitere interessante Fragen zu Lebererkrankungen.


Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



surfmed/www.apotheken-umschau.de; 05.11.2007, aktualisiert am 26.06.2010
Bildnachweis: W&B/ Jörg Neisel

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