Erhöht Kälte das Herzinfarkt-Risiko?

Wer Probleme mit dem Herz hat, spürt dies im Winter womöglich eher. Worauf Patienten achten sollten

von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 18.01.2016

Typischer Auslöser von Herzproblemen im Winter: Schnee schaufeln

Thinkstock/iStockphoto

Kälte bedeutet für das Herz: mehr Arbeit. Wenn Sie sich bei frostigen Temperaturen ins Freie wagen, ziehen sich Ihre Blutgefäße reflexartig zusammen. Das Ergebnis: Nase, Finger und Füße werden kalt, dafür bleibt der Körperstamm, der die lebenswichtigen Organe umgibt, warm. Werden Gefäße, wie zum Beispiel in der Haut, eng gestellt, muss das Herz das Blut gegen einen erhöhten Widerstand ins Gefäßsystem pumpen.

Ist das Pumporgan nicht mehr ganz fit, kann diese Belastung gefährlich werden. "Bei Kälte verengen sich die Herzkranzgefäße leichter", erklärt Professor Thomas Voigtländer, Kardiologe am Cardioangiologischen Centrum Bethanien in Frankfurt am Main. Wer an einer Herz-Kreislauf-Krankheit leidet, bei dem wird der Herzmuskel dann unter Umständen derart schlecht durchblutet, dass es im schlimmsten Fall zum Herzinfarkt kommt.


"Im Winter sterben mehr Menschen infolge einer Herzkrankheit als im Sommer", sagt Voigtländer. Laut einer US-amerikanischen Studie sind es sogar ein Drittel mehr. Kanadische Forscher fanden zudem heraus, dass das Herzinfarktrisiko je zehn Grad Celsius Temperaturabfall um sieben Prozent steigt.


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Vorsicht bei Atemnot durch Schneeschippen

Ist Ihr Herz, etwa durch einen Herzinfarkt oder eine koronare Herzkrankheit, bereits angeschlagen, dann sollten Sie sich bei Kälte nicht überfordern. Ein klassisches Beispiel: Sie schippen Schneemassen vom Auto, befreien den Gehweg von der weißen Last oder stapfen mit dem Hund durch den tiefen Schnee. Ihrem Körper ist diese plötzliche intensive Aktivität vielleicht zu viel, Herz und Kreislauf können überlastet werden.

"Bekommen Sie in so einem Fall plötzlich schwer Luft, brennt es im Brustkorb oder verspüren Sie dort ein Druckgefühl, dann ist dies ein Alarmsignal", warnt Voigtländer. Hören Sie bei solchen Symptomen augenblicklich mit der anstrengenden Aktivität auf. Halten die Beschwerden an oder verschlimmern sich gar, dann rufen Sie den Notarzt: 112. Auch wenn die Beschwerden wieder verschwinden, sollten Sie zum Arzt gehen.

Erster Hinweis auf eine unerkannte Herzkrankheit?

Auch wer glaubt, sein Herz sei gesund, sollte bei Beschwerden wie plötzlicher Atemnot oder einem Brennen im Brustkorb einen Arzt aufsuchen oder im Zweifel den Notarzt verständigen. "Tritt so ein Angina pectoris-Anfall das erste Mal bei Kälte oder während des Sports auf, weist dies häufig auf eine unerkannte Herzkrankheit hin", sagt der Kardiologe. In manchen Fällen sind auch verengte Bronchien an Atemproblemen schuld.

Tipp: Überfordern Sie sich nicht, wenn es winterlich kalt ist. Igeln Sie sich allerdings auch nicht komplett ein. Regelmäßige, an die Temperaturen und die eigene Belastbarkeit angepasste, gemütliche Spaziergänge an der frischen Luft regen Herz und Kreislauf maßvoll an und halten Sie auch im Winter fit.



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