Termine wie der heutige beunruhigen Beate Gehlert immer ein wenig. Vor allem, seit der Schmerz zurückgekehrt ist. Vergangenes Jahr im Herbst spürte sie ihn wieder – beim Spazierengehen auf der leichten Anhöhe des Berliner Olympiastadions. Gehlert wusste gleich, was das bedeutet, denn sie lebt seit fast 15 Jahren mit der sogenannten peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK): Die Schlagadern ihrer Beine sind durch Gefäßablagerungen (Arteriosklerose) verengt. In Ruhe reicht die Blutversorgung aus, doch sobald ihre Muskeln mehr Energie benötigen – etwa beim Spazierengehen –, macht sich der Engpass bemerkbar.
Dann bohrt es derart in der Muskulatur, dass Gehlert anhalten muss. Daher lässt die 56-Jährige heute ihre Beingefäße von Professor Karl-Ludwig Schulte kontrollieren. Nervös ist sie bei solchen Untersuchungen stets, seit ihr vor einigen Jahren ein anderer Mediziner prophezeite, sie würde das rechte Bein mittelfristig verlieren.
„Es gibt glücklicherweise mehrere Möglichkeiten, die PAVK aufzuhalten“, sagt Karl-Ludwig Schulte, Direktor des Gefäßzentrums Berlin am Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Angiologie. Doch dafür müsse man das Leiden rechtzeitig erkennen und kunstgerecht behandeln. „Da haben wir allerdings ein Problem“, klagt der Gefäßspezialist. „Jeder zweite Patient in Deutschland erhält keine optimale Therapie.“
Der Grund: Die Verschlusskrankheit wird nicht ernst genug genommen – nicht von den Patienten, aber auch nicht von vielen Ärzten. Denn anders als Gefäßerkrankungen am Herzen oder im Kopf führt die PAVK selten zu akut lebensbedrohlichen Ereignissen wie einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Doch sie zeigt zum einen ein erhöhtes Risiko für solche Geschehnisse indirekt an, zum anderen sind auch ihre unmittelbaren Folgen alles andere als banal. Es droht im schlimmsten Fall der Verlust des betroffenen Beins.
„Wenn das Gewebe so schlecht durchblutet ist, dass es untergeht, muss man es entfernen, da sich sonst eine lebensbedrohliche Blutvergiftung ausprägt“, begründet Professor Sebastian Schellong vom Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt die ultimative Maßnahme. Doch schon lange vor diesem letzten Stadium gelte es, die PAVK zu bekämpfen. „Es handelt sich um eine Marker-Krankheit“, betont der Chefarzt der dortigen Angiologie und Kardiologie. Das bedeutet, dass das Leiden bereits im Frühstadium ein erhöhtes Risiko anzeigt, an einem Gefäßverschluss anderswo – etwa im Gehirn – zu sterben. „Wer also die PAVK behandelt, schützt seine Gefäße insgesamt und damit sein Leben“, fasst Schellong zusammen.
Dr. Christian Guht / Apotheken Umschau;
22.12.2009, aktualisiert am 12.01.2012
Bildnachweis: W&B/Martin Ley
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