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Was tun bei Verbrennungen?

Wie Sie leichte Verbrennungen selbst versorgen und wann Sie auf jeden Fall zu einem Arzt müssen


Gefahren-Herd: Hohes Risiko für Verbrennungen

Klar, der Topf auf dem Herd war heiß. Aber gleich dermaßen? „Oft genug sind es Unachtsamkeiten, die zu Verbrennungen führen“, sagt der Bundesfeuerwehrarzt Dr. Hans-Richard Paschen. Der Chefarzt der Anästhesiologie und Intensivmedizin am Hamburger Amalie-Sieveking-Krankenhaus warnt: „Wenn beispielsweise ein Kochhandschuh nass ist, leitet er Hitze besonders schnell.“

Heiße Gefahrenquellen gibt es in Haushalt, Freizeit oder Beruf zahlreiche – mal berührt ein Finger die Herdplatte, mal streift die Wade den Auspuff des Rollers, oder aber es schwappt etwas Flüssigkeit aus dem Wasserkocher über die Hand. Auch Tassen mit heißem Tee oder Kaffee können gefährlich werden. „Erwachsene, die Kinder auf den Schoß nehmen, sollten zuvor die Tassen abstellen“, rät Paschen.

So häufig kleine Verbrennungen auch vorkommen, so einfach sind die Erst-Hilfe-Maßnahmen. Die wichtigste Regel: mit fließendem Wasser kühlen! „Und zwar sofort“, betont Paschen. Das nimmt den Schmerz und soll den Gewebeschaden begrenzen, der sich in den ersten Minuten nach dem Missgeschick weiter ausbreitet – auch wenn die Hitzequelle bereits entfernt ist. „Diesen Prozess hält das Kühlen auf“, sagt Paschen. Als ideal gilt Wasser zwischen zehn und zwanzig Grad. Neuerdings empfehlen Experten, höchstens zehn Minuten zu kühlen, da sonst das Zusammenziehen der Gefäße die Blutversorgung der Haut zu stark beeinträchtigen würde.


Für kleine Verbrennungen reicht diese Sofortmaßnahme zunächst aus. Von sogenannten Hausmitteln hält Paschen nichts: „Mehl, Butter und Öl gehören ins Essen, haben aber bei der Versorgung von Verbrennungen und Verbrühungen nichts verloren.“ Bei kleinen und leichten Hitzeschäden sei meist nicht einmal ein Verband nötig, ergänzt der Bundesfeuerwehrarzt. „Die Wunde heilt offen besser ab. Zudem verkleben Verbände mitunter mit dem Gewebe, vor allem wenn dieses nässt. Dann behindern sie die Heilung mehr, als sie zu fördern.“ Bei der Nachbehandlung leichter Fälle können Brandsalben helfen –  sie beschleunigen den Heilungsprozess.

Etwa 80 Prozent aller Brandwunden gelten Schätzungen zufolge als leichte Verbrennungen. „Ob ärztliche Hilfe nötig ist, bestimmen letztlich vier Faktoren: der Grad der Schädigung, deren Ausmaß, die betroffene Körperregion sowie das Alter des Verletzten“, erklärt der Bundesfeuerwehrarzt. Als Faustregel für die kritische Größe einer Verbrennung gelten zehn Prozent der Körperoberfläche. „Dann besteht eine erhöhte Gefahr für einen Kreislaufschock“, warnt Paschen. Anhaltspunkt: Die Handinnenfläche entspricht etwa einem Prozent. Entscheidend ist, welchen Schaden die Haut erlitten hat:
 Bei Grad 1 ist sie nur gerötet, wie bei einem Sonnenbrand. Dann reicht die Selbstbehandlung, sofern nicht mehr als zehn Prozent der Körperoberfläche betroffen sind.

Ab Grad 2 (Blasenbildung) ist die Situation nicht mehr so eindeutig. „Färbt sich die Haut am Grund der Blase weiß und fallen die Haare aus, ist es sinnvoll, einen Arzt aufzusuchen, egal, wie groß die verbrannte Fläche ist“, erläutert Paschen. Bleibt die Haut am Blasengrund rot, ist nur die oberste Schicht betroffen. Solche Wunden heilen in rund zwei Wochen ohne Narbe ab. Aber Achtung: Wegen der hohen Infektionsgefahr dürfen Brandblasen keinesfalls aufgestochen werden.

Bei Grad-3-Verbrennungen treten weiße, trockene Hautfetzen auf, bei Grad 4 ist die Haut schwarz und verkohlt. In beiden Fällen ist ein ärztliches Eingreifen zwingend nötig. Als besonders kritisch gelten Verbren-nungen im Gesicht, an Händen, Füßen und Genitalien. „Sie sind nicht nur sehr schmerzhaft, sondern es können sich auch folgenschwere Narben bilden“, warnt Paschen und rät, im Zweifel einen Arzt aufzusuchen. Das gilt übrigens immer, wenn Babys und Kleinkinder betroffen sind. Bei ihnen bringen selbst kleinere Verbrennungen den Flüssigkeitshaushalt so stark durcheinander, dass Unterkühlungsgefahr besteht.

Auch bei älteren Menschen sind Verbrennungen mit größter Vorsicht zu behandeln. Der Grund: Senioren haben ein erhöhtes Risiko für eine Infektion. „Das gilt besonders, wenn die Betroffenen zusätzlich an einer chronischen Krankheit wie Rheuma oder Diabetes leiden“, erklärt Paschen. „Mitunter reagiert das Immunsystem zu langsam, sodass Keime über die verbrannte Hautstelle leichter in den Körper gelangen.“ 

Was tun bei Sonnenbrand?

Jeder Sonnenbrand gilt als Verbrennung. Bilden sich Blasen, handelt es sich um eine Verbrennung zweiten Grades, die ein Arzt beurteilen sollte. Ist die Haut nur gerötet (Grad 1), können kühlende Salben und Après-Sun-Präparate die Schmerzen lindern. Bei starken Beschwerden oder großflächigem Sonenbrand sicherheitshalber zum Arzt, mit Babys und Kleinkindern in jedem Fall. Manche Cremes enthalten niedrig dosiertes Kortison. „Die kortisonhaltigen Mittel sollten nur für kurze Zeit, auf keinen Fall regelmäßig verwendet werden“, betont Dr. Paschen.



Dr. Ralph Müller-Gesser / Apotheken Umschau; 23.12.2010
Bildnachweis: vario images GmbH & Co. KG/imagebroker

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