7 Erkältungsmythen im Check

Lindern Zwiebelauflagen Ohrenschmerzen? Lässt sich eine Erkältung in der Sauna ausschwitzen? Ein Experte klärt, wie viel Wahrheit in solchen Annahmen steckt

von Valerie Till, aktualisiert am 22.02.2016

Erkältung: Bei Schnupfen, Husten und Fieber bleiben Patienten freiwillig im Bett

F1online

Dr. Hans-Jörg Hellmuth, Lehrbereichsleiter Allgemeinmedizin an der Universität Würzburg

W&B/Privat

Ein Erwachsener bekommt im Durchschnitt zwei- bis dreimal im Jahr eine Erkältung. Kinder sind noch deutlich häufiger verschnupft. Husten, Schnupfen oder Halsschmerzen sind typische Symptome für die Infektion der oberen Atemwege. Oft lässt sie sich mit Hausmitteln selbst behandeln und etwas lindern. Außerdem haben die Großeltern oder Eltern häufig auch noch einen guten Ratschlag in petto, wenn einen die Viren richtig erwischt haben.

Aber kann man diesen Tipps wirklich Glauben schenken? Wir haben einen Experten gefragt: Dr. Hans-Jörg Hellmuth ist Facharzt für Allgemeinmedizin und Lehrbereichsleiter Allgemeinmedizin an der Universität Würzburg. Er erklärt, welche Erkältungsmythen wahr sind und welche wir lieber schnell vergessen sollten.


Erkältung: Wahrheit oder Mythos?

  • Erkältung braucht Zeit
    Panthermedia/Wavebreakmedia

    Mythos Nr. 1: Eine Erkältung kommt drei Tage, bleibt drei Tage und geht drei Tage

    Stimmt. Zu Beginn kündigt sich die Erkältung vielleicht nur mit einem leichten Halskratzen an, dann gesellen sich weitere Beschwerden wie Schnupfen oder Fieber hinzu und nach einigen Tagen bleibt noch ein Gefühl der Abgeschlagenheit und Erschöpfung. Im Durchschnitt dauert eine Erkältung sieben Tage – mit und ohne Behandlung. "Im konkreten Fall kann ein Virusinfekt auch mal kürzer, um die drei bis fünf Tage, oder länger dauern", sagt Hellmuth. Selbst wer vier bis sechs Wochen nach der Erkältung noch von einem Rest-Husten geplagt ist, muss sich nicht sorgen. Das gilt laut Experte noch als normal.

    1/7

  • Im Bett liegen
    Getty/Courtney Weittenhiller

    Mythos Nr. 2: Erkältungskranke gehören ins Bett

    Stimmt teilweise. Oft fühlen sich erkältete Menschen müde und abgeschlagen, da der Körper mit der Abwehr der Viren beschäftigt ist. Sie leiden unter Muskel- und Gelenkschmerzen oder Fieber, sodass sie sich im Bett wohler fühlen und viel schlafen. Dagegen spricht nichts. Solange man Fieber hat sollte man sich sogar schonen. Wegen anderer Erkältungssymptome ist Bettruhe eher eine Frage, was einem persönlich gut tut. "Man muss nicht zwangsläufig liegen", sagt Allgemeinmediziner Hellmuth. Ein gemütlicher Spaziergang schadet nicht und bringt einen an die frische Luft, die für die Schleimhäute besser ist als die trockene Heizungsluft.

    2/7

  • Warmes Bier
    Getty/Elisabeth Pollaert Smith

    Mythos Nr. 3: Warmes Bier hilft bei Erkältung

    Stimmt – aber mit Einschränkungen. "Der Hopfen im Bier beinhaltet ätherische Öle und Bitterstoffe, die beruhigend und teilweise antibakteriell wirken und den Schlaf fördern können", sagt Hellmuth über das Hausmittel für Erwachsene. Allerdings empfiehlt der Experte, die alkoholfreie Variante zu wählen. Alkohol schwächt das Immunsystem und entzieht dem Körper Wasser. "Grundsätzlich sollte man nicht vergessen, dass Alkohol dem Körper eher schadet, als ihm zu helfen", fügt Hellmuth hinzu. Um die wirksamen Stoffe im Hopfengetränk nicht zu verlieren, sollte es nicht auf über 40 Grad erhitzt werden. Für den Geschmack empfiehlt es sich, einen Löffel Zucker oder Honig in warmes Bier einzurühren, da es oft bitterer ist als gekühltes.

    3/7

  • Zwiebelauflagen gegen Ohrenschmerzen
    Glow Images/

    Mythos Nr. 4: Zwiebelauflagen lindern Ohrenschmerzen

    Stimmt. "Die Zwiebel ist ein Universalheilmittel. Ihre ätherischen Öle wirken stark antibakteriell und desinfizierend", erklärt Hellmuth. Sie enthält schwefelhaltige Verbindungen, sogenannte Sulfide, die eine gesundheitsfördernde Wirkung besitzen und auch dafür verantwortlich sind, dass unsere Augen beim Zwiebelschneiden brennen und tränen. "Das Wirkungsspektrum der Zwiebel ist sehr breit", sagt der Experte. Sie lindere nicht nur Ohrenschmerzen, sondern auch Husten, Schnupfen und Halsweh. Wie eine Zwiebelauflage gemacht wird? Einfach Zwiebelscheiben oder -würfel, roh oder erwärmt, in ein dünnes Baumwolltuch oder in Küchenpapier wickeln, leicht zusammendrücken, so dass der Zwiebelsaft ausläuft, und dann für 20 bis 30 Minuten auf die entsprechende Stelle legen.

    4/7

  • Heiße Zitrone trinken
    Jump Fotoagentur/Kristiane Vey

    Mythos Nr. 5: Heiße Zitrone fördert aufgrund des hohen Vitamin-C-Gehalts den Genesungsprozess

    Stimmt nicht. Die Erkältung mit mehreren Tassen kochendem Wasser und ausgepressten Zitronen bekämpfen – schön wär’s. Aber so einfach geht das nicht. Eine Zitrone besitzt zwar einen hohen Anteil an Vitamin C – hundert Gramm liefern rund 50 Milligramm – jedoch helfe das kaum noch, wenn man bereits erkältet ist, erklärt Hellmuth. "Auch ist Vitamin C hitzelabil und wird im heißen Wasser quasi zerstört." Der Allgemeinmediziner fügt aber hinzu, dass heiße Zitrone, genauso wie andere warme Getränke, Erkältungssymptome lindern könne, etwa ein Reizgefühl im Rachen oder eine verstopfte Nase.

    5/7

  • Quarkwickel
    Stockfood/Studio R. Schmitz

    Mythos Nr. 6: Ein Quarkwickel lindert Halsschmerzen und senkt Fieber

    Stimmt. "Das phosphorhaltige Kasein ist ein Hauptbestandteil von Quark und eine Hauptphosphatquelle für den menschlichen Körper. Wenn Kasein über die Haut einwirkt, hat es eine entzündungshemmende und den Stoffwechsel anregende Wirkung", sagt Experte Hellmuth. Außerdem wirke Quark schmerzlindernd und abschwellend. Die Fettstufe spielt dabei keine Rolle. Im Halswickel sollte Quark eher lauwarm verwendet werden. Bei Fieber helfen Quarkwickel, weil das Milchprodukt aufgrund seines hohen Flüssigkeitsgehalts einen kühlenden Effekt besitzt. Auf der Stirn erzeugt ein Wickel eine angenehme Kühle, da die Quarkflüssigkeit auf der Haut verdunstet.

    6/7

  • Schwitzen in der Sauna
    W&B/Fotolia

    Mythos Nr. 7: In der Sauna kann man eine Erkältung ausschwitzen

    Stimmt nicht. Es ist zwar wissenschaftlich bewiesen, dass regelmäßiges Saunieren gut für den Kreislauf, die Hautdurchblutung und das Immunsystem ist – allerdings nur solange man keinen Infekt hat. "Ist eine Erkältung im Anmarsch, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie nach dem Sauna-Gang so richtig zuschlägt", sagt Hellmuth. Der Grund dafür: In der heißen Luft können sich Keime schneller vermehren, der Infekt im Körper kann stärker werden. Außerdem rät der Allgemeinarzt davon ab, bei starkem Krankheitsgefühl – mit Kopf-, Hals-, Gliederschmerzen und Fieber – in die Sauna zu gehen. Das würde zum einen das Herz-Kreislaufsystem zu stark belasten, zum anderen werden eventuell andere Sauna-Gänger angesteckt. "Die meisten Viren und Bakterien werden zwar ab einer Mindesttemperatur von 80 Grad Celsius abgetötet, jedoch herrschen diese Temperaturen allenfalls im Aufgussraum und nicht etwa in Umkleidekabinen, Fluren oder Duschen."

    7/7

Lernen Sie den Unterschied kennen

Frau putzt sich die Nase

Ist es eine Grippe oder Erkältung? »

Grippe, grippaler Infekt, Erkältung: Schon bei den Begriffen lauert Verwechslungsgefahr. Wir erklären die Unterschiede  »


Bildnachweis: Stockfood/Studio R. Schmitz, Jump Fotoagentur/Kristiane Vey, F1online, W&B/Fotolia, W&B/Privat, Getty/Courtney Weittenhiller, Panthermedia/Wavebreakmedia, Glow Images/, Getty/Elisabeth Pollaert Smith

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Krankheits-Ratgeber zum Thema

Frau hat Schnupfen

Erkältung

Husten, Schnupfen, Heiserkeit – was hilft gegen Erkältung? Informationen zu Ursachen, Symptomen, Dauer und Behandlung  »

Wie entspannen Sie sich im Urlaub am besten?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages