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Brustkrebs (Mammakarzinom): Überblick

Brustkrebs, die häufigste Krebserkrankung der Frau, entsteht in der Brustdrüse. Informationen über Risikofaktoren, Krebsvorstufen, Diagnose und aktuelle Therapien


Brustkrebs entsteht in der Brustdrüse (hier normales Bild, schematisch)

Brustkrebs – Wendepunkt im Leben

Wer nach dem Schock der Diagnose allmählich wieder beginnt, Ordnung in seine Gedanken zu bringen, sieht sich vor ein hartes Stück Arbeit gestellt. Die Zukunft? Später, bitte. Jetzt geht es erst mal um das Hier und Jetzt.

Wieder Tritt fassen, das Leben in die Hand nehmen, Zuversicht schöpfen. Sich mit der Therapie auseinandersetzen, die eigenen Kräfte mobilisieren, wichtige Entscheidungen treffen. Aber auch Hilfe annehmen: Das alles ist enorm wichtig, um die kommenden Strapazen ohne allzu große Blessuren zu überstehen.

Wertvolle Lebensjahre gewinnen und die Krankheit für eine lange Zeit im Griff haben: Das ist bei Brustkrebs heute oft ein realistisches Ziel. Die Therapie ist unterschiedlich belastend, sie lässt sich aber stemmen. Und der Krebs? Erst einmal besiegt und vorbei.

Dieser Beitrag gibt einen aktuellen Überblick über Brustkrebs. Zur Sprache kommen Risikofaktoren wie Hormone und Gene, gutartige Brusterkrankungen mit Risikopotenzial, Krebsvorstufen, Früherkennung, Diagnose und Therapie.

Über die Kapitelliste im Kasten oben rechts oder den Balken unter dem Text können Sie schnell navigieren, ebenso über die Kapitellinks im Text.


Brustkrebs: Die häufigste Krebserkrankung der Frau

In Deutschland erhalten jedes Jahr mehr als 71.000 Frauen die Diagnose Brustkrebs. Brustkrebs ist damit die häufigste Krebserkrankung bei Frauen.

Rund die Hälfte der Betroffenen sind zum Zeitpunkt der Diagnose unter 65, etwa jede zehnte Betroffene sogar unter 45 Jahre alt.

Auch Männer können Brustkrebs bekommen. Dies ist aber sehr selten der Fall: Nur etwa jeder hundertste Erkrankte ist ein Mann.

Früherkennung zeigt Erfolge

Den zweifellos erschreckenden Zahlen lässt sich jedoch eine positive Entwicklung gegenüberstellen: Brustkrebs ist inzwischen nicht mehr der bedrohlichste Tumor bei Frauen.

Die Diagnose- und Therapiemöglichkeiten haben sich ständig verbessert. Dazu gehört namentlich das 2005 in Deutschland eingeführte Mammografie-Screening, also die Röntgenuntersuchung der Brust im Rahmen des kostenlosen Früherkennungsprogramms (siehe unten, Abschnitt „Diagnose“).

Bei dementsprechend alle zwei Jahre untersuchten Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren wurden in der Folgezeit teilweise vermehrt Tumoren der Brustdrüsen im frühen Stadium entdeckt.

Solche Geschwülste haben oft eine günstigere Prognose. Ob die Früherkennungsmammografien die Überlebensaussichten weiter verbessern, wird sich in naher Zukunft herausstellen.

Die relativen 5-Jahres-Überlebensraten von Brustkrebspatientinnen, über alle Erkrankungsstadien betrachtet, liegen mittlerweile bei über 83 Prozent. Der Ausdruck „relative 5-Jahres-Überlebensrate“ ist eine statistische Angabe, die häufig bei Krebserkrankungen angewendet wird.

Sie besagt, wie viele Patienten von hundert Betroffenen fünf Jahre nach Feststellung der Diagnose leben, bezogen auf die im selben Zeitraum überlebende Allgemeinbevölkerung gleichen Alters und Geschlechts.

Die große Mehrheit der von Brustkrebs Betroffenen ist also fünf Jahre nach der Diagnose am Leben, viele auch noch zehn oder fünfzehn Jahre danach.

Dennoch ist der Krankheitsverlauf bei jeder Frau ganz individuell. Er hängt von vielen Faktoren ab. Je früher Brustkrebs erkannt wird, desto besser sind im Allgemeinen die Behandlungsaussichten. 

Zu den Faktoren, die die Prognose bestimmen, gehören vor allem der biologische Charakter des Krebses, natürlich auch seine Größe und sein Wachstumsverhalten, die Art der Behandlung, das Alter der Patientin, ihre persönlichen Risikofaktoren für Brustkrebs und mögliche Begleiterkrankungen.

Deshalb sind statistische Zahlen letztlich relativ und im Hinblick auf den individuellen Krankheitsverlauf stets mit Vorsicht zu betrachten.

Welche Risikofaktoren gibt es bei Brustkrebs?

Brustkrebs ist sehr verschiedenartig – es sind allein über dreißig Formen bekannt. Inzwischen ist man sogar der Ansicht, dass jede Patientin ihren individuellen Brustkrebs hat. Die ausschlaggebende Ursache schlechthin gibt es nicht.

Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen bei Frauen Einflüsse der weiblichen Geschlechtshormone und des Lebensstils sowie das Alter. In manchen Familien tritt Brustkrebs gehäuft auf. Aber nur bei einem Teil von ihnen gibt es eine eindeutig erbliche Veranlagung.

Neben den beiden Hochrisiko-Genen BRCA1 und BRCA2 (BRCA leitet sich aus der engl. Bezeichnung für Brustkrebs ab: Breast Cancer), die aber nur für etwa fünf Prozent aller Brustkrebsfälle verantwortlich sind, wurden inzwischen weitere Risikogene identifiziert.

Darunter auch ähnlich einflussreiche wie die BRCA-Gene. Bei einigen haben Forscher zudem ein erhöhtes Krebspotenzial im Zusammenspiel mit Umweltfaktoren wie etwa Alkohol festgestellt.

Welche Symptome weisen auf Brustkrebs hin?

Brustkrebs entwickelt sich in der Regel über Vorstufen und Jahre. Mögliche Anzeichen sind Knoten im Brustgewebe, Grübchen oder Rötungen der Haut, eine einseitige Vergrößerung der Brust, seltener auch Brustschmerzen. Die Brustwarze kann eingezogen sein oder Flüssigkeit absondern.

Eine schmerzhafte Schwellung mit geröteter Haut kann zum Beispiel auch bei einer Entzündung auftreten. Brustentzündungen entwickeln sich häufig gegen Ende einer Schwangerschaft und in der Stillzeit.

Ungeachtet dessen ist eine Entzündung oder Verhärtung immer zeitnah abklärungsbedürftig. Oft steckt nichts Besorgniserregendes dahinter, aber gefragt ist auf jeden Fall der Arzt.



Frauen entdecken einen Knoten oft selbst

Die Diagnose von Brustkrebs

Nach wie vor ist Brustkrebs überwiegend ein Zufallsbefund. Häufig entdecken Frauen die Veränderung in der Brust selbst – zufällig oder beim bewussten Abtasten (Selbstuntersuchung).

Die Anleitung zur Selbstuntersuchung ist Bestandteil der Brustkrebs-Früherkennungsuntersuchung durch den Frauenarzt.

Es ist für jede Frau empfehlenswert, an der regelmäßigen Krebsvorsorge teilzunehmen.

Die gesetzliche Regelung der Kostenübernahme durch die Kassen bei Frauen ohne erhöhtes Risiko sieht Folgendes vor:

  • Frauen ab 20 Jahren erhalten eine jährliche kostenlose Früherkennungs-Untersuchung auf Gebärmutterhalskrebs.
  • Für Frauen ab 30 Jahren ist einmal jährlich eine kostenlose Früherkennungs-Untersuchung auf Brustkrebs vorgesehen.

Der Arzt untersucht die Brüste sorgfältig und tastet dabei auch die Lymphabflusswege der Brust ab. Bei Besonderheiten wird er sofort weitere Schritte veranlassen.



Mammografie-Screening: Brustkrebs früher erkennen

Die größte Bedeutung für die Diagnose von Brustkrebs hat neben der Tastuntersuchung die Mammografie, also die Röntgenuntersuchung der Brust.

Seit einigen Jahren steht für „brustgesunde“ Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren – also bis zum Ende des 70. Lebensjahres – in Deutschland ein sogenanntes Mammografie-Screening zur Verfügung.

Dazu werden die berechtigten Frauen alle zwei Jahre eingeladen. Diese Reihen-Röntgenuntersuchungen der Brust sollen zu einer früheren Erkennung und besseren Prognose von Brustkrebs beitragen (siehe auch Kapitel „Früherkennung, Diagnose“).

Andere bildgebende Verfahren wie die Ultraschalluntersuchung (Mamma-Sonografie), in bestimmten Fällen auch die Magnetresonanztomografie (MRT) der Brust, ergänzen die Mammografie.

Letztlich kann aber nur die feingewebliche Analyse einer Gewebeprobe (Biopsie) die Diagnose sichern. Dazu entnimmt der Arzt Proben aus einem verdächtigen Bereich der Brust. Das Gewebe wird anschließend detailliert untersucht.

Dabei geht es zunächst um die grundsätzliche Frage, ob überhaupt Krebs oder eventuell eine Krebsvorstufe, etwa ein DCIS vorliegt (duktales Carcinoma in situ, weitere Informationen im Kapitel „Noch gutartig oder schon Krebs?“).

In beiden Fällen schließt sich die Bestimmung spezieller Eiweiße auf der Zelloberfläche an. Darunter sind das Molekül HER2 sowie Andockstellen für Geschlechtshormone wie Östrogen oder Progesteron. Mediziner sprechen hier auch von HER2-Rezeptoren und Hormonrezeptoren.

Über solche Rezeptoren empfangen sowohl normale Körperzellen als auch Krebszellen Signale, um sich zu teilen. Krebszellen können besonders viele davon tragen. Dann wachsen sie beschleunigt.

Auch die Lymphwege der Brust beurteilt der Arzt genauer. Welche Diagnoseverfahren im Einzelnen infrage kommen, dazu ebenfalls mehr im Kapitel “Früherkennung, Diagnose“.

Brustkrebs-Therapie: nach Leitlinien

Der erste Behandlungsschritt besteht oft in der operativen Entfernung des Tumors, gegebenenfalls auch von Achsellymphknoten.

Zusätzlich stehen die Strahlentherapie, Hormontherapie, Chemotherapie und eine Immun- oder Antikörper-Therapie zur Verfügung.

Welche Behandlungsfolge gewählt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Tumorzellen können zum Beispiel unterschiedlich aggressiv sein.

Bestimmte Varianten wie sogenannte HER2-positive oder dreifach Rezeptor-negative Tumoren (dazu ebenfalls weitere Informationen im Kapitel „Früherkennung, Diagnose“) werden schon vorab mit einer Chemo- und /oder Antikörpertherapie behandelt.

Andere Brustkrebsformen wachsen in Gegenwart weiblicher Geschlechtshormone besonders stark – sie sind also hormonempfindlich. Auch das nutzen Ärzte für die Therapie.

Entscheidend für die Hormonbehandlung ist außerdem, ob der Tumor bei einer Frau vor oder nach den Wechseljahren auftritt.

Auch die Ausbreitung, das Stadium, in dem sich der Brustkrebs zum Zeitpunkt der Diagnose befindet, spielt eine Rolle.

Wichtig: Die Therapie von Brustkrebs folgt wissenschaftlichen Leitlinien und wird zugleich auf die einzelne Patientin zugeschnitten.

Medizinische Leitlinien sind Handlungsempfehlungen für Ärzte auf der Basis gesicherter klinischer Studienergebnisse. Dabei wird ein möglichst hohes Maß an Übereinstimmung auf möglichst breiter Expertenebene angestrebt.

Die Leitlinien dienen dazu, eine angemessene Gesundheitsversorgung zu garantieren. Dadurch soll bei Brustkrebs mittel- und langfristig die Sterblichkeit gesenkt und die Lebensqualität verbessert werden.

Die Leitlinien werden regelmäßig den aktuellen Entwicklungen angepasst.

Was sind Brustzentren?

Brust(krebs)zentren sind von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Senologie anerkannte (zertifizierte)Kliniken zur Diagnose und Behandlung von Brustkrebs.

Der Name Senologie leitet sich vom französischen Wort für die weibliche Brust, „le sein“, ab.

Damit erfüllen sie die Anforderungen an eine Brustkrebstherapie in vollem Umfang. Und sie sichern aufgrund ihrer medizinischen Ausstattung und Fachkunde die notwendige Behandlungsqualität. Mehr Informationen dazu im Kapitel „Beratender Experte“.

Die Krankenkassen haben strukturierte Behandlungsprogramme für chronische Erkrankungen wie Brustkrebs auf Basis der Leitlinien entwickelt. Die Teilnahme ist freiwillig.

Solche Programme zielen bei Brustkrebs darauf ab, die Behandlungsstandards zu gewährleisten und die Betroffenen auch in der Nachsorge nach der Erstbehandlung zu begleiten.

Außerdem sollen sie sicherstellen, dass die Frau in dieser kritischen Phase nicht alleine gelassen wird und die notwendige psychosoziale Unterstützung erfährt.

Schließlich soll das Programm die Abstimmung der behandelnden Ärzte untereinander und mit dem Hausarzt verbessern helfen.

Mit dem Wissenszuwachs ändert sich auch die Therapie von Brustkrebs in relativ kurzer Zeit. Informieren Sie sich vor wichtigen Entscheidungen, bei denen es um Ihre Gesundheit geht, umfassend bei den entsprechenden Forschungs- und Beratungseinrichtungen.


Fachliteratur und weiterführende Informationen:

Mehr dazu unten und im Kapitel: „Beratender Experte“.


Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




Bildnachweis: Thinkstock/istockphoto, W&B, W&B/Szczesny/RYF
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www.apotheken-umschau.de; 13.09.2005, aktualisiert am 13.01.2014
Bildnachweis: Thinkstock/istockphoto, W&B, W&B/Szczesny/RYF

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