Geschwollene und entzündete Augenlider werden nicht nur als optischer Makel empfunden, sie können auch schmerzhaft sein. Es ist keine Frage des Alters, auch Jüngere leiden mitunter an der sogenannten Blepharitis. Betroffen sind vor allem Menschen mit Hauterkrankungen.
„Die Ursache ist vermutlich eine Fehlbesiedlung mit Bakterien, die Enzyme bilden, die wiederum die Zusammensetzung des Talgs in den Talgdrüsen der Lidkante verändern“, erklärt Professorin Claudia Auw-Hädrich, Augenärztin an der Universitätsklinik Freiburg. Der Talg werde dadurch zähflüssiger und verstopfe die Drüsen. In der Folge entzündet sich das Lid.
Weil Patienten häufig auch über ein trockenes Auge klagen, verordnen Ärzte oft nur künstliche Tränen – die eigentliche Lidrandentzündung aber bleibt unbehandelt. Deshalb können sogenannte Hagelkörner entstehen. „Dabei staut sich der Talg in den Drüsen und verbreitet sich in das umliegende Gewebe“, erläutert Expertin Auw-Hädrich. Der Körper antwortet schließlich mit einer weiteren Entzündungsreaktion.
Außerdem könne es passieren, dass Bindehaut über die Hornhaut wächst oder sich chronisch offene Stellen auf der Hornhaut entwickeln. Dies sei zwar selten, meint die Augenärztin, aber durchaus eine mögliche Komplikation. Selbst wenn eine Blepharitis diagnostiziert wird, ist eine Therapie selten endgültig. In den meisten Fällen bleibt es ein chronisches Leiden, das einer dauerhaften Lidrandhygiene bedarf.
Am besten zweimal täglich sollten Patienten die Ränder der Lider sorgfältig säubern. Dazu für einige Minuten feuchtwarme Kompressen auf die Augen legen. Das weicht den Talg auf und macht ihn weniger zähflüssig. Dann mit sauberen Fingern oder einem frischen Wattestäbchen Ober- und Unterlider in Richtung der Wimpern massieren, um das ölige Sekret aus den Talgdrüsen zu drücken und abzuwischen. Dabei auf keinen Fall die Innenseite der Augenlider berühren.
Es kursiert zwar der Tipp, dass eine verdünnte Lösung aus Wasser und Babyshampoo die Verkrustungen besser auflöst. Augenärztin Claudia Auw-Hädrich rät allerdings zu reinem Wasser: „Babyshampoo kann man zwar verwenden, aber wir empfehlen es aufgrund einer möglichen Allergiegefahr nicht mehr.“ Denn betroffen sind meist Menschen mit Hauterkrankungen wie Rosacea oder Neurodermitis, die sowieso schon sehr empfindliche Haut haben und für Allergien besonders empfänglich sind.
Ebenfalls wichtig für Patienten: Sorgen Sie dafür, dass Ihre Umgebung möglichst reizarm ist – also ohne Rauch und Staub. Aber auch andere ursächliche oder begleitende Erkrankungen wie trockene Augen oder eine unbemerkte Fehlsichtigkeit müssen behandelt werden, sagt Dr. Georg Eckert, Sprecher des Berufsverbands der Augenärzte.
„In schweren und lange bestehenden Fällen von Lidrandentzündungen kann es sinnvoll sein, mit einer systemischen Antibiotika-Therapie die Zusammensetzung der Sekrete zu verändern“, erklärt der Sendener Augenarzt. Mit einer regelmäßigen und konsequenten Hygiene der Lidränder dürften sich die Beschwerden aber in den meisten Fällen lindern lassen.
Verstopfte Drüsen
Weil vermutlich Bakterien die Zusammensetzung des Talgs in den Lidrändern verändern, verstopft dieser die Ausführungsgänge der Drüsen. Die Folge: Das Gewebe um die Drüsen entzündet sich schmerzhaft. Dagegen hilft meist nur, die Lidränder konsequent zu reinigen.
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Christian Krumm / Apotheken Umschau;
08.02.2011
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