Verstopfung (Obstipation)

Bei Darmverstopfung (Obstipation) ist die Stuhlentleerung erschwert, unvollständig, oder sie erfolgt zu selten. Mehr zu den Ursachen und was gegen Darmträgheit hilft

aktualisiert am 14.10.2015

In der Regel harmlos: die Reise-Obstipation

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Wer kennt das nicht: Man ist endlich am Urlaubsziel angekommen, nur der Darm offenbar noch nicht so recht. Er braucht einfach ein paar Tage, um sich umzustellen, sich an den entspannten Rhythmus, eine ungewohnte Kost, Wärme oder Hitze, oft auch Flüssigkeitsmangel anzupassen. Es dauert nicht lange, spätestens bis zur Rückkehr nach Hause, und alles hat sich wieder eingespielt. So in etwa verhält es sich bei der Reise-Obstipation, Paradebeispiel einer Gelegenheitsverstopfung. Übrigens: Auch nach einem Reisedurchfall kann es zur Verstopfung kommen.

nach obenDas wahre Problem: Chronische Verstopfung

Aber wann liegt sie vor? Die Häufigkeit der Darmentleerung schwankt von Mensch zu Mensch. Richtwert für den Normalfall ist eine Frequenz von mindestens dreimal pro Woche – so verhält es sich jedenfalls bei den meisten.


Von einer chronischen Verstopfung ist auszugehen, wenn seit mindestens drei Monaten zwei der nachfolgenden Leitsymptome auftreten:

  • Es besteht der Endruck einer unvollständigen Entleerung;
  • Es besteht das Gefühl der Blockierung am Darmausgang;
  • Es muss manuell nachgeholfen werden;
  • Es muss sehr starker Pressdruck aufgebracht werden;
  • Der Stuhl ist hart oder klumpig;
    Diese unbefriedigenden Ergebnisse treffen jeweils auf mindestens ein Viertel aller Stuhlentleerungen zu.
  • Der Darm wird weniger als dreimal pro Woche entleert;

Die Erfahrung, dass auf Dauer nur Abführmittel zum gewünschten Erfolg führen, ist zwar ein Teil des Problems, gehört aber nicht zur Definition der chronischen Obstipation.
! Wichtig: Selbst wenn täglich Stuhlgang erfolgt, aber eben nur auf die beschwerlich unangenehme Art, liegt eine Verstopfung vor.

Von der chronischen Darmträgheit wird die kurzzeitige, akute Obstipation unterschieden. Streikt der Darm plötzlich, ist das im Prinzip ein Warnzeichen und muss zügig abgeklärt werden. Das gilt insbesondere, wenn weitere Alarmsymptome vorhanden sind wie

  • Übelkeit, Erbrechen,
  • Fieber,
  • aufgetriebener Bauch,
  • starke Bauchschmerzen (akuter Bauch)

Solche Beschwerden könnten zum Beispiel einen Darmverschluss signalisieren (siehe weiter unten, Abschnitt: „Akute Verstopfung – Darmverschluss?“). Das ist mehr als Verstopfung, nämlich ein Notfall, der nach schneller Hilfe im Krankenhaus verlangt. Rufen Sie den Arzt, im Notfall den Notarzt beziehungsweise Rettungsdienst (Notruf: 112).

nach obenVerstopfung: Wissenswertes vorweg

Viele Menschen haben den Eindruck, verstopft zu sein. Durch einen trägen Darm fühlt sich mehr als ein Drittel der Bevölkerung beeinträchtigt, Frauen wesentlich häufiger als Männer, ältere Menschen häufiger als jüngere. Belastbare Zahlen sind niedriger: Danach haben europaweit etwa fünf bis 15 Prozent der Menschen mit krankhafter Obstipation zu kämpfen.

Abführmittel sind da natürlich willkommen. Als Sebstmedikation kann die vorübergehende Einnahme durchaus sinnvoll sein. Auf einige Mittel könnte der Darm mit der Zeit jedoch kontraproduktiv reagieren: Seine Ansprechbarkeit auf Füllungsreize lässt womöglich nach, ein Kaliummangel (siehe jeweils in den Abschnitten „Medikamente“ und „Therapie bei chronischer Verstopfung“ weiter unten) ist nicht auszuschließen. Er könnte die Verstopfung auf Dauer verstärken.

! Daher gilt für Abführmittelgebrauch in der Selbstmedikation:

  • Keine gewohnheitsmäßige Einnahme
  • Möglichst niedrige Dosierung wählen
  • Erneute Einnahmen nach erfolgreicher Darmentleerung frühestens am dritten Tag
  • Egal ob mit oder ohne Therapie: Bei akuten Veränderungen der Stuhlgewohnheiten, anhaltender unklarer Verstopfung oder akuten Bauchbeschwerden zum Arzt!

Ohne Abführmittel auszukommen und den Lebensstil darmfreundlicher zu gestalten (mehr im Abschnitt „Selbsthilfe bei Verstopfung“), ist immer einen Versuch wert.

Dass eine Verstopfung zum kompletten Stuhlverhalt durch blockierende Kotballen (Fachbegriff: Koprostase) führt, ist bei sonst gesunden Menschen eher selten der Fall. Entsprechende Ängste sind also in der Regel hier unbegründet, ebenso Ängste vor einer „Vergiftung“ des Körpers bei nicht täglichem Stuhlgang.

Zu den „Mythen“, die sich um die Obstipation ranken, gehört auch, dass Ballaststoffmangel, zu geringe Trinkmengen und Bewegungsmangel die Ursache sind. Klar belegt ist es jedenfalls nicht. Offenbar tritt unter diesen Umständen eine chronische Verstopfung bei entsprechender „Veranlagung“ häufiger zutage, insbesondere wenn die Ballaststoffzufuhr sehr niedrig ist. Eine Zulage kann sich nach verschiedenen Studien positiv auf die Verdauung auswirken. Das empfohlene Soll: mindestens 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag mit der normalen Ernährung – für viele eher ein weit entferntes  Ziel.

Faserreiche Kost, Ballaststoffzulagen und ausreichende Flüssigkeitszufuhr können bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr die Darmtätigkeit durchaus regulieren helfen. Daher gehören Versuche in dieser Richtung weiterhin zu den etablierten Maßnahmen gegen Verstopfung. Wer Ballaststoffe zu sich nimmt, sollte einschleichend damit beginnen. Schon ganz allgemein beträgt übrigens die empfohlene tägliche Trinkmenge mindestens 1,5 bis zwei Liter. Trinkmengen, die weit darüber hinausgehen, haben keinen zusätzlichen Effekt auf den Darm. Für herz- oder nierenkranke Patienten gelten zudem individuelle Maßgaben des Arztes.

nach obenWarum der Darm zu langsam werden kann

Der Darm ist im Durchschnitt beachtliche acht Meter lang. Das bedeutet viel Verdauungsarbeit. Er besteht aus dem Dünndarm und dem Dickdarm. Letzterer setzt sich aus dem Blinddarm, dem Grimmdarm (Kolon) und dem Enddarm zusammen. Zum Enddarm gehören der Mastdarm (Rektum) und der eigentliche Darmauslass mit seiner Schließmuskelkonstruktion (After, Anus oder Analkanal, auch Kontinenzorgan genannt). Die Auskleidung des extrem feinnervigen Analkanals weist Übergänge von der äußeren Haut zur inneren Darmscheimhaut auf.

Während der innere Schließmuskel nicht willkürlich beeinflussbar ist, unterliegt der äußere der bewussten Kontrolle. Wenn von Verstopfung die Rede ist, so bezieht sich dies schwerpunktmäßig auf eine verlangsamte Passagezeit des Darminhalts oder auf eine Entleerungsstörung am Darmende.

Die Dickdarm- oder Kolonpassage etwa kommt normalerweise durch ergiebige Pump- beziehungsweise Durchwalkbewegungen (Peristaltik) der Darmmuskulatur zustande. Was hier alles hineinspielt, ist längst nicht vollständig erforscht. Die eigentliche Entleerung ist ein hochkomplex regulierter Vorgang, den vielfältige Nervenverschaltungen zwischen dem Kontinenzorgan am Darmende, Rückenmark, Gehirn und Psyche bewerkstelligen.

Bei Verstopfung auf der Passage ist vor allem ein verändertes oder gestörtes Zusammenspiel von Empfindungs- und Bewegungsnerven im Darm ausschlaggebend. Wichtige Komponenten hier: das darmeigene Nervensystem, auch als „Gehirn im Darm“ tituliert, die Muskulatur der Darmwand und sogenannte Schrittmacherzellen im Darm, ähnlich wie im Herz.

Krankheiten, auch erbliche, oder Funktionsstörungen des Körpers können diese Komponenten einzeln oder kombiniert beeinträchtigen. Das sind zum Beispiel Stoffswechselkrankheiten wie Diabetes mellitus, der Nerven nachhaltig schädigen kann, Muskelerkrankungen, die auch die Darmmuskeln in Mitleidenschaft ziehen können, oder Krankheiten des übergeordneten zentralen Nervensystems. Mehr dazu weiter unten unter „Ursachen von chronischer Verstopfung“. Natürlich spielen auch Darmerkrankungen selbst und Medikamente als mögliche Verstopfungsursachen eine wichtige Rolle.

Die Darmentleerung selbst kann zum Beispiel durch anatomische Veränderungen am Darmende bedingt sein, die zum Beispiel eine spezielle Funktionsstörung der Beckenbodenmuskulatur nach sich zieht.

nach obenBegünstigen die Lebensumstände eine Darmverstopfung?

Manche Lebens- und Arbeitsgewohnheiten laufen nach Auffassung vieler einer geregelten Darmtätigkeit zuwider, Stichworte: ballaststoffarme Ernährung, gewohnheitsmäßig zu knappe Trinkmengen, Bewegungsmangel, Aufschieben des Stuhlgangs trotz Stuhldrangs, Stress. Sie alle gelten als darmunfreundliche Angewohnheiten, die zu Verstopfung führen. Experten werten diese Faktoren eher als Schrittmacher, die eine Verstopfung bei entsprechend vorhandener Tendenz begünstigen (siehe oben, Abschnitt „Wissenswertes vorweg“).

Kurzfristige Bettlägerigkeit, Fieber, ungewohnte Hitze (ohne mehr zu trinken) oder eine Reise können durchaus zu vorübergehender Verstopfung führen. Doch das Problem, um das es hier geht, ist die krankhafte chronische Verstopfung. Bei längerer Bettlägerigkeit etwa ist zu prüfen, ob das zugrunde liegende Gesundheitsproblem und/oder Medikamente für eine beschwerliche Darmträgheit ausschlaggebend sind.

Auch Menschen, die beruflich wechselnden Tag-Nacht-Rhythmen ausgesetzt sind, klagen häufig über Verstopfung: Ob es rastlos durch die Welt jettende Langstreckenreisende sind oder Angehörige von Pflegediensten, die häufig Nachtschichtarbeit leisten – sie und viele andere Berufsgruppen arrangieren sich notgedrungen mit dem Übel. Je nach Leidensdruck wäre individuell zu hinterfragen, welcher Art das Gesundheitsproblem genau ist. Sicherheitshalber wäre also ein Gespräch mit dem Arzt ratsam.

nach obenVerstopfung: So stellt der Arzt die Diagnose

Die Untersuchung beginnt mit dem Gespräch über die Beschwerden. Eine der wichtigsten Fragen lautet, wie lange die Verstopfung schon besteht. Denn es gibt zum Beispiel auch angeborene Störungen der Darmtätigkeit, die erst später zutage treten. Außerdem interessieren den Arzt weitere mögliche Auffälligkeiten. Das können zum Beispiel eine wechselhafte Stuhlbeschaffenheit und -frequenz, also etwa Durchfall und Verstopfung im Wechsel, Farbveränderungen des Stuhls, Auflagerungen mit Schleim und / oder Blut, Schmerzen bei der Darmentleerung und Blut am After sein. Manchmal ist es hilfreich, eine Zeit lang ein Stuhltagebuch zu führen.

Der Arzt muss auch wissen, ob aktuell Bauchschmerzen, stärkere Blähungen oder gar eine Überblähung, die sich gar nicht mehr richtig löst, aufgetreten sind. Hat(te) der Betroffene Fieber, eine Infektionskrankheit, hat er oder sie nennenswert (zehn Prozent oder mehr) an Gewicht verloren oder zugelegt. Wie steht es mit dem Appetit? Gibt es andere Krankheiten oder Beschwerden, beispielsweise Rückenschmerzen oder Wirbelsäulenprobleme, liegt eine Erkrankung der Gallenblase oder anderer Oberbauchorgane wie Leber oder Bauchspeicheldrüse vor?

Zur körperlichen Untersuchung durch den Arzt gehören bei Obstipation immer das sorgfältige Abtasten des gesamten Bauches sowie der Leistengegend und die rektal-digitale Austastung. Das ist die Tastuntersuchung des Enddarms mit dem Finger. Die apparative Diagnostik umfasst je nach Bedarf Laboranalysen in kleinerem oder größerem Stil, eine Ultraschalluntersuchung der Bauchorgane, eine Darmspiegelung (endoskopische Darmuntersuchungen wie Koloskopie/Ileokoloskopie, Sigmoidoskopie, Rektoskopie) mit Gewebeentnahmen sowie bildgebende Verfahren wie Computer (CT)- und Kernspin- oder Magnetresonanztomografie (MRT). Seltener sind speziellere technische Prozeduren notwendig. Diese können gelegentlich auch den oberen Verdauungstrakt betreffen, also Magen, Speiseröhre und Dünndarm.

Eine Spezialmethode ist zum Beispiel die Messung der Transitzeit, die bestimmte Verstopfungsformen erkennen lässt. Außerdem kann es nötig sein, Ärzte verschiedener Fachrichtungen zu Rate zu ziehen, von der Magen-Darm-Heilkunde (Gastroenterologie), Proktologie (Fachkunde für Enddarmerkrankungen) oder Urologie über die Gynäkologie (Frauenheilkunde) bis zur Nervenheilkunde (Neurologe). Ein Fachgebiet namens Neurogastroenterologie widmet sich sogenannten Motilitätsstörungen – also Störungen der Transporttätigkeit des Darms.

nach obenUrsachen von Verstopfung

– Nervensystem und Psyche: Damit der hochempfindliche Darm gut funktioniert, bedarf es des ungestörten Zusammenspiels zwischen Darm, Nerven und Gehirn. Da es außerdem Verschaltungen mit psychischen Instanzen im Gehirn gibt, ist es eigentlich gut vorstellbar, dass das „System Darm“ vielfältig störanfällig ist. Tatsächlich können auf allen hier genannten Ebenen liegende Krankheiten auch den Darm – Dünndarm wie Dickdarm – beeinträchtigen. Das reicht von Schädigungen peripherer Nerven (siehe zum Beispiel Abschnitt „Zuckerstoffwechsel“) über Rückenmarkserkrankungen oder -verletzungen, etwa eine Querschnittslähmung, bis zu Krankheiten des zentralen Nervensystems wie Parkinson-Krankheit, Multiple Sklerose, Schlaganfall, Demenzerkrankungen oder Tumoren. Weiteres auch im Abschnitt „Chronische intestinale Pseudoobstruktion“ weiter unten).

Depressionen oder Essstörungen wie die Anorexia nervosa lassen sich ebenfalls hier einordnen. Bei Letzterer können durchaus gefährliche Entgleisungen des Salzhaushaltes und Stoffwechsels durch missbräuchliche Einnahme von Entwässerungstabletten und Mangelernährung auftreten. Davon bleibt auch der Darm nicht verschont.

– Hormone & Stoffwechsel: Schilddrüse & Co.: Was hat eigentlich die Schilddrüse mit dem Darm „am Hut“? Eine ganze Menge. Es gibt kaum einen Körpervorgang, der nicht von Schilddrüsenhormonen beeinflusst würde. Dementsprechend kann eine maßgebliche Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) mit einer Reihe anderer Krankheiten verwechselt werden. Viele Abläufe im Körper, so auch die Darmtätigkeit, arbeiten bei Schilddrüsenhormonmangel im Schneckentempo, da die Nervenfasern extrem langsam schalten. Die lange Leitung im Darm kann zu deutlicher Verstopfung führen. Unter anderem weisen eine sehr trockene, kühle, teigige und schuppende Haut, starke Kältempfindlichkeit und geistige Antriebsarmut auf den Tiefstand bei den Schilddrüsenhormonen hin.

- - Bei Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus) stört ein erhöhter Kalziumspiegel im Blut (Hyperkalzämie) die Signalübertragung vom Nerv zum Muskel. Dies gilt auch für die Darmmuskulatur. Die Betroffenen neigen neben Verstopfung unter anderem zu Durst, Nierensteinen, Übelkeit, rascher Ermüdbarkeit, Depressionen, Verwirrtheit. Schlimmstenfalls droht ein Koma. Für die Hormonstörung gibt es wiederum zahlreiche Ursachen. So kann eine Hyperkalzämie zum Beispiel bei Überdosierung von Vitamin D und anderen arzneilich wirksamen Substanzen oder Medikamenten, ferner bei der Sarkoidose, bei Knochenerkrankungen (auch Tumoren oder Metastasen) vorkommen. Zu Nierenerkrankungen als mögliche Verstopfungsursache siehe weiter unten, Abschnitt „Mineralstoffwechsel“.

- - Besonders im letzten Drittel der Schwangerschaft kommt es häufig zu Verstopfung. Einerseits wird der Darm durch den Einfluss steigender Hormonspiegel immer träger, andererseits wird sein Spielraum durch den heranreifenden Embryo und die sich vergrößernde Gebärmutter zunehmend enger. Mehr Bewegung, so gut es geht, gesunde, faserreiche Ernährung (als Neueinsteigerin langsam damit beginnen) und ausreichende Flüssigkeit sind erste Maßnahmen. Im zweiten Schritt können Ballaststoffe wie zum Beispiel Leinsamen ausprobiert werden. Weitere Informationen dazu unter „Beschwerden in der Schwangerschaft: Das hilft“ (auf www.baby-und-familie.de). Bei Hämorriden ist zunächst eine gute Analhygiene wichtig. Wohltuend können auch pflegende fetthaltige Salben mit pflanzlichen Extrakten wie etwa Hamamelis sein. Rücksprache mit der Hebamme, bei hartnäckiger Verstopfung mit dem betreuenden Gynäkologen, ist ratsam. Er kann verschiedene Mittel empfehlen, die auch in der Schwangerschaft angewendbar sind.

- - In der zweiten Zyklushälfte leiden viele Frauen unter Darmträgheit. Der Versuch, mit natürlichen Strategien gegenzusteuern, ist immer lohnenswert. Mit dem Eintreten der Periode löst sich der Stau in der Regel.

- - Völlegefühl, Blähbauch und Verstopfung können auch einige Präparate zur hormonellen Verhütung mit sich bringen, vor allem zu Beginn der Einnahme. Falls das Problem fortbesteht, kann manchmal ein Wechsel zu einer etwas anders zusammengesetzten Pille sinnvoll sein.

- - Zuckerstoffwechsel: Zu hohe Blutzuckerwerte (Diabetes mellitus Typ 1, Diabetes mellitus Typ 2) greifen viele Organe im Körper an, bevorzugt das Gefäßsystem, aber auch Nerven, etwa im Magen und Darm. Diese autonome Neuropathie kann unterschiedlichste Bereiche des vegetativen Systems betreffen. Dieses steuert viele Organfunktionen autonom, ohne unserem Willen zu unterliegen. Wird die Motilität des Magen-Darm-Traktes beeinträchtigt, kommt es zu Verdauungsproblemen, etwa einer Obstipation. Auch Impotenz, Blutdruckabfälle, vermindertes Schwitzen und gestörte Wahrnehmung von Unterzuckerungen können auf das Konto der autonomen diabetischen Neuropathie gehen.

- - Mineralstoffwechsel: Bei Nierenversagen (Niereninsuffizienz) kommt es infolge einer Übersäuerung des Körpers und Vitamin D-Mangels – die Nieren bilden nicht mehr genügend von dem aktiven Vitamin – zur verstärkten Kalziumfreisetzung aus dem Knochen ins Blut. Das bedeutet: Der Kalziumspiegel im Blut steigt an (Hyperkalzämie). Zum weiteren Mechanismus hinsichtlich des Darms siehe weiter oben unter Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperkalzämie).

Hypokaliämie bedeutet Kaliummangel. Hier gibt es wiederum viele Auslöser, nicht zuletzt Missbrauch von Abführmitteln, Einnahme wassertreibender Medikamente (Diuretika), Nierenschwäche, Nebennierenüberfunktion, im Übermaß verzehrte Lakritze und vieles mehr. Die durch den Kaliummangel ausgelöste Verstopfung kann schlimmstenfalls in eine Darmlähmung (paralytischer Ileus) münden. Auch die Blasenentleerung und die Tätigkeit der Skelettmuskeln können dann gestört sein.

– Systemkrankheiten: Amyloidose und Kollagenosen: Bei einer Amyloidose lagern sich in der Darmwand unlösliche Eiweißsubstanzen ab. Dies behindert die Darmtätigkeit. Eine Amyloidose kann erblich bedingt auftreten oder eine Folge anderer Erkrankungen sein, darunter Rheuma, Bluterkrankungen, Plasmozytom (auch Morbus Waldenström genannt, gehört zu den bösartigen Lymphomerkrankungen). Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, die primär den Darm selbst betreffen, kann sich als Spätkomplikation ebenfalls eine Amyloidose entwickeln.

Kollagenosen sind Bindegewebserkrankungen, die dem rheumatischen Formenkreis zugerechnet werden, zum Beispiel Sklerodermie, Polymyositis und Lupus erythematodes. Bindegewebe ist fast überall im Körper vorhanden – von den Gefäßen über Nerven, Augen, Gelenke und Haut bis zum Herz und Darm. Dementsprechend vielfältig sind die zugehörigen Krankheitsbilder. Gerade bei der Sklerodermie ist Obstipation ein häufiges Symptom. Infolge eines Schwunds der Darmmuskulatur, die durch Bindegewebe ersetzt wird, büßt der Darm an Beweglichkeit ein.

– Medikamente: Zahlreiche Medikamente können zu Verstopfung führen. Genannt seien beispielhaft Mittel, die die Bildung der Magensäure reduzieren oder blockieren wie H2-Rezeptorantagonisten (können auch Durchfall auslösen) oder Protonenpumpenblocker, ferner Aluminium- oder kalziumsalzhaltige Magensäurebinder, Colestyramin, Codein, Herz- und Kreislauf-Medikamente wie Betablocker (verursachen mitunter auch Durchfall), Kalziumantagonisten und wassertreibende Medikamente, sogenannte Diuretika.

Weiter kommen in Betracht: Schlaf- und Beruhigungsmittel, Antidepressiva, Medikamente gegen Epilepsie, gegen die Parkinson-Krankheit, gegen Blasenschwäche (Harninkontinenz) und gegen krampfartige Schmerzen (Spasmolytika, zum Beispiel gegen Kolikschmerzen). Starke Schmerzmittel wie Morphinpräparate dämpfen den Darm oft erheblich. Einige von ihnen werden daher von vornherein zusammen mit Abführmitteln verordnet, andere enthalten einen zusätzlichen Arzneistoff, der einer Verstopfung entgegenwirken kann. Bei Bedarf verabreicht der Arzt einen sogenannten Opiatantagonisten (Gegenspieler).

Passagehindernisse in der Enddarm- und Analregion: Probleme in diesem Bereich umfassen zum einen eitrige Gewebeeinschmelzungen (Abszesse) und Fisteln, also krankhafte Verbindungsgänge etwa zwischen Darm und Haut. Zum anderen können Verengungen des Analkanals, schmerzhafte Afterrisse, Analekzeme und Hämorriden den Stuhlgang stören. Deutlich behindern kann ihn ein Vorfall der Mastdarm- oder Analschleimhaut (Prolaps), ebenso eine innere Einstülpung von Teilen der Enddarmschleimhaut (Intussuszeption). Darmteile können sich während der Entleerung in den Beckenraum absenken und auf den Enddarm drücken, seitliche Darmaussackungen sich mit Stuhl füllen (sogenannte Zelen), anstatt diesen freizugeben. Auch Mastdarm- und Afterkrebs sind mögliche Stuhlgangshindernisse, womit längst nicht alle hier Enddarmerkrankungen aufgezählt sind.

Da die Afterregion extrem druck- und schmerzempfindlich ist, genügen schon geringfügige Veränderungen oder Reizungen, um Verkrampfungen auszulösen. Um auszuschließen, dass ein organisches Passagehindernis vorliegt, sollten Betroffene sich ein Herz fassen und lieber früher als später zum Arzt gehen.

– Funktionsstörungen der Schließmuskulatur am Darmausgang: Der muskulöse, schüsselförmige Beckenboden schließt die Bauchhöhle nach unten ab. Durchlässe gibt es für Harnröhre und Mastdarm, bei der Frau auch für die Scheide. Der Afterschließmuskel ist mit dieser hochkomplizierten Konstruktion eng verwoben. Beim Stuhlgang ist der Beckenboden entspannt.

- - Bei der sogenannten Beckenbodendyssynergie wird die Darmentleerung durch eine Störung des Zusammenspiels der Muskeln am Darmausgang behindert. Die Bauchpresse und damit der Druckanstieg im Enddarm löst einen übersteigerten Spannungsreflex und eine zu geringe Lockerung im Schließmuskelapparat aus. Die Koordinationsstörung wird auch paradoxe Schließmuskelverspannung genannt, denn eigentlich soll der willkürlich erhöhte Druck der Bauchmuskeln dabei helfen, den Analkanal zu verkürzen, den Ausgang zu öffnen und so die Darmentleerung zu vollbringen. Frauen sind vermehrt betroffen. Eventuell kann nach Diagnosestellung (siehe unten: anorektale Manometrie) ein Feedback-Training für den Beckenboden dazu beitragen, die Verspannungen abzubauen. 

- - Eine Schädigung bestimmter Nervenzellen im Rückenmark oder Gehirn kann sich ebenfalls ungünstig am Darmende auswirken (siehe jeweils oben: Abschnitt „Nervensystem und Psyche“). So kommen im Rahmen einiger neurologischer Krankheiten, zum Beispiel sogenannter Motoneuronerkrankungen, eine Verkrampfung (Spastik) des Schließmuskels oder Störungen der anorektalen Funktionen wie der Anismus vor. Dabei treten jeweils unwillkürliche Kontraktionen der Schließmuskeln auf, die gezielte Muskelaktionen am Darmausgang durchkreuzen. Die Krankheitsbilder sind insgesamt selten.

- - Schließlich gibt es am Beckenboden auch Fehlbildungen. Weitaus häufiger sind Absenkungen, zum Beispiel nach mehreren Schwangerschaften und im höheren Alter. In der Folge kann es sowohl zu Darmentleerungsstörungen als auch zu Kontinenzproblemen kommen.

Zur Diagnose hier: Der Arzt kann anhand einer anorektalen Manometrie und ergänzender Tests wie zum Beispiel einer sogenannten Defäkografie in vielen Fällen die Funktionstüchtigkeit des Enddarms und Schließmuskelgefüges am Darmausgang sowie das Zusammenspiel mit dem Beckenboden überprüfen.


Der Weg der Nahrung durch den Verdauungstrakt ist lang

W&B/Ulrike Möhle

– Schwere Darmträgheit (Slow-Transit-Obstipation): Slow-Transit steht hier für eine verzögerte Darmpassage. Diese Form der Verstopfung betrifft ganz überwiegend junge Frauen. Sie kommt relativ häufig vor. Die Diagnose lässt sich durch die Bestimmung der Transitzeit des Darminhaltes im Dickdarm (Kolontransit) zum Beispiel mit einem röntgendichten Stoff erkennen. Bei Bedarf ist eine Darmbiopsie besonderer Art (Ganzwandtechnik) beweisend, jedoch lässt diese sich nur über einen operativen Eingriff erhalten. Zudem werten nur wenige spezialisierte Labore die Probe aus. Im Einzelfall werden die betreuenden Spezialisten weitere gezielte Untersuchungen ansetzen.

Die Ursache der Krankheit liegt in Störungen der Darmnerven, Darmmuskeln und Darmschrittmacherzellen (siehe oben: „Warum der Darm zu langsam werden kann“), wobei auch Mischbilder vorkommen. Häufig ist zudem die Anzahl der Darmnerven vermindert. Dadurch ist die Schubkraft des Darmes deutlich geschwächt. Viele Betroffene leiden auch an Motilitätstörungen im oberen Verdauungstrakt.
Therapie: Die üblichen Therapiestrategien gegen Verstopfung (siehe unten) stehen immer am Anfang der Therapiekette. Sogenannte Probiotika können begrenzt positive Effekte haben. Meist lösen aber selbst hochdosierte Abführmittel die erhebliche Verstopfung nicht. Infrage kommt dann ein Medikament wie Prucaloprid, ein sogenannter Serotonin-Rezeptoragonist. Im sorgfältig geprüften Einzelfall erwägen die betreuenden Spezialisten einen operativen Eingriff, etwa eine Entfernung oder Teilentfernung des Dickdarmes. Unabdingbare Voraussetzung ist hier, andere Störmomente in den übrigen Darmabschnitten oder andere behandelbare Erkrankungen mit Darmbeteiligung auszuschließen.

Fehlende Nervenversorgung des Darms, zum Beispiel Hirschsprung-Krankheit: Die angeborene Erkrankung kann familiär gehäuft, aber auch spontan auftreten. Jungen sind dreimal so häufig betroffen wie Mädchen. Es sind verschiedene genetische Muster bekannt. Wenn nur ein sehr kleiner Bereich des Darms betroffen ist, wird die Diagnose manchmal erst im Erwachsenenalter gestellt. Kennzeichnend für die Krankheit ist, dass es – meist im unteren Enddarmabschnitt – zum völligen Fehlen der Nervenschaltzellen, auch Ganglienzellen genannt, kommt. Daraus leitet sich die allgemeine Bezeichnung Aganglionose ab, was so viel wie Abwesenheit von Ganglienzellen bedeutet.

Bei stärkerer Ausprägung ist der betroffene Darmabschnitt sehr eng und der davor liegende Teil durch Kotstau aufgebläht (Megakolon). Der Schließmuskel kann sich außerdem nicht lockern. Schon im Säuglingsalter kann starke Verstopfung mit aufgetriebenem Bauch, Bauchschmerzen und Tendenz zum Darmverschluss auftreten. Die Diagnose ergibt sich in der Regel aus einer Gewebeprobe, die nicht nur Darmschleimhaut, sondern auch darunter liegendes Gewebe enthält (endoskopische Saugbiopsie). Bei Erwachsenen wird eine anorektale Manometrie vorgeschaltet; zeigt sie einen Normalbefund, lässt sich die Hirschsprung-Krankheit damit normalerweise ausschließen.
Die Behandlung erfolgt in der Regel operativ. Neben der Hirschsprung-Krankheit gibt es noch andere Varianten der Ganglienstörungen des Darms.

– Chronische intestinale Pseudoobstruktion: Diese Bezeichnung beschreibt vorübergehende Blockierungen des Darms, also Episoden mit Symptomen, die einem beginnenden Darmverschluss (siehe unten) ähneln.
Leitsymptome sind ein aufgeblähter Bauch, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Brennen im Oberbauch oder hinter dem Brustbein wie bei Sodbrennen.
Auslösend sind Veränderungen der entscheidenden Bewegungselemente der Darmwand – Muskelzellen, Nervenzellen oder Schrittmacherzellen. Ärzte kennen hier primäre genetische Ursachen, die etwa als erbliche Nervenkrankheiten (wie sogenannte mitochondriale Neuropathien) oder erbliche Muskeldystrophien in Erscheinung treten (siehe unten). Oder es sind sekundäre Ursachen, das heißt darmschädigende Wirkungen anderer Erkrankungen: zum Beispiel Systemkrankheiten wie Amyloidose, Autoimmunkrankheiten wie Kollagenosen oder Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes. Sie sind weiter oben bereits als Verstopfungsursachen beschrieben. Die gesamte Ursachenliste ist lang, es finden sich darin auch Nebenwirkungen von Medikamenten und Strahlenbehandlungen, Schädigungen durch Akohol, Infektionserreger oder Stoffe, die in Tumoren entstehen. Vorrangig ist der Dünndarm betroffen, manchmal ist auch die Magen- und / oder Blasenentleerung gestört. Trotz des breiten Hintergrundes: So schwer das Krankheitsbild ist, so selten ist es insgesamt.
Die Diagnosemaßnahmen entsprechen dem Akutbild, zielen auf den Auschluss einer echten Darmverlegung und sind nach Abklingen der Bauchkrise darauf ausgerichtet, die Ursache zu erkennen.
Die Therapie beinhaltet stadiengerecht spezielle Ernährungsformen, Medikamente wie Prucaloprid (siehe oben: schwere Slow-Transit-Verstopfung), falls möglich, die Behandlung eventueller Grunderkrankungen, Anpassung von Medikamenten und gegebenenfalls chirurgische Maßnahmen.

- - Beispiel Erbliche Muskeldystrophien:
Bei diesen Muskelerkrankungen werden zahlreiche Formen unterschieden. Die Erkrankungen sind entweder angeboren, oder sie treten im Kindes-, Jugend- oder Erwachsenenalter auf. Im Vordergrund stehen verkümmmernde, geschwächte Muskeln an Armen und Beinen. Muskelschmerzen, Gangstörungen, eine Innenohrschwerhörigkeit, herabhängende Augenlider, Herzmuskelschäden, beeinträchtigte geistige Entwicklung sind weitere mögliche Symptome. Am Darm führt die Muskeldystrophie zu ständiger Verstopfung.

- - Beispiel Chagas-Krankheit: Die durch Bisse von Raubwanzen übertragene Chagas-Krankheit ist in Südamerika heimisch. Es erkranken nicht nur, aber sehr häufig Kinder. Die eigentlichen Erreger sind Parasiten. Sie greifen das Herz und Gehirn, im weiteren Verlauf auch die Ganglienzellen des Darms an. Dies führt zu einer starken, mitunter dramatischen Verstopfung, bei der es auch zu einer Darmblockade mit dem Risiko des Durchbruchs kommen kann.

  • Notfall: Akute Verstopfung – Darmverschluss?

Als Folge einer Darmentzündung (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn und andere Entzündungsformen), ferner einer Divertikelkrankheit, aber auch einer Durchblutungsstörung, Strahlentherapie oder Operation können sich narbige Verengungen (Strikturen) am Darm bilden und zum Passagehindernis werden. Möglich sind außerdem Blockaden durch im Darm entstandene Steine (Enterolithiasis, tritt infolge anderer Darmprobleme auf, ist aber eher selten) oder durch einen Fremdkörper. Manchmal verschließt ein Gallenstein, der die Gallenblasenwand durchbrochen hat, den Darm – meist den Zwölffingerdarm (oberer Dünndarm). Tumoren oder Narben infolge anderer Erkrankungen der Bauch- und Beckenorgane können den Darm ebenfalls verengen oder blockieren, Darmschlingen bei einem Leistenbruch eingeklemmt werden.

Auch bei einer akuten Blinddarmentzündung kann die Darmtätigkeit gestört sein. Darüberhinaus gibt es viele andere mögliche Ursachen. Sie alle können zu einer mehr oder weniger akuten Verstopfung bis hin zum Darmverschluss (mechanischer Ileus) führen. Das sind Notfallsituationen, die sofortiger Diagnostik und Behandlung in einer Klinik bedürfen.

Leitsymptome: Bauchschmerzen oder starke Druckschmerzhaftigkeit des Bauches, teilweise heftige Darmgeräusche, Übelkeit, sich nicht lösende Überblähung, Erbrechen (eventuell auch von Stuhl), eventuell Stuhlblockade. Als lebensbedrohliche Komplikation droht der Übergang in eine Darmlähmung mit Durchbruch des Darms und Bauchfellentzündung.

  • Sonderfall: Reizdarmsyndrom mit Verstopfungsneigung (sogenannte Normal-Transit-Obstipation)

Das Beschwerdebild existiert in verschiedenen Ausprägungen und setzt eher in jüngeren Jahren ein. Als Leitsymptom überwiegt entweder Verstopfung oder Durchfall, oder beides tritt im Wechsel auf. Betroffene leiden auch unter Völlgefühl, Druckgefühl im Unterbauch, Blähungen, vor allem aber unter wiederholten, stechenden oder krampfartigen Bauchschmerzen. Diese hängen aber nicht direkt vom Stuhlgang selbst ab; er bringt vielmehr Erleichterung.

Auffällig ist jedoch, dass die Schmerzen oft im Zusammenhang mit Änderungen der Beschaffenheit und Entleerungshäufigkeit des Stuhls stehen. Es gibt Überschneidungen mit Schmerzen, die auch Organen im Unterleib (im sogenannten kleinen Becken), etwa Gebärmutter oder Blase, zugeordnet werden können. Außerdem gibt es Verbindungen zur Fibromyalgie, einem komplexen Krankheitsbild, bei dem oft Muskel-, Gelenk- und Rückenschmerzen im Mittelpunkt stehen, das jedoch auch mit zahlreichen anderen Beschwerden einhergehen kann. Das Reizdarmsyndrom kann manchmal nach einer Darminfektion auftreten.

Bei der Diagnostik ist das gesamte Know-how des Gastroenterologen gefragt. Neue Untersuchungsverfahren wie die Laser-Endomikroskopie sind noch in der klinischern Erprobung. Zudem müssen – gerade auch bei denjenigen Reizdarmformen, die mit Durchfall oder wechselnder Stuhlbeschaffenheit einhergehen –, Unverträglichkeiten oder Allergien gegenüber Nahrungsmitteln, auch Gluten, außerdem chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Darmdivertikel (Ausstülpungen der Darmwand, oft eine Folge der Obstipation, hierbei besteht die Tendenz zur Entzündung und Darmverengung), Tumoren und vieles mehr ausgeschlossen werden.

Die Therapie des Reizdarmsyndroms richtet sich nach den vorherrschenden Beschwerden. Eine Ernährungsberatung ist ebenso wichtig wie Entspannungs-Verfahren. Für Betroffene, die einem solchen Ansatz positiv gegenüberstehen, wird manchmal auch eine begleitende Psychotherapie empfohlen. Zum Nachlesen: Ratgeber „Reizdarmsyndrom“.

Therapie bei chronischer Verstopfung

Die Behandlung der chronischen Obstipation reicht, wie zum Teil schon beschrieben, je nach Ursache von medikamentösen bis zu operative Therapien. Die Medikamente beinhalten unter anderem verschiedene Abführmittel, die Sie unbedingt nach ärztlicher Anweisung einnehmen sollten, und neuere Entwicklungen wie einen Serotoninrezeptorangonisten (Prucaloprid) oder bei Verstopfung infolge Schmerztherapie mit Opiaten einen Opiatantagonisten.
Auch Entleerungshilfen können sinnvoll sein. Dazu zählen zum Beispiel Klistiere oder Irrigatoren. Auch hier bitte die Vorgaben des Arztes beachten.
Mitunter ist eine psychologische Begleitung sinnvoll.

nach obenSelbsthilfe bei Verstopfung

Ohne spezielle Therapie lässt sich ein vorübergehend träger Darm oft durch eine Umstellung des Lebensstils in Schwung bringen. Pro Tag sollte man 30 Gramm Ballaststoffe zusammen mit mindestens eineinhalb Liter Flüssigkeit aufnehmen, falls dem medizinisch nichts entgegensteht. Das Ballaststoff-Soll entspricht zum Beispiel fünf Portionen Obst oder Gemüse einschließlich Hülsenfrüchten, falls sie vertragen werden. Vollkorn-Müsli und andere Nahrungsmittel aus vollem Korn, Trockenfrüchte und Beerenobst dürfen miteingerechnet werden.

Ballaststoffe erhöhen zusammen mit der aufgenommenen Flüssigkeit das Stuhlvolumen und beschleunigen so die Darmpassage. Dass Genussmittel wie Koffein den Darm anregen können, während etwa Schokolade oder Kakao ihn bremsen, ist allgemein bekannt. Alles, was verstopfend wirkt, beispielsweise auch Weißbrot, ist bei Neigung zu Verstopfung natürlich tabu.


Ballaststoffhaltige Zubereitungen in Form spezieller Füll- und Quellmittel, zum Beispiel Lein- oder Plantago-Samen, können den Faseranteil im Essen steigern und damit den Darm in Schwung bringen, vorausgesetzt, die Flüssigkeitszufuhr stimmt und es stehen der Anwendung keine medizinischen Gründe entgegen. Dann lassen sich auch Abführmittel einsparen.

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Tipp: Zusätzliche Ballaststoffe langsam einschleichend ausprobieren. Ob überbrückend andere Maßnahmen notwendig sind, um die Darmtätigkeit anzukurbeln, entscheidet am besten der Arzt.

nach obenFazit: Verstopfung

Zeigt die Umstellung des Lebensstiles (Ernährung, Trinkmenge, Bewegungsumfang), zusätzlich die Aufnahme von Ballaststoffen und Einnahme eines oder mehrerer Abführmittel gemäß ärztlicher Weisung keine Wirkung oder liegen keine gewohnheitsmäßigen Faktoren und auch nachweislich keine fassbaren organischen Ursachen für die Verstopfung vor, könnten als häufigste Ursachen zum Beispiel eine chronische Verstopfung im Sinne des verzögerten Transportes (slow-transit-obstipation) oder ein Reizdarmsyndrom vorliegen.


nach obenDarmverstopfung: Fachliteratur

Herold G und Mitarbeiter: Innere Medizin, 2015, Köln Gerd Herold

Deutsche Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) und Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten, in Zusammenarbeit wit weiteren Fachgesellschaften: Gemeinsame Leitlinie Chronische Obstipiation: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. AWMF-Register Nr. 021/019, S2k, Stand: 02/2013. Online:
http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-019l_S2k_Chronische_Obstipation_2013-06_01.pdf (Abgerufen am 07.10.2015)

S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) zu Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie intestinaler Motilitätsstörungen.

AWMF-Registernummer: 021/018, Stand: Online:
http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-018l_S3_Intestinale_Motilitaetsstoerungen_-_Definition_Pathophysiologie_Diagnostik_und_Therapie.pdf (derzeit in Überarbeitung, abgerufen am 08.10.2015)

S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM). AWMF-Registernummer: 021/016, Stand: 02.2011. Online:
http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-016l_S3_Reizdarmsyndrom_2011.pdf (Abgerufen am 08.10.2015)


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Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.




Bildnachweis: W&B/Ulrike Möhle, PhotoDisc/ RYF, Thinkstock/Comstock Images
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