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Skoliose

Bei einer Skoliose ist die Wirbelsäule dreidimensional verbogen und verdreht. Diese Wirbelsäulenverkrümmung tritt meistens im Wachstumsalter auf und kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein


Skoliose: Eine Wirbelsäulenverkrümmung (hier rot markiert) ist manchmal deutlich sichtbar

Was ist eine Skoliose?

Eine Skoliose ist eine seitliche Verbiegung der Wirbelsäule mit einer Drehung von Wirbelkörpern. Das verminderte die Beweglichkeit. Diese Verformung lässt sich nicht durch eine bestimmte Körperhaltung ausgleichen, sondern besteht dauerhaft (chronisch). Ohne Behandlung nimmt sie im weiteren Wachstum meist zu.

Welche Symptome gibt es?

Minimale Achsabweichungen des Rückgrats sind häufig – und äußerlich oft nicht erkennbar. Auch eine leichte Skoliose ist manchmal nur bei genauem Hinsehen oder mit Hilfe weiterer Untersuchungen feststellbar.

Eine schwere Verformung der Wirbelsäule ist dagegen kaum zu übersehen: Zum Beispiel hängt dann eine Schulter tiefer als die andere, das Becken steht schief, das Schulterblatt ragt auf einer Seite weiter heraus, ein einseitiger Rippenbuckel oder Lendenwulst kann sich bilden. Ein Bein scheint kürzer zu sein als das andere. Genaueres zu den Anzeichen lesen Sie im Kapitel Symptome.

Was sind die Ursachen?

In 80 bis 90 Prozent der Fälle ist unklar, warum eine Skoliose entsteht. Seltener sind zum Beispiel angeborene Fehlbildungen, Muskel- oder Nervenerkrankungen oder Unfälle die Ursache.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Der erfahrene Arzt erkennt eine Skoliose schon bei der körperlichen Untersuchung. Röntgenaufnahmen bestätigen den Verdacht. Wächst die Wirbelsäule noch, kann sich die Verbiegung innerhalb kurzer Zeit deutlich verschlimmern. Deshalb ist es besonders wichtig, eine Skoliose frühzeitig im Wachstum festzustellen. Auch leichte Skoliosen sollten ernst genommen und der weitere Verlauf engmaschig vom Arzt kontrolliert werden.



Beratender Experte: Dr. Hartmut Gaulrapp, Facharzt für Orthopädie mit Spezialgebiet Kinder-Orthopädie, Sportmedizin

Wie sieht die Therapie aus?

Im günstigsten Fall ist gar keine Behandlung nötig. Oder es reichen spezielle krankengymnastische Übungen aus.

Verschlechtert sich die Skoliose jedoch rasch oder ist sie sehr ausgeprägt, sollte frühzeitig über eine zusätzliche Therapie mit einem individuell angepassten Korsett oder – in schweren Fällen – sogar über eine Operation nachgedacht werden. Denn eine sehr schwere Wirbelsäulenverbiegung kann langfristig nicht nur kosmetisch stören. Sie verursacht womöglich Gesundheitsprobleme, beispielsweise (Rücken-)Schmerzen. Sie kann die Lungenfunktion beeinträchtigen oder die körperliche Aktivität in Freizeit und Beruf einschränken.

Die Behandlung der Skoliose ist eine anspruchsvolle Angelegenheit. Deshalb sollten sich Eltern oder Betroffene umfassend informieren und sich möglichst an Ärzte oder Zentren wenden, die bereits viele Erfahrungen mit der Skoliosetherapie gesammelt haben. Vor allem der Entschluss zu einer Operation muss gut überlegt und geplant sein. Denn es handelt es sich um einen großen Engriff, dessen Folgen nicht mehr rückgängig zu machen sind. (Mehr dazu im Kapitel Therapie).


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




Bildnachweis: Mauritius/Jiri, W&B/privat
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Experten-Sprechstunde mit Dr. Roth


Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth ist Facharzt für Orthopädie



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Wie gewöhnt sich ein Kind am besten an sein Korsett?

Kinder dazu zu bringen, ein Korsett regelmäßig und an 23 Stunden am Tag zu tragen, erfordert von den Eltern viel Einfühlungsvermögen und Geduld. Es ist verständlicherweise nicht leicht, einen jungen Menschen in einen solchen „Panzer“ zu zwingen – umso mehr, als die Kinder in frühen Stadien ja kaum Beschwerden haben. Schließlich bedeutet das zweifellos eine Beeinträchtigung, die das Kind von vielen Aktivitäten ausschließt und vor der Umwelt – selbst unter modischer Kleidung – kaum zu verstecken ist. In der Schule laufen solche Kinder natürlich Gefahr, zu Außenseitern abgestempelt zu werden oder sich selbst als solche zu sehen. Damit die Betroffenen das Korsett ohne Vorbehalte tragen können, ist es wichtig klarzumachen, dass ihnen ohne diese harsche Maßnahme eine Verschlimmerung ihrer Krankheit und eine Operation drohen. Wenn das nicht gelingt, kann es hilfreich sein, die professionelle Hilfe eines Therapeuten oder einer Therapeutin zu suchen.


Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth


Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Wie oft muss das Korsett angepasst werden?

Wie oft das Korsett eines Kindes angepasst werden muss, hängt vor allem vom Wachstum und vom Verlauf der Krankheit, also der Besserung oder aber auch möglichen Verschlechterung des Befundes ab. Derzeit lassen sich wiederholte Röntgenkontrollen leider noch nicht durch andere Verfahren ersetzen.


Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth


Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Ist es normal, wenn das Korsett etwas drückt?

Eine Korsettbehandlung kann das Fortschreiten der Krümmung der Wirbelsäule aufhalten oder sie sogar korrigieren. Wichtig ist, dies bis zum Wachstumsabschluss zu erreichen. Ein korrekt angepasstes Korsett übt zunächst Druck an den Stellen aus, über die eine Korrektur der Skoliose erfolgt (zum Beispiel am Rippenbuckel oder Lendenwulst). Das ist unangenehm – aber notwendig: Das betroffene Kind muss verstehen lernen, dass dieser Druck sein muss und dass die Krümmung dadurch eines Tages praktisch behoben sein wird. Ein Korsett, das überhaupt nicht drückt, kann die Skoliose nicht korrigieren. Es sollte daher unbedingt auf seine Funktionsfähigkeit überprüft werden.


Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth


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Wer hilft Kindern mit Skoliose und Korsett seelisch? Ist Sport tabu?

Die wichtigste psychologische Unterstützung für ein Kind mit Skoliose geht von den Eltern und vom behandelnden Team (Arzt, Orthopädietechniker) aus. Ein Kind mit Skoliose kann am Schulsport teilnehmen, dafür darf das Korsett auch abgenommen werden. Generell sollten Sportarten, die die Wirbelsäule belasten, zum Beispiel: Reiten, Squash, Tennis, vermieden werden. Was genau sinnvoll oder kontraproduktiv ist, sollte aber in jedem Einzelfall gemeinsam mit dem Behandlungsteam geklärt werden.


Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth


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Muss ein Kind mit Korsett täglich Gymnastik machen?

Wahrscheinlich ist es doch wichtig, vor allem die Rücken- und Bauchmuskulatur zu stärken, und damit auch die Wirbelsäule?

Krankengymnastik ist integraler Bestandteil der Behandlung einer Skoliose. Ziel ist dabei, das "innere" Muskelkorsett soweit zu stärken, dass es eine dynamische Unterstützung des "statischen" äußeren Korsetts bietet.


Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth


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Soll man sich das Korsett zum Schluss langsam abgewöhnen?

Eine Entwöhnung vom Korsett sollte erst erfolgen, wenn sich die „entkrümmte“ Skoliose ausreichend verfestigt hat. Dies ist erreicht, wenn das Wachstum des Kindes abgeschlossen ist. Die Ärztin oder der Arzt kann anhand der Röntgenbilder (Verschluss der Wachstumsfugen am Beckenkamm) feststellen, wann dieser Zeitpunkt gekommen ist. Die Entwöhnung dient vor allem dazu, ein nochmaliges Fortschreiten der Krankheit rechtzeitig zu bemerken beziehungsweise auszuschließen. In der Regel wird das Korsett zunächst für eine Stunde am Tag abgenommen und die „stützfreie“ Zeit dann langsam gesteigert. Insgesamt erstreckt sich dieser Prozess über ein Vierteljahr. Parallel sollten die Patienten intensive Krankengymnastik zur Kräftigung der Rückenmuskulatur betreiben. Musste das Kind wegen einer zu starken Krümmung letztlich doch operiert werden, so wird es auch nach der Operation ein Korsett tragen. Bei der Operation wird die Skoliose korrigiert. Damit die Wirbelsäule nicht wieder in die Skoliose „abrutscht“, wird sie versteift. Nachdem die Knochen der Wirbelsäule sicher zusammengewachsen sind, erfolgt die Entwöhnung vom Korsett. In der Regel geschieht dies während eines einwöchigen Krankenhausaufenthaltes. Dabei findet auch eine krankengymnastische Behandlung statt, die die Entwöhnung unterstützt.


Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth


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Was tun bei einer Skoliose, die nach Wachstumsende zunimmt?

Eine Korsettbehandlung ist nur bis zum Abschluss des Knochenwachstums sinnvoll. Danach ist durch das Korsett keine Korrektur der Skoliose mehr zu erwarten. Wenn sich eine ursprünglich leichte Skoliose nach Abschluss des Wachstums verschlechtert, kann das durch ein sogenanntes Drehgleiten oder eine Instabilität von Wirbelkörpern begründet sein. Beides verursacht auch Rückenschmerzen. Zur Stabilisierung helfen in dem Fall Krankengymnastik oder auch die Verordnung eines Mieders. Wenn die Schmerzen dadurch nicht verschwinden oder zumindest deutlich gelindert werden, sollte eine operative Korrektur mit Stabilisierung der gleitenden Wirbelkörper in Betracht gezogen werden.


Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth


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www.apotheken-umschau.de; 13.09.2005, aktualisiert am 06.02.2014
Bildnachweis: Mauritius/Jiri, W&B/privat

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