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Kribbeln / Taubheitsgefühle

Ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl an den Gliedmaßen und anderen Körperstellen deutet auf Nervenstörungen oder mangelnde Durchblutung hin. Auch psychische Ursachen kommen infrage


Wie tausend kleine Stiche: Auch so können sich Gefühlsstörungen in Füßen und Händen äußern

Viele kennen das Gefühl, wenn sie draußen im Winter bei frostigen Temperaturen unterwegs waren und die Hände zu kalt wurden. Sie sind dann wie taub, man hat kein Gefühl mehr in den Fingern. Kommt man anschließend ins Warme, „tauen“ die Finger auf, pochen und kribbeln schmerzhaft. Durch die Kälte haben sich die Gefäße zusammengezogen, die Finger wurden schlechter durchblutet. Nimmt die Durchblutung wieder zu, kehrt auch das Grundempfinden in den Spitzen und an der Hautoberfläche zurück – zunächst als missliches Kribbeln, wie tausend feine Nadelstiche.

Nervensache: Wie es zu Kribbeln und Taubheitsgefühlen kommt

Kribbeln und Taubheitsgefühle gehören zu den Sensibilitätsstörungen beziehungsweise Gefühls- oder Empfindungsstörungen.

Kribbeln ist eine Empfindung an der Körperoberfläche. Das unangenehme bis schmerzhafte Gefühl wird durch sensible Nerven beziehungsweise Nervenendigungen in der Haut vermittelt, über die zugehörigen Nervenbahnen weitergeleitet und im Gehirn wahrgenommen. Das heißt, verstärkte Nervenaktivitäten spielen eine wesentliche Rolle, wenn es zum Beispiel an Händen oder Füßen kribbelt. Meist ist dabei jedoch kein direkter äußerer Reiz erkennbar.

Unangenehmes Kribbeln als Krankheitssymptom wird durch „falsche“ beziehungsweise krankhafte Reize ausgelöst, etwa weil die zuständigen Nerven in dem betroffenen Bereich geschädigt sind. Die Leitungsbahnen sind dann überaktiv. Die Missempfindung (medizinisch Parästhesie) kann auf unterschiedlichen Hautstellen auftreten, an Armen und Beinen, an Händen, Fingern, Füßen und Zehen, am Kopf, im Gesicht. Sie äußert sich auch als Ziehen, Stechen oder Ameisenlaufen. Manche Betroffene schildern das Gefühl als brennend oder elektrisierend. Das Kribbeln geht mitunter Taubheitsgefühlen voraus, kann ihnen aber auch nachfolgen.


Taubheitsgefühle entstehen in den Gliedmaßen (Extremitäten), im Gesicht, im Mund oder an anderen begrenzten Körperpartien. Die meist als sehr störend wahrgenommenen Empfindungen können auch nahezu eine ganze Körperseite erfassen. Wer länger in einer bestimmten Position verharrt, zum Beispiel mit angezogenen Beinen sitzt, dem „schlafen“ womöglich die Beine ein. Druck auf die Nerven kann solche unbedenklichen Ausfälle verursachen, die wieder verschwinden, wenn das Bein bewegt wird.

So weisen Taubheitsgefühle auf eine vorübergehende Unteraktivität von Nerven hin, die harmlos, aber auch krankhaft sein kann. Fachleute sprechen dann auch von Hypästhesie. Mitunter sind die Nerven in den betroffenen Bereichen, etwa in den Füßen, sogar geschädigt und haben bestimmte Funktionen eingebüßt. Ebenso kann der Blutfluss gestört und damit ein Körperteil unterversorgt sein. Taubheitsgefühle sind zudem meist ein Alarmzeichen, zum Beispiel für einen Schlaganfall, gerade dann, wenn sie auf einer Körperseite auftreten, etwa am Arm, am Bein, an einer Gesichtshälfte. Oder wenn sie die ganze oder fast die ganze Körperhälfte erfassen.

Kribbeln und Taubheitsgefühle haben vielfältige Ursachen. Die Schädigung kann direkt in den ziehenden oder tauben Stellen liegen, aber auch in übergeordneten Körperbereichen. So äußern sich etwa Probleme an der Halswirbelsäule nicht selten in kribbelnden Fingern oder Händen.

Häufige Ursachen für Kribbeln und Taubheitsgefühle

Hier kommen Störungen in den Blutgefäßen, in unterschiedlichen Nervenbahnen sowie im Rücken infrage, vor allem an der Halswirbel- und Lendenwirbelsäule. Doch auch dort geben letztlich immer Nervenschädigungen oder Durchblutungsprobleme den Ausschlag.

Oft gehen Missempfindungen vom peripheren Nervensystem aus. Ein wichtiger Teil davon sind die Empfindungsnerven. Diese leiten Empfindungen an unterschiedlichen Körperteilen, etwa an Armen und Beinen, zum Gehirn. Im peripheren Nervensystem können aufgrund verschiedener Erkrankungen ein oder mehrere Nerven gereizt, entzündet oder geschädigt sein. Häufige Auslöser von Gefühlsstörungen sind Polyneuropathien. Hier erkranken häufig Nerven auf beiden Körperseiten in ähnlich ausgeprägter Form. Das geschieht entweder direkt an ihrem Endpunkt, zum Beispiel in den Füßen, oder in ihrem Verlauf weiter oben. Kribbeln, Brennen und Taubheitsgefühle gehören häufig zu den Anfangszeichen einer Polyneuropathie.

Zudem beeinträchtigen Ungleichgewichte im Stoffwechsel und im Hormonhaushalt Nerven- und Gefäßfunktionen. Menschen mit Erkrankungen wie Diabetes sind deshalb besonders gefährdet, Nervenschäden und Durchblutungsstörungen zu entwickeln.

Engpässe für periphere Nerven und Gefäße entstehen, wenn sich das umgebende Gewebe, wie Knochen oder Sehnen und andere Weichteile, verändert. Verletzungsfolgen, Abnutzungserscheinungen oder entzündliche Vorgänge spielen hier unter anderem eine Rolle. Zudem können Tumore, also gut- oder bösartige Geschwülste, auf Nervenabschnitte drücken.

Neben erkrankten peripheren Nerven kommen auch Veränderungen und Schäden im Zentralnervensystem, das heißt im Gehirn und im Rückenmark, als Auslöser für Kribbeln und Taubheitsgefühle infrage. Verantwortlich dafür sind häufig Durchblutungsstörungen, Verletzungen und Infektionen, ebenso Abbauvorgänge oder Entzündungen. Auch können krankhafte Veränderungen wie ein Abszess oder ein Tumor zum Beispiel im eng begrenzten Raum des Gehirns Platz für sich beanspruchen und damit Nerven und Gefäße bedrängen.

Weitere Verursacher stellen je nach Krankheitsbild Hauterkrankungen, Erfrierungen oder Verbrennungen dar. Häufig gehen allergische Reaktionen und Unverträglichkeiten ebenfalls mit Missempfindungen wie Kribbeln oder Pelzigkeitsgefühl einher. Schließlich rufen psychische Auslöser wie Angst- und Panikattacken oft Gefühlsstörungen hervor.

Alkohol greift langfristig die Nerven an. Vergiftungen, zum Beispiel mit Schwermetallen, haben mitunter chronische Schäden zur Folge, die zu gehäuften Sensibilitätsstörungen führen. Kribbeln und Taubheitsgefühle treten bisweilen als unerwünschte, aber meist vorübergehende Nebenwirkungen einiger Medikamente auf. Dazu gehören unter anderem verschiedene Mittel gegen Depressionen und Angsterkrankungen, einige Antiepileptika oder Blutdrucksenker (siehe weiter unten).

Wann zum Arzt?

Gehen Sie immer zum Arzt, wenn Kribbeln oder Taubheitsgefühle unvermittelt ohne erkennbaren Grund einsetzen, wenn sie sehr ausgeprägt sind und/oder länger anhalten. Auch Gefühlsstörungen, die in bestimmten Abständen immer wieder auftreten, sollte ein Arzt abklären. Das gilt vor allem und unbedingt dann, wenn zu einer Missempfindung weitere Beschwerden dazu kommen, etwa Schmerzen, Sehstörungen, Lähmungserscheinungen, Schwindel, Übelkeit, Hautreaktionen. Wenn Sie Diabetes haben oder an einer anderen Erkrankung leiden, ist es immer wichtig, Veränderungen an der Körperoberfläche ernst zu nehmen.

Ein Schlaganfall ist stets ein Notfall. Warnzeichen sind plötzliche Taubheitsgefühle und Lähmungen auf einer Körperseite. Sie können im Arm, im Bein, im Gesicht oder im Mund auftreten und von Kopfschmerzen, Seh- und Sprachproblemen begleitet sein. Auch wenn eine solche Störung sich wieder kurzfristig von selbst zurückbildet, sollten Sie dennoch dringend zum Arzt gehen. Welche Symptome es gibt und wie Sie richtig reagieren, können Sie im Ratgeber „Schlaganfall (Apoplex)“ nachlesen. Dort erfahren Sie auch Genaueres zu Ursachen, Diagnose und Therapien.

Erste Hinweise auf mögliche Ursachen: Körperstellen, an denen Kribbeln und Taubheitsgefühle auftreten

Nicht bei jeder Krankheit oder Störung, die mit Missempfindungen einhergeht, sind die Beschwerden auf einen einzigen typischen Ort begrenzt. Oft sind mehrere Körperpartien betroffen. Auch gibt es individuelle Unterschiede, je nachdem wie sich eine Störung entwickelt. Manchmal können die Körperstellen, an denen sich Gefühlsstörungen bemerkbar machen, aber durchaus gewisse Hinweise auf eventuelle Ursachen geben. Dazu nachfolgend einige wichtige Beispiele:

Finger und Hände

  • „Radfahrerlähmung“, Ulnartunnelsyndrom: Durch eine falsche Haltung der Hände, zum Beispiel beim Radfahren, wenn der Radfahrer die Handgelenke am Lenker abknickt, entsteht eine Engstelle, die Nerven, speziell den Ulnarisnerv, einklemmt oder darauf drückt. Die Folge sind kribbelnde Finger oder Taubheitsgefühle. Der Nerv kann auch schon am Ellbogen gepresst und geschädigt werden. Ungünstig wirkt es sich hier zum Beispiel aus, den Ellbogen häufig oder länger anhaltend gebeugt zu halten. Das stört auch die Durchblutung in diesem Bereich. Typischerweise treten anfangs Kribbeln und Schmerzen an der Hand auf, vor allem am Handrücken, an der Handinnenfläche sowie am Ringfinger und am kleinen Finger. Zu weiteren Beschwerden gehört eine Muskelschwäche am Kleinfingerballen.
  • Karpaltunnelsyndrom: Hier drückt eine Verengung den Mittelhandnerv ab, der durch einen Kanal in der Nähe des Handgelenks verläuft. Das verursacht häufig ein Kribbeln in der Hand, am Daumen und Zeigefinger, das bis in den Unterarm ausstrahlen kann. Typischerweise schlafen nachts die vorderen Finger ein. Sie werden taub, kribbeln und schmerzen, mitunter zieht der Schmerz bis in die Schulter. Über Ursachen, Symptome und Therapien informiert der Ratgeber „Karpaltunnelsyndrom“. Ähnliche Beschwerden durch Kompression bestimmter Nerven kommen beispielsweise auch am Fuß oder der Hüfte vor (siehe unten).
  • Polyneuropathien: Erkrankungen im peripheren Nervensystem können als Folge eines Diabetes mellitus, bei chronischem Alkoholmissbrauch, Infektionen sowie Vergiftungen entstehen. Beschwerden wie Kribbeln, Ameisenlaufen, Taubheitsgefühle zeigen sich meist an beiden Füßen, zudem oft an den Unterschenkeln und auch an den Händen.
  • Schleudertrauma an der Halswirbelsäule: Zerrungen und Stauchungen an der Halswirbelsäule entstehen klassischerweise bei einem Auffahrunfall. Sie beeinträchtigen Nervenfunktionen und Durchblutung. Schleudertraumata führen sehr oft zu Kopf- und Nackenschmerzen, einer verkrampften Kopfhaltung (Schiefhals) sowie zu Schwindel und Sehstörungen. Ebenso lösen die Verletzungen häufig Taubheitsgefühle in Fingern, Händen und auf der Haut aus.
  • Verspannungen der Muskeln an der Halswirbelsäule und verschleißbedingte Schäden an der Halswirbelsäule machen sich ebenfalls oft in Schmerzen sowie kribbelnden oder tauben Fingern bemerkbar.
  • Bluterkrankungen: Auslöser für Sensibilitätsstörungen in Fingern und Händen kann zum Beispiel bei ein auffälliger Anstieg der roten Blutkörperchen im Rahmen einer Polyzythämia vera sein. Diese Erkrankung der blutbildenden Zellen ist erblich bedingt, häufiger noch entsteht sie durch eine erworbene Schädigung von Stammzellen im Knochenmark. Symptome: Das Blut wird "dicker", es neigt dazu, vermehrt Blutgerinnsel zu bilden. Durchblutungsstörungen führen zu Kribbeln. Häufig plagt die Betroffenen auch Juckreiz, der bei Kontakt mit Wasser einsetzt. Dazu kommen Kopfschmerzen und Schwindel. Leber und Milz sind oft vergrößert.
  • Höhenkrankheit: Ein zu rascher Aufstieg in größere Höhe kann eine Höhenkrankheit auslösen. Für untrainierte oder geschwächte Menschen genügt manchmal schon eine Gondelfahrt auf 2000 Meter. Kribbeln in Händen und Füßen, Atembeschwerden, Kopfschmerzen, Übelkeit sind oft erste Symptome.
  • Hormonelle Störungen, etwa eine Unterfunktion der Nebenschilddrüse: Bei dieser Störung tritt das Kribbeln nicht nur an den Händen auf, sondern oft auch in den Füßen, Zehen und im Mund (siehe unten "Beine, Füße, Zehen").
  • Vitamin-B12-Mangel: Missempfindungen an den Händen, Füßen und Beinen können Zeichen für einen länger anhaltenden Mangel an Vitamin B12 sein. Er kann auch zu einer Blutarmut führen.
  • Raynaud-Syndrom: Kälte, Nässe oder Stress lösen bei diesem Beschwerdebild Gefäßkrämpfe und damit verbundene Durchblutungsstörungen vor allem in den Fingern, mit Ausnahme des Daumens, und Händen aus. Die Hände werden schubweise kalt, blass und gefühllos, schmerzen mitunter und kribbeln am Ende eines Anfalls. Manchmal sind auch die Zehen sowie Nase und Ohren betroffen. Das Raynaud-Syndrom kann eigenständig, ohne eindeutige Ursache auftreten oder infolge einer anderen Erkrankung entstehen. Darüber informiert eingehend der Ratgeber „Kalte Hände“.

Arme, Schulter

  • Karpaltunnelsyndrom: Ist der Mittelnerv (Nervus medianus) im Karpalkanal geschädigt, können Beschwerden wie Kribbeln, Taubheitsgefühle und Schmerzen auch Arme und Schulter erfassen. Der Ausgangsort liegt jedoch im Bereichs des Handgelenks (siehe oben unter „Finger und Hände“). Andere Engpass-Syndrome, etwa in der Schulter- und Schlüsselbeingegend, können unter anderem ebenfalls mit Kribbeln und Schmerzen im Arm und in der Hand einhergehen. Es kann hier auch zu Gefäßverschlüssen kommen.
  • Verletzungen, Verrenkungen, Verspannungen: Zu den möglichen Auslösern für Missempfindungen im Schulter-Arm-Bereich gehören Schulterverrenkungen, die Folgen eines Schlüsselbeinbruchs, Wirbelsäulen-, speziell Halswirbelsäulenprobleme (Bandscheibenschädigungen, knöcherne Veränderungen an der Halswirbelsäule) und Muskelverspannungen.
  • Druck auf Nerven und Gefäße: Ein tief liegender Bluterguss kann zum Beispiel auf Nerven und Gefäße im Bereich von Halswirbelsäule, Schultern und Armen drücken und damit Gefühlsstörungen auslösen. Das ist auch möglich, wenn ein Tumor sich in den betroffenen Gebieten ausbreitet.
  • Migräne: Kribbeln an den Armen ist mitunter Vorbote eines Migräneanfalls.

Kopf, Gesicht, Nacken, Mund

  • Im Kopf: Ein Migräneanfall kann sich durch ein Kribbeln „im Kopf“ beziehungsweise im Gesicht ankündigen.
    Weitere mögliche Auslöser sind Durchblutungsstörungen im Gehirn oder Gehirntumore.
  • Im Gesicht: Störungen an den Gesichtsnerven, Verbrennungen oder Erfrierungen haben oft Kribbeln, Taubheitsgefühle und Schmerzen zur Folge. Bestimmte Nervenschäden führen auch zu Lähmungen (siehe Ratgeber „Gesichtsnervenlähmung“).
    Seltene Ursache für Gefühlsstörungen im Gesicht kann ein Tumor am Gehör- oder Gleichgewichtsnerv auf der kribblenden oder sich taub anfühlenden Seite sein.
    Multiple Sklerose ruft bisweilen Taubheitsgefühle im Gesicht und in den Gliedmaßen hervor.
  • Im Nacken: Im Vordergrund stehen hier Probleme oder Verletzungen an der Halswirbelsäule beziehungsweise an den zuständigen Nervenbahnen oder Gefäßen.
  • Am und im Mund, an der Zunge: Zieht und schmerzt es am Mund, stecken häufig Fieberblasen (Herpes simplex) dahinter. Innere Erkrankungen, die neben den jeweiligen Leitsymptomen auch Sensibilitätsstörungen hervorrufen können, sind zum Beispiel eine Unterfunktion der Nebenschilddrüsen, Allergien und Unverträglichkeiten. Verantwortlich ist mitunter eine Vermehrung des Kaliumgehalts im Blut, etwa bei Nierenversagen.
    Schnelles, vertieftes Atmen (Hyperventilieren), zum Beispiel in Stresssituationen oder während einer Panikattacke, löst häufig Kribbeln an den Lippen sowie in den Fingern und an Händen aus. Das verstärkte und hektische Ein- und Ausatmen stört den Gasaustausch, im Blut nimmt das Kohlendioxid ab. Dadurch verschiebt sich die Kalziumkonzentration im Körper. Nerven und Muskeln sind kurzfristig übererregt. Typische Symptome sind neben den Gefühlsstörungen Verkrampfungen an Händen und Lippen, Atembeschwerden, Zittern und Muskelschmerzen.
  • An Nase und Ohren: Durchblutungsstörungen, zum Beispiel bei der Raynaud-Krankheit (beziehungsweise dem Raynaud-Syndrom als Begleiterkrankung anderer Krankheiten, siehe oben "Finger und Hände"), können sich auch an Nase und Ohren bemerkbar machen.

Beine, Füße, Zehen

Kribbeln und Taubheit in den Beinen kann auf vielfältige Störungen hinweisen. Zu den häufigsten Beispielen zählen:

  • Durchblutungsstörungen und Gefäßverschlüsse in den Beinen: Ist der Blutfluss länger gestört, werden schließlich auch die Nerven in den Beinen ungenügend durchblutet, wie zum Beispiel bei einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK). Schmerzen beim Gehen, die zum Stehenbleiben zwingen, sind ab einer bestimmten Krankheitsphase das Leitsymptom. Sind auch die Nerven in Mitleidenschaft gezogen, kommt es zu brennendem Kribbeln und anderen, oft schmerzhaften Sensibilitätsstörungen, auch zu Lähmungserscheinungen. Ursache einer PAVK ist eine Arterienverkalkung. Hauptrisikofaktoren stellen Nikotinabhängigkeit und Diabetes mellitus dar. Eingehende Informationen finden Sie im Ratgeber „Durchblutungsstörungen der Extremitäten (PAVK)“.
  • Restless Legs: Das Syndrom der unruhigen Beine ist gekennzeichnet durch höchst unangenehme, häufig nicht konkret zu beschreibende Missempfindungen in den Beinen, selten auch in den Armen. Das oft schmerzhafte Kribbeln, Ziehen oder Brennen setzt in Ruhe vor allem abends und nachts ein. Die Betroffenen verspüren eine quälende Bewegungsunruhe, manchmal auch ohne Gefühlsstörungen. Die Beschwerden bessern sich dann meist beim Umhergehen oder bei bestimmten Aktivitäten. Ausgeprägte Schlafstörungen sind die Folge. Häufig ist die Ursache unbekannt. Ein Restless-Legs-Syndrom kann auch im Zusammenhang mit einer Eisenmangelanämie, einer Harnvergiftung bei Nierenversagen oder in der Schwangerschaft auftreten. Lesen Sie mehr dazu im Ratgeber „Restless Legs Syndrom (RLS, unruhige Beine)“.
  • Fibromyalgiesyndrom: Diese chronische Schmerzkrankheit betrifft meist die Gelenke und den Bewegungsapparat. Neben anhaltenden Schmerzen in unterschiedlichen Körperbereichen kommt es mitunter auch zu Kribbeln und Taubheitsgefühlen in den Gliedmaßen. Welche Beschwerden häufig auftreten, beschreibt der Ratgeber „Fibromyalgiesyndrom (FMS)“.
  • Alkoholkrankheit: Ganz oben auf der Liste möglicher Auslöser für Gefäß- und Nervenstörungen in den Beinen (eine Polyneuropathie, siehe oben) steht Alkoholmissbrauch. Eine Alkoholsucht kann zudem Mangelerscheinungen zur Folge haben, die ebenfalls häufig Gefühlsstörungen auslösen.
  • Mangelzustände: Erkrankungen, bei denen die Nahrungsaufnahme oder die Nahrungsverwertung gestört ist, führen mitunter zu Nervenstörungen, die mit Kribbeln und Taubheitsgefühlen einhergehen. Chronische Darmerkrankungen oder eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) kommen hier infrage. Hinter Kribbeln und Missempfindungen in Händen, Füßen und Beinen verbergen sich manchmal ein ausgeprägter Magnesiummangel, ein Kalziummangel, der auch mit Muskelkrämpfen verbunden sein kann ("Pfötchenstellung" der Hände), oder ein Vitamin-B12-Mangel (siehe oben "Finger und Hände").
  • Gefäßerkrankungen: Mitunter weisen Sensibilitätsstörungen in den Gliedmaßen neben anderen jeweils charakteristischen Symptomen auf eine Gefäßentzündung (Vaskulitis) hin. Vielfältige Nervenstörungen können zum Beispiel Teil einer Erkrankung der Arterien sein, der Panarteriitis nodosa. Charakteristische Symptome sind hier unter anderem Fieber, Gelenkschmerzen, Hautausschläge, Raynaud-Syndrom mit Kribbeln, Taubheitsgefühlen sowie Kälteempfinden in Füßen und Händen (siehe auch oben). Die Ursache ist nicht geklärt, fehlgeleitete Immunreaktionen können eine Rolle spielen.
  • Nebenschilddrüsenunterfunktion: Kribbeln und Ameisenlaufen in Füßen und Händen gehören zu den Symptomen dieser Hormonstörung (Hypoparathyreoidismus), die unter anderem eine Folge operativer Eingriffe an der Schilddrüse sein kann. Kennzeichnend sind auch Muskelkrämpfe, zum Beispiel in den Händen.
  • Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus: Die diabetische Neuropathie ist eine Nervenschädigung, die zu Empfindungsstörungen vor allem in den Beinen und Füßen führt. Dieses Problem ist oft auch Teil des diabetischen Fußsyndroms. Mehr dazu können Sie in den Ratgebern „Diabetes Typ 1“ und „Diabetes Typ 2“ auf www.diabetes-ratgeber.net nachlesen.
  • Erkrankte Nervenwurzeln im Rückenmarkskanal: Beim Guillain-Barré-Syndrom zum Beispiel entzünden sich Nervenwurzeln, Rückenmarksnerven und periphere Nerven aus häufig ungeklärter Ursache. Vorausgegangene Infektionen, Entzündungen oder Autoimmunreaktionen können eine Rolle spielen. Es kommt zu Lähmungen und Bewegungsstörungen. Magen-Darm-Infekte oder Atemwegserkrankungen können Vorboten sein. Die Nervenbeschwerden beginnen häufig an beiden Füßen und Beinen mit Missempfindungen, später auch an den Händen. Es folgen Schmerzen, Lähmungserscheinungen und Muskelschwäche, zunächst in den Beinen. Die Störungen können sich nach oben fortsetzen und bedrohliche Ausmaße annehmen.
  • Störungen im Zentralnervensystem: Zu den Anfangsbeschwerden einer Multiplen Sklerose gehören oft Gefühlsstörungen in den Beinen. Weitere Erkrankungen, die mit Kribbeln und Taubheitsgefühlen einhergehen können, sind Epilepsien oder die Parkinson-Krankheit.
    Geschwülste und Tumoren in Gehirn und Rückenmarkkanal beeinträchtigen möglicherweise Nerven und Bahnen, die für Empfindungen in Beinen und Füßen zuständig sind. Gefühlsstörungen können ebenso nach Verletzungen, Blutergüssen oder Gehirnentzündungen auftreten.
  • Weitere Nervenstörungen: Es ist auch möglich, dass Immunreaktionen im Rahmen einer Krebserkrankung zu gestörten Nervenaktivitäten führen (Paraneoplasien). Kribbeln in Beinen, Füßen und Händen können ein Ausdruck dafür sein. Dazu kommen hier natürlich oft andere richtungweisende Symptome.
  • Probleme im Wirbelsäulenbereich führen häufig zu Missempfindungen in Beinen und Füßen. Verantwortlich sind unter anderem Verengungen, Muskelverspannungen im Kreuz, Bandscheibenvorfall, Rückenmarksverletzungen oder -schädigungen.
  • Unterschiedliche Nervenverengungen: Auch am Fuß kommen Nervenverengungssyndrome ähnlich dem Karpaltunnelsyndrom (siehe oben unter "Finger und Hände") vor, wobei ganz unterschiedliche Nerven betroffen sein können.
    Meist einseitige brennende Schmerzen und Gefühlsstörungen am Oberschenkel vorne und in der Hüftgegend weisen eventuell auf ein Leistentunnelsyndrom (Meralgia paraesthetica) hin, auch "Jeanskrankheit" genannt. Druck im Leistenkanal – zum Beispiel durch Übergewicht, aber auch zu enge Kleidung wie eben Jeans – schädigt hier den Oberschenkelhautnerv. Weitere Informationen dazu finden Sie unter  "Hüftschmerzen".

Verschiedene Körperbereiche

  • Schwere Verbrennungen (dritten Grades zum Beispiel) oder Erfrierungen können Nervenendigungen schädigen und nachhaltige Gefühlsstörungen in den erkrankten Hautarealen zur Folge haben.
  • Allergien, Giftstoffe (zum Beispiel Insektizide, Lösemittel): Heftige Hautreaktionen, Schwellungen, Juckreiz sind häufige Abwehrzeichen, mit denen der Körper auf den Kontakt mit unverträglichen oder giftigen Substanzen reagiert. Kribbeln, etwa an der Stelle, die mit einem Reizmittel in Berührung kam, kann ein Anfangszeichen sein.
  • Medikamente: Kribbeln oder ein Taubheitsgefühl an unterschiedlichen Körperteilen gehört mitunter zu den Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Weitere auslösende Arzneimittel können Diuretika (wasserausschwemmende Mittel), Blutdrucksenker oder Mittel gegen Herzschwäche sein. Auch tritt Kribbeln manchmal bei einigen Medikamenten gegen Epilepsien und Migräne auf, außerdem bei verschiedenen Antidepressiva, bei bestimmten angstlösenden Mitteln sowie bei einzelnen Medikamenten gegen Psychosen (Neuroleptika).
  • Angststörungen: Kribbeln, Ameisenlaufen, Taubheitsgefühle können sich vor allem bei Panikattacken und phobischen Störungen an mehreren Körperstellen einstellen, etwa an den Extremitäten oder im Kopfbereich (siehe auch oben Abschnitt „Kopf, Gesicht, Nacken, Mund“). Über die verschiedenen Angstformen und ihre Symptome informieren ausführlich die Ratgeber „Angst“ und „Phobien (phobische Störung)
  • Chronische Druckluftkrankheit (Caisson- oder Taucherkrankheit): Bei Tauchunfällen oder Arbeiten in Senkkästen kann es zu Gasembolien in Blutgefäßen kommen. Je nachdem, wo die Gefäße verstopft sind, treten teilweise schlaganfallähnliche Symptome auf. Lähmungserscheinungen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen sowie weitere schwerwiegende Krankheitszeichen sind möglich. Kribbeln und Taubheitsgefühle können leichtere Beschwerden darstellen oder sich bei eventuellen Langzeitschäden entwickeln.

Eine Körperhälfte

Taubheitsgefühle, die auf einer Körperseite auftreten, können Alarmzeichen für einen Schlaganfall sein. In diesem Fall ist es lebenswichtig, sofort zu reagieren und den Notarzt zu alarmieren! Manchmal stecken aber auch andere Schädigungen des Gehirns und des oberen Rückenmarks (Halsmark) dahinter.

Diagnose: Den Missempfindungen auf der Spur

Erster Ansprechpartner bei Sensibilitätsstörungen ist der Hausarzt. Er wird die Beschwerden genauer eingrenzen und gegebenenfalls mit verschiedenen Tests prüfen, ob Sie Kälte- oder Wärmereize, Druck oder Berührung wahrnehmen. Ebenso testet er das Vibrationsempfinden. Damit beurteilt er zum Beispiel Taubheitsgefühle an den Füßen, um mögliche Folgeschäden bei einem bestehenden Diabetes abzuklären.

Kribbeln als Symptom allein genügt oft nicht, um die Ursache festzustellen. Dann helfen weitere Beschwerden auf die Spur, wie etwa Schmerzen, Hautverfärbungen, zusätzlich Krämpfe oder bestimmte Bewegungsstörungen. Auch ist wichtig, an welcher Stelle genau, zu welcher Zeit – zum Beispiel nachts – und in welcher Situation die Missempfindungen und eventuelle Begleitsymptome auftreten. Je nach Verdachtsdiagnose wird der Hausarzt einen Facharzt wie einen Internisten, Neurologen, Orthopäden oder Hautarzt hinzuziehen.

Die Behandlung richtet sich nach dem zugrunde liegenden Krankheitsbild.

Vorbeugen mit einem gesunden Lebensstil

Vor allem körperliche Bewegung und der Verzicht auf Nikotin helfen, Durchblutungsstörungen vorzubeugen und die Nervensysteme gesund zu erhalten. Sport und Haltungstraining stärken die Rückenmuskulatur, die Arm- und Beinmuskeln sowie den gesamten Körper. Die Durchblutung verbessert sich, und das kommt Herz und Gehirn zugute.

Für Diabetiker ist es wichtig, den Blutzuckerspiegel im Lot zu halten, um Nerven- und Gefäßschäden entgegenzuwirken. Ein gezieltes Bewegungstraining gehört mit zur Behandlung, auch wenn schon Nervenerkrankungen eingetreten sind.

Rückenleiden lassen sich durch spezielle Übungen lindern oder heilen.


Fachliteratur und Fachredaktion

Mattle H, Mumenthaler M: Neurologie, 13. Auflage, Stuttgart Thieme Verlag, 2013
Herold, Gerd und Mitarb.: Innere Medizin, 2014
Böhm M, Hallek M, Schmiegel W (Hrsg): Innere Medizin, begr. von Classen M, Diehl V, Kochsiek H, 6. Auflage, München Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 2009
Möller H-J, Laux G, Deister A: Psychiatrie und Psychotherapie, 4. Auflage, Stuttgart Thieme Verlag, 2009

Moll I: Dermatologie, 7. Auflage, Stuttgart Thieme Verlag, 2010

Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Diagnostik bei Polyneuropathien, Leitlinien der DGN, in: Diener H-Ch, Weimar Ch (Hrsg): Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie, Thieme Verlag, 2012
Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Karpaltunnelsyndrom, Leitlinien der DGN, in: Diener H-Ch, Weimar Ch (Hrsg): Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie, Thieme Verlag, 2012
Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Diagnostik und Therapie der chronischen Ulnarisneuropathie am Ellenbogen (ulnar neuropathy at the elbow, UNE), Leitlinien der DGN, in: Diener H-Ch, Weimar Ch (Hrsg): Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie, Thieme Verlag, 2012
Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Restless-Legs-Syndrom (RLS) und Periodic Limb Movement Disorder (PLMD), Leitlinie 09/2012, awmf-Register Nr. 030/081. Online: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/030-081.html (Abgerufen am 04.12.2013)
Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie e.V.: Polycythaemia Vera (PV), Leitline 2010

Fachredaktion: Dr. med. Claudia Osthoff


Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




Bildnachweis: Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY

Andrea Blank-Koppenleitner / www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 04.12.2013,
Bildnachweis: Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY

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