Bandscheibenvorfall

Rückenschmerzen, die ins Bein oder in den Arm ausstrahlen, können auf einen Bandscheibenvorfall hinweisen. Welche Symptome noch dafür sprechen, wie die Behandlung aussieht

aktualisiert am 29.02.2016

Durchbricht der Gallertkern den Faserring, liegt ein Bandscheibenvorfall vor

W&B/Szczesny/bearb. Neisel

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Jede unserer 23 Bandscheiben besteht im Inneren aus dem sogenannten Gallertkern (Nucleus pulposus), der wie eine Art Gelkissen wirkt. Dieser ist von einem harten Faserring (Anulus fibrosus) umgeben, der die Bandscheibe in ihrer Position fixiert. Mit dem Alter sinkt der Wassergehalt und somit die Elastizität der Bandscheibe. Bekommt der Faserring infolgedessen kleine Risse, kann sich der Gallertkern nach außen vorwölben (Protrusion). Durchbricht der Gallertkern den Faserring, kommt es zum Bandscheibenvorfall (Prolaps / Discusprolaps).

Am häufigsten (zirka 90 Prozent der Fälle) tritt ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) auf (lumbaler Bandscheibenvorfall, Bandscheibenvorfall der LWS). Manchmal ist auch der Übergang von der Brust- zur Lendenwirbelsäule (thorakolumbal) oder von der Lendenwirbelsäule zum Kreuzbein (lumbosakral) betroffen. Deutlich seltener (in etwa zehn Prozent der Fälle)  kommt es an der Halswirbelsäule (HWS) zu einem Bandscheibenvorfall (zervikaler Bandscheibenvorfall, Bandscheibenvorfall der HWS).


Unsere Expertin: Dr. Carla Jung, Fachärztin für Neurochirurgie

W&B

Symptome: Welche Beschwerden ruft ein Bandscheibenvorfall hervor?

Die Beschwerden, die ein Bandscheibenvorfall auslöst, hängen davon ab, wo er auftritt, wie groß er ist und ob Nerven beziehungsweise Nervenwurzeln beteiligt sind.

Drückt der Bandscheibenvorfall auf Nervenwurzeln, die im Bereich der Lendenwirbelsäule aus dem Rückenmark heraustreten, löst dies primär Schmerzen aus. Diese werden oft als andauernd, stechend und sich bei Bewegung verstärkend beschrieben. Am bekanntesten ist hier der "Ischiasschmerz", der über das Gesäß bis ins Bein ausstrahlen kann und im Volksmund oft als "Hexenschuss" bezeichnet wird. Im Bereich der Halswirbelsäule treten bei einem Bandscheibenvorfall Nackenschmerzen auf und solche, die in den Arm ausstrahlen. Neben Schmerzen kann es auch zu einem Ausfall von Nervenfunktionen kommen. Dies äußert sich in Form eines Taubheitsgefühls oder Kribbelns. Kommt es zu einem Ausfall der motorischen Funktion (also von Bewegungsabläufen, die Nervenfasern steuern) finden sich unter anderem Lähmungserscheinungen.


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Ursachen: Was schadet den Bandscheiben?

Zum einen spielen Alterungsprozesse eine Rolle. Denn je älter ein Mensch wird, desto mehr verlieren die Bandscheiben an Elastizität. Der stützende Faserring wird spröder und gibt schneller nach. Zum anderen, belasten Übergewicht, mangelnde Bewegung, ständiges Sitzen und schweres Heben die Bandscheiben vermehrt. Dies begünstigt Bandscheibenvorfälle.

Diagnose: Wie stellt der Arzt einen Bandscheibenvorfall fest?

Der Arzt klärt zunächst, ob typische Symptome für einen Bandscheibenvorfall vorliegen, indem er den Patienten ausführlich nach seinen Beschwerden befragt. Dann untersucht der Arzt den Patienten und überprüft, ob womöglich eine Nervenwurzel eingeengt ist. Somit erhält der Mediziner einen Hinweis auf die mögliche Lage des Bandscheibenvorfalls. Sicher nachweisen lässt sich ein Bandscheibenvorfall anhand einer Computertomografie (CT) oder Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT). Mit diesen Verfahren lässt sich ein Bandscheibenvorfall bildlich darstellen.

Therapie: Wie lassen sich Bandscheibenprobleme behandeln?

Bei rund 70 bis 90 Prozent der Patienten bessern sich die Beschwerden von selbst deutlich, oder durch eine konservative Therapie. Bei manchen Betroffenen verschwinden die Symptome nach einigen Wochen sogar vollständig.

Zur konservativen Therapie zählen: Schmerzlindernde Medikamente, Wärme, Lagerungsmaßnahmen (zum Beispiel Stufenbett) und Physiotherapie. Starke Schmerzen kann der Arzt lindern, indem er im Einzelfall vor Ort wirkende Arzneimittel spritzt (lokale Injektionstherapie). In einer Rückenschule lernen Patienten, wie sie am besten ihren Rücken stärken und entlasten können. Eine Operation ist nur selten nötig, beispielsweise wenn die konservative Therapie versagt, der Bandscheibenvorfall starke schmerzmittelresistente Schmerzen hervorruft oder Lähmungserscheinungen auslöst.


Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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Bildnachweis: W&B, W&B/Szczesny/bearb. Neisel
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