Sehstörungen

Sehstörungen und Minderung oder Verlust der Sehkraft (Erblindung) beruhen auf Schädigungen oder Krankheiten der Augen, manchmal auch anderer Organe. Ein Überblick

aktualisiert am 27.04.2016

Sehstörungen: Bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung sind die Aussichten oft gut

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Wer plötzlich helle Schlieren, Flusen oder kleine dunkle Punkte sieht, die bei Augenbewegungen wegschwimmen, ist erst einmal alarmiert. Häufig entpuppen sich diese "Mouches volantes" (frz. fliegende Mücken) jedoch als harmlose Glaskörpertrübungen (siehe Bild weiter unten im "Überblick", Punkt 6: Glaskörpertrübung). Sie können zum Beispiel bei stärkerer Kurzsichtigkeit oder im Alter auftreten.

Dichteres Gestöber, Rußregen und Blitze vor den Augen sind dagegen tatsächlich ein Alarmzeichen. Womöglich hat sich der Glaskörper an der Rückseite von der Netzhaut abgehoben, und es ist dabei zu einem Netzhautriss gekommen. Mitunter kann auch eine Augenentzündung (Uveitis, siehe unter 5) solche Symptome verursachen. Selten löst sich nach einem Riss die Netzhaut ab (siehe 7). Taucht etwa eine "Wand" vor dem Auge auf, ist das ein möglicher Hinweis darauf. Gehen Sie in allen diesen Fällen sofort zum Augenarzt.


Sehstörungen – Wissenswertes vorab

Außer den Mouches volantes gibt es viele andere Formen von Sehstörungen, etwa erhöhte Blendempfindlichkeit, bunte Ringe um Lichtquellen, Verzerrtsehen, Doppel- und Mehrfachbilder, Störungen der Farbwahrnehmung. Mehr darüber im "Überblick" weiter unten. Zudem ist eine Sehstörung und Verschlechterung des Sehens im Sinne einer Minderung der Sehschärfe (Visus) nicht dasselbe. Eine Sehstörung kann aber zusammen mit einer Visusminderung auftreten. Daher wird der Augenarzt bei der Abklärung einer Sehstörung immer auch einen Sehtest vornehmen.

Dass Sehprobleme bei vielen Krankheiten der Augen vorkommen, versteht sich von selbst. Manchmal schwächen aber auch andere Erkrankungen – etwa innere oder neurologische Krankheiten – das Sehvermögen.

Auch Kopfverletzungen, Wirkungen von Medikamenten und Vergiftungen können Sehstörungen auslösen. Bei einer Alkoholvergiftung beispielsweise treten häufig Doppelbilder und verschwommenes Sehen auf. Schon ein Blutalkoholgehalt von 0,3 Promille schwächt die Sinne und verlängert die Reaktionszeit.

Manchmal machen die Augenmuskeln einfach nur wegen starker Ermüdung schlapp – mit der Folge von Doppeltsehen.

Und das sogenannte Sternchensehen? Alkohol einmal beiseite: Wenn der Blutdruck plötzlich zu stark absinkt, kommt womöglich nicht genug sauerstoffreiches Blut im Kopf an. Die Netzhaut verarbeitet dann aufgenommene Lichtreize nicht mehr richtig, wir nehmen sie nur noch als helle Punkte wahr. Im Extremfall wird dem Betroffenen etwa beim Aufstehen schwarz vor den Augen, es droht eine Ohnmacht (orthostatische Synkope).


Verlauf und Begleitsymptome bei Sehstörungen

Sehstörungen können plötzlich einsetzen und nach kurzer Zeit wieder abklingen – auch bei einem Sehverlust ist das möglich. Oder sie nehmen zu, wenn nichts dagegen unternommen wird. Betroffen können je nach Ursache beide Augen sein, auch zeitversetzt, oder nur eines.

Manchmal kommen Symptome wie starkes Augentränen, Jucken und Brennen der Augen, Fremdkörpergefühl oder Schmerzen im oder hinter dem Auge dazu. Begleitsymptome können aber auch fehlen.

Oder es treten Allgemeinsymptome auf. Bei einem Glaukomanfall infolge einer Blockade des Kammerwinkels im Auge etwa verschlechtert sich das Sehen auf der betroffenen Seite erheblich (Nebelsehen). Neben starken Augen- und Gesichtsschmerzen kommt es zu Übelkeit und Kopfschmerzen. Der stark erhöhte Augendruck muss umgehend gesenkt werden. Also umgehend zum Augenarzt oder in die Ambulanz einer Augenklinik!

Bestimmte Erkrankungen können sowohl Sehstörungen als auch andere kennzeichnende Beschwerden verursachen. Bluthochdruck oder Diabetes mellitus zum Beispiel greifen die Gefäße an. Das wirkt sich nicht nur am Auge  aus, sondern zum Beispiel auch am Herzen. Warnzeichen sind Brustschmerzen (Angina pectoris). Bei sehr starken Blutdruckanstiegen kann es außerdem zu Schwindel und Benommenheit kommen, denn auch das Gehirn wird womöglich schlechter durchblutet.

Diabetes schädigt die Augen auch noch anders. Bei Diabetikern trübt sich die Augenlinse überdurchschnittlich häufig (grauer Star, Katarakt). Mit der Zeit deutlich nachlassende Sehschärfe ist nur eines der damit verbundenen Probleme. Blutzuckerschwankungen können das Sehen durch Quellung der Linse auch akut verschlechtern. Dabei weiß der Betroffene oft noch gar nichts von seinem Diabetes!

Achtung: Ein Sehsturz, also ein vorübergehender, schmerzloser Sehverlust auf einem Auge (Amaurosis fugax) ist ein Warnzeichen für einen Schlaganfall. Der Betroffene nimmt dann Objekte oder Menschen auf einer Seite nicht wahr oder kann sich nicht mehr räumlich zurechtfinden. Ebenso gehören zum Beispiel auch vorübergehende Lähmungen auf einer Körperseite, Taubheit oder plötzliche Sprachstörungen und akuter Schwindel zu den möglichen Symptomen (mehr dazu unter 8).

Normalisiert sich der Sehverlust nicht innerhalb weniger Stunden, kann ein Gefäßverschluss der Netzhaut (siehe 8) die Ursache sein. Manchmal zeigt sich das in milderer Form, etwa als plötzliche Sehschwäche und veränderte Farbwahrnehmung. Wichtig: Warten Sie nicht ab, ob die Beschwerden nachlassen, sondern benachrichtigen Sie bei Verdacht auf einen Schlaganfall den Notruf 112. Wie bei einem Herzinfarkt  entscheidet auch bei einem Schlaganfall die Zeit bis zum Behandlungsbeginn mit über die Prognose.

Info: Probleme wie Fehlsichtigkeit oder Schielstellung der Augen sind kein Thema dieses Beitrags. In den Ratgebern "Kurzsichtigkeit", "Weitsichtigkeit", "Alterssichtigkeit" und "Schielen" können Sie sich darüber informieren.

Schützen Sie Ihre Augen durch Früherkennung: Einige ernste Sehprobleme machen sich häufig erst spät oder zu spät bemerkbar. Augenärzte empfehlen gesunden Menschen daher, ab 40 alle ein bis zwei Jahre zum Augenarzt zu gehen.

Überblick: Sehstörungen und Ursachen*

* Eine einzelne Krankheitsursache kann mehrere Augenabschnitte betreffen (daher die Mehrfachnennungen im nachfolgenden "Überblick", der zudem bei dem umfassenden Thema nicht vollständig sein kann).

 


So fließen Tränen – im Auge

W&B/Ulrike Möhle

1 Sehstörungen bei Lidproblemen

Die Lider sind durch Bindegewebe verstärkte Hautfalten. Sie schützen die Augen vor Fremdkörpern, extremen Temperaturen und starkem Licht. Außerdem verteilen sie die benetzende Tränenflüssigkeit auf der Bindehaut und Hornhaut. Schwellungen oder Fehlstellungen der Lider können mitunter das Sehen stören.

  • Lidschwellungen

– Entzündungen der Lidranddrüsen: Im Inneren der Lider liegen die Meibom-Drüsen. Sie bilden ein fetthaltiges Sekret (Talg), eine Komponente der Tränenflüssigkeit. Es pflegt Lider und Wimpern und schützt die Tränen vor zu starker Verdunstung. Die Drüsenporen öffnen sich zur Lidkante hin. In Wimpernnähe liegen weitere Drüsen, die Talg und auch Schweiß abgeben.

Das Gerstenkorn beispielsweise ist eine akute Entzündung der Lidranddrüsen. Meist sind Bakterien namens Staphylokokken schuld. Das Gerstenkorn gehört somit zu den infektiösen Lidschwellungen. Tritt es häufiger auf, sollte ein Diabetes mellitus ausgeschlossen werden. Die Zuckerkrankheit begünstigt Infektionen.
Symptome: Außer der entzündeten Stelle, die sehr druckschmerzhaft und gerötet ist, ist mitunter das gesamte Lid geschwollen. Dadurch kann das Sehen gestört sein.

Diagnose und Therapie beschreibt der Ratgeber "Gerstenkorn (Hordeolum)".

– Tränendrüsenentzündung: Eine einseitige Lidschwellung ist manchmal Folge einer Tränendrüsenentzündung (Dakryoadenitis, Symptome siehe unten). Akut kann sie zum Beispiel bei einer Infektion wie Grippe, Mumps oder Pfeiffersches Drüsenfieber auftreten, jeweils meist einseitig. Bei inneren Erkrankungen wie Sarkoidose und Sjögren-Syndrom, gelegentlich auch bei einer Leukämie, Lymphknotenkrebs (Lymphom) oder Infektionen mit speziellen Erregern kommen chronische Entzündungen der Tränendrüse vor, ein- oder beidseitig.

– Weitere Ursachen von Lidschwellungen: Von der Bindehautentzündung (siehe 2) bis zum Insektenstich – die Liste der Auslöser, die unmittelbar das Auge betreffen, ist lang. Neben den zuvor beschriebenen Drüsenentzündungen durch Infektionen, an denen manchmal auch Viren, seltener Parasiten schuld sind, lassen gelegentlich gutartige Geschwülste und Zysten, seltener bösartige Tumore, das Lid anschwellen.

Manche Allgemeinerkrankungen beziehen oft die Lider mit ein. Bei einer Nesselsucht (Urtikaria) oder bei Schwellungen (Ödeme) infolge von Herz-, Nieren- und Schilddrüsenerkrankungen sind üblicherweise beide Augen betroffen. Meist kommen Schwellungen hier auch an anderen Körperstellen vor. Je nach Krankheitsbild sind weitere Beschwerden möglich.

Symptome bei entzündlicher Lidschwellung: Abhängig von der Ursache juckt oder schmerzt das akut geschwollene Lid, besonders bei Berührung. Die Schwellung kann einen Teilbereich oder das gesamte Lid betreffen, mit mehr oder weniger ausgeprägter Rötung.
Entzündliches Sekret kann die Wimpern verkleben, oder das Lid sondert Eiter ab. Manchmal ist dann auch die Bindehaut miterkrankt. Je nach Schweregrad und Reizzustand können geschwollene Lider durchaus das Sehen beinträchtigen, zum Beispiel wenn das Lid sich schlecht öffnen lässt. Lidödeme nehmen manchmal enorme Ausmaße an und können sogar die Stellung des Auges verändern. In schweren Fällen sind Allgemeinsymptome wie Fieber, Kopfschmerzen und Krankheitsgefühl möglich.

Auffallend bei akuter Tränendrüsenentzündung: die "Paragrafen-Form" des Augenlids.

Bei chronischen Lidschwellungen fehlen Entzündungszeichen wie Rötung und Schmerzen häufig oder sind nur leicht vorhanden. Der Befund kann manchmal eine Geschwulst vortäuschen.
Diagnose und Therapie beim Arzt sind zeitnah, je nach Schweregrad und Begleitsymptomen auch umgehend ratsam.

Mehr zu Tränenproblemen unter 2 weiter unten. Der Beitrag "Dickes Lid, Lidschwellungen, Gesichtsschwellung" geht näher auf Lidschwellungen ein.

  • Lidfehlstellungen, Lidlähmungen

– Einwärtsgedrehtes Lid (Entropium): Nach Verletzungen (Narben) oder im höheren Lebensalter kann das Lid einwärts gedreht sein (Entropium). Die altersbedingte Form betrifft meistens das Unterlid. Infolge der Fehlstellung können die Wimpern – normalerweise das Auge schützende "Staubfänger"– und eingedrungene Partikel auf der Hornhaut reiben.
Weitere Symptome: Es kommt zu Reizungen und Entzündungen der Bindehaut und Hornhaut. Dann können eitrige Schleimabsonderung und krampfhafter Lidschluss die Sehfunktion stören. Letzteres vor allem, wenn es auch zu einer schmerzhaften Abschilferung der Hornhaut gekommen ist (Erosionen, siehe Hornhautentzündung, 3).

– Auswärtsgedrehtes Lid (Ektropium): Ein Ektropium betrifft ebenfalls meist das Unterlid. Es kann bei Lähmung des Gesichtsnerven (periphere Fazialisparese) oder auch altersbedingt auftreten.
Weitere Symptome: Da der Lidrand dem Auge nicht mehr anliegt, fließen die Tränen am Tränenpünktchen, wo sie normalerweise aufgefangen werden, vorbei und nach außen ab. Das Auge trocknet leicht aus, die Bindehaut ist gereizt oder entzündet, die Betroffenen reiben sich ständig das Auge. Auch die Hornhaut wird unter Umständen zu wenig benetzt und kann Schaden nehmen – mit der Folge von Sehstörungen.

Die Ratgeber "Ektropium" und "Entropium" informieren Sie über Ursachen, Diagnose und Therapie.

– Hängelid (herabhängendes Lid, Blepharoptosis, kurz: Ptosis): Hier versagt die Lidaufhängung, und die Kante des Oberlides hängt herab. Ursachen sind angeborene Defekte, Nervenschädigungen, spezielle Muskelkrankheiten – sogenannte neuromuskuläre und autoimmune Erkrankungen – sowie altersbedingte Veränderungen.
Weitere Symptome: Der Betroffene versucht, das Lid durch Zurückneigen des Kopfes, Stirnrunzeln und Hochziehen der Augenbrauen anzuheben. Die Lidfalte ist verstrichen.

– – Bei angeborener Ptosis entwickeln sich die Augenmuskeln für die Lidhebung beim Neugeborenen nicht oder nicht richtig, da die Nervenreize fehlen. Hängt das Lid sehr tief herab, kann es die Pupille und damit die optische Sehachse verdecken. Dann bleibt das Auge untätig. Damit die Sehfähigkeit sich nach der Geburt gut entwickelt, muss das Sehorgan aktiv sein. Daher kann sich auf dem verdeckten Auge eine Sehschwäche (Amblyopie) entwickeln. Eventuell gerät es auch in eine Schielstellung. Um diese Probleme zu verhindern, ist baldmöglich ein Korrektureingriff notwendig. Ist die Pupille nicht verdeckt, kann man meist warten, bis die künftige Lidspaltenweite des Partnerauges sich besser abschätzen lässt. Hängen beide Lider herab, lassen sich die Oberlider operativ neu "aufhängen".

– – Spezielle Muskelerkrankungen namens myasthenische Syndrome sind weitere Ursachen einer Ptosis. Dabei ermüden Muskeln zunehmend, erholen sich aber nach Ruhephasen. Der Grund: Die Impulsübertragung von Nerven auf die zugehörigen Willkürmuskeln ist gestört. Dem können wiederum verschiedene Ursachen zugrunde liegen. Angeborene Störungen sind sehr selten. Bekannter, aber keineswegs immer sofort klar ist die sogenannte Myasthenia gravis pseudoparalytica. Der im Folgenden verwendete Begriff Myasthenie bezieht sich auf diese Autoimmunerkrankung. Hier bildet das Immunsystem aufgrund einer Fehlsteuerung Antikörper gegen den Azetylcholin-Rezeptor. Über diese Andockstelle wirkt der Überträgerstoff Azetylcholin im Muskel. Ursächlich spielen auch Tumoren der Thymusdrüse, sogenannte Thymome, eine Rolle. Die Myasthenie kann bei Kindern wie Erwachsenen auftreten, bei Frauen häufiger vor dem 20. Lebensjahr.

Die Myasthenie zeigt sich häufig an den Augen (okuläre Myasthenie). Bei vielen Patienten sind noch weitere, bei einigen sogar sämtliche Muskeln betroffen (generalisierte Myasthenie). Um die genaue Diagnose zu stellen und eine Behandlung einzuleiten, ist eine sorgfältige neurologische Untersuchung notwendig. Die Beeinträchtigung durch die Erkrankung ist individuell sehr unterschiedlich. Auch wenn manchmal krisenhafte Muskelschwächen auftreten, was eine intensivmedizinische Behandlung notwendig machen kann, ermöglichen die heute verfügbaren Therapien den Betroffenen insgesamt eine annähernd normale Lebenserwartung.
Symptome (Auge): Typische Beschwerden sind wechselnde Augenmuskelschwächen, die – im Seitenvergleich – mit unterschiedlich weit geöffneten Augen einhergehen (wechselnde Ptosis der Augen) und auch zu Doppelbildern führen. Die Symptome treten meist im Tagesverlauf oder nach längerem Lesen auf.
 
Mehr dazu im Ratgeber "Myasthenie".

– Schädigungen des Augenbewegungsnervs (Oculomotoriusnerv): Der dritte Hirnnerv, auch Augenbewegungsnerv, steuert fünf Augenmuskeln. Ist er geschädigt, zum Beispiel durch eine Durchblutungsstörung, bereitet dies gleich mehrere Probleme am Auge: Das Lid hängt herab und kann die Pupille verdecken. Beim Anheben des Lides zeigt sich, dass das Auge nach auswärts schielt und Doppelbilder liefert. Ist die Pupille mitbetroffen, stört wegen fehlender Lichtanpassung vermehrt eintretendes Licht das Auge (Pupillenlähmung): Die Pupille ist erweitert, sie verengt sich bei Lichteinfall nicht. Auch die Naheinstellung (Akkomodation) klappt nicht. Die Folgen: Schwierigkeiten bei Naharbeiten wie zum Beispiel Lesen. Durchblutungsstörungen des Oculomotoriusnervs können unter anderem bei Diabetes mellitus auftreten.

– – Pseudoptosis des Lides: Darunter versteht man eine vorgetäuschte Ptosis. Zum Beispiel kommen krankhafte Veränderungen des Augapfels oder der Augenhöhle ursächlich infrage. Sehstörungen gehören zu den möglichen Symptomen.

– – Dermatochalasis (auch Blepharochalasis, Schlupflider): Dazu kommt es durch Erschlaffung des Bindegewebes der Augenlider und einen Hautüberschuss. Manchmal ist auch etwas Fett aus der Augenhöhle dabei. Die Hautfalte über dem Oberlid – die brauchen wir, um das Auge gut zu schließen – ist vergrößert und "schwer", der Unterrand der Falte verschiebt sich nach unten, überragt den Lidrand und kann die Wimpern verdecken. Außerdem sind auch die Augenbrauen altersbedingt häufig etwas abgesunken. Dieser Aspekt ist bei einer eventuellen Korrektur zu berücksichtigen, gilt aber als ästhetisch-chirurgisches Problem. In ausgeprägten Fällen, wenn etwa das obere Gesichtsfeld eingeschränkt ist, kann es zu Störungen beim Sehen kommen. Viele Betroffene versuchen, zum Ausgleich die Augenbrauen hochzuziehen. Dies kann gegebenenfalls Kopfschmerzen verursachen. Weitere mögliche Folgen sind manchmal trockene Augen oder Lidentzündungen (siehe 2).

Vor der Behandlung von Lidverlagerungen muss die Diagnose klar sein. Denn bei krankhaften Ursachen eines Hängelides sind andere Behandlungen, bei Bedarf auch spezielle Operationstechniken, angebracht. Für die Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist das ebenfalls relevant.


2 Sehstörungen: Trockenes Auge, Bindehautentzündung

Das Auge verfügt über eine Haupt- und mehrere Nebentränendrüsen. Die Tränenflüssigkeit bietet dem Auge rundum Schutz: Sie benetzt Bindehaut und Hornhaut und bewahrt so die Augenoberfläche vor Austrocknung. Sie erleichtert die Bewegungen der Augen und Lider, schützt das Sehorgan vor mechanischen und physikalischen Einflüssen (Licht, Wärme, Kälte, Fremdkörper), wirkt reinigend und antibakteriell.

Sowohl verminderte Tränenproduktion als auch stärkere Verdunstung des Tränenfilms aufgrund einer nicht normalen Zusammensetzung sind Merkmale des trockenen und roten Auges. Dabei kann es auch zu Hornhautschäden kommen, die das Sehen beeinträchtigen (siehe 3). Denn die Hornhaut braucht zur Ernährung und Erhaltung der Transparenz Tränenflüssigkeit in optimaler Qualität und Menge.

– Trockenes Auge (Keratokonjunktivitis sicca): Benetzungsstörungen des Auges, wie das Problem in der Fachsprache heißt, sind weit verbreitet. Die Ursachen sind vielfältig, berühren aber auch den Alltag. So tragen zuum Beispiel intensive Bildschirmarbeit, Rauchen und Klimafaktoren (Heizungsluft, Klimaanlagen) zu einem trockenen Auge bei. Hormonelle Einflüsse wie Schwangerschaft, Wechseljahre und die Einnamhe von Hormonpräparaten wie die "Pille" spielen ebenfalls eine Rolle. Begünstigend wirken ferner Medikamente wie Betarezeptorenblocker (Mittel gegen Bluthochdruck oder zu schnellen Puls), Schlaf- und Beruhigungsmittel, bestimmte entwässernde Arzneien (Diuretika) und Medikamente gegen Allergien (Antihistaminika).
Auch Kontaktlinsen und paradoxerweise sogenannte "Weißmacher" (abschwellende Tropfen gegen gerötete Augen, nur kurze Anwendung empfohlen, Gebrauchsinformationen beachten!) können trockene Augen begünstigen. An den Lidern verschlechtern zum Beispiel chronische Lidrandentzündungen (siehe 1) die Tränenqualität: Wegen verstopfter Drüsenausgänge verringert sich die Fettkomponente der Tränenflüssigkeit, diese verdunstet leichter. Lidveränderungen nach Augenoperationen spielen ebenfalls eine Rolle.
Höheres Lebensalter, Diabetes mellitus oder Hauterkrankungen wie Neurodermitis sind weitere Risikofaktoren. Seltener stören entzündete Tränenwege beim Sjögren-Syndrom die Augenbefeuchtung. Austrocknung der Augen, des Mundes und anderer Schleimhäute bei rheumatischen Krankheiten und Autoimmunerkrankungen des Bindegewebes (Kollagenosen) allgemein heißt "Sicca-Syndrom". Sicca bedeutet trocken.
Symptome (trockenes Auge): Typische Beschwerden sind Brennen, Schmerzen, Trockenheits-, Druck- und Sandkorngefühl. Gegebenenfalls röten sich die Augen, sind morgens verklebt, außerdem vermehrt licht- und blendempfindlich (Hinweise auf eine Bindehautentzündung). Mitunter ist die Hornhautoberfläche geschädigt. Je nach Ausprägung kann dann eine stippchenartige (Keratitis superficialis punctata) oder fadenförmige Schädigung (filiforme Keratopathie), bei der sich Schleimfäden aus dem Tränenfilm auf der Hornhaut abscheiden, entstehen. Manchmal kommt es auch zu einem Hornhautgeschwür. Abhängig vom Befund, etwa auch entstandenen Hornhautnarben, kann sich das Sehen leicht bis erheblich verschlechtern (verschwommenes Sehen, Verzerrtstehen). Mehr dazu im Beitrag "Rotes (trockenes) Auge".

– Bindehautentzündung (Konjunktivitis): Sie gehört zu den häufigsten Augenerkrankungen überhaupt. Entsprechend zahlreich sind die Ursachen. Sehstörungen treten jedoch nur bei schwerer Ausprägung, etwa mit starker Lidschwellung, und in Verbindung mit einer Hornhautentzündung auf (siehe vorangehender Abschnitt und nachfolgend).
Symptome: Im Vordergrund stehen Augenbrennen oder -jucken, Fremdkörpergefühl und Sekretabsonderungen. Diese können je nach Auslöser wässrig, schleimig oder eitrig sein. Das Auge ist gerötet, Bindehaut und Augenlid können anschwellen. Morgens bereiten verklebte Augenlider häufig Probleme.

Ursachen, Diagnose und Therapie beschreibt der Ratgeber "Bindehautentzündung" .


3 Sehstörungen: Hornhauterkrankungen

Durch die klare, gefäßfreie, hochsensible Hornhaut (Kornea) tritt das Licht wie durch ein Fenster ins Auge. Die Hornhaut bildet uhrglasartig die Augenoberfläche, hat eine hohe Brechkraft und ist somit von großer Bedeutung für das Sehvermögen. Trübungen oder Krümmungen der glatten Hornhautoberfläche mindern das Gesichtfeld (Gesichtfeldausfall durch Störung des lichtbrechenden Mediums) oder die Sehschärfe.

Die Hornhaut besteht feingeweblich aus mehreren Schichten. Außen befinden sich die schützenden Epithelzellen, die sich kontinuierlich erneuern, mit ihrer Unterlage (Bowman-Membran). Daran schließt sich eine breitere Schicht aus Kollagen an (Stromagewebe), das sich wiederum auf eine Membran (Descemet-Membran) stützt. Den Abschluss bildet die innere Endothelzellschicht. Sie regelt den Wasserhaushalt der Hornhaut minutiös und sorgt so für die notwendige Transparenz. Alle Hornhautschichten können erkranken.

– Erosion (Oberflächendefekt der Hornhaut): Dazu kann es durch viele Einwirkungen kommen – von einem das Auge streifenden Zweig bis hin zu Schäden durch Kontaktlinsen. Hornhauterosionen heilen unter geeigneten Therapiemaßnahmen wie desinfizierenden und antibiotischen Augenmitteln oder angepassten weichen Verbandskontaktlinsen (sie verhindern, dass das Lid und die Hornhautoberfläche miteinander verkleben) meist schnell und folgenlos ab.
Symptome: Eine Erosion ist nicht mit bloßem Auge erkennbar. Doch schon die kleinste Abschilferung der Hornhaut ist ausgesprochen schmerzhaft. Erosionen führen zu Augentränen, Fremdkörpergefühl ("Sandkorn"), Lidschwellung und zu einem Lidkrampf. Das Sehvermögen ist häufig gestört.

– Hornhautdystrophie: Dystrophien sind – teilweise erbliche – degenerative Fehlentwicklungen von Geweben. Bei Hornhautdystrophien kommt es zu fortschreitenden Hornhauttrübungen auf beiden Augen, die die Sehschärfe herabsetzen. Zur Therapie eignen sich bestimmte Arten der Hornhauttransplantation, etwa die Verpflanzung von Epithelstammzellen (sogenannte Limbokeratoplastik) oder der inneren Hornhautmembran (Descemet-Membran).

– – Bei der Map-Dot-Fingerprint-Dystrophie kommt es zu wiederholten schmerzhaften Rissen oder Erosionen, oft nachts oder morgens, begleitet von starkem Brennen und erheblicher Lichtempfindlichkeit. Auf der Hornhaut sieht der Augenarzt landkartenartige Trübungen. Er behandelt mit pflegenden Tränenersatzmitteln, Augensalben, Verbandskontaktlinsen (siehe oben). Im weiteren Verlauf kann eine Abschabung des Hornhautepithels (Abrasio) helfen, sodann eine Laserbehandlung (phototherapeutische Keratektomie (PTK) mit dem Excimer-Laser).
 
– – Die Fuchs-Dystrophie betrifft die innere Endothelzellschicht und kommt eher im höheren Alter vor. Mangels ausreichender Entwässerung quillt die Hornhaut im fortgeschrittenen Stadium stark auf. Der Augenarzt kann die Störung rechtzeitig erkennen, bevor etwa die Hornhautoberfläche sich blasenförmig abhebt und die Sehschärfe stark beeinträchtigt wird. Als Therapie eignet sich eine Hornhauttransplantation infrage.

– Hornhautentzündung (Keratitis): Entzündungen können sich in allen Schichten der Hornhaut abspielen. Ist das Epithel betroffen, entsteht eine oberflächliche Trübung. Entzündet sich das Stroma, ist eine weißlich-fleckige Verdichtung sichtbar. Die Entzündung kann sich im Gewebe ausbreiten (sogenannte interstitielle Form) oder zu einem Gewebedefekt führen, also einem Geschwür. Tiefergehende Schäden lassen die Hornhaut scheibenförmig aufquellen.

Häufige Ursachen sind Infektionen mit Bakterien, Viren – zum Beispiel Herpes- und Adenoviren – oder Pilzen. Kleinste Verletzungen dienen dem Erreger als Eintrittspforte. Kontaktlinsen etwa können bei unsachgemäßem Gebrauch Mikroschäden auf der Hornhaut verursachen. Das ebnet zum Beispiel einer Entzündung durch sogenannte Akanthamöben den Weg. Das sind sind einzellige Mikroben, die im Trinkwasser, in der Luft und am Boden vorkommen und gerne unsachgemäß gereinigte Kontaktlinsen nebst Zubehör besiedeln. In die Hornhaut lagern sich die Erreger als robuste Zysten ein. Das bedeutet, dass die Behandlung langwierig ist.

Auch Störungen des Tränenfilms bringen Schäden und Entzündungen der Hornhaut mit sich (siehe oben: "Trockenes Auge", 2). Weiterhin begünstigen Abwehrschwäche, eine Kortisonbehandlung, Alkoholmissbrauch und Diabetes mellitus Hornhautentzündungen. Eine UV-Keratitis ("Schneeblindheit") vermeidet man mit geeignetem Lichtschutz.

Je nach Ursache können die Entzündungen sehr unterschiedlich verlaufen, unter gezielter Therapie aber auch folgenlos abheilen. Nicht jede Hornhautentzündung ist also von vornherein riskant. Es ist aber wichtig, beim geringsten Verdacht zum Augenarzt oder in die Ambulanz einer Augenklinik zu gehen (Kontaktlinsen und Behälter mitbringen), um die geeignete Therapie einzuleiten.

Symptome: Hornhautentzündungen gehen häufig  – bakteriell bedingte immer – mit einer begleitenden Bindehautentzündung (siehe oben, 2) einher. Entsprechend kann das Auge ein wässriges, schleimiges oder eitriges Sekret absondern. Je nach Art und Ausmaß der Entzündung ist die Hornhaut getrübt oder weist einen weißen Fleck auf. Das Auge ist erheblich gerötet, es besteht starkes Fremdkörpergefühl und Lichtempfindlichkeit.
Bei der sogenannten Schneeblindheit erzeugt starkes UV-Lichtes eine äußerst schmerzhafte Erosion und Entzündung der Hornhaut. Etwa acht Stunden nach ungeschützter UV-Exposition treten heftige Schmerzen und vermehrtes Augentränen, Rötung, krampfhafter Lidschluss, Kopfschmerzen und gestörtes Sehen auf. Die Hornhaut regeneriert sich nach ein bis zwei Tagen unter der sofortigen Behandlung (siehe oben: Erosion).


– Hornhautgeschwür (Ulcus corneae): Geht eine Hornhautentzündung in ein Geschwür über, ist das ein absoluter Notfall. Dazu kommt es, wenn der Entzündungsprozess aggressiv ist, in die Tiefe des Stromas vordringt und Gewebe einschmilzt. Dabei spielen einerseits Eigenschaften des Erregers eine Rolle, andererseits die Art der Immunreaktion. Auch bei rheumatischen Erkrankungen – hier ist das Immunsystem mit auslösend – können Hornhautgeschwüre vorkommen.
Symptome: Die Beschwerden bei einem Hornhautgeschwür sind ähnlich wie bei einer Hornhautentzündung (siehe oben). Manchmal, etwa bei Befall mit Akanthamöben oder Herpes-simplex-Viren, zeigt sich ein ringförmiges Gebilde. Im vorderen unteren Augenbereich, der Vorderkammer, kann im Extremfall ein Eitersee aus eingeschmolzenem Gewebe entstehen – das Auge ist hochgradig gefährdet.
Therapie (bakterielle Hornhautentzündung): Die Behandlung besteht in sofortiger intensiver Anwendung von Augentropfen, die Antibiotika enthalten. Sie werden bei Bedarf an das Ergebnis der Erregertestung angepasst, manchmal auch zusätzlich als Tabletten oder über die Blutbahn gegeben. Im Notfall kann ein Eingriff notwendig sein, zum Beispiel eine Hornhauttransplantation. Ein schlecht heilendes Hornhautgeschwür decken Augenärzte manchmal auch mit Amnionmembran ab. Sie wird aus dem Mutterkuchen (Plazenta) gesunder Frauen gewonnen, die ihr Kind per Kaiserschnitt auf die Welt bringen und das Plazentagewebe an eine spezielle Datenbank abgeben (Eihautspende). Die Amnionmembran fördert die Wundheilung.

Hornhautwunden oder -geschwüre, nicht aber Erosionen, lassen Narben zurück. Bei zentraler oder nahezu zentraler Lage stören sie das Sehen erheblich und führen auch zu vermehrter Blendempfindlichkeit. Der Augenarzt kann die Hornhaut durch einen kleinen Eingriff (Hornhautabrasion) glätten. Bei stärkeren Narben lässt sich das Sehvermögen oft nur durch eine Hornhauttransplantation bessern, wenn trotz optimaler Korrektur die Sehschärfe deutlich gemindert ist.

Weiterführende Informationen finden Sie im Ratgeber "Hornhautentzündung".

– Keratokonus: Die Hornhautanomalie ist anlagebedingt und macht sich meist in der Pubertät oder im frühen Erwachsenenalter bemerkbar. Die Hornhaut wird im Zentrum dünner und beginnt dann, sich dort kegelförmig (Konus) vorzuwölben. Da die einzelnen Hornhautstellen eine unterschiedliche Brechkraft haben, kommt es zu unregelmäßiger Stabsichtigkeit (irregulärer Astigmatismus) und Kurzsichtigkeit. Es sind beide Augen betroffen, aber nicht immer im selben Maß zur selben Zeit, und die Entwicklung verläuft schubartig. Manche Patienten neigen zu weiteren anlagebedingten Störungen, etwa einer allergischen Bindehautentzündung oder Neurodermitis.
Symptome: Die Betroffenen sehen verzerrt, nehmen Mehrfachbilder wahr, leiden unter vermehrter Blendempfindlichkeit, sehen in der Dämmerung und Dunkelheit schlecht. Das Sehvermögen lässt zunehmend zu wünschen übrig.
Eine mögliche Komplikation bei Keratokonus besteht darin, dass die innere Endothelschicht der Hornhaut nebst darunterliegender Membran aufreißt und die Hornhaut sich dann im vorgewölbten Bereich mit Flüssigkeitaus der Augenkammer füllt (akuter Keratokonus).

– – Symptome akuter Keratokonus: Plötzliche, erhebliche Sehverschlechterung, starke Augenschmerzen, Tränenfluss und Lichtscheu.
Diagnose Keratokonus: Hinweise geben die Vorgeschichte des Patienten, zum Beispiel wechselnde Brillenanpassungen ohne nachhaltigen Korrektureffekt, und Angaben über familiäre Belastung mit Krankheiten, die einen Bezug zum Keratokonus haben. Weiteren Aufschluss erhält der Augenarzt durch die Untersuchung mit der Spaltlampe und eine Hornhautdickenmessung (Pachymetrie). Im fortgeschrittenen Stadium ist die Vorwölbung der Hornhaut auch mit bloßem Auge erkennbar.
Therapie: Eine photochemische Kollagenvernetzung (sogenanntes Crosslinking) kann das Fortschreiten eines Keratokonus aufhalten, ihn aber nicht beheben. Bei dem Verfahren wird nach genauer Voruntersuchung Riboflavin (Vitamin B2) auf die Hornhaut getropft und diese mit UV-A bestrahlt. Es kommt zu einer Quervernetzung der Kollagenfasern, wodurch die Hornhaut sich festigt. Zunächst verbessert eine geeignete Brille das Sehen einigermaßen, mehr noch erreichen häufig individuell angepasste formstabile Kontaktlinsen. Später ist eine Hornhaut- oder Hornhautteilverpflanzung angezeigt, wobei auch danach häufig noch Kontaklinsen notwendig sind. Engmaschige augenärztliche Betreuung und individuell angepasste Therapieplanung sind hier besonders wichtig.


Grauer Star (re.): Kontrastarme Welt mit stumpfen Farben

PhotoDisc/RYF

4 Sehstörungen: Getrübte Linse, verschleierte Sicht

Die Augenlinse kann zwar, was ihre normale Brechkraft betrifft, nur etwa zur Hälfte mit der Hornhaut mithalten. Aber sie ermöglicht durch ihre Elastizität etwas unendlich Wichtiges, nämlich scharfes Nahsehen durch stärkere Wölbung (Akkomodation). Schon in jungen Jahren beginnt diese Fähigkeit – beim normalsichtigen Auge zunächst unmerklich – nachzulassen. Im Alter von 45 Jahren verfügt ein solches Auge ungefähr noch über ein Drittel der normalen Linsenbrechkraft des jungen Auges. Danach lässt diese allmählich weiter nach (Alterssichtigkeit): Der scharfe Nahpunkt entfernt sich vom Auge. Eine Lesebrille korrigiert dies.

– Linsentrübung: Die Trübung der normalerweise glasklaren Linse, zum Beispiel bei einem grauen Star (Katarakt), verschleiert das Sehen allmählich. Bestimmte Starformen können auch relativ schnell den Blick trüben. Ein grauer Star kann als sogenannter Altersstar auftreten oder auch vorzeitig bei Allgemeinerkrankungen wie Diabetes mellitus, unter Blutwäschebehandlung bei Nierenschwäche (Dialyse), bei Kalziummangel (Tetanie-Star), bei Neurodermitis und bei einer bestimmten erblichen Muskelerkrankung (Myotonia dystrophica Curschmann-Steinert 1). Außerdem kann ein grauer Star angeboren sein.
Symptome: Durch die Trübung ist die Blendempfindlichkeit erhöht. Manche Betroffenen sehen bei gedämpfter Beleuchtung besser, weil die Pupille sich weitet und das Licht an der Trübung vorbei ins Auge fällt. Weitere mögliche Störungen: eine gewisse Kurzsichtigkeit, Doppel- oder Mehrfachbilder auf einem Auge (etwa beim "Kernstar"), Ringe (sogenannte Halos) um Lichtquellen wie etwa Scheinwerfer.

Der Ratgeber "Grauer Star (Katarakt)" beschreibt die Augenkrankheit und ihre Behandlung ausführlich.

­– Linsenquellung: Bei Diabetes kann das Sehen vorübergehend unscharf sein, wenn Blutzuckerschwankungen den Quellungszustand der Linse akut verändern (mehr zu Sehstörungen bei Diabetes unter 6 bis 8).

– Linsenschlottern (Verrenkung = Luxation oder Teilverrenkung = Subluxation der Linse): Ursache sind angeborene Veränderungen oder Verletzungen der Linsenaufhängung. Und: Bei einer bestimmten Glaukom-Erkrankung, dem Pseudoexfoliations-(PEX-)Glaukom, können sich Eiweißstoffe auf der Linse und ihrer Aufhängung ablagern und diese schwächen. Dadurch kann die Linse sich mehr oder weniger aus ihrer Verankerung lösen.
Symptome: Doppelbilder auf einem Auge (bei Subluxation) oder Sehverschlechterung; eventuell akuter Glaukomanfall (siehe auch nachfolgend, 5), wenn die Linse den Fluss des Kammerwassers im Kammerwinkel des Auges behindert (sekundärer akuter Winkelblock).


5 Sehstörungen: Iris, Ziliarkörper (Uvea), Glaukom, Pupille

Die Regenbogenhaut (Iris) liegt zwischen der vorderen und hinteren Augenkammer und fungiert als Blende des Auges. Indem sie das Sehloch enger oder weiter stellt, kontrolliert sie den Lichteinfall. In der hinteren Augenkammer findet sich der ringförmige Ziliar- oder Strahlenkörper. Er reguliert mit seinem Muskel die Wölbung der Augenlinse und damit die Naheinstellung (Akkomodation, siehe 4). Außerdem bildet er das Kammerwasser. Dieses versorgt nicht nur Linse und Hornhaut mit Nährstoffen, sondern baut auch den Augeninnendruck auf. Bei einem Glaukom (grüner Star) ist der Augeninnendruck oft erhöht. Glaukom bezeichnet eine Gruppe verschiedener Augenerkrankungen, bei denen es zu einer fortschreitenden Schädigung des Sehnervs und Einschränkung des Sehvermögens kommt.

  • Glaukom-Erkrankungen

– Glaukom: Bei der häufigsten Glaukom-Form, dem chronischen Offenwinkelglaukom, fehlen lange Zeit Beschwerden. Hauptrisiko ist eine fortschreitende Schädigung des Sehnervs und Verlust der Sehkraft. Die Untersuchung des Augenhintergrundes kann eine Ausdünnung des Sehnervenkopfes (Papille) ergeben. Diese beginnt sich zu entwickeln, bevor der Betroffene Symptome, nämlich Ausfälle im Gesichtsfeld (dunkle Stellen, Fachbegriff: Skotome), feststellt. Ein Defekt etwa neben der Mitte des Gesichtsfeldes (parazentral) kann vorliegen, ohne dass der Betroffene davon etwas bemerkt, da das gesunde Auge den Ausfall länger ausgleicht. Daher lassen sich viele Patienten erst untersuchen, wenn das Gesichtsfeld stärker eingeengt ist.

– – Ein Glaukomanfall ist ein absoluter Notfall. Schon im Vorfeld können starke Kopfschmerzen einsetzen. Während des Anfalls, der von Übelkeit und Erbrechen begleitet sein kann, dehnen sich die Schmerzen manchmal auf der Seite des erkrankten Auges bis zum Bauch aus. Auch Herzrhythmusstörungen sind möglich.
Symptome Glaukomanfall (akutes Winkelbockglaukom): Die Betroffenen nehmen anfangs bei Dunkelheit farbige Kreise und Ringe um Lichtquellen wahr. Schließlich wird das Sehen verschwommen (Nebelsehen). Das Auge ist stark gerötet und extrem schmerzhaft, der Augapfel wirkt auffallend hart.
Hier lesen Sie mehr über das "Glaukom (grüner Star)".

  • Uveitis: Augenkrankheit mit vielen Gesichtern

Im Zusammenhang mit Glaukomen sind auch Entzündungen des Ziliarkörpers (Zyklitis) und der Regenbogenhaut (Iritis) bedeutsam (mehr dazu weiter unten). Die Iris oder Regenbogenhaut liegt vor der Linse, bildet die Pupille und verleiht dem Auge seine Farbe. Da sich die Iris in den Strahlenkörper fortsetzt, betreffen Entzündungen meist beide Anteile (Iridozyklitis). Sie gehören zu den sogenannten Uveitis-Erkrankungen.

– Uveitis (Entzündung des Augeninneren): Die Uvea besteht aus der Regenbogenhaut (Iris), dem Ziliarkörper und der Aderhaut. Vereinfacht gesagt, entspricht die gefäßreiche Uvea der mittleren Augenhaut oder Gefäßhaut des Auges. Eine Entzündung der Uvea heißt Uveitis.

Nach der Lage der Entzündung unterscheiden Ärzte eine vordere (betrifft die Regenbogenhaut, häufig auch den Ziliarkörper), mittlere (es erkranken der hintere Anteil des Ziliarkörpers, insbesondere aber der Glaskörper) und hintere Uveitis (betroffen ist hier die Aderhaut, teilweise auch Netzhaut). Beschwerden können rasch und akut auftreten oder sich eher langsam und chronisch entwickeln. Es können ein oder beide Augen betroffen sein und die Krankheit mild oder schwer verlaufen. Alle Altersgruppen und beide Geschlechter können erkranken.

In der Hälfte der Fälle ist eine Uveitis mit einer anderen Krankheit verknüpft, etwa einer rheumatischen Entzündung der Gelenke, auch der Bechterew-Krankheit oder einer Gelenkentzündung bei Schuppenflechte (Psoriasis-Arthritis), sodann mit weiteren autoimmunen Systemerkrankungen (Bindegewebs- oder Gefäßentzündungen), einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung oder einer Multiplen Sklerose. Autoimmun bedeutet, dass das Immunsystem fehlgeleitet ist und krankhafte Reaktionen im Körper gegen eigenes Gewebe auslöst. Auch eine Sarkoidose kann manchmal dahinter stecken. Dabei kommt es zu entzündlichen Knötchen (Granulomen) im Gewebe. Auch hier scheint das Immunsystem krankhaft beteiligt zu sein. In einer amerikanischen Studie zeigte sich bei einigen Patienten mit ausgeprägter Uveitis ein Zusammenhang mit großflächigen Tätowierungen. Vermutet wird, dass Inhaltsstoffe der schwarzen Tattoofarbe Immunreaktionen auslösen könnten, die zu sarkoidose-ähnlichen Entzündungen im Körper führen – auch weiter entfernt von der Tätowierung.

Autoimmune Erkrankungen nur des Auges selbst können bei einer Uveitis ebenfalls eine Rolle spielen.

Weitere Ursachen bei Uveitis sind Infektionen mit Erregern wie Bakterien, Viren, Pilzen und Parasiten. Mitunter kommen Verletzungen und Operationen als Auslöser infrage.

Gelegentlich wird das Auge selbst zum Auslöser eines krankhaften Immungeschehens: Bei einem überreifen grauen Star etwa können aus der Augenlinse freigesetzte Eiweißstoffe eine entzündliche Immunreaktion im Auge auslösen. Sehr selten ist das Partnerauge Ausgangspunkt einer Iridozyklitis: Wurde es verletzt, können Bestandteile aus Iris oder Ziliarkörper das Immunsystem reizen und zu einer autoimmunen Entzündung führen. Diese kann auf das unverletzte Auge übergreifen (sogenannte sympathische Ophthalmie). Manchmal täuscht eine Krebserkrankung wie ein Lymphom oder ein Melanom des Auges ein Krankheitsbild wie bei Uveitis vor.

Gelegentlich bleibt die Ursache einer Uveitis unklar. Ein im Blut bestimmbares Merkmal namens HLA-B27 kann aber bei einer vorderen Uveitis für die Diagnose hilfreich sein, da es mit verschiedenen Krankheiten assoziiert ist, die auch für eine Uveitis relevant sein können, wie die Bechterew-Erkrankung oder Arthritis bei Schuppenflechte (Psoriasis). Manchmal werden noch andere HLA-Merkmale bei Uveitis im Blut untersucht.

Symptome vordere Uveitis (Iridozyklitis): Es treten Beschwerden wie bohrende Augenschmerzen, starke Lichtscheu, vermehrtes Augentränen und Sehverschlechterung auf. Die Pupille ist wegen der Reizung eng und reagiert träge auf Licht. Die Schmerzen im Auge nehmen etwa beim Versuch, zu lesen (Versuch der Akkomodation) zu. Die Sehschärfe verschlechtert sich akut durch entzündliches Eiweiß im Kammerwasser und im vorderen Glaskörper. Bei der Schuppenflechte (Psoriasis) folgt eine Uveitis – sie tritt hier ungefähr in fünf Prozent der Fälle auf, bei positivem HLA-B27-Befund in bis zu 30 Prozent – der möglichen Gelenkbeteiligung meist (und diese wiederum den Hautveränderungen). Dagegen geht eine bei der Bechterew-Erkrankung auftretende Uveitis einer möglichen Beteiligung von Gliedmaßengelenken häufiger voraus.

Mögliche Folgen einer Iridozyklitis können Trübungen der Linse und des vorderen Glaskörpers sein. Wenn sich durch die Entzündung und spätere Narben die Zirkulationswege des Kammerwassers im Auge verschließen, steigt der Augeninnendruck. Dann kann sich ein entzündlich bedingtes, sekundäres Glaukom (zum Glaukom siehe oben) entwickeln.

Symptome mittlere Uveitis: Hier bestehen in der Regel keine Schmerzen. Das Sehen ist vor allem durch Glaskörpertrübungen behindert.
 

Symptome hintere Uveitis: Auch eine Uveitis am Augenhintergrund, bei der die Aderhaut, meistens auch die anliegende Netzhaut, entzündet ist, bereitet keine Schmerzen. Wenn die Entzündung auf die anderen Augenabschnitte übergreift oder der Augeninnendruck deutlich ansteigt, treten allerdings Schmerzen auf. Die Sehstörungen hängen davon ab, wo genau die Entzündung liegt. Ist die Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut mitbetroffen, resultiert eine hochgradige Sehminderung. Liegt der Entzündungsherd nahe am Sehnervenkopf (Papille), kommt es zu einem Ausfall im Gesichtsfeld. Wenn heftige Mückenschwärme oder starke Lichtblitze auftreten, spricht das für einen Netzhautriss als Komplikation der Entzündung. Außerdem kann es zur Störung des Dämmerungssehens kommen (siehe auch 7).

Ausführlichere Informationen zu Ursachen, Diagnose und Therapie finden Sie im Ratgeber "Uveitis". Die Beiträge "Bechterew-Krankheit (Morbus Bechterew)" und "Schuppenflechte (Psoriasis)" erläutern die entsprechenden, zuvor genannten Krankheitsbilder.

  • Störungen der Pupillen

– Akkomodationskrampf (Spasmus des Ziliarmuskels): Hier ist der Akkomodationsreflex gestört: Die Pupille steht in extremer Naheinstellung, ist somit eng. Ursache können Verletzungen des Auges, manchmal auch hohe Stressbelastungen sein (also ein- oder beidseitiges Auftreten möglich).

– Akkomodationslähmung: Eine beidseitige Akkomodationslähmung mit weiter Pupille, herabhängendem Lid (Ptosis) und verschwommenem Sehen kann bei Infektionskrankheiten wie Diphtherie auftreten (ein bis drei Wochen nach der Erkrankung sind Nervenentzündungen durch das Diphtherietoxin als Spätkomplikation möglich) oder bei Vergiftung mit Botulinumtoxin. Infrage kommen auch noch weitere Erkrankungen des Nervensystems als Ursache, etwa ein Tumor oder eine Gefäßfehlbildung (Aneurysma) im Gehirn. Eventuell liegen dann auch anhaltende Pupillen- und Augenmuskellähmungen vor (siehe auch 9), allerdings einseitig. Außerdem kann die Iris bei einer Iridozyklitis (siehe oben) mit der Linse verkleben und die Pupille dann nicht mehr auf Licht reagieren.


So können Glaskörpertrübungen aussehen

W&B/Martina Ibelherr

6 Sehstörungen: Glaskörper – Mückenschwärme

Der Glaskörper füllt den Raum zwischen Linse und Netzhaut aus. Er besteht aus einem wässrigen "Gel" und einem hauchdünnen Fasergerüst aus Kollagen.

– Glaskörpertrübung und hintere Glaskörperabhebung: Altersbedingt oder bei stärkerer Kurzsichtigkeit kann der Glaskörper sich "verflüssigen" und etwas schrumpfen. Dabei entstehen Trübungen (Mouches volantes). Außerdem kann er sich am hinteren Pol von der Netzhaut abheben.
Symptome: Bei Glaskörperabhebungen treten oft halbdurchsichtige Schlieren oder dunkle, bei Augenbewegungen schwimmende Fleckchen wie tanzende Mücken auf, manchmal auch Lichtblitze seitlich. Ausgeprägte, rußregenartige Mückenschwärme und vermehrte Lichtblitze können auf einen Netzhautdefekt hinweisen (mitunter kann eine Netzhautablösung die Folge sein).

– Glaskörperblutung: Wenn der Glaskörper nach einer Abhebung beweglicher geworden ist und bei Augenbewegungen seitlich an der Netzhaut zerrt, kann es gelegentlich zu einer Netzhautablösung kommen (siehe Punkt 7). Bei diabetischer Netzhauterkrankung beispielsweise können neu gebildete, dünne Gefäße von der Netzhaut auf den Glaskörper übergehen (proliferative Retinopathie, siehe 8). Sie reißen leicht ein. Dabei entstehen Glaskörperblutungen und schließlich Vernarbungen. Der Glaskörper kann völlig eintrüben.
Symptome: Glaskörperblutungen machen sich meist mit einer schnell sich entwickelnden Sehminderung, schwarzen Mückenschwärmen, dunklen Streifen oder rötlichen Schwaden vor den Augen bemerkbar.


Wie das Auge aufgebaut ist, zeigt diese Grafik (das vollständige BiId erhalten Sie durch einen Klick auf die Lupe)

W&B/Martina Ibelherr

7 Sehstörungen: Erkrankungen der Netzhaut und des Sehnervs

Die Nervenzellschicht der Netzhaut (neuronale Retina) nimmt das Licht auf und wandelt es in elektrische Impulse um. Dies besorgen Millionen von lichtempfindlichen Sinneszellen (Lichtrezeptoren). Die Netzhaut verarbeitet die Impulse in erster Instanz, kodiert sie und überträgt sie dann auf den Sehnerv. Dieser leitet die Signale an das Gehirn weiter. Die Sehzentren des Gehirns entschlüsseln sie, es entsteht das bewusste Sehen. Dieses wird durch Integration in andere Hirnleistungen zu komplexen Motiven und Erfahrungen erweitert.

  • Netzhaut

Im doppelten Sinn zentral ist die Makula (gelber Fleck) auf der Netzhaut. Diese Stelle des schärfsten Sehens liegt im Zentrum der Netzhautmitte und beherbergt Sehzellen, insbesondere vom Typ der Zapfen, in großer Zahl und Dichte. Die Zapfen ermöglichen scharfes Sehen insbesondere von Farben, Kontrasten und feinen Details: entscheidend etwa für das Lesen.

­– Makuladegeneration: Eine der wichtigsten Netzhauterkrankungen (Makulaleiden oder Makulopathien) ist die altersbedingte Makuladegeneration (AMD). Dabei lagern sich Stoffe, die von den versorgenden Zellen der Netzhaut nicht mehr abgebaut werden (Drusen), zwischen den Sinneszellen der Makula ab. In der Folge büßen Sehzellen ihre Funktion ein (trockene Form der Makuladegeneration). Wenn im weiteren Verlauf neue Gefäße in der Makula entstehen, die Flüssigkeit abgeben und dadurch die Versorgung der Sehzellen zusätzlich behindern, liegt eine feuchte (exsudative) Form der Makuladegeneration vor.
Symptome: Anfangs Verzerrtsehen, im weiteren Verlauf Verlust der zentralen Sehschärfe, der Kontrastwahrnehmung, des Farbsehens, der Dunkel-Hell-Anpassung. Im Zentrum des Sicht- oder Gesichtsfeldes entsteht ein grauer Schleier oder Fleck (Zentralskotom). Die AMD ist eine der häufigsten Ursachen von Erblindung älterer Menschen (Erblindung nach dem Gesetz; manchmal bleibt ein geringes Orientierungsvermögen in den Randbereichen des Gesichtsfeldes erhalten).

Mehr über die Erkrankung und die Therapiemöglichkeiten im Ratgeber "Altersabhängige Makuladegeneration (AMD)".

– Makulaödem: Ödem bedeutet Schwellung durch krankhafte Ansammlung von Flüssigkeit zwischen den Zellen. Die Makula der Netzhaut ist bei einem Ödem verdickt. Teilweise kommt es zu Ablagerungen von fettigem Material. Hauptursachen sind eine Uveitis (siehe 5), eine diabetische Retinopathie, ein Venenverschluss der Netzhaut (mehr dazu jeweils bei 8) und die erbliche Retinitis pigmentosa (siehe unten). Außerdem kann mitunter ein krisenhafter Blutdruckanstieg auslösend sein. Das Makulaödem ist oft Teil komplexerer Augenerkrankungen, manchmal auch Folge einer unerwünschten Medikamentenwirkung (zum Beispiel Chloroquin).
Symptome: Verschwommenes, verzerrtes Sehen. Je nach Ursache sind weitere Augensymptome, gegebenenfalls auch andere Symptome möglich.

– Netzhautablösung (Ablatio / Amotio retinae): Dazu kommt es häufiger im höheren Alter, die Ablösung ist aber insgesamt selten. Es gibt auch eine gewisse Veranlagung. Starke Kurzsichtigkeit erhöht das Risiko für Netzhautablösungen, ebenso eine diabetische Netzhauterkrankung oder ein Netzhautvenenverschluss (siehe 8). Voraus geht meist ein Riss der Netzhaut im Randbereich. In der Folge kann Flüssigkeit unter die Netzhaut laufen und diese sich dann von ihrer ernährenden Unterlage abheben. Netzhautablösungen sind Notfälle: Ohne Behandlung droht Erblindung, da die betroffenen Lichtsinneszellen degenerieren. Ein Riss kann mittels Laserkoagulation befestigt werden, wobei eine Narbe um das Loch entsteht. Das beugt einer späteren Ablösung an dieser Stelle vor. Da die Narben meist mehr im Randbereich der Netzhaut liegen, stören sie das Sehen eher wenig. Eine Ablösung muss operativ behandelt werden.
Symptome: Die Betroffenen nehmen Lichtblitze und schwarze Mückenschwärme oder Rußflocken wahr. Anders als die harmlosen Mouches volantes bei Glaskörperdegeneration und gegebenfalls -abhebung, die mehr Schlieren oder Fuseln ähneln, entstehen die schwarzen Flecken durch Blutungen bei einem Netzhautriss. Eine seitlich vor dem Auge aufsteigende Wand oder ein herabsinkender Vorhang spricht für eine Ablösung der Netzhaut. Wenn die zentrale Sehschärfe (beim Fokussieren) deutlich nachlässt, liegt die Ablösung vermutlich mehr zur Netzhautmitte hin. Das Auge kann auch verzerrt sehen.

Weitere Informationen gibt Ihnen der Ratgeber "Netzhautablösung".

– Gestörte Dunkelanpassung: Lichtsinneszellen vom Typ der Stäbchen sind für das Dämmerungssehen zuständig. Sie werden schon durch relativ schwache Lichtreize aktiv, bei Helligkeit sind sie inaktiv. Sie verarbeiten Graustufen, aber keine Farben, und liegen mehr in den Randbereichen der Netzhaut. Fallen sie aus, besteht Nachtblindheit.

Diabetiker, die an einer proliferativen Retinopathie (siehe 8) leiden, sind meist nachtblind. Auch bei Patienten mit Keratokonus (mehr unter 3) verschlechtert sich mit der Zeit das Dämmerungs- und Nachtsehen.
Mitunter wird bei Leberschäden, schweren Magen-Darm-Erkrankungen oder schwerer Mangelernährung (unter anderem Vitamin-A-Mangel, in Deutschland selten) eine Nachtblindheit beobachtet. Vereinfacht gesagt bestehen Zusammenhänge zwischen dem Retinol-Stoffwechsel (Retinol gehört zur Vitamin-A-Stoffgruppe) und dem Aufbau des Sehfarbstoffes in der Netzhaut.

– – Retinitis pigmentosa (RP): Eine erbliche Störung der Dunkelanpassung mit allmählicher Entwicklung einer Nachtblindheit kann Frühsymptom der seltenen Retinitis pigmentosa sein. Die genetische Erkrankung wird auch als Netzhautdystrophie bezeichnet. Mit der Zeit verkümmern die Lichtsinneszellen, zunächst die Stäbchen. Mit fortschreitendem Ausfall der Netzhaut und auch des Sehnervs fällt die Sehschärfe ab und das Gesichtsfeld wird zunehmend kleiner. Viele Patienten erblinden. Mit einem sogenannten Retinaimplantat kann sich das Sehvermögen bessern. Der etwa stecknadelkopfgroße Mikrochip wird unter die Retina eingesetzt. Hinzu kommt eine äußere Vorrichtung (Stromquelle). Manche Betroffenen können anschließend zum Beispiel Licht lokalisieren und Formen bestimmter Objekten in Graustufen erkennen. Weltweit wurden bislang etwa 30 RP-Patienten so behandelt.

– Membranen auf der Netzhaut (Zellophanmakulopathie, epiretinale Gliose):
Betroffen ist hier die Grenze zwischen Glaskörper und Netzhaut (= epiretinal), vor allem in Netzhautmitte, über der Stelle des schärfsten Sehens (Makula). Bestimmte Nervenzellen, sogenannte Gliazellen, wandern an die Netzhautoberfläche (Gliose) und bilden mit Glaskörperfasern ein feines Häutchen. Die Erkrankung betrifft häufiger ältere Menschen. Unter anderem können eine Glaskörperabhebung oder Eingriffe an der Netzhaut auslösend sein, ebenso eine Prellung des Glaskörpers.
Symptome: Die Betroffenen sehen verzerrt (Metamorphopsie) und verschwommen, Doppelbilder, "Knicke im Bild".
Die Therapie besteht nach sorgfältiger Befundabklärung in einer Operation, bei der unter anderem der Glaskörper und das Häutchen entfernt werden, eventuell kombiniert mit einer (vorbeugenden) Kataraktoperation. Denn eine verstärkte Entwicklung einer Katarakt, also eines grauen Stares, könnte durch den Eingriff nur am Glaskörper beschleunigt werden.

  • Sehnerv

Der Sehnerv verlässt – vom Auge aus gesehen – dieses am Augenhintergrund. Die Stelle heißt Sehnervenkopf oder Papille. Nach Austritt aus der knöchernen Augenhöhle zieht er zum Sehzentrum im Gehirn. Der Weg dorthin heißt Sehbahn. Es gibt den rechten und den linken Sehnerv mit je einer Sehbahn. Etwa die Hälfte der Sehnervenfasern kreuzt unterwegs im Gehirn auf die Gegenseite. Das hat zur Folge, dass die gesamte rechte Hälfte des Gesichtsfeldes (beider Augen) links im Gehirn abgebildet werden und umgekehrt. Das übergeordnete Sehzentrum fügt die Teile zu einem Bild zusammen. Falls die Sehbahn im Gehirn geschädigt wird, entstehen kennzeichnende Gesichtsfeldausfälle. Diese neurologischen Sehstörungen sind jedoch kein oder nur am Rand ein Thema dieses Beitrags.

– Optikusneuritis (auch retrobulbäre Optikusneuritis, Entzündung des Sehnervs hinter dem Auge):
Die äußere Isolierschicht der Sehnervenfasern, das Myelin, beschleunigt die Signalübertragung im Nervensystem. Bei Autoimmunerkrankungen greift das Immunsystem körpereigenes Gewebe an. Dies führt zu Entzündungen und meist auch zu Folgeschäden. Im zentralen Nervensystem gilt die Attacke dem Myelin. Das entzündete Gewebe geht teilweise zugrunde, kann sich aber mehr oder weniger wieder regenerieren. Eine in der Regel einseitige, "typische" Entzündung des Sehnervs (Symptome siehe weiter unten) kann zum Beispiel ein Symptom der Multiplen Sklerose (MS) sein und etwa in der Hälfte der Fälle irgendwann im Verlauf dieser Erkrankung auftreten.

Ähnlich wie die Multiple Sklerose führt auch die sogenannte Neuromyelitis Optica (NMO oder Devic-Syndrom) zu einer Optikusneuritis, allerdings bisweilen auf beiden Augen. Bei dieser Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems entzündet sich auch das Rückenmark (Myelon). Damit verbundene Symptome sind Muskelschwäche oder -lähmungen, etwa an Armen und Beinen, mitunter auch Störungen der Blasen- und Darmkontrolle. Wiederholter Schluckauf und Brechattacken können ein Hinweis auf eine Gehirnbeteiligung im Bereich des sogenannten Hirnstamms sein. Dort liegen Zentren, die das Brechen und wohl auch den Schluckauf steuern. Die NMO tritt deutlich seltener auf als die MS. Die NMO entwickelt sich im Allgemeinen "untypisch" (siehe unten: "Symptome untypischer Verlauf"). Außerdem kommt in dem Zusammenhang mitunter eine isolierte Optikusneuritis (sogenannte Neuromyelitis Optica-Spektrum-Erkrankung) vor.

Manchmal wird eine Optikusneuritis bei Infektionen mit Viren (Masern, Pfeiffersches Drüsenfieber) und bei bakteriellen Infektionen wie Lyme-Borreliose, Lues oder Katzenkratzkrankheit beobachtet – dann meist Zeichen einer Komplikation oder eines fortgeschrittenen Stadiums. Die Prognose ist unterschiedlich.

Dass bei all diesen Krankheiten andere Beschwerden im Vordergrund stehen, versteht sich von selbst. Dennoch ist eine Sehstörung nicht nur ein auffallendes, sondern eben auch beunruhigendes Symptom.

Auch systemische Autoimmunkrankheiten wie Sarkoidose oder Lupus erythematodes können zusammen mit einer Optikusneuritis oder NMO auftreten. Systemische Erkrankung bedeutet, dass mehrere Organe oder Organsysteme betroffen sind. Dementsprechend lenken meist andere Symptome, etwa Lymphknotenschwellungen, Hauterscheinungen, Fieber, den Verdacht in diese Richtung.

Genauer informieren Sie hier die entsprechenden Ratgeber "Sarkoidose" und "Lupus erythematodes".

Eine weitere Form der Optikusneuritis ist die chronisch wiederkehrende entzündliche Optikusnerv-Erkrankung (sogenannte CRION, engl. Chronic Relapsing Inflammatory Optic Neuropathy). Sie betrifft meist beide Augen, verläuft sehr schmerzhaft und mit deutlichen Ausfällen des Gesichtsfeldes. Doch gibt es hier weder einen Bezug zu Autoimmunerkrankungen noch zu Schädigungen der Myelinschicht. Die CRION spricht sehr gut auf Kortison an (siehe unten, Therapie).

Eine Optikusneuritis kann zudem durch Medikamente, zum Beispiel den Wirkstoff Ethambutol gegen Tuberkulose, verursacht werden. Mehr zu Medikamenten und Sehstörungen unter 11.

– – Papillitis: Eine Entzündung des Sehnervenkopfes am Augenhintergrund (Papillitis) mit deutlicher Sehstörung der zentralen Sehschärfe kommt vor allem im Kindesalter vor. Betroffen sind dann in der Regel beide Augen. Ursache sind häufig Virusinfekte der oberen Luftwege (Symptome siehe "Papillitis" weiter unten).

Symptome Sehnerventzündung, typischer Verlauf: Die Betroffenen sind meist zwischen 18 und 45 Jahre alt, häufiger Frauen als Männer. Innerhalb von wenigen Stunden oder Tagen, höchstens etwa zwei Wochen, verschlechtert sich das Sehen auf einem Auge. Dazu kommt ein Druckgefühl hinter dem Auge, Augenbewegungen sind schmerzhaft, manchmal wird auch ein Gesichtsschmerz verspürt. Die Farbwahrnehmung lässt nach, mitunter tritt eine Störung des zentralen Sehens auf (grauer Fleck in der Mitte des Gesichtsfeldes, zentrales Skotom), manche Betroffenen sehen Lichtblitze bei Augenbewegungen. Die Störungen bilden sich im Allgemeinen wieder weitgehend zurück, die Entzündung heilt ungefähr innerhalb eines Jahres aus. Manchmal können das Farb- und Kontrastsehen beeinträchtigt bleiben. Auch kann es in den nächsten zehn Jahren es zu einem Rückfall kommen – am selben Auge, am Partnerauge oder an beiden Augen –, häufiger bei Patienten mit Multipler Sklerose.

Symptome Sehnerventzündung, untypischer Verlauf: Betroffen sind alle anderen Altersgruppen als oben aufgeführt. Beide Augen können erkranken, es treten jedoch keine schmerzhaften Augenbewegungen auf. Im Allgemeinen stellt sich auch keine Besserung innerhalb von vier bis sechs Wochen ein, sondern der Verlauf ist eher chronisch oder schubhaft, häufig mit anhaltender Sehminderung.

Symptome Papillitis: Bei bestimmten Infektionskrankheiten, seltener bei MS, kann sich die Sehnervenpapille entzünden. Auch dies ist eigentlich ein untypisches Krankheitsbild, insbesondere bei Erwachsenen. Bei Kindern kommt eine Papillitis auch an beiden Augen vor. Das zunächst deutlich eingeschränkte Sehvermögen erholt sich häufig wieder.
 

Diagnose: Erste Hinweise geben dem Arzt die Beschwerden und die Angaben zur Krankengeschichte des Patienten. Bei einer retrobulbären Optikusneuritis sieht der Sehnervenkopf am Augenhintergrund, die Papille, mehrheitlich normal aus. Seltener erscheint sie geschwollen. Eine Papillitis lässt sich dagegen von Anfang an erkennen: Die Papille ist entzündet und geschwollen.

Bei vermuteter Retrobulbärneuritis erhält der Arzt einen wichtigen klinischen Hinweis durch einen Wechselbelichtungstest, wobei er die Pupillenreaktion beider Augen auf Licht im Dunkeln untersucht. Ziel ist immer, eine andere Grunderkrankung, zunächst etwa eine MS, oder die wesentlich seltenere NMO auszuschließen. Eine Magnetresonanztomografie und auch eine Hirnwasseruntersuchung (Lumbalpunktion) können weiteren Aufschluss geben. Bei vermuteter NMO kann eine Rückenmarks-MRT die Diagnose stützen. Für eine NMO oder NMO-Spektrum-Erkrankung kennzeichnend sind zudem sogenannte Aquaporin-4-Antikörper im Blut, ihr Fehlen schließt diese Ursache nicht aus.

Besteht der Verdacht auf eine spezielle Grunderkrankung, erfolgen umfangreichere  augenärztliche, internistische und neurologische Untersuchungen. Wenn als Auslöser ein Krankheitsprozess im HNO-Bereich, etwa von den Nasennebenhöhlen ausgehend, naheliegt, ist ein Hals-Nasen-Ohren (HNO-)Arzt gefragt.

Die Therapie richtet sich nach der Diagnose. Eine Kortisonbehandlung kann bei typischer Optikusneuritis die Heilung beschleunigen, unterdrückt aber eine mögliche MS nicht. Der Arzt prüft vor der Kortisongabe mögliche Gegenanzeigen. Bei Infektionskrankheiten helfen gegen den jeweiligen Erreger gerichtete Medikamente, zum Beispiel – auch bei einer Papillitis – virushemmende Medikamente. Eine NMO wird mit Arzneistoffen behandelt, die das Immunsystem unterdrücken, etwa Azathioprin, Cyclophosphamid oder sogenannte monoklonale Antikörper. Manchmal ist auch eine Art Blutwäsche (Plasmapherese) notwendig. Auf Kortison günstig (und nach dessen Absetzen ungünstig) reagiert die CRION. Hier wird Kortison langfristig eingesetzt.

Über die Optikusneuritis gibt es im entsprechenden Beitrag "Sehnervenenzündung weitere Informationen. Über Diagnose und Therapie der MS können Sie im Ratgeber "Multiple Sklerose" nachlesen.

– Stauungspapille durch Hirndrucksteigerung: Bei einigen Krankheiten kann der Druck im Schädel zunehmen. Der Sehnervenkopf schwillt an.
Symptome: Mit einer Stauungspapille gehen Sehstörungen wie Gesichtsfeldausfällen und Abnahme der Sehschärfe einher. Abhängig von der Krankheitsursache treten außerdem häufig Allgemeinsymptome auf wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Müdigkeit, Bewusstseinsstörungen, Gedächtnisstörungen, Schwindel, Schluckauf. Eine Stauungspapille und damit verbundene Beschwerden können an einem oder beiden Augen vorkommen.

– – Zu den akuten Ursachen einer meist beidseitigen Stauungspapille gehören Blutungen und einige Tumore des Gehirns. Auch Entzündungen im Gehirn wie Hirnhautentzündung (Meningitis) oder Gehirnentzündung (Enzephalitis) können neben neurologischen Leitsymptomen mit diesem Augenbefund einhergehen.

– – Chronisch kann eine Stauungspapille bei einer seltenen Erkrankung namens idiopathische intrakranielle Hypertension (Druckerhöhung im Schädel unbekannter Ursache, ältere Bezeichnung: Pseudotumor cerebri) vorliegen. Das Krankheitsbild tritt vor allem bei jungen Frauen auf, die rasch an Gewicht zunehmen (auch Schwangerschaft). Unter anderem können Abflussstörungen in Gehirnvenen eine Rolle spielen. Es gibt verschiedene Risikofaktoren wie hormonelle Störungen, sehr selten eine Überdosierung von Vitamin A bei Behandlung des seinerseits seltenen Vitamin-A-Mangels, sodann Einflüsse durch Medikamente wie Tetrazykline, Tamoxifen, Kortison, Ibuprofen und andere. Mit der Zeit kann sich ein Schwund des Sehnervs (mehr dazu weiter unten unter "Atrophie des Sehnervs") entwickeln. Dann lässt allerdings auch die Stauungspapille nach, weil es an "staufähigen" Nervenfasern fehlt. Die Folge ist jedoch Erblindung.
Symptome bei idiopathischer intrakranieller Hypertension: Recht typisch sind kurz anhaltende Verdunkelungen des Gesichtsfeldes, etwa beim Bücken, wohl infolge einer momentanen Durchblutungsstörung am Sehnerv, außerdem Wahrnehmung von Blitzen nach plötzlichen körperlichen Belastungen. Kennzeichnend sind anhaltende, praktisch tägliche Kopfschmerzen. Sie verstärken sich beim Liegen, Niesen oder Bücken. Außerdem kommt es zu Schmerzen hinter dem Auge.

Diagnose der idiopathischen intrakraniellen Hypertension: Aufschluss geben neben dem Augenbefund sowie der sorgfältigen Erhebung der Krankengeschichte (unter anderem deutliche Gewichtszunahme) und der hormonellen Situation (Zyklusanamnese) eine Magnetresonanztomografie (MRT), eine Hirndruckmessung sowie die Abklärung fraglicher Grunderkrankungen.

Bei der Therapie der idiopathischen intrakraniellen Hypertension kommen je nach Schweregrad verschiedene Strategien infrage: bestimmte Medikamente wie Azetazolamid, ferner wiederholte Entnahmen von Gehirnwasser, sodann neuroradiologische und mirkrochirurgische Maßnahmen, schließlich die Anlage einer ständigen Ableitung des Hirnwassers in den Körper (Shunt). Eventuell erwägen Ärzte eine Adipositas-Operation, wenn die so wichtige Gewichtsabnahme nicht gelingen sollte.

Eine einseitige Stauungspapille tritt bei einem Tumor der Augenhöhle auf. Hier ist das Auge meist vorgewölbt (Exophthalmus, siehe 10) und lässt sich schlechter bewegen.

Diagnose der Stauungspapille: Der Augenarzt sieht bei der Untersuchung des Augenhintergrundes einen mehr oder weniger unscharf begrenzten Sehnervenkopf. Manchmal ist er auch stark gewölbt und weist streifenartige Blutungen auf. Abhängig vom Krankheitsbild sind weitere Untersuchungen notwendig wie Laboranalysen des Blutes und Hirnwassers sowie bildgebende Verfahren des Gehirns wie Magnetresonanztomografie (MRT) und Computertomografie (CT).

Die Therapie richtet sich nach der Ursache.

– Drusenpapille: Dazu kommt es durch "gläserne", körnchenartige Ablagerungen am Rand des Sehnervenkopfes. Sie stammen von untergegangenen Fasern des Sehnervs, die beim Durchtritt im engen Kanal der Lederhaut am Augenhintergrund abgedrückt werden. Papillendrusen haben nichts mit den Drusen an der Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut (Makula) im Rahmen der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD; siehe weiter oben in diesem Abschnitt 7) zu tun.
Symptome: Papillendrusen können mitunter Gesichtsfeldausfälle verursachen, beeinträchtigen aber die zentrale Sehschärfe nicht.
Es gibt keine Therapie.

– Atrophie des Sehnervs (Optikusatrophie): Schädigungen des Sehnervs können zur Atrophie, also zu einem Schwund, führen. Eine Optikusatrophie kann zum einen bei Krankheiten vorkommen, die eine Optikusneuritis verursacht haben (siehe oben), bei Durchblutungsstörungen des Sehnervs, zum Beispiel infolge einer Gefäßentzündung (siehe unter 8), bei idiopathischer intrakranieller Druckerhöhung (siehe oben, Stauungspapille) oder bei einem Glaukom (weitere Infos bei 5).

Zum anderen kann der Sehnerv durch sehr seltene erbliche Störungen Schaden nehmen. Dazu gehört zum Beispiel die Leber-Optikusatrophie (auch hereditäre Optikusneuropathie Leber, LHON). Die LHON tritt bei jungen Männern im Alter von 18 bis 30 Jahren auf. Sie beruht auf verschiedenen Gen-Veränderungen (Mutationen). Gesunde Mutationsträgerinnen übertragen sie auf ihre männlichen Kinder. Es gibt zwar Gentests, sie erlauben aber keine Voraussage, ob die Krankheit auftritt. Bei manchen Betroffenen kann sich das Krankheitsbild nach einiger Zeit bessern. Für die Behandlung gibt es das Medikament Idebenone. Es hat den Status eines Orphan-Arzneimittels – das sind Medikamente zur Behandlung seltener Leiden – und befindet sich derzeit im Prüfverfahren (siehe auch Links zu Orphan Drugs unter "Fachliteratur" am Ende des Beitrags).

Die Betroffenen sollten Alkohol und Tabak meiden, da diese Genussmittel ganz allgemein, aber auch für die Augen, gesundheitsschädlich sind. Einige Antibiotika sind ebenfalls tabu, worüber der Arzt den Patienten aufklären wird.

Tumoren, die auf den Sehnerv drücken (siehe oben, Stauungspapille), Strahlenbelastungen, Verletzungen und Vergiftungen sind mitunter weitere Ursachen eines Sehnervenverlustes.

Symptome bei Optikusatrophie: Nicht jede Schädigung des Sehnervs macht sich sogleich bemerkbar. Zu den typischen Symptomen gehören je nach Ursache anfangs Störungen des Farbsehens, sodann verschiedene Arten von Gesichtsfeldausfällen. Im Gegensatz zu einer Stauungspapille oder einer Entzündung ist ein Schwund der Sehnervenfasern nicht rückgängig zu machen. Ab einem bestimmten Ausmaß führt er zum Verlust der zentralen Sehschärfe und schließlich der Sehkraft. Falls bei einer Kompression rechtzeitig der Druck vom Nerven genommen wird, kann sich aber zum Beispiel die Sehschärfe wieder bessern.
Diagnose: Die Papille am Augenhintergrund zeigt sich bei einer Atrophie ganz oder teilweise abgeblasst, manchmal unscharf begrenzt, in der Mitte eventuell stärker ausgebuchtet. Bei einer LHON ist der Sehnervenkopf eher geschwollen, und die Netzhaut kann weitere Veränderungen aufweisen.
Weiterführende Untersuchungen zielen darauf, die Sehfunktionen genau zu beurteilen, mögliche Grundleiden der Sehnervenschädigung zu erkennen und eine mögliche Behandlung auszuloten.


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8 Sehstörungen: Durchblutungsprobleme (Netzhaut, Sehnerv)

Venen entsorgen im Allgemeinen die Gewebe und führen sauerstoffarmes Blut ab, Arterien liefern frisch mit Sauerstoff und Nährstoffen angereichertes Blut. Für die Innenschichten der Netzhaut ist die zentrale Netzhautarterie zuständig. Die Aderhaut ernährt mit einem "eigenen" Kapillarnetz die weiter außen liegenden Lichtsinneszellen. Dadurch und durch ihren speziellen Aufbau ist die hochempfindliche Netzhaut normalerweise gut gegen Schadstoffe, die im Blut zirkulieren und theoretisch einsickern könnten, geschützt.

Dennoch machen Gefäßverkalkung (Arteriosklerose), Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen mit ihren schädlichen Gefäßwirkungen vor den Netzhautadern nicht halt. Dadurch und durch andere Faktoren kann es dort beispielsweise zu Gefäßverschlüssen kommen. Je nach Art und Lage eines Gefäßverschlusses ist das Sehen unterschiedlich stark gemindert, mitunter bis zur Erblindung.

– Zentralvenenverschluss: Mögliche Ursachen sind Einengungen an Kreuzungen mit verdickten Netzhautarterien und Thrombosen. Bei einer Thrombose verschließt ein vor Ort an der Venenwand entstandener Blutpfropf das Gefäß. Vermehrte Gerinnungsneigung des Blutes begünstigt dies. Der Blutstau führt zu Blutungen und Schwellungen in der Netzhaut, eventuell auch in der Makula, der Stelle des schärfsten Sehens.
Netzhautschäden bei Diabetes sind ein wichtiger Risikofaktor, außerdem Bluthochdruck und Glaukomerkrankungen.
Symptome: Binnen Minuten oder Stunden entwickelt sich eine schmerzlose, mäßige oder deutliche Sehminderung. Manchmal zieht vor dem Auge ein grauer Schleier auf. Anhaltende Sehverschlechterung bis zum Sehverlust ist möglich. Einige Patienten, häufiger ältere Menschen, spüren wenig, weil sie hauptsächlich das gesunde Auge gebrauchen. Der Verschluss einer kleineren Vene (Venenast) kann länger unbemerkt bleiben.

– Arterienverschluss der Netzhaut: Ursache ist häufig ein eingeschwemmtes Blutgerinnsel (Embolie), das eine zuführende Arterie verstopft. Es stammt in diesem Fall entweder aus Ablagerungen in anderen Gefäßen, meist der Halsschlagader. Oder es hat sich aus dem Herzen abgelöst, was bei Vorhofflimmern, einer Herzrhythmusstörung, oder bei Herzklappenentzündungen vorkommen kann. Je nachdem, wo in der Blutbahn das Gerinnsel hängenbleibt, tritt ein Schlaganfall (siehe weiter unten) und / oder Sehsturz auf. Mitunter verursacht eine bestimmte Gefäßentzündung – eine Riesenzell-Arteriitis – einen entzündlichen Gefäßverschluss (siehe unten: Papilleninfarkt). Weitere Ursachen sind Gefäßschäden durch Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen.
Symptome: Ein Zentralarterien-Verschluss verursacht eine plötzliche, einseitige Erblindung ohne Schmerzen (Sehsturz), während sich ein Verschluss einer Abzweigung der Zentralarterie, also ein Zentralarterienast-Verschluss durch einen Gesichtsfeldausfall oder deutliche Minderung des Sehens bemerkbar macht. Das Sehvermögen bleibt hier also teilweise erhalten.

– Papilleninfarkt (ischämische vordere Optikusneuropathie): Darunter versteht man eine Schädigung des Sehnervs infolge einer Durchblutungsstörung (Infarkt, Ischämie) im Bereich des Sehnervenkopfes (Papille). Gefäßentzündungen wie die zuvor genannte Riesenzellarteriitis und ausgeprägte Arteriosklerose (Gefäßverkalkung und -verengung) sind die Hauptursachen. Selten sind ein akuter, starker Blutverlust oder ein starker Blutdruckabfall auslösend. Bei einer vorderen ischämischen Optikusneuropathie zeigt sich der Sehnervenkopf am Augenhintergrund blass und geschwollen. Bei der viel selteneren hinteren ischämischen Optikusneuropathie sieht er anfangs normal aus.

– – An einer Riesenzellarteriitis (RZA; Arteriitis bedeutet Entzündung von Arterien) erkranken Frauen deutlich häufiger als Männer. Das Erkrankungsalter beträgt meist über 50 Jahre. Auch wenn bei Riesenzellarteriitis häufiger große Gefäße erkranken: Verantwortlich für die Durchblutungsstörung des Sehnervs sind entzündlich bedingte Verschlüsse der kleinen Gefäße, die den Sehnervenkopf versorgen.

Kennzeichnende Symptome einer Riesenzellarteriitis im Kopfbereich sind starke pochende (Schläfen-)Kopfschmerzen, meist auf beiden Seiten. An der Schläfe der betroffenen Seite bemerken manche Patienten eine Überempfindlichkeit der Kopfhaut beim Kämmen, dazu einen verdickten, bei Berührung schmerzhaften Gefäßstrang (entzündete Schläfenarterie). Auch Schmerzen beim Kauen und Zungenschmerzen treten auf. Sehr ernst zu nehmen sind die Sehstörungen. Sie treten bei etwa 70 Prozent der Patienten auf und verschlechtern sich schnell: Die Sehschärfe nimmt ab, die Betroffenen sehen Doppelbilder, das Gesichtsfeld engt sich zunehmend ein. Das Auge selbst schmerzt nicht. Aber es erblindet unwiederbringlich, und unbehandelt innerhalb weniger Tage ergeht es auch dem zweiten Auge so.

Ansonsten kann die Erkrankung größere Gefäße erfassen, etwa Herzkranzgefäße, Darmgefäße oder die Hauptschlagader (Aorta). Dann sind lebensgefährliche Komplikationen möglich.

Wenn zudem starke Muskelschmerzen im oberen Schultergürtel, eventuell auch im Nacken, Becken- und Hüftbereich auftreten, kann gleichzeitig eine Variante der Riesenzellarteriitis namens Polymyalgia rheumatica vorliegen.
Wichtig: Umgehend zum Arzt zur sofortigen Untersuchung (Gefäße, Entzündungswerte im Blut, Augen), da beide Augen gefährdet sind. Manchmal ist der bereits eingetretene Sehverlust das erste Symptom! Zeitgleich mit der Diagnostik wird der Arzt als sofortige Therapiemaßnahme Kortison einsetzen.

Über Diagnose und Therapie des Krankheitsbildes informiert Sie der Beitrag "Riesenzellarteriitis".

– – Symptome der ischämischen Optikusneuropathie bei Arteriosklerose: Akute, einseitige Sehminderung, Ausfall des Gesichtsfeldes häufiger in der unteren Hälfte. Die Sehschärfe ist deutlich vermindert, Erblindung ist möglich.

– Netzhauterkrankung bei Diabetes: Erhöhte Blutzuckerwerte schädigen die Blutgefäße – am Auge die feinen Netzhautgefäße (diabetische Retinopathie).
Symptome: Die diabetische Netzhauterkrankung entwickelt sich meist über Jahre und bleibt lange symptomlos
. Bei Diagnosestellung der Zuckerkrankheit kann der Augenarzt oft schon entsprechende Veränderungen feststellen. In den westlichen Ländern gehört die fortgeschrittene diabetische Retinopathie, insbesondere das Makulaödem (siehe unten), zu den häufigsten Erblindungsursachen erwerbsfähiger Menschen.

Unterschieden wird eine nicht proliferative von einer proliferativen Form der Netzhauterkrankung. Proliferativ bedeutet, dass sich neue, qualitativ minderwertige Gefäße gebildet haben. Eine schwere nicht proliferative Form kann in eine proliferative übergehen. Ein Makulaödem kann bei beiden Formen vorkommen.

Während eine milde, nicht proliferative Retinopathie sich bei guter Blutzuckerkontrolle noch zurückbilden kann, ist die Netzhaut in fortgeschrittenen Stadien der Retinopathie erheblich geschädigt. Es kommt einerseits zu Blutungen, andererseits zu Durchblutungsstörungen. Sehnervenfasern gehen zugrunde, Ablagerungen schädigen die Netzhaut weiter. Als Reaktion auf die schlechte Durchblutung wachsen neue Netzhautgefäße (proliferative Retinopathie). Sie können außer der Netzhaut auch das Augeninnere schädigen, indem sie etwa in den Glaskörper einwachsen und dort Blutungen verursachen (schlagartige Sehverschlechterung). Oder indem sie schrumpfen und vernarben. Beides begünstigt Ablösungen der Netzhaut (Symptome: Lichtblitze, Rußregen, Vorhang vor dem Auge, siehe unter 6 und 7).

Gefäßneubildungen in der Regenbogenhaut können das Kammerwasser blockieren und ein (sekundäres) Glaukom auslösen. Dieses ist nicht nur schmerzhaft, sondern kann durch Schädigung des Sehnervs auch zur Erblindung führen.

Da die Gefäße – ob angestammt und geschädigt oder neu und instabil – vermehrt durchlässig sind, kommt es häufig zu einem Makulaödem. Dabei schwillt die Makula, die Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut, an und verdickt sich. Dann vermindert sich die zentrale Sehschärfe oder sie kann verlorengehen.

Therapie des Makulaödems bei Diabetes mit Netzhauterkrankung: Mittels Injektionen bestimmter VEGF-Hemmer gegen das Makulaödem lässt sich häufig eine Verbesserung der (korrigierten) Sehschärfe erreichen. VEGF ist ein körpereigener Faktor, der das Wachstum von Gefäßen anregt. VEGF-Hemmer wirken dem entgegen. Laserbehandlungen sind dagegen beim Makulaödem in den Hintergrund getreten. Ebenfalls sehr wichtig: Normnahe Blutdruck- und Blutzuckerwerte und auch die Verbesserung des Fettstoffwechsels. Trotz dieser Maßnahmen: Ausgeprägte Schäden bis zur Erblindung sind nicht immer abwendbar.

Eine eingehende Beschreibung der Netzhauterkrankung bei Diabetes finden Sie im Ratgeber "Diabetische Retinopathie".

Warum Rauchen und Bluthochdruck der Netzhaut zusetzen, beschreibt der Ratgeber "Netzhautveränderungen bei Bluthochdruck".

– Migräne: Ein Migräneanfall geht mit typischem Halbseitenkopfschmerz einher: einseitige, attackenartige, über mehrere Stunden bis zu drei Tage anhaltende stechende, pochende oder dumpfe Kopfschmerzen. Manchmal beginnen sie im Nacken. Sehr oft kommt es auch zu Übelkeit und starker Lichtempfindlichkeit.
Augensymptome bei Migräne: Bei einem Drittel der Patienten können vor Beginn der Kopfschmerzen Schleier oder flimmernde, zackenartige Figuren vor dem Auge auf der Kopfschmerzseite auftreten. Sie entsprechen der sogenannten visuellen Migräne-Aura. Aura bedeutet Schein oder Vorbote. Bei der Migräne werden damit Ausfallsymptome vor Einsetzen der eigentlichen Kopfschmerzphase bezeichnet. Eine Aura dauert Minuten bis zu einer halben Stunde. Danach bleibt meist ein vorübergehender Gesichtsfeldausfall bestehen (Flimmerskotom). An den Abläufen sind Durchblutungsstörungen von Gefäßen im Gehirn beteiligt, die auch die Augen mitversorgen.

Seltener lässt sich neben den typischen Migräne-Symptomen auch eine Augenmuskellähmung beobachten.
Dabei handelt es sich um eine ophthalmoplegische "Migräne". Sie wird heute den Neuralgien beziehungsweise vom Zentralnervensystem ausgehenden Kopfschmerzformen zugeordnet.

Wenn es im Zusammenhang mit migräneartigen Kopfschmerzen zu vorübergehender einseitiger Blindheit (Amaurosis fugax) kommt, wird der Arzt immer auch andere Ursachen ausschließen müssen, beispielsweise eine ischämische Optikusneuropathie (siehe oben) oder einen Schlaganfall.

– Schlaganfall: Dazu kommt es durch einen kritischen Durchblutungsmangel im Gehirn (Hirninfarkt) oder durch eine Hirnblutung. Ein Schlaganfall kann sich zunächst nur mit kurz dauernder, eventuell wiederholter Blindheit eines Auges (Amaurosis fugax) äußern. Möglich sind auch Gesichtsfeldausfälle, Doppelbilder oder Blindheit beider Augen. Oft zeigen sich dann weitere verdächtige Symptome, etwa ein akuter (Dreh-)Schwindel, Kribbeln oder Taubheitsgefühl im Gesicht und Muskelschwächen oder Lähmungen auf einer Körperseite, etwa des Armes. Ein herabhängender Mundwinkel auf einer Seite zeigt eine Gesichtslähmung an. Folge eines Schlaganfalls kann außerdem eine Sprach-, Wortfindungs- oder Sprachverständnisstörung sein.

Wichtig: Bei einer Amaurosis fugax wird der Rettungsdienst oder der hinzugezogene Augenarzt den Patienten umgehend an ein spezialisiertes Zentrum für Schlaganfallpatienten (Stroke Unit) leiten, wo der Ursache nachgegangen und eine gezielte Behandlung eingeleitet werden kann.

Alles Wissenswerte dazu im Ratgeber "Schlaganfall".


9 Sehstörungen: Schielen, Doppelbilder

Sechs Muskeln bewegen den Augapfel (ein- und auswärtsrollen, nach oben und unten heben, nach rechts und links wenden), die Pupillenmuskeln verengen oder erweitern die Pupille, der Ziliarmuskel sorgt für die Akkomodation (Neinstellung der Linse), die Lidmuskeln öffnen und schließen der Lider (zu Lidproblemen siehe unter 1; auf Pupillenstörungen geht auch der Abschnitt 5 ein).

– Lähmung oder Schwäche eines Augenmuskels kann eine Achsabweichung des Augapfels (Schielstellung) und damit Doppel- oder Mehrfachbilder auslösen. Dies kann von Schwindel und Übelkeit begleitet sein. Mögliche Ursachen sind neurologische Krankheitsbilder wie Hirntumoren, Gehirnentzündungen, Neuropathien (Nervenschädigungen oder -entzündungen, zum Beispiel bei Botulismus oder ein Zoster ophthalmicus, also ein Herper zoster am Auge und seiner Umgebung), Anomalien der Hirngefäße (Aneurysmen), Durchblutungsstörungen oder Migräne (siehe oben). Oder es liegt eine Muskelerkrankung vor, zum Beispiel Myasthenia gravis pseudoparalytica (siehe 2). Dabei ist meist auch die Lidmuskulatur betroffen (herabhängende Lider ein- oder beidseitig). Bei der Multiplen Sklerose kommen häufiger Doppelbilder im frühen Stadium vor (mehr dazu unter 7).

10 Sehstörungen: Wenn das Auge hervortritt (Exopthalmus)

Verschiedenste Erkrankungen oder Verletzungen können zur Folge haben, dass der Augapfel kann nach vorne hervortritt, sich nach oben oder unten verlagert oder nach hinten zurückweicht – mit oder ohne Schmerzen. Bei der endokrinen Orbitopathie im Rahmen der Basedow-Erkrankung der Schilddrüse beispielsweise treten die Augäpfel hervor (Exophthalmus), weil das umgebende Bindegewebe anschwillt und die Augenmuskeln sich verdicken. Das ist schmerzlos, aber die Augenbewegungen können behindert sein, es können eine Schielstellung der Augen, Doppelbilder und Schwindel auftreten. Die Lider weichen zurück, mit der Zeit dauerhaft durch Verhärtung des Lidhebermuskels. Wegen verminderten Lidschlages droht eine Austrocknung und Schädigung der Hornhaut.

Weitere Informationen gibt der Ratgeber "Basedow-Krankheit".

Für einen Exophthalmus können aber noch andere Ursachen verantwortlich sein, beispielsweise verschiedene Entzündungen, Tumoren und Gefäßerkrankungen der Augenhöhle. Je nach Ursache können ein Auge oder beide hervortreten.


11 Sehstörungen und Medikamente

Auch Arzneimittel können gegebenenfalls das Sehvermögen beeinträchtigen. Mitunter entwickelt sich die Sehstörung erst verzögert. Falls der behandelnde Arzt unter einer Therapie vorsorglich regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt empfiehlt, sollten Sie diese unbedingt wahrnehmen. Informieren Sie Ihren Arzt umgehend, wenn Sie unter einer Medikamenteneinnahme zum Beispiel eine Veränderung des Sehens feststellen. Nochmals: Eine akute Sehstörung, Sehverschlechterung oder ein Sehverlust ist immer ein Notfall.


12 Sehstörungen und Psyche

Manchmal beruhen Sehstörungen oder -minderungen auf ausgeprägten Stressreaktionen oder psychischen Problemen. So sind zum Beispiel psychogene Gesichtsfeldausfälle möglich. Bei überlasteten Schulkindern kann es zu einer Sehverschlechterung mit wechselndem Einwärtsschielen kommen (siehe auch eingangs in diesem Beitrag: Doppeltsehen bei Müdigkeit).

Es ist klar, dass der Arzt medizinische Ursachen vor einer entsprechenden Bewertung und Behandlungsempfehlung sorgfältig ausschließen wird.


Fachliteratur:

Grehn F: Augenheilkunde, 31. Auflage, Berlin Heidelberg Springer-Verlag, 2012
Kampik A, Grehn F: Augenärztliche Differenzialdiagnose, 2. Auflage, Stuttgart New York Georg Thieme Verlag 2008
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V., Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e.V., Leitlinie Nr. 14: Uveitis anterior, Stand. 11.10.2010. Online:
http://www.dog.org/wp-content/uploads/2009/09/LL-Uveitis-anterior-2011-11-30-Endversion.pdf (Abgerufen am 18.12.2014)
Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Idiopathische intrakranielle Hypertension. S1-Leitlinie (Stand: 09/2012). AWMF-Registernummer: 030/093. Online:
http://www.dgn.org/leitlinien-online-2012/inhalte-nach-kapitel/2289-ll-60-2012-idiopathische-intrakranielle-hypertension.html
Konsensusgruppe Therapie der JIA: Aktualisierte, interdisziplinäre S2-Therapieleitlinie der Juvenilen Idiopathischen Arthritis (2. Auflage, Stand: 10/2011). Online:
http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/027-020l_S2K_Juvenile_Idiopathische_Arthritis_2011-10_02.pdf
(Abgerufen am 18.12.2014)
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V., Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e.V., Leitlinie Nr. 14: Neuritis nervi optici (Stand: 02.08.2007). Online:
http://www.augeninfo.de/leit/leit30.pdf (Abgerufen am 18.12.2014)
National Institute of Neurological Disorder and Stroke: Neuromyelitis Optica Information Page. Online:
http://www.ninds.nih.gov/disorders/neuromyelitis_optica/neuromyelitis_optica.htm
(Abgerufen am 18.12.2014)
Orphan Drugs:
European medicines Agency: Public summary of opinion on orphan designation. Idebenone for the treatment of Leber's hereditary optic neuropathy, 6. April 2011, EMA/COMP/96073/2008 Rev.1. Online:
http://www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/Orphan_designation/2009/11/WC500006543.pdf (Abgerufen am 17.12.2014)
Orphanet. Das Portal für seltene Krankheiten und Orphan Drugs: Leber-Optikusneuropathie, hereditäre. Online:
http://www.orpha.net/consor/cgi-bin/Disease_Search.php?lng=DE&data_id=167&Disease_Disease_Search_diseaseGroup=LHON&Disease_Disease_Search_diseaseType=Pat&Krankheite%28n%29/Krankheitsgruppe=Leber-Optikusneuropathie--hereditare--LHON-&title=Leber-Optikusneuropathie--hereditare--LHON-&search=Disease_Search_Simple (Abgerufen am 17.12.2014)
Risiken von Tätowierungen (Referent: Gerste R D), in: Deutsches Ärzteblatt, Jg.111, Heft 51-52, 22. Dez. 2014, C1841

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Fachredaktion: Dr. med. Claudia Osthoff


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Bildnachweis: PhotoDisc/RYF, W&B/Ulrike Möhle, iStock/Neustockimages, W&B/Martina Ibelherr
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