Zahnfleischentzündung: Ursachen

Mangelhafte Zahnpflege ist der wichtigste Auslöser der Zahnfleischentzündung

aktualisiert am 21.08.2013

Bakterien im Zahnbelag geben Giftstoffe ab. Das verursacht eine Zahnfleischentzündung. Ohne Therapie liegen bald Zahnhals und Wurzel frei, eine Parodontitis entsteht

Illustation: W&B/ Szczesny

In unserer Mundhöhle leben mehr als 300 verschiedene Bakterienarten. Insgesamt werden sie Mundflora genannt. Im Normalfall stellen sie kein Problem dar.

Mangelhafte Mundhygiene

Wer seine Zähne nicht ordentlich putzt, der riskiert, dass sich die Keime auf ein ungesundes Maß vermehren. Die Nahrungsreste auf und zwischen den Zähnen bieten den Bakterien herrliche Lebensbedingungen. Sie ernähren sich von den Speiseresten und verarbeiten sie zu einem zähen Belag, der auf den Zähnen haftet. Dieser bakterielle Belag heißt medizinisch "Biofilm" oder "Plaque". Der Zahnbelag ist anfangs noch nicht sichtbar. Die Keime vermehren sich darin besonders stark. Sie geben aggressive Stoffwechselprodukte, Säure und Toxine (= Giftstoffe) ab, die schließlich auch ins Zahnfleisch gelangen.


Das Zahnfleisch ist ein spezieller Teil der Mundschleimhaut. Er bedeckt die zahntragenden Teile des Kieferknochens. Am Übergang Zahn / Zahnfleisch entsteht eine seichte Furche von ein bis zwei Millimetern Tiefe, der sogenannte Sulcus. Hier ist das Zahnfleisch nicht fest mit dem Zahn verbunden. Das ist der Spalt, in den die Zahnseide geschoben werden kann. Gelangen die aggressiven bakteriellen Stoffwechselprodukte aus dem Zahnbelag ins benachbarte Zahnfleisch, dann reagiert der Körper darauf. Eine Entzündung entsteht – die Zahnfleischentzündung. Außerdem bildet Plaque einen Nährboden für Karies.

Aus Plaque wird Zahnstein

Plaque haftet fest auf dem Zahn – lässt sich nicht absprayen aber noch mit der Bürste wegputzen. Geschieht das nicht regelmäßig genug, dann lagern sich Mineralstoffe aus dem Speichel in den Zahnbelag ein, zum Beispiel Kalzium. Der Zahnbelag verfestigt sich zu Zahnstein. Der kann nicht mehr so einfach weggeputzt werden, sondern muss vom Zahnarzt entfernt werden.

Hat sich erst einmal Zahnstein gebildet, können sich auf seiner rauen Oberfläche umso leichter Bakterien ansiedeln. Die Plaque breitet sich noch weiter aus, tiefer in den Spalt zwischen Zahnfleisch und Zahn hinein. Der Spalt kann sich vergrößern, es bilden sich Zahnfleischtaschen. Ist das geschehen, handelt es sich bereits um eine Parodontitis, eine Erkrankung des Zahnhalteapparates. Sie kann letztlich sogar zum Verlust der Zähne führen.

Wer hat ein erhöhtes Risiko?

Ob sich eine Zahnfleischentzündung bildet, ist nicht nur eine Frage der Mundhygiene. Bei manchen Menschen führt schon eine leichte Plaquebildung zu Entzündungen, während bei anderen auch stark ausgeprägte Plaque keine Beschwerden verursacht. Folgende Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine bakteriell bedingte Zahnfleischentzündung entwickelt:

  • Mundatmung
  • ungünstige Ernährung
  • geschwächtes Immunsystem (zum Beispiel durch AIDS oder abwehrschwächende Medikamente, so genannte Immunsuppressiva)


Manche Medikamente können ebenfalls zu einer Zahnfleischschwellung führen, die wiederum eine Zahnfleischentzündung begünstigt: zum Beispiel bestimmte Blutdrucksenker, Arzneien gegen Epilepsie oder Wirkstoffe, die das Immunsystem unterdrücken. Falls der Verdacht besteht, dass die Medikamente einen Einfluss auf die Zahngesundheit haben, sollte der Arzt um Rat gefragt werden. Manchmal lassen sich bestimmte Arzneien gegen geeignetere austauschen. Vorsicht: Medikamente auf keinen Fall eigenmächtig absetzen!

Auch hormonelle Veränderungen wie bei einer Schwangerschaft können eine Zahnfleischschwellung – und unter Umständen in der Folge eine Zahnfleischentzündung – auslösen. Eine Zahnfleischentzündung durch Vitamin-C-Mangel (bekannt als Skorbut der Seeleute) ist in westlichen Industrienationen die große Ausnahme.




Bildnachweis: Illustation: W&B/ Szczesny
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