Zähneputzen: Wir müssen umlernen!

Die meisten Erwachsenen putzen ihre Zähne mit der falschen Technik: Kreisende Bewegungen waren gestern. Lesen Sie hier, wie es richtig geht

von Juliane Gutmann, aktualisiert am 25.02.2015

Hauptsache es schäumt? Wer richtig Zähne putzen will, sollte einige Regeln beachten

Thinkstock/iStockphoto

Zahnpasta auf die Zahnbürste, Zahnbürste in den Mund, ein Radiolied lang im Halbschlaf die Zahnbürste kreisen lassen. Für alle Erwachsenen, die so oder so ähnlich ihre Zähne putzen, gibt es schlechte Nachrichten: Kreisende Putzbewegungen sind aus Expertensicht nicht ideal. "Die Rotationsmethode ist für Kinder altersgerecht, weil sie einfach ist", sagt Professor Stefan Zimmer, Chefarzt und Inhaber des Lehrstuhls für Zahnerhaltung und präventive Zahnmedizin an der Universität Witten/Herdecke: "Spätestens im Teenageralter sollte man aber auf die Fegetechnik umstellen."


Die meisten Erwachsenen putzen auf Grundschulniveau

Im September 2012 veröffentlichte die Universität Witten/Herdecke zusammen mit einem großen Versicherungsunternehmen eine Studie zu den Zahnputzgewohnheiten der Deutschen. Befragt wurden 1.025 Bürger zwischen 14 und 69 Jahren. Das Ergebnis: Ganze 57 Prozent der Teilnehmer putzen noch wie in frühester Kindheit gelernt, mit der Rotationsmethode. "Dabei schiebt die kreisende Bewegung der Bürste Bakterien und Zahnbeläge unter den Zahnfleischrand. Entzündungen können entstehen", warnt Stefan Zimmer.

Viel besser geeignet für das erwachsene Gebiss sei die Fegetechnik. Dabei die Zahnbürste leicht schräg am Übergang vom Zahnfleisch zum Zahn ansetzen und die Zahnbeläge mit einer Art Wischbewegung wegfegen – immer von rot nach weiß, also vom Zahnfleisch zum Zahn. Bei der ähnlichen Basstechnik soll mit zusätzlichen rüttelnden Bewegungen Zahnbelag noch besser entfernt werden. "Die Fegetechnik hat sich allerdings besser bewährt", sagt Zimmer.

Zähneputzen: Wie lange und wie oft?

Drei Minuten Zähneputzen ist optimal – diese Regel hält sich hartnäckig. "Wissenschaftlich nachweisen lässt sich das nicht", meint Zimmer: "Durchschnittlich braucht jemand rund fünf Minuten, um die meisten Beläge zu entfernen. Da jeder Mensch aber ein anderes Gebiss hat, ist die optimale Putzdauer sehr individuell". Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle, wie zum Beispiel die manuelle Geschicklichkeit oder das Alter. Zahnfleisch zieht sich mit den Jahren zurück. Die Zähne lassen sich dadurch schwieriger reinigen. Deshalb ist es wichtig, regelmäßig mit dem Zahnarzt über die Putztechnik zu sprechen. Um die ideale persönliche Putzdauer zu errechnen, rät Zimmer zu Zahnfärbetabletten. Sie machen Zahnbeläge sichtbar und sind in der Apotheke erhältlich. Wer optimal lange geputzt hat, sieht keine Verfärbungen mehr.

Nach jeder Mahlzeit Zähneputzen? Oder dreimal täglich? "Wenn ordentlich geputzt wird, reicht zweimal täglich", sagt Zahnarzt Stefan Zimmer. Zudem sollte man täglich einmal Zahnseide verwenden. Das schaffen laut Studie nur 11 Prozent der Teilnehmer. Keine Angst, wenn es beim ersten Mal blutet: "Bakterielle Zahnbeläge in der Nähe des Zahnfleisches sind die Auslöser. Benutzen Sie täglich Zahnseide, verschwinden die Beläge und das Bluten hört auf", versichert Zimmer. Interdentalbürsten reinigen weiter auseinanderliegende Zahnzwischenräume besser als Zahnseide. Vor allem im Alter, wenn sich das Zahnfleisch zurückbildet, entstehen solche größeren Abstände.

Viel Geld für Behandlung, wenig Geld für Vorsorge

Warum putzen so viele Erwachsene ihre Zähne falsch? Klären Zahnärzte zu wenig auf? "Problem ist das deutsche Honorarsystem. Das ist therapeutisch ausgelegt: Krankenkassen zahlen bei Erwachsenen für Kronen, Füllungen und Co, aber nicht für Vorsorgeberatungen", sagt Zimmer. Nur bei 6- bis 18-Jährigen übernimmt die Krankenkasse solche Leistungen. Bei allen anderen muss der Zahnarzt privat abrechnen, wenn er über Mundhygiene berät.

Perfekte Zahnpflege kann Karies und Parodontitis, Entzündungen des Zahnbetts, sogar vollständig verhindern. "Putzt man zweimal täglich rund fünf Minuten die Zähne und verwendet rund zwei Minuten Zahnseide, kommt man auf nur 12 Minuten Zahnpflege täglich und spart sich so manche Behandlung beim Zahnarzt", rät Zimmer.


Die richtige Technik beim Zähneputzen

  • Richtig Zähne putzen
    W&B/Jörg Neisel

    Beginnen Sie beim Zähneputzen mit den Kauflächen, dann folgen die Außenflächen.

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  • Richtig Zähne putzen
    W&B/Jörg Neisel

    Legen Sie den Bürstenkopf schräg (im 45-Grad-Winkel) an den Übergang zwischen Zahnfleisch und Zahn an, sodass die Borsten beides berühren.

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  • Richtig Zähne putzen
    W&B/Jörg Neisel

    Fegen Sie nun mit der Bürste immer von "rot" (Zahnfleisch) nach "weiß" (Zahn).

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  • Richtig Zähne putzen
    W&B/Jörg Neisel

    So verwenden Sie Zahnseide: Wickeln Sie die Enden eines etwa 50 Zentimeter langen Stücks Zahnseide um Ihre Mittelfinger. Zwischen den Fingern sollte ein zirka vier Zentimeter langes Stück verbleiben, das Sie straff halten.

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  • Richtig Zähne putzen
    W&B/Jörg Neisel

    Fahren Sie nun mit der Zahnseide in jedem Zwischenraum auf und ab, ohne in das Zahnfleisch zu schneiden. Rollen Sie immer wieder ein neues Stück Seide vom Mittelfinger nach.

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  • Richtig Zähne putzen
    W&B/Jörg Neisel

    Bei einem größeren Abstand zwischen den Zähnen eignet sich eine Interdentalbürste. Führen Sie sie gerade in den Zwischenraum ein. Fahren Sie einige Male hin und her, um Beläge und Speisereste zu entfernen.

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