Direkt nach dem Essen Zähne putzen?

Bei der Zahnpflege lautet ein oft gegebener Ratschlag: Nach dem Essen Zähne putzen! Doch ist das wirklich sinnvoll?

von Martin Neutard, aktualisiert am 14.11.2016

Zähneputzen unmittelbar nach dem Essen kann manchmal schaden

Jupiter Images GmbH/Creatas

"Nach dem Essen Zähneputzen nicht vergessen!" So lernen wir es von frühen Kindesjahren an. Doch der Merkspruch gilt nicht ohne Einschränkungen. Unmittelbares Zähneschrubben nach bestimmten Mahlzeiten kann den Zähnen sogar schaden. Der Grund: Nach dem Verzehr saurer Lebensmittel wird die Zahnhartsubstanz – dazu gehören Zahnschmelz, Zahnbein und Wurzelzement – von Säuren attackiert.

Säuren lösen Mineralien wie Kalzium und Phosphat aus dem Zahnschmelz heraus. Die Schutzschicht wird so geschwächt. Werden die Zähne nun geputzt, reibt die Putzbewegung den Zahnschmelz ab. Zahnärzte sprechen hier von Abrasion. "Hat sich das Zahnfleisch bereits zurückgebildet, kann die Abrasion auch das Zahnbein betreffen", warnt Dr. Karim El-Mahdy, Oberarzt an der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München.


Säure greift den Zahnschmelz an

Um welche Lebensmittel geht es konkret? "Besonders viel Säure enthalten Fruchtsäfte und Softdrinks", erklärt Dr. El-Mahdy. Auch bestimmte Obstsorten wie Orangen, Äpfel und Kiwis besitzen einen hohen Säureanteil. Zudem können Säuren auf indirektem Weg entstehen, wenn Bakterien Essensreste und insbesondere Zucker verarbeiten.

Einmal abgetragener Zahnschmelz bildet sich nicht wieder neu. Allerdings besteht kein Grund zur Panik, denn hierbei geht es um einen langfristigen Prozess. Sich einmal direkt nach dem morgendlichen Orangensaft die Zähne zu putzen ist also nicht weiter schlimm – dauerhaft sollte man das jedoch nicht tun.

Nach säurehaltigem Essen nicht sofort putzen

Welche Möglichkeiten gibt es, um Zahnschäden durch das Putzen zu verhindern? "Um die doppelte Belastung der Zahnhartsubstanz durch den Säureangriff und die Putzbewegung zu vermeiden, sollte man nach dem Essen eine halbe bis eine Stunde warten", sagt Dr. El-Mahdy. In dieser Zeit könne der Körper genug Speichel bilden, um die Säure zu neutralisieren. Dieser Vorgang sei sehr wichtig, um die Säureattacke auf die Zähne zu begrenzen. Ein zuckerfreier Kaugummi rege die Speichelproduktion zusätzlich an.

Als weitere Maßnahme kann der Mund auch mit Wasser ausgespült werden, um grobe Essensreste zu beseitigen und Bakterien somit keine Nahrung zu liefern. Diese Vorkehrungen sind allerdings kein Ersatz zum regelmäßigen Zähneputzen, sondern wirken lediglich unterstützend.

Zähneputzen: Auf den Zeitpunkt kommt es an  

Generell ist regelmäßiges Zähneputzen für die Zahngesundheit unverzichtbar. Vor allem abends sollte man gründlich putzen. Dr. El-Mahdy: "Der wichtigste Zeitpunkt, um die Zähne zu putzen, ist nach der letzten Mahlzeit, bevor man ins Bett geht." Auch nach dem Verzehr von zuckerhaltigen Lebensmitteln ist anschließendes Zähneputzen sinnvoll.

Doch wie sieht es morgens aus, wenn viele nicht die Zeit haben, um eine Stunde zu warten? Dann ist es ratsam, weniger Säure zu konsumieren und die Zähne nach dem Frühstück mit einer weichen Zahnbürste zwei bis drei Minuten vorsichtig zu reinigen. "Ich rate zu fluoridhaltiger Zahnpasta. Das Fluorid hilft bei der Remineralisierung der Zähne und schützt sie vor der Säure", empfiehlt Dr. El-Mahdy. Und falls es morgens mal allzu hektisch zugeht, hilft immer noch ein Kaugummi ohne Zucker auf dem Weg zur Arbeit.



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