So bauen Sie Stress und Entspannung ab und wecken neue Energien für Körper, Geist und Seele
Yoga: Innere Ruhe und Entspannung finden
Es ist Sommer, halb sechs Uhr morgens, die Sonne wird gleich aufgehen. Glatt und geheimnisvoll schimmert der See. Ein Bild der Harmonie. Ein perfekter Ort, mit Yoga den Tag zu begrüßen, um tiefe Entspannung und Ausgeglichenheit zu erfahren. Auch wenn er weit weg liegt von Indien – dem Ursprungsland des Yoga.
Erstaunlich schnelle Wirkung
Yoga ist ein philosophisches System mit religiösen Wurzeln. Es soll die Fähigkeit vermitteln, mithilfe des Körpers das geistige (Er-) Leben zu gestalten und zu vervollkommnen. In Indien hat es einen hohen spirituellen Stellenwert. Doch auch im Westen schätzen viele Menschen seine wohltuende Wirkung auf das körperliche und psychische Befinden. In der Bundesrepublik üben etwa drei Millionen Menschen Yoga aus, schätzt der Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland.
„Die große Popularität beruht darauf, dass Yoga sehr schnell wirksam ist. Stress, Erschöpfung und depressive Verstimmungen lassen meist rasch nach, und man entspannt sich“, sagt Andreas Michalsen, Professor für Naturheilkunde und Chefarzt am Immanuel-Krankenhaus in Berlin. In eigenen Studien hat der überzeugte Yoga-Praktizierende festgestellt: „Der Kortisolspiegel als Stressindikator Nummer eins geht nach 90 Minuten Yoga deutlich nach unten. Selbst bei Anfängern ist dieser Effekt abrufbar, wenn sie von qualifizierten Lehrern angeleitet werden.“
Eine geniale Kombination
Auch Stress-Folgebeschwerden wie beispielsweise chronische Rücken- und Kopfschmerzen verringern sich durch Yoga. Das belegt eine Untersuchung von Karen Sherman vom University of Washington Harborview Medical Center in Seattle (USA). Die Forscherin verglich über zwölf Wochen die Wirkung von Yoga-Haltungen mit der von normaler Gymnastik oder der Lektüre eines Selbsthilfebuchs bei 101 Erwachsenen, die an chronischen Schmerzen im unteren Rücken litten.
Bei den Patienten aus der Yoga-Gruppe besserten sich die Beschwerden auffällig und sanken auf ein erheblich niedrigeres Niveau als in den Kontrollgruppen. Für Michalsen sind diese positiven Wirkungen „das Ergebnis einer genialen Kombination aus Dehnung, Kontrolle der Atmung und muskulärer Kräftigung“. So reagiere der menschliche Organismus auf anhal- tende Dehnungen wie zum Beispiel beim „Hund“ (Bild Nr. 8) mit einer starken vegetativen Beruhigung.
Auch die Regulierung der Atemfrequenz auf optimale sechs bis acht Atemzüge pro Minute habe diese dämpfende Wirkung. Gleichzeitig aktiviert und kräftigt die Muskelarbeit Körper und Geist. Das bestätigt Yogalehrerin Claudia Bauer aus München: „Yoga schenkt innere Ruhe, Selbstvertrauen und ein gutes Körpergefühl.“ Jeden Tag beginnt sie mit einer Meditation, an die sie mehrere Zyklen des Sonnengrußes anschließt, einer fließenden Abfolge von zwölf Körperhaltungen (Asanas).
Den Tag aktiv begrüßen
Der Sonnengruß weckt die Energien von Körper und Geist, indem er Muskeln und Kreislauf im Wechsel von Vorbeugen, Rückbeugen und Dehnen aktiviert. Der ganze Körper erwärmt sich spürbar. Nach einer Operation oder bei Infektionen ist die anregende Übungsfolge deshalb tabu. Einsteiger lassen sich am besten in einer Yoga-Klasse anleiten. Da manche Haltungen beim Sonnengruß ein gewisses Maß an Beweglichkeit voraussetzen, rät Bauer Untrainierten und Menschen mit Gelenkproblemen, mit sanfteren Varianten zu beginnen. Die klassische Abfolge des Sonnengrußes (Fotoserie in den folgenden Kapiteln) demonstriert die Yogalehrerin kurz vor Sonnenaufgang auf einem Steg am oberbayerischen Wörthsee.
Ute Essig / Apotheken Umschau;
30.06.2009, aktualisiert am 07.01.2010
Fotolia/Solovieva Ekatarina/2009
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