Da Hormone und Organfunktionen auch nachts einem bestimmten Muster folgen, kann nahezu jede Störung in diesen Bereichen die unterschiedlichen Schlafphasen beeinträchtigen und umgekehrt. Entsprechend ereignen sich Notfälle wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Asthmaattacken häufig nachts oder in den frühen Morgenstunden. Bei einigen Erkrankungen gehört die Schlafstörung zu den Leitsymptomen selbst, bei anderen sind es die typischen Beschwerden, die dann wiederum die Nachtruhe unterbrechen, etwa häufiger Harndrang bei Blasen- und Prostataleiden oder Schmerzen und Fieber bei Infekten und Gelenkerkrankungen.
Kurze Erläuterungen finden Sie hier beispielhaft zu folgenden Krankheitsgruppen:
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Im Laufe der Nacht verlangsamt sich der Herzschlag und der Blutdruck sinkt. Jedes Aufwachen, sei es bewusst oder unbewusst durch nächtliche Atemaussetzer etwa, treibt Herzschlag und Blutdruck in die Höhe. Ein solches Auf und Ab belastet das Herz und kann schließlich zu einem beständigen Bluthochdruck führen, der seinerseits für nächtliche Unruhe sorgt. Es besteht eine häufige Beziehung zwischen Bluthochdruck und obstruktiver Schlafapnoe (siehe dort).
Herzrhythmusstörungen belasten die Funktion des Herzens auch nachts, so dass es immer wieder verstärkt arbeiten muss, um wieder in seinen natürlichen Takt zu kommen. Der Körper schüttet dabei vermehrt Stresshormone aus, die ebenfalls die Nachtruhe beeinträchtigen. Eine Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) vermindert die Leistungskraft des Pumporgans. Dadurch gelangt weniger Blut in die Gefäße. Das hat eine Unterversorgung zur Folge, die zu Weckreaktionen führen kann, um das Herz zu mehr Leistung anzuregen. Bei einer Rechtsherzinsuffizienz oder schweren Insuffizienz des gesamten Herzens lagert sich durch den Blutrückstau in den Körpergeweben vermehrt Flüssigkeit ein. Im Liegen scheidet der Körper diese wieder besser ausscheiden. Der daraus entstehende Harndrang sorgt für zusätzliche nächtliche Toilettengänge, ebenfalls auftretende Kurzatmigkeit behindert das Ein- und Durchschlafen. Menschen, die an einer chronischen Herzinsuffizienz leiden, sind zudem mehr gefährdet, eine Schlafapnoe zu entwickeln (siehe dort).
Das gilt auch für eine koronare Herzkrankheit. Hier sind die Arterien verengt, so dass das Herz weniger Blut und damit weniger Sauerstoff erhält. Ein riskanter Kreislauf entsteht, wenn die Betroffenen gleichzeitig an einer Schlafapnoe leiden, bei der der Sauerstoffgehalt im Blut durch die Atemaussetzer immer wieder kurzfristig abfällt.
Symptome: Im Vordergrund stehen die typischen Anzeichen des jeweiligen Herzleidens. Das können Kurzatmigkeit bei körperlicher Aktivität oder auch im Liegen, innere Unruhe, Herzrhythmusstörungen mit Herzrasen oder -stolpern, Herzschmerzen, Wasseransammlungen in den Beinen, Engegefühle in der Brust, Angstgefühle, Schwindel sein. Auch bläuliche Lippen und Fingernägel weisen auf eine mangelnde Herzleistung hin. Dazu treten Ein- und Durchschlafstörungen auf. Bluthochdruck äußert sich anfangs nur durch geringe oder keine Beschwerden. Hier können sonst unerklärliche Schlafprobleme ein Hinweis sein.
Diagnose: Wenn die Herzerkrankung noch nicht bekannt ist, wird der Arzt sie im Rahmen der körperlichen Untersuchungen feststellen. Er wird den Blutdruck kontrollieren, das Herz abhören und ein Elektrokardiogramm (EKG) sowie meist auch ein Belastungs-EKG durchführen lassen. Besteht der Verdacht auf eine Herzrhythmusstörung, einen Herzfehler oder eine Herzmuskelschwäche, können ein Langzeit-EKG, Blutuntersuchungen und eine Echokardiographie, eine Ultraschalluntersuchung des Herzens, angezeigt sein. Weitere Untersuchungsverfahren sind eine Herzkatheteruntersuchung, etwa um verengte Herzkranzgefäße aufzudecken und gegebenenfalls zu behandeln, oder spezielle Verfahren der Kernspintomographie.
Liegt aufgrund der Krankengeschichte und der Symptome der Verdacht nahe, dass der Patient gleichzeitig an einer Schlafapnoe leidet, wird der Arzt diesem nachgehen. Hilfreiche Hinweise kann hier eine Polygrafie im Rahmen eines ambulanten Schlafapnoe-Screenings geben. Dazu legt sich der Patient, ähnlich wie bei einem Langzeit-EKG, nachts ein kleines, tragbares Gerät an, das Körperlage, Atmung und Atembewegungen mit Brust und Bauch, Sauerstoffsättigung des Blutes sowie Schnarchgeräusche zu Hause aufzeichnet (siehe Kapitel „Schlafapnoe“).
Therapie: Die Behandlung richtet sich nach der Grunderkrankung. Das können Medikamente oder weitere therapeutische Maßnahmen sein, wie eine Bypass- oder Umgehungsoperation, das Einsetzen eines Herzschrittmachers. Liegt eine Schlafapnoe vor, wird auch diese entsprechend behandelt (siehe dort). Dadurch können sich auch Blutdruck und Herzfunktion verbessern. Eine gesunde Lebensweise unterstützt die Therapie wesentlich und hilft damit auch, die Schlafprobleme zu vermindern.
Hier erfahren Sie mehr zu Bluthochdruck, Herzmuskelentzündung, Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche (Herzmuskelschwäche, Herzinsuffizienz), koronare Herzkrankheit.
Atemwegserkrankungen
Ausreichend Sauerstoff, den sich der Körper über die Luft holt, ist wesentlich für eine entspannte Nachtruhe. Alles, was die Sauerstoffaufnahme über die Lunge behindert, stört auch den Schlaf. Das können eine verstopfte Nase bei einer Erkältung, eine Nasennebenhöhlenentzündung, eine Bronchitis, eine Lungenentzündung oder Bronchialasthma sein. Die mit einer akuten oder chronischen Lungenerkrankung verbundene Atemnot sowie mögliche Hustenanfälle hindern die Betroffenen am Ein- und Durchschlafen. Asthmaanfälle treten oft gegen Morgen auf, wenn die REM-Phasen häufiger sind (siehe dazu auch Kapitel „Warum Schlaf so wichtig ist“).
Symptome: Ein- und Durchschlafstörungen, morgendliches Erwachen, Atemnot, Kurzatmigkeit. Bei Bronchitis oder Lungenerkrankungen: Husten mit Auswurf oder trockener Reizhusten, Schwindelgefühle, Schmerzen im Brustbereich, eventuell Fieber; bei Asthma häufig morgendliche Asthmaanfälle. Auf Probleme in den Nasennebenhöhlen weisen Dauerschnupfen, Husten im Liegen, Kopfschmerzen, Druckgefühl im Nasen- und Ohrenraum, Abgeschlagenheit hin.
Diagnose: Wenn Sie über den Rahmen einer üblichen Erkältung hinaus mit Husten und Schnupfen zu tun haben, wird der Hausarzt Sie, nachdem der die Lunge abgehört und den Nasen-Rachenraum beurteilt hat, gegebenenfalls an einen Hals-Nasen-Ohren- bzw. einen Lungenfacharzt/Allergologen überweisen. Je nach Verdacht können Röntgenaufnahmen von den Nebenhöhlen bzw. von der Lunge, eine Laboruntersuchung von Nasen- oder Bronchialsekret, ein Lungenfunktionstest, falls notwendig, auch weitere HNO-ärztliche Untersuchungen, eventuell spezielle Allergietests die Diagnose sichern.
Therapie: Sie richtet sich nach der Grunderkrankung. Häufig umfasst die Behandlung von Atemwegserkrankungen Lösungen und Medikamente zum Inhalieren, etwa entzündungshemmende sowie bronchienerweiternde bei Bronchialasthma, Tabletten zum Lutschen oder Schlucken, Wärmeanwendungen oder gegebenenfalls eine Hyposensibilisierungsbehandlung. Gegen durch Bakterien verursachte Entzündungen sind mitunter Antibiotika angezeigt. Auch hier gilt es, die Atemfunktion durch eine gesunde Lebensweise mit angepasster körperlicher Bewegung zu stärken. Mit der Therapie bessern sich dann in der Regel auch die Schlafstörungen.
Hier erfahren Sie mehr zu Asthma bronchiale, akuter Bronchitis, chronischer Bronchitis, Lungenembolie, Lungenentzündung, Lungenkrebs
Magenleiden
Ein häufiger Grund für einen gestörten Schlaf in den frühen Morgenstunden ist Sodbrennen im Rahmen einer Refluxkrankheit. Um diese Zeit treten die REM-Schlafphasen (siehe Kapitel „Warum Schlaf so wichtig ist“) häufiger auf, in denen der Magen mehr Säure bildet. Diese fließt dann, wenn die Betroffenen liegen, in die Speiseröhre zurück und verursacht ein schmerzhaftes Brennen. Viele, die darunter leiden, haben morgens mitunter auch verstärkt Hustenanfälle. Ein Magengeschwür löst ebenfalls um die Morgenzeit stärkere Schmerzen aus, da die erkrankte Magenschleimhaut dann selbst empfindlicher gegenüber der aggressiven Säure ist.
Symptome: Probleme beim Einschlafen durch Magendruck, Magenschmerzen, Husten. Aufwachen am frühen Morgen durch Magenschmerzen, Sodbrennen, oft verbunden mit saurem Aufstoßen, Hustenattacken mit Auswurf, Schmerzen in der Brustbeingegend. Eventuell Übelkeit, Erbrechen.
Diagnose: Wenn die Symptome auf ein Magenproblem hindeuten, wird der Arzt nach einer Erstuntersuchung weitere Untersuchungen veranlassen wie verschiedene Laboruntersuchungen. Je nach Verdacht wird er seinen Patienten an einen Facharzt für Magen-Darm-Krankheiten (Gastroenterologe) überweisen, der eine Magenspiegelung (Gastroskopie) sowie nötigenfalls weitere Untersuchungen durchführt.
Therapie: Mit der Behandlung der Grunderkrankung bessern sich in der Regel auch die Schlafstörungen. Eine angepasste, gesunde Ernährung, Stressabbau, Entspannung sowie gegebenenfalls säurehemmende Medikamente (Protonenpumpenhemmer) und bei entsprechendem Nachweis Antibiotika gegen das Bakterium Helicobacter pylori kommen vor allem bei Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüren zum Einsatz.
Hier erfahren Sie mehr zu Sodbrennen, chronischer Gastritis, Magengeschwüren.
Schmerzhafte Gelenk- und Muskelerkrankungen
Alle Erkrankungen, die mit Schmerzen verbunden sind, stören den Schlaf. Dazu gehört das ganze Spektrum von inneren und äußeren Verletzungen, auf die hier nicht weiter eingegangen wird. Sehr häufige Schlafstörer sind Rückenschmerzen, Muskelverspannungen, chronische Gelenkerkrankungen wie entzündliches Rheuma (rheumatoide Arthritis), die Bechterew-Erkrankung – hier sind tiefliegende Rückenschmerzen in den frühen Morgenstunden typisch und oft richtungweisend – oder Verschleißerkrankungen der Gelenke (Arthrose), Sehnenentzündungen sowie Tumoren in Knochen und Gelenken. Einige Medikamente zur Behandlung von entzündlichen Gelenkerkrankungen können allerdings ebenfalls zu Schlafstörungen führen.
Symptome: Gelenk- und Muskelschmerzen können die Betroffenen schon am Einschlafen hindern oder nachts wecken, wenn zum Beispiel das erkrankte Gelenk beim Liegen in eine ungünstige Position gerät. Dazu kommen die typischen Beschwerden des jeweiligen Krankheitsbildes wie kurz anhaltende Morgensteife in den Gelenken bei Arthrose, Anlaufschmerzen, eingeschränkte Beweglichkeit, Schwellungen am Gelenk. Bei einer rheumatoiden Arthritis hält die Morgensteifigkeit länger an. Dazu können entzündliche Schwellungen, Kraftlosigkeit, Müdigkeit und Fieber kommen. Bei der Bechterew-Erkrankung führen oft Kreuzschmerzen morgens zu verfrühtem Aufwachen. Das sind nicht selten die ersten kennzeichnenden Beschwerden.
Diagnose und Therapie: Weist die Krankengeschichte auf eine Gelenkerkrankung hin, wird der Arzt die jeweiligen Untersuchungsschritte einleiten. Nach gesicherter Diagnose ist die Behandlung auf die Grunderkrankung ausgerichtet. Bereiten die Schlafstörungen Probleme, wird der Arzt auch bei der Wahl der Medikamente, etwa bei einer Arthritis, darauf achten, einen Wirkstoff einzusetzen, der nicht seinerseits die Schlafprobleme verstärkt, bzw. passende Kombinationen verordnen.
Hier erfahren Sie mehr zu Rückenschmerzen, rheumatoider Arthritis, Arthrose des Hüftgelenks, des Kniegelenks, der Hand- und Fingergelenke.
Fibromyalgie
Ein weiteres Krankheitsbild, das mit Muskel- und Gelenkschmerzen einhergeht, ist das Fibrositis-Syndrom oder Fibromyalgie. Seelische Belastungen spielen bei dieser körperlichen Erkrankung eine vorherrschende Rolle. Die genaue Ursache ist jedoch noch nicht geklärt. Sie tritt in manchen Familien gehäuft auf. Betroffen sind wesentlich mehr Frauen als Männer. Dem Fibromyalgie-Syndrom ordnen Mediziner auch die chronische Müdigkeit (Fatique) zu.
Symptome: Die Betroffenen haben chronische Schmerzen in bestimmten Bereichen, etwa im Rücken, im Nacken, in der Schulter, in den Armen oder Beinen. Oft kommen Schwellungen und Morgensteifigkeit dazu. Schlafstörungen, vor allem Ein- und Durchschlafstörungen, gehören mit zu den vorherrschenden Symptomen. Die Kranken fühlen sich am Tage ständig erschöpft, können aber abends trotz ihrer Müdigkeit nicht einschlafen. Weitere Beschwerden sind Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme sowie häufig depressive Verstimmung.
Diagnose: Eine krankhafte körperliche Veränderung, wie etwa Rheuma, ist bei labormedizinischen Untersuchungen oder in bildgebenden Verfahren nicht nachzuweisen. Hinweise geben dem Arzt die sogenannten Tender-Points, 18 festgelegte Punkte an verschiedenen Körperstellen, die auf längeren Druck mit Schmerzen reagieren. Letztlich sind es umfassende psychologische Diagnoseverfahren, mit deren Hilfe sich die Erkrankung feststellen lässt.
Therapie: Die Behandlung umfasst stets die körperliche, die soziale und die psychische Seite. Dazu gehören umfassende Strategien zur Schmerzbewältigung, Entspannungstechniken, Bewegungstraining, psychotherapeutische Unterstützung. Gegen die Schlafprobleme setzen die Ärzte bevorzugt Antidepressiva ein, die das Ein- und Durchschlafen erleichtern, ohne abhängig zu machen wie andere Schlafmittel (siehe auch Kapitel „Medikamente“). Weitere Medikamente, etwa Schmerzmittel, wählt der Arzt nur jeweils nach Bedarf und sehr gezielt aus.
Hier erfahren Sie mehr zu Fibromyalgie.
Kopfschmerzen, Migräne
Bestimmte Kopfschmerzformen und Migräneattacken treten häufig nachts während einer der Schlafphasen auf, und zwar häufig im REM-Schlaf. Migräne kann zudem die Tiefschlafphasen stören. Besonders empfindlich reagieren Menschen, die an Migräne leiden, auf einen Wechsel in ihrem Schlaf-Wach-Rhythmus. Wer unter der Woche kürzer schläft und früher aufsteht, dafür am Wochenende lang schlafen will, hat oft verstärkt mit Migräneanfällen zu kämpfen. Sind die Nächte dagegen regelmäßig lang oder kurz, bessert das eher die Beschwerden. Experten sind sich weitgehend einig, dass Migräne vom zentralen Nervensystem ausgeht und dabei Nervenbotenstoffe wie das Serotonin eine Rolle spielen. Der Energieaustausch zwischen den Nervenzellen ist störanfälliger, und das natürlich auch im Schlaf. Eine familiäre Veranlagung ist wahrscheinlich.
Symptome: Durchschlafstörungen und zu frühes Aufwachen durch heftige Kopfschmerzen, die oft unvermittelt nachts oder gegen Morgen einsetzen. Bei einer Migräne können Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit sowie einseitige Gefühlsstörungen, etwa im Gesicht oder an den Händen, dazukommen.
Diagnose: Das Beschwerdebild gibt dem Arzt wesentliche Hinweise, ob es sich um Spannungskopfschmerzen, Cluster-Kopfschmerz oder eine Migräne handelt. Er wird eine eingehende körperliche Untersuchung durchführen. Häufig veranlasst er auch Untersuchungen bei einem Nervenarzt (Neurologen), zum Beispiel ein Elektroenzephalogramm, das die Hirnströme aufzeichnet. Bei Bedarf wird der Neurologe weitere Untersuchungen durchführen, bzw. veranlassen, etwa eine Ultraschalluntersuchung der gehirnversorgenden Gefäße (Farbduplex-Sonografie) und je nach Verdacht weitere bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie (siehe auch unten „Neurologische Erkrankungen“).
Therapie: Die Behandlung richtet sich nach der Kopfschmerzart. Ziel ist eine nachhaltige Schmerzbewältigung, die neben einer Verhaltenstherapie auch den jeweils angemessenen Einsatz von Medikamenten mit einschließt. Entspannungstechniken und eine gesunde Lebensweise unterstützen die therapeutischen Maßnahmen und helfen zusätzlich, die Schlafprobleme zu bessern (siehe auch Kapitel „Therapie und Selbsthilfe“). Da einige Migränemittel auch zu Schlafstörungen führen können, wird der Arzt seine Verordnungen entsprechend anpassen.
Hier erfahren Sie mehr zu Kopfschmerzen und Migräne.
Neurologische Erkrankungen
Im Schlaf sind die Nervenzellen (Neuronen) im Gehirn höchst aktiv und übernehmen wesentliche Funktionen. Vorübergehende Irritationen oder chronische Erkrankungen stören somit auch den Ablauf der Schlafphasen. Nervenerkrankungen rufen häufig Insomnien hervor. Die Mehrheit der Parkinson-Kranken leidet unter Schlafproblemen. Ebenso treten bei anderen, selteneren Erkrankungen, bei denen Nervenzellen im Gehirn zugrunde gehen, Schlafstörungen auf. Mediziner zählen auch Entzündungen des Gehirns, wie die Multiple Sklerose, oder Hirntumoren zu weiteren möglichen Auslösern. Krankheitsbilder, die Nerven und Muskeln betreffen, führen zu einer fortschreitenden Muskelschwäche. Zu diesen neuromuskulären Erkrankungen gehören sogenannte Muskeldystrophien oder Muskelatrophien. Nachts kommt es dann verstärkt zu Atemproblemen, da die zuständigen Muskelfunktionen eingeschränkt sind.
Psychosomatische Erkrankungen wie Tinnitus, denen fehlgesteuerte Nervensignale zugrunde liegen, lassen die Betroffenen häufig nachts nicht zur Ruhe kommen.
Inzwischen werden auch sogenannte primäre Insomnien, die entweder auf einer falschen Einschätzung des eigenen Schlafs beruhen oder für die keine Ursachen zu finden sind, als neurologische Erkrankungen eingestuft.
Symptome: Ein- und Durchschlafstörungen sowie zu frühes Aufwachen, häufig aufgrund nächtlicher Bewegungsstörungen, zum Beispiel der Beine, durch Atemnot, Muskelschmerzen und -krämpfe. Parkinson-Kranke wachen zum Beispiel immer wieder aus dem Tiefschlaf auf, weil sie sich wegen mangelnder Beweglichkeit nicht umdrehen können. Sie schwitzen nachts vermehrt und haben oft Probleme mit der Blase. Verspannungsschmerzen hindern sie häufig am Einschlafen. Neben den für die einzelnen Krankheitsbilder typischen Symptomen, wie unterschiedliche Bewegungsstörungen, kommen meist erhöhte Tagesmüdigkeit, Konzentrationsprobleme, depressive Verstimmungen dazu. Begleitende Depressionen und Angstzustände verstärken die Schlafstörungen oft noch zusätzlich.
Diagnose und Therapie: Der Hausarzt wird seinen Patienten an einen Neurologen überweisen, wenn der Verdacht auf eine Erkrankung des Gehirns bzw. einer neuromuskulären Problematik besteht. Eingehende neurologische Untersuchungen, dazu gehören vor allem bildgebende Verfahren, festigen die Diagnose. Die Behandlung richtet sich nach der Grunderkrankung. Innerhalb der individuellen Behandlungsstrategien wird der Arzt bestehende Schlafprobleme berücksichtigen. Teilweise setzt er Antidepressiva ein, die auch die Schlafqualität verbessern.
Hier erfahren Sie mehr zu Parkinson, Multiple Sklerose, Hirntumoren, Tinnitus
Schlaganfall: Bei einem Hirninfarkt wird durch erkrankte, „verstopfte“ oder gerissene Blutgefäße bzw. andere Störungen die Durchblutung in einem Gehirnareal behindert bzw. unterbunden. Die betroffenen Nervenzellen leiden unter akutem Sauerstoff- und Nährstoffmangel oder sind durch Einblutungen in ihrer Funktion behindert. Je nach Ausmaß des Schadens sind unterschiedliche Körperfunktionen beeinträchtigt. Vor allem Atmungsstörungen lassen die Betroffenen nachts schlechter schlafen. Viele leiden an Schlafapnoe (siehe dort), die ihrerseits ein Risikofaktor für Schlaganfälle sowie Herzinfarkte ist. Die Atemprobleme nach einem Schlaganfall treten dann durch Lähmungserscheinungen oder Funktionseinbußen an den zuständigen Muskeln auf.
Ein Schlaganfall ist ein Notfall, der sofort im Krankenhaus, am besten in einer Klinik mit einer Schlaganfallstation (Stroke Unit), behandelt werden muss. Die weitere Diagnose und Therapie folgt den entsprechenden Richtlinien und wird individuell auf die Erfordernisse des Erkrankten ausgerichtet.
Hier erfahren Sie mehr über Warnzeichen, Diagnose und Therapie eines Schlaganfalls.
Hormonstörungen, Stoffwechselerkrankungen
Hormone beeinflussen unseren Schlaf-Wach-Rhythmus maßgeblich. Hormonelle Schwankungen und Störungen wirken sich deshalb oft deutlich auf die Schlafqualität aus.
Hormonschwankungen: Frauen schlafen öfter in den Wechseljahren schlechter, wenn die Veränderungen im Hormonhaushalt sich auch in körperlichen sowie seelischen Beschwerden bemerkbar machen. Einige leiden unter nächtlichen Schweißausbrüchen, innerer Unruhe, depressiven Verstimmungen. Aber auch jüngere Frauen haben manchmal um die Menstruation und in der Schwangerschaft mit Schlafproblemen zu tun. Solche Schlafstörungen gehen in der Regel vorbei und lassen sich gut mit einer gesunden, schlaffreundlichen Lebensweise in den Griff bekommen (siehe dazu Kapitel „Therapie und Selbsthilfe“).
Schilddrüsenüberfunktion: Schlafstörungen gehören zu den typischen Symptomen einer Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose). Die Schilddrüse produziert für unseren Körper wesentliche Hormone, die für viele Abläufe im Organismus unentbehrlich sind. Sie beeinflussen unter anderem auch das zentrale Nervensystem, das Herz-Kreislauf-System, die Verdauung, die Psyche und vieles mehr. Bei einer Überfunktion bildet die Schilddrüse zu viel Schilddrüsenhormone.
Symptome: Neben Schlaflosigkeit sind weitere kennzeichnende Beschwerden innere Unruhe und Rastlosigkeit, wechselnde Stimmungen, Gereiztheit, schneller Pulsschlag, manchmal Herzjagen und Herzstolpern, Magen-Darm-Probleme wie Neigung zu Bauchschmerzen, Durchfall, oft körperliche Unruhe, Händezittern, Schwäche in den Muskeln, Abneigung gegen Wärme, Haarausfall. Dazu kommt Heißhunger bei gleichzeitiger Gewichtsabnahme.
Diagnose und Therapie: Nach der Krankengeschichte erhält der Arzt ersten Aufschluss durch eine Blutuntersuchung. Gegebenenfalls folgen weitere Untersuchungen wie Ultraschallaufnahmen oder eine Schilddrüsenszintigrafie. Mit der Therapie der Schilddrüsenstörung, in der Regel mit Medikamenten, die die Hormonproduktion normalisieren, bessern sich auch die Schlafprobleme.
Hier erfahren Sie mehr über Schilddrüsenüberfunktion.
Andrea Blank-Koppenleitner / www.apotheken-umschau.de;
29.10.2009, aktualisiert am 21.05.2012
Bildnachweis: Ingram/ RYF
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