Gespräch mit der Ärztin: Sie will mehr über die Schlafgewohnheiten des Patienten wissen. Auch die Partnerin kann wichtige Informationen geben
Die internationale Klassifikation der Schlafstörungen (ICSD, International Classification of Sleep Disorders) teilt Schlafstörungen in verschiedene Gruppen und Schweregrade von leicht bis schwer ein. Die Einordnungen werden regelmäßig den neuesten Erkenntnissen aus der Schlafforschung angepasst (siehe dazu auch das Übersichtskapitel). Sie geben dem Arzt hilfreiche Instrumente an die Hand, wenn es darum geht, eine Schlafstörung zu diagnostizieren. Im Vordergrund steht für ihn jedoch, was der Patient berichtet, wie er seine Schlafprobleme wahrnimmt, in welcher Form sein Alltag dadurch beeinträchtigt wird und welche Beschwerden er sonst noch hat.
Allerdings haben nicht wenige Menschen zwar den subjektiven Eindruck, schlecht oder zu wenig zu schlafen, fühlen sich aber tagsüber körperlich und geistig fit. Das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit am Tag sind wichtige Kriterien für den Arzt, wenn er eine Schlafstörung beurteilen soll. So bezeichnen Schlafexperten inzwischen Schlafstörungen auch korrekter als den „Nicht erholsamen Schlaf“. Denn gibt es auf der anderen Seite Menschen, die Störungen ihres Schlafs nicht wahrnehmen, also das Gefühl haben, normal zu schlafen. Am Tage sind sie jedoch unausgeschlafen und leiden unter Konzentrations- und Leistungsschwächen.
Um Schlafgewohnheiten und Beschwerden noch genauer erfassen zu können, hilft es vielen Betroffenen, ein Schlaftagebuch zu führen und über eine oder mehrere Wochen Schlafgewohnheiten und -erfahrungen aufzuschreiben. Die Fragenliste des Arztes liefert dafür wesentliche Anhaltspunkte.
Der Krankengeschichte, die der Arzt erfragt, falls sie ihm noch nicht vertraut ist, folgt meist eine eingehende körperliche Untersuchung, um eventuell noch unbekannten Gesundheitsproblemen auf die Spur zu kommen, wie etwa einem Bluthochdruck oder anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einer Gefäßverkalkung (Arteriosklerose), Atemwegsbeschwerden, oder Magenleiden. Es schließen meist auch Blut- und gegebenenfalls Urintests an, um zum Beispiel mögliche Schilddrüsenstörungen oder Nierenleiden zu erkennen. Ein Elektrokardiogramm (Messung der Herzstromkurve) sowie Ultraschalluntersuchungen geben Aufschluss über die Funktion des Herzens sowie anderer innerer Organe, etwa der Leber, und den Zustand wichtiger Gefäße.
Je nach Ergebnis der Untersuchungen wird der Hausarzt seinen Patienten möglicherweise an einen Facharzt, einen Internisten, Lungenfacharzt, Hals-Nasen-Ohren-Arzt, Diabetologen oder einen Hormon- und Drüsenspezialisten, einen Endokrinologen, überweisen. Für Probleme im Bereich der Nerven und des Gehirns ist ein Neurologe zuständig. Vermutet der Arzt eine psychische Erkrankung hinter den Schlafproblemen, sollte ein Psychotherapeut bzw. ein Psychiater der nächste Ansprechpartner sein.
Die meisten Auslöser für eine Insomnie kann der Arzt durch eingehende Befragung und die üblichen körperlichen Untersuchungen klären. Sollte er den Verdacht haben, dass eine andere, innere Schlafproblematik hinter den Beschwerden steckt, so zum Beispiel eine Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus, eine Schlafapnoe oder eine Bewegungsstörung wie das Restless-Legs-Syndrom, wird er es mitunter für sinnvoll halten, den Betroffenen in ein Schlaflabor zu überweisen. Universitätskliniken und große spezialisierte Krankenhäuser verfügen teilweise über schlafmedizinische Abteilungen mit entsprechenden Untersuchungseinrichtungen.
Ein Schlaflabor besteht aus Schlafräumen, die mit einem Untersuchungszimmer verbunden sind. Der Patient bleibt in der Regel für drei Nächte. Er wird an verschiedene Messgeräte angeschlossen, die sich im Untersuchungszimmer befinden, und mit deren Hilfe ein Polysomnogramm erstellt wird (siehe auch Bild). Aufgezeichnet werden unterschiedliche Organaktivitäten wie die Gehirnströme (Elektroenzephalogramm, EEG), die Augenbewegungen, um den REM-Schlaf einzuordnen (Elektrookulogramm, EOG), die Herztätigkeit (Elektrokardiogramm, EKG), die Muskelaktivitäten an den Beinen und am Kinn (Elektromyogramm, EMG), die Atmung durch die Nase, eventuelles Schnarchen, die Atembewegungen von Brustkorb und Bauch sowie die Sauerstoffsättigung des Blutes. Eine Videokamera hält fest, wie der Betroffene sich im Schlaf verhält. Neben solchen nächtlichen Messungen untersuchen die Ärzte die Körperfunktion noch einmal eingehend und führen auch psychologische Befragungen und Tests durch.
Ebenso können das Befinden den Tag über mit Tests und Befragungen sowie eine übermäßige Tagesschläfrigkeit (Hypersomnie) mit Hilfe eines multiplen Schlaflatenztests (MSLT) registriert und eingeschätzt werden.
Die Therapie von Schlafstörungen richtet sich einmal nach der Ursache. Es geht aber stets auch darum, die Schlaf- und Lebensgewohnheiten so zu verbessern, dass Schlafen und Wachen in ihrem natürlichen Rhythmus ablaufen können und ein möglichst hohes Maß an Erholung bringen (siehe dazu letztes Kapitel „Therapie und Selbsthilfe“). In den folgenden Kapiteln erfahren Sie etwas mehr über die wichtigsten Ursachen für unruhige Nächte.
Andrea Blank-Koppenleitner / www.apotheken-umschau.de;
29.10.2009, aktualisiert am 21.05.2012
Bildnachweis: BrandXPictures/ RYF
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