Schlafstörungen

Schlecht einschlafen, nicht durchschlafen, morgens zu früh aufwachen, schnarchen, nachts nach Luft ringen, mit kribbelnden Beinen auf und ab gehen, am Tage immer wieder wegdösen – Schlafprobleme haben viele Gesichter und zahlreiche Ursachen

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 08.11.2016

Unruhige Nächte: Zu viel Kaffee, Stress, Schmerzen – finden Sie Ihre Schlafstörer

Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY

Was ausreichend Schlaf uns alles Gutes tut, darüber sammeln Wissenschaftler immer wieder neue Erkenntnisse. Im Schlaf lernen – denn unser Gehirn schafft nachts nicht nur Ordnung, sondern verarbeitet frisch Aufgenommenes intensiver. Im Schlaf abnehmen – wer nicht zu wenig und nicht zu viel schläft, speckt leichter ab. Im Schlaf jung und schön bleiben – das wussten schon unsere Großmütter. Zu geistiger und körperlicher Fitness kommen als Pluspunkte des guten Schlafes ein gestärktes Immunsystem, seelische Ausgeglichenheit, bessere Organ- und Stoffwechselfunktionen.

Schön und gut, aber nicht für uns, werden sich angesichts solcher Berichte rund ein Drittel der Deutschen sagen. Sie leiden an Schlafstörungen und wollen einfach nur einmal wieder richtig schlafen: Nicht zu wenig und nicht zu viel, gleich einschlafen, ohne Unterbrechungen durchschlafen, ausgeruht morgens aufwachen, konzentriert, aktiv und gut gelaunt ihren Tag gestalten. Zu viele Menschen nehmen jedoch ihre unzureichende Nachtruhe als gegeben hin oder versuchen, mit Schlafmitteln selbst dagegen anzugehen – oft ohne dauerhaften Erfolg oder mit nur noch stärker werdenden Schlafproblemen. Denn für Schlafstörungen gibt es viele unterschiedliche Ursachen. Deshalb gilt es, diesen auf die Spur zu kommen. Mit der richtigen Diagnose lassen sich auch meistens wirksame Therapien finden.


Gelegentliche unruhige Nächte kennt fast jeder Mensch. Stress, beruflicher Ärger, private Probleme, Reisefieber, freudige Erwartung vor einem wichtigen Ereignis wirken bis weit in die Nacht hinein. Aber auch eine Erkältung oder ein juckender Ausschlag lassen uns immer wieder einmal schlecht schlafen. Es kann auch einfach nur die alte, ausgelegene Matratze sein oder die neue Straßenlampe vor dem Schlafzimmerfenster, die für nächtliche Unruhe sorgt. Der Infekt heilt aus, auch mit Hilfe des Schlafs, die Aufregung legt sich, eine neue Bettauflage entlastet den Rücken.

Dann finden viele wieder in ihren gewohnten Schlafrhythmus zurück. Der ist allerdings von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. So wie es Frühaufsteher und Nachtmenschen gibt, ist auch die Schlafmenge, die jemand braucht, um untertags fit zu sein, individuell verschieden.

Schlafprobleme: Wann zum Arzt?

Jeder, der schlecht schläft, sollte aufmerksam werden. Lassen sich für akut auftretende Schlafprobleme keine greifbaren Auslöser wie Stress oder ein Infekt finden, ist es wichtig, anderen möglichen Ursachen nachzugehen, vor allem, wenn die Schlafstörungen länger anhalten. Wenn Sie seit über einem Monat drei Nächte oder mehr in der Woche keinen durchgehenden, erholsamen Schlaf finden und sich tagsüber müde und kraftlos oder auch nervös und gereizt fühlen, sprechen Mediziner in der Regel von chronischer Schlafstörung. Auch wenn Sie selbst den Eindruck haben, gut zu schlafen, aber unter starker Tagesmüdigkeit leiden, ist das häufig ein Hinweis auf eine gestörte Nachtruhe.

Formen und Ursachen von Schlafstörungen

Der Arzt wird zunächst abklären, wie sich Ihre Schlafstörung äußert. Die meisten Betroffenen, die über schlechten Schlaf klagen, leiden an einer Insomnie, an Schlaflosigkeit, die durch zu wenig Schlaf gekennzeichnet ist. Sie haben Schwierigkeiten, einzuschlafen und/oder wachen nachts ein oder mehrmals auf. Dann liegen sie mitunter lange Zeit wach. Andere schlafen erst einmal fest, werden dann aber früh morgens unruhig und können keinen Schlaf mehr finden.

Anhaltend unterbrochene oder verkürzte Nächte können Ausdruck einer sogenannten sekundären Insomnie sein, die konkrete Ursachen hat. Falsche Schlafgewohnheiten und äußere Störfaktoren kommen als Auslöser infrage. Vielfach stecken auch körperliche, neurologische oder psychische Erkrankungen dahinter. Die Schlafstörung ist dabei einmal Symptom für bestimmte Krankheiten. Andererseits kann Schlafmangel diese aber auch fördern, wie etwa Bluthochdruck oder Depressionen. Nur selten lassen sich für die Schlaflosigkeit keine Ursachen finden (primäre Insomnie). Mediziner stellten jedoch fest, dass dann häufig Sorgen, die sich auf den Schlaf beziehen, tatsächlich zu gestörter Nachtruhe führen.

Hauptursachen für Insomnien

  • Lebensgewohnheiten, Genussmittel wie Kaffee, Alkohol, Rauchen
  • Schlafumgebung
  • Störungen im Schlaf-Wach-Rhythmus durch Jet lag, Schichtarbeit

(Mehr Informationen dazu im Kapitel "Lebenssituation, Schichtarbeit")

  • Medikamente, Schlafmittel

(Mehr Informationen dazu im Kapitel "Medikamente, Schlafmittel")

(Mehr Informationen dazu im Kapitel "Körperliche Erkrankungen")

(Mehr Informationen dazu im Kapitel "Depressionen, Ängste")

Weitere Formen und Ursachen gestörten Nachtschlafs

  • Atmungsstörungen wie Schnarchen und nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe)

(Mehr Informationen dazu im Kapitel "Schnarchen, Schlafapnoe")

  • Bewegungsstörungen wie ruhelose Beine (Restless-Legs-Syndrom)

(Mehr Informationen dazu im Kapitel "Restless Legs")

  • Schlafsucht (Narkolepsie)
  • Nächtliche Ereignisse im Schlaf (Parasomnien) wie Schlafwandeln, Angstzustände, Einnässen, Zähneknirschen

(Mehr Informationen dazu im Kapitel "Narkolepsie, Parasomnien")

Schnarcher und Menschen, die nachts längere Atemaussetzer haben, fühlen sich dadurch oft nicht bewusst in ihrem Schlaf gestört, umso mehr allerdings ihre Mitschläfer. Die eigene Schlafqualität leidet jedoch erheblich, vor allem bei einer Schlafapnoe, die zu ernsthaften Gesundheitsproblemen führen kann.

Auch bei Parasomnien wachen die Betroffenen meist nicht auf, können durch ihre nächtlichen Aktivitäten jedoch sich selbst und andere gefährden. Neben Schlafwandeln zählen auch Zähneknirschen oder Einnässen zu diesen oft nicht wahrgenommenen Ruhestörern.

Das Syndrom der ruhelosen Beine, häufig mit dem englischen Begriff restless legs bezeichnet, gehört in die Reihe sogenannter schlafbezogener Bewegungsstörungen. Sobald die Betroffenen sich hinlegen, hindert ein unangenehmes Kribbeln in den Beinen sie am Einschlafen. Es bessert sich häufig erst, wenn sie aufstehen und umhergehen. Der Nachtschlaf wird auf diese Weise mehrfach unterbrochen. Weitere Probleme aus dieser Gruppe sind nächtliche Muskelzuckungen oder teils heftige Bewegungen der Gliedmaßen im Schlaf.

Ein erhöhtes Schlafbedürfnis am Tag, eine sogenannte Hypersomnie, ist eine oft kennzeichnende Folge solcher nächtlichen unbewusst oder bewusst erlebten Unterbrechungen. Unter Narkolepsie verstehen Mediziner ein extremes Schlafbedürfnis am Tag mit regelrechten Schlafattacken. Sie können mit weiteren Beschwerden wie plötzliche Muskelerschlaffung, Halluzinationen und einer gestörten Nachtruhe einhergehen.

Im Anschluss beantwortet unser Experte Professor Dr. med. Ulrich Voderholzer häufige Fragen zu Schlafstörungen. Mehr zu den möglichen Ursachen, zu Therapie und Selbsthilfe können Sie in den entsprechenden Kapiteln dieses Ratgebers nachlesen (siehe Übersicht oben am Anfang des Textes oder Kapitelleiste unten).

 


Fachliteratur für diesen Ratgeber

Herold G et al.: Innere Medizin, Herold 2012
Böhm M, Hallek M, Schmiegel W (Hrsg): Innere Medizin, begr. von Classen M, Diehl V, Kochsiek H, 6. Auflage, München Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 2009

Möller H-J, Laux, G, Deister, A: Psychiatrie und Psychotherapie, Thieme Verlag, 2009

Klinke R, Pape H-C, Kurtz A, Silbernagl S: Physiologie, Thieme Verlag, 2010

Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) – S3-Leitlinie: Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen, in: Somnologie – Schlafforschung und Schlafmedizin, Bd. 13, Supplement 1, 2009

Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Leitlinien:

– Insomnie

– Schlafbezogene Atmungsstörungen (SBAS) bei neurologischen Erkrankungen,

– Restless-Legs-Syndrom (RLS) und Periodic Limb Movement Disorder (PLMD),

– Narkolepsie,

in: Diener H-Ch, Weimar Ch (Hrsg.): Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie, 5. Auflage, Stuttgart Thieme Verlag, 2012

Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Schmerztherapie (DIVS) (Hrsg.): Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms, Leitlinie 04/2012, awmf-Register-Nr. 041004. Online: www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/041-004.html (Abgerufen am 18.06.2013)

Üceyler N, Sommer C et al.: Small fibers in fibromyalgia syndrome, in: Brain, Volume 136, Issue 6, Pp 1857-1867, doi:10.1093/brain/awt053, 2013

Knops M: Charakterisierung des phänotypischen und funktionellen Immunstatus bei Patienten mit Chronischem Erschöpfungssyndrom, Dissertation, Medizinische Fakultät Charité - Universitätsmedizin Berlin, Juni 2013. Online: http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000093928 (Abgerufen am 03.07.2013)

Podszus T et al.: Postionspapier "Schlafmedizin in der Kardiologie", in: Der Kardiologe 2009, Bd. 3, Berlin Heidelberg Springer Verlag, 2009

Penzel Th et al.: Schlafstörungen, Heft 27 aus der Reihe "Gesundheitsberichterstattungen des Bundes", Robert Koch-Institut, 2005

(www.apotheken-umschau.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten.)

Fachredaktion: Dr. med. Claudia Osthoff


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.



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