Schlaflabor

Im Schlaflabor analysieren Ärzte, wie ein Patient schläft und was seine Nachtruhe beeinträchtigt. So können sie Schlafstörungen diagnostizieren und die optimale Behandlung finden
von Ulrich Kraft, aktualisiert am 10.04.2017

Im Schlaflabor erfassen je nach Fragestellung zahlreiche Sensoren die Körperfunktionen während des Schlafs

Imago Stock & People/photo2000

Gut zu schlafen ist für unser körperliches und psychisches Wohlbefinden sehr wichtig. Jedoch hat in Deutschland jeder dritte Erwachsene gelegentlich Probleme mit dem Einschlafen, dem Durchschlafen oder mit beidem. Etwa jeder zehnte Erwachsene empfindet seine Nachtruhe sogar häufig oder dauerhaft als nicht erholsam und leidet damit unter einer chronischen Schlafstörung.

Um eine eventuelle Schlafstörung festzustellen und genauer zu analysieren, eignet sich eine Untersuchung im Schlaflabor. Über 300 dieser spezialisierten medizinischen Einrichtung gibt es derzeit in Deutschland. Während der Patient dort schläft – meist für zwei Nächte, manchmal auch für drei oder vier – werden verschiedene physiologische Funktionen wie Hirnströme, Beinbewegungen, Atmung, Herztätigkeit oder Sauerstoffsättigung des Blutes kontinuierlich gemessen und aufgezeichnet. Ein Experte für Schlafmedizin wertet dieses sogenannte Polysomnogramm aus und interpretiert die Ergebnisse. Aus diesen Daten kann er die Schlafqualität beurteilen, eine vorliegende Schlafstörung erkennen und Rückschlüsse auf deren Ursachen ziehen. Eine Untersuchung im Schlaflabor ist für den Patienten vollkommen schmerzfrei und mit keinerlei Nebenwirkungen verbunden.

Wie ist ein Schlaflabor aufgebaut?

Das Schlaflabor besteht aus speziell eingerichteten Zimmern beziehungsweise Kabinen, in denen die Patienten schlafen, sowie einem separaten Raum, der den Großteil der technischen Ausrüstung beherbergt und in dem sich das schlafmedizinische Personal aufhält.

Auch unruhige Beine im Rahmen des Restless-Legs-Syndroms können Grund für eine Untersuchung im Schlaflabor sein

Fotolia/Chlorophylle

Wann kommt eine Untersuchung im Schlaflabor in Frage?

Probleme beim Einschlafen, häufiges Aufwachen in der Nacht, ständige Müdigkeit am Tage, Schnarchen mit Unterbrechungen der Atmung – all das sind Beschwerden, die ein Grund für einen Gang ins Schlaflabor sein können. Allerdings ist die Untersuchung ziemlich aufwendig. Deshalb sollte sie erst dann erfolgen, wenn der Arzt eine Schlafstörung mit anderen Methoden wie der ausführlichen Befragung (Anamnese) seines Patienten oder ambulant durchführbaren Diagnoseverfahren nicht hinreichend einordnen kann.

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin hat 2009 in einer Leitlinie festgelegt (die derzeit überarbeitet wird), bei welchen Auffälligkeiten ein Patient zur Polysomnografie ins Schlaflabor überwiesen werden sollte:

  • Schwere Schlafstörungen, bei denen die Befindlichkeit und/oder die Leistungsfähigkeit am Tage deutlich beeinträchtigt ist
  • Chronische und therapieresistente Schlafstörungen, die sich trotz Behandlung über mehr als ein halbes Jahr nicht bessern
  • Dringender Verdacht auf eine organisch bedingte Schlafstörung wie beispielsweise ein Schlaf-Apnoe-Syndrom, eine Epilepsie oder auch das Restless-Legs-Syndrom
  • Auffällige Verhaltensweisen im Schlaf, deren Ursache nicht geklärt ist. Das beinhaltet zum Beispiel so genannte Parasomnien, zu denen Schlafwandeln und Zähneknirschen gehört.
  • Störungen des Schlaf-Wachrhythmus, etwa durch Schichtarbeit

Aber auch Faktoren wie den persönlichen Leidensdruck, etwa durch die beeinträchtigte Leistungsfähigkeit oder Erschöpfung, gilt es zu berücksichtigen. Ob eine Untersuchung im Schlaflabor notwendig ist, sollte jeder Patient deshalb mit dem Arzt ausführlich besprechen – am besten mit einem Spezialisten für Schlafmedizin.

Was genau wird im Schlaflabor überwacht und gemessen?

Eine vollständige Untersuchung im Schlaflabor bezeichnen Fachleute als "kardiorespiratorische Polysomnografie". Dabei werden folgende Messwerte, Körperfunktionen und Aktivitäten aufgezeichnet:

  • Hirnströme (EEG)
: Die Messung der Hirnströme ist wichtig, um die verschiedenen Schlafstadien (bzw. die Tiefe des Schlafes) zu identifizieren.
  • Augenbewegungen
: Auch die Augenbewegungen geben Aufschluss über das Schlafstadium
  • Herzfrequenz und Herzrhythmus (EKG)
  • Sauerstoffgehalt des Blutes (Pulsoxymetrie)
  • Atemfluss an Mund und Nase
  • Schnarchen
  • Atembewegungen des Brustkorbs und des Bauches
  • Muskelspannung des Kinns (Elektromyogramm oder kurz EMG)
  • Beinbewegungen
  • Körperlage

Um Verhaltensauffälligkeiten im Schlaf zu entdecken und in die Analyse mit einzubeziehen, werden Patienten im Schlaflabor immer auch mit einer Infrarot-Videokamera und einem Mikrofon überwacht. Je nach Fragestellung misst das schlafmedizinische Personal mitunter auch Werte wie den Blutdruck, Speiseröhrendruck oder den Magensäurerückfluss.

Der Patient sollte gut vorbereitet zur Untersuchung im Schlaflabor kommen

W&B/Jan Greune

Was muss vor einer Untersuchung im Schlaflabor beachtet werden?

An dem Tag, an dem ein Patient einen Termin im Schlaflabor hat, sollte er spätestens ab 14 Uhr auf koffeinhaltige Getränke wie Tee, Kaffee oder Cola verzichten und auch keinen Alkohol mehr trinken. Darüber hinaus darf er tagsüber nicht schlafen, denn all das kann die Ergebnisse einer Polysomnografie verfälschen.
Falls der Untersuchte Medikamente einnimmt, egal ob frei erhältliche oder rezeptpflichtige, ist es wichtig, den behandelnden Arzt darüber zu informieren, am besten schon im Vorgespräch. Denn manchmal ist es notwendig, bestimmte Mittel für die Untersuchung im Schlaflabor kurzfristig abzusetzen. Das darf allerdings nicht eigenmächtig erfolgen, sondern immer nur in Rücksprache mit dem Hausarzt oder dem behandelnden Schlafmediziner.
Außerdem sollte man mit frisch gewaschenen Haaren, die weder mit Haarspray, -öl oder -gel behandelt sind, ins schlafmedizinische Zentrum kommen, damit die Messelektroden für das EEG besser am Kopf halten.
Für die zumeist zwei Nächte im Schlaflabor braucht der Patient die gleichen Dinge im Gepäck wie für einen normalen Kurzbesuch bei Freunden oder im Hotel. Also Waschbeutel mit Zahnbürste, Nachtbekleidung, frische Wäsche für den Tag und gegebenenfalls jene Medikamente, deren Einnahme nach Angaben der Ärzte auch im Schlaflabor fortzuführen ist.

Wie läuft die Untersuchung im Schlaflabor ab?

In der Regel kommt der Patient am frühen Abend zur Untersuchung ins Schlaflabor. Das Personal der schlafmedizinischen Abteilung nimmt ihn dort in Empfang, zeigt ihm seinen Schlafraum, erklärt ihm die technischen Geräte und deren Funktion sowie den genauen Ablauf der Untersuchung. Bei dieser Einführung hat der Patient selbstverständlich auch die Gelegenheit, Fragen zu stellen.
Ist all das besprochen, bereitet sich der Patient aufs Schlafengehen vor, wie er es von zu Hause gewohnt ist. Danach schließt das Personal die Messgeräte an. Ins Bett legen darf er sich aber erst, wenn die Schwester oder der Pfleger ihn dazu auffordert. Im Bett findet dann auch das "Verkabeln" statt. Dabei werden in der Regel folgende Sensoren und Messgeräte am Körper des Patienten angebracht:

  • Elektroden am Kopf zur Überwachung der Hirnströme, der Augenbewegungen und der Muskelaktivität des Kinns
  • Am Brustkorb aufgeklebte Elektroden, mit denen das Elektrokardiogramm (EKG) aufgezeichnet wird
  • Gurte mit Dehnungssensoren um Brustkorb und Bauch, die die Atembewegungen messen
  • Ein Sensor auf dem Brustgurt, der die Körperlage registriert
  • Ein Atemflusssensor zwischen Mund und Nase
  • Ein Sensor an Zeigefinger oder am Ohrläppchen für die Sauerstoffsättigung im Blut.
  • Zwei Elektroden an jedem Unterschenkel zur Erfassung von Beinmuskelbewegungen
  • Ein zumeist im Bereich des Kehlkopfes fixiertes Mikrofon zeichnet Schnarchgeräusche auf.

Beim Schlafen wird der Patient die ganze Zeit von einem Schlafmediziner oder einer Pflegekraft in einem separaten Raum überwacht, mit der er jederzeit über eine Gegensprechanlage Kontakt aufnehmen kann. Vom Personal werden hierbei die Messungen wie auch der Patient selbst über eine Infrarot-Videokamera beobachtet.

Was passiert nach der Untersuchung?

Am Morgen nach der Untersuchung führen Arzt und Patient ein Entlassungsgespräch. Die endgültigen Testergebnisse liegen dann allerdings noch nicht vor. Denn dazu muss der Schlafmediziner zunächst bis zu 800 Seiten mit verschiedenen Kurven, Zahlen und Signalen anschauen und auswerten. Deshalb dauert es oft ein paar Tage, bis die abschließende Auswertung da ist. Spätestens dann sollte ein Termin zur Nachuntersuchung vereinbart werden. Dort besprechen Arzt und Patient sowohl die Testergebnisse, als auch die sich daraus ergebenden Behandlungsmöglichkeiten.

Kann man im Schlaflabor überhaupt "normal" schlafen?

Allein schon das Wort Labor weckt im Vorfeld oft die Assoziation einer kalten, technischen Umgebung mit Neonlicht und nackten Wänden. Tatsächlich legen die meisten Einrichtungen aber viel Wert auf ein freundliches und wohnliches Ambiente, in dem man sich wohl fühlen kann. Sie haben gemütliche "Schlafzimmer", die nach den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin mindestens zwölf Quadratmeter groß sein sollten. Sie werden immer nur mit einem Patienten belegt. Der Großteil der Technik befindet sich in einem separaten Raum.

Die zahlreichen Elektroden und Sensoren, die an Kopf und Körper befestigt sind, empfinden die Patienten anfangs oft als störend. Nach kurzer Zeit werden sie aber kaum noch wahrgenommen, weil sich die Haut daran gewöhnt hat – ähnlich wie an eine Armbanduhr ums Handgelenk. Die Kabel bringt das Personal so an, dass der Untersuchte sich problemlos drehen und bewegen kann – fast so wie im eigenen Bett.

Untersuchungen von Schlafforschern zeigen, dass etwa 30 Prozent der Patienten in der ersten Nacht im Labor tatsächlich (noch) schlechter schlafen als zu Hause. Ein Viertel schlummert aber auch deutlich besser als in der heimischen Umgebung – weil der Druck wegfällt, unbedingt schlafen zu müssen, um am nächsten Morgen fit zu sein. Beide Effekte legen sich oft in der zweiten Nacht. Und selbst wenn ein Patient im Labor nicht hundertprozentig so schläft wie in seinem eigenen Schlafzimmer, beeinträchtigt das die Aussagekraft der Untersuchung in der Regel nicht.

Patienten mit Narkolepsie können plötzlich in den Schlaf fallen

Thinkstock/iStockphoto

Was ist ein multipler Schlaflatenz-Test und ein multipler Wachbleibe-Test?

Diese standardisierten Untersuchungen führen die Ärzte im Schlaflabor manchmal durch, um festzustellen, wie wach beziehungsweise wie schläfrig ein Patient am Tage ist. Dazu bleiben die Elektroden und Messgeräte von der Nachtuntersuchung größtenteils am Körper befestigt, weil sie auch für diese Tests gebraucht werden. Beide Untersuchungen finden in einem abgedunkelten, geräuschgedämmten Raum statt, in dem ein Bett oder ein Sessel steht.

Beim Multiplen Schlaflatenz-Test (MSLT) soll der Patient versuchen, im Bett liegend innerhalb von 20 Minuten einzuschlafen. Und zwar in regelmäßigen Abständen von zwei Stunden, insgesamt fünf Mal über den Tag verteilt. Dieses Zeitschema gilt auch für den Multiplen Wachbleibe-Test (MWT), wobei es hier auch andere Varianten gibt. Der entscheidende Unterschied zum MSLT ist, dass der Patient, der bequem in Sessel oder im Bett sitzt, sich in diesem Fall bemühen muss, wach zu bleiben, für jeweils 40 Minuten.
Schafft der Patient es, beim MWT nicht einzuschlummern? Wie lange dauert es, bis er beim MSLT einnickt? Und welche Schlafstadien durchläuft er dabei? Solche Informationen ermöglichen es dem Arzt, den Grad der Schläfrigkeit beziehungsweise den Schlafdruck zu beurteilen. Das liefert ihm wichtige Anhaltspunkte, unter welcher Art von Schlafstörung sein Patient leidet. So ist es beispielsweise charakteristisch für die Narkolepsie, dass die Betroffenen beim MSLT sofort in den REM-Schlaf fallen.

PD Dr. med. Ilonka Eisensehr

W&B/Privat

Beratende Expertin: Privatdozentin Dr. med. Ilonka Eisensehr ist Fachärztin für Neurologie. Sie studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie der Tufts University Boston und habilitierte sich an der Universität München über das Dopaminsystem und Schlaf-bezogene Bewegungsstörungen. Sie ist in eigener neurologischer Praxis in München tätig, außerdem Mitglied des Lehrkörpers der Universität München. Sie verfasste zahlreiche Publikationen zum Thema Dopaminsystem, Schlafmedizin und Epilepsie und ist Mitglied in vielen wissenschaftlichen Gremien.

Quellen:
1. Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM): S3-Leitlinie Nicht erholsamer Schlaf / Schlafstörungen, Stand 1. Oktober 2009. Online: www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/063-001.html (Abgerufen am 24.9.2013)
2. Patientenratgeber der deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM): Die Untersuchung im Schlaflabor. Letzte Änderung 24. Oktober 2011 Online: www.charite.de/dgsm/dgsm/downloads/dgsm/arbeitsgruppen/ratgeber/neu-Nov2011/Untersuchung_A4.pdf (Abgerufen am 24.9.2013)
3. Lungenärzte im Netz: Schlaflabor. Online: www.lungenaerzte-im-netz.de/lin/show.php3?id=46&nodeid= (Abgerufen am 24.9.2013)


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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