Der Wirkstoff ist gefährliche Einstiegsdroge und Medikament zugleich. Über den schwierigen Umgang mit Cannabis in der Medizin
Das Kraut in seiner natürlichen Form: Die Hanfpflanze
Es beruhigt, wirkt entspannend und angstlösend: Haschisch und Marihuana. In Deutschland greifen rund 600.000 Menschen regelmäßig zum Joint – vor allem Jugendliche. Doch während für die meisten ein schnelles High das Ziel ist, kann Cannabis schwerkranken Patienten mit Krebs, Aids oder Multipler Sklerose ihr Leiden manchmal erträglicher machen, wenn keine Arznei mehr hilft.
Bereits seit 5.000 Jahren findet die Droge Verwendung in der Medizin. Noch Anfang des vergangenen Jahrhunderts war Cannabis als Schmerzmittel weit verbreitet: Auch die britische Königin Victoria behandelte damit ihre Menstruationsbeschwerden.
Seit 1998 dürfen in Deutschland Ärzte den isolierten Cannabis-Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) als Dronabinol mit einem speziellen Betäubungsmittelrezept verordnen. Das Medikament wird aus Faserhanf gewonnen und ist eine Rezepturarznei: Der Apotheker stellt aus dem harzartigen Stoff die vom Arzt verschriebene Darreichungsform her, zum Beispiel Tropfen oder Kapseln. Da Dronabinol in Deutschland nicht als Medikament zugelassen ist, muss der Patient selber für die Kosten aufkommen.
Bei Krebspatienten lindert THC Übelkeit und Erbrechen, die als Nebenwirkung einer Chemotherapie auftreten. Zudem steigert es die Wirkung von Schmerzmitteln. Bei Aids- und Krebspatienten dient es der Appetitanregung. Inwieweit THC auch Menschen mit MS helfen kann, herrscht unter den Experten Uneinigkeit. Während die einen der Auffassung sind, dass sich der Wirkstoff positiv auf Muskelkrämpfe, Spastiken und Bewegungsstörungen auswirkt, sehen die anderen den Einsatz von Cannabis bei Multipler Sklerose kritischer. Ihr Argument: Die Wirkung auf Spastik konnte in kontrollierten Studien nicht klar nachgewiesen werden. Außerdem seien Nebenwirkungen – von Kreislaufproblemen bis hin zu langfristigen Denk- und Konzentrationsstörungen – zu beachten.
Doch auch wenn eine aktuelle US-amerikanische Studie zeigen will, dass langjähriges Hasch-Rauchen sogar das Risiko, an bösartigen Tumoren im Kopf- und Halsbereich zu erkranken, senkt, so ist Cannabis als Präventionsmaßnahme ganz und gar ungeeignet. Denn im Gegensatz zur landläufigen Meinung enthält der Rauch von Cannabis zahlreiche Schadstoffe, die viel giftiger sind als Tabak und Lungen- und Bronchialerkrankungen sowie Krebs auslösen können. Manchmal kommt es auch zu Herz-Kreislauf- und Hormonstörungen.
Und zum Schluss noch ein Argument, das vor allem dem starken Geschlecht den Griff zum Joint vermiesen sollte: Dauerkiffer haben häufiger Probleme im Bett. Einer australischen Studie an über 8.000 Männern zufolge, haben Cannabis-Raucher öfter mit Orgasmusproblemen und vorzeitigen Samenergüssen zu kämpfen.
Vanessa von Blumenstein / www.apotheken-umschau.de;
28.08.2009
DDP/Martin Oeser
Anzeige