Begleitsymptome
Abgesehen von Erbrechen ist Übelkeit oft mit weiteren Symptomen verbunden. Darunter: Appetitlosigkeit (zum Beispiel bei „gelähmtem“ Magen, Blinddarmentzündung, Leberentzündung), Augenschmerzen (verdächtig auf einen Glaukomanfall), akute Bauch- oder Brustschmerzen (beispielsweise bei „akutem Bauch“ oder Herzinfarkt), Bewusstseinsstörungen (können bei Erkrankungen des Gehirns, Vergiftungen oder Komazuständen infolge entgleisender Stoffwechselstörungen vorkommen), Durchfall, Bauchschmerzen und eventuell Fieber (häufig bei Magen-Darm-Infektionen). Die Kombination Fieber, Husten und Übelkeit wird mitunter auch bei Atemwegserkrankungen wie der Grippe oder Schweinegrippe beobachtet. Übelkeit und Gelbsucht weisen zum Beispiel auf einen Gallenwegsverschluss oder auf Lebererkrankungen hin, Übelkeit mit Koliken auf Probleme der Gallen- oder Harnwege. Kopfschmerzen und Übelkeit können bei einer Hirnhautentzündung auftreten. Übelkeit mit Rückenschmerzen lassen unter anderem an Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse oder der Hauptschlagader denken. Hinter Schmerzen oder einem Druckgefühl im Oberbauch in Verbindung mit Übelkeit kann sich eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis) oder ein Geschwür verbergen. Auch eine Depression gehört hier zu den möglichen Diagnosen. Bei Übelkeit mit (Dreh-)Schwindel und Ohrensausen wird der Arzt prüfen, ob zum Beispiel die Menière-Krankheit vorliegt, während die Reisekrankheit diagnostisch keine Probleme bereiten dürfte.
Begleitumstände
Der Zeitpunkt oder ein zeitlicher Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme und die Art des Erbrechens können dem Arzt weitere Anhaltspunkte im Hinblick auf mögliche Ursachen geben. Hier einige Beispiele ohne Anspruch auf Vollständigkeit (teilweise sind es Notfälle oder sehr dringliche Behandlungsindikationen):
- Am Morgen: zum Beispiel in der Schwangerschaft, bei Alkoholüberkonsum oder Nierenversagen.
- Beim Essen oder kurz danach: manchmal psychisch bedingt oder Folge einer akuten Magen- oder Magen-Darmentzündung (Brechdurchfall bei infektiöser Gastroenteritis).
- Eine bis mehrere Stunden nach Nahrungsaufnahme: Geschwür; Magenentleerungsstörung, zum Beispiel durch Verlegung des Magenausgangs (gut- oder bösartige Verengung) oder bei „schlaffem“ Magen (Motilitätsstörung, Magenatonie).
- Im Schwall, auch ohne Übelkeit: möglich bei akuten Gehirnerkrankungen oder -verletzungen (Kopfverletzungen und andere Störungen des zentralen Nervensystems); Migräne.
- Rückfluss von unverdauter Nahrung: zum Beispiel bei einer Aussackung (Divertikel) oder Verengung der Speiseröhre, sodann infolge fehlender Erschlaffung des unteren Speiseröhrenschließmuskels beim Schlucken bzw. bei der Speisepassage (Oberbegriff: Achalasie).
- Rückfluss von saurem Mageninhalt, eventuell auch Erbrechen: Kann bei Verschlussunfähigkeit des unteren Speisröhrenschließmuskels (Rückflusskrankheit) oder Verengung des Magenausgangs, darüberhinaus als mechanisches Problem in der Spätschwangerschaft vorkommen.
- Erbrechen von saurer Magenflüssigkeit: Kennzeichen des Zollinger-Ellison-Syndroms, das mit starker Säurebildung und Geschwüren im oberen Verdauungstrakt einhergeht. Ursächlich liegt meist ein hormonbildender Tumor zugrunde, der die Magensaftproduktion erhöht.
- Fäkulenter Geruch durch bakterielle Zersetzung des Erbrochenen: Verschluss des Dünn- oder Dickdarms (jedenfalls tiefere Darmabschnitte), Bauchfellentzündung (beides Notfälle); Verbindungsgang (Fistel) zwischen Magen und Darm (dringliche Behandlungsindikation).
- Blut (Hämatemesis, Notfall: Blutverluste können lebensbedrohlich sein!): Akute, meist stärkere Blutung aus dem oberen Verdauungstrakt, also von der Speiseröhre bis zum oberen Zwölffingerdarm: zum Beispiel Krampfadern der Speiseröhre, Geschwür; Polyp oder anderer Geschwulsttyp; Zwerchfellhernie (mehr dazu siehe unten), Erkrankungen der Speiseröhre; Störungen der Blutgerinnung; äußerst selten Atemwege.
- Erbrechen kaffeesatzähnlichen Materials (Notfall, siehe Hämatemesis): Wenn Blut aus dem oberen Verdauungstrakt mit Magensaft in Kontakt gekommen ist, nimmt es eine dunkelbraune bis schwarze Verfärbung an und gerinnt; es kann auch mit Nahrung vermischt sein. Eine stärkere Magen-Darm-Blutung geht in der Regel außerdem mit Teerstuhl, also schwarz verfärbtem Stuhl, einher.
- Galliges Erbrechen, ständig und in großen Mengen: bei Verschluss unterhalb der Mündung des Gallen- und Bauchspeicheldrüsengangs im Zwölffingerdarm.
- Akute Starke Schmerzen (oft Notfall): können Übelkeit, Muskelverspannungen und Angst auslösen, Puls und Blutdruck steigen.
Was kann bei Erbrechen sonst noch passieren?
Zunächst einmal resultiert meist ein akutes Brennen in der Speiseröhre durch die Magensäure. Ständiges Erbrechen kann die Speiseröhre reizen. Durch den plötzlichen Druckanstieg kann sie im unteren Anteil einreißen. Dabei sind entweder Schleimhauteinrisse am Übergang zum Magen mit Bluterbrechen (Mallory-Weiss-Syndrom) möglich oder ein Wandriss (Boerhaave-Syndrom) in diesem Bereich. Mit seinem zerreißenden Schmerz unter dem Brustbein und / oder im Rücken, Husten und Atemnot ist das Boerhaave-Syndrom ein absoluter Notfall!
Bei wiederholtem Erbrechen kann es zu Flüssigkeitsverlusten, Mangel an Blutsalzen, Stoffwechselentgleisung und auf Dauer zu Unterernährung und Zahnschäden kommen. Eingenommene Medikamente entfalten womöglich nicht ihre Wirkung.
Ärztliche Untersuchungen
Diese richten sich nach der Symptomatik und mutmaßlichen Diagnose. Insofern können verschiedenste Untersuchungen seitens unterschiedlicher Fachärzte notwendig werden. Dies wird der Hausarzt oder der akut hinzugerufene Notarzt bei Bedarf entsprechend organisieren.
Mögliche Ursachen
Alle Ursachen, die zu einem akuten Bauch führen, können auch Erbrechen auslösen. Die Ursachen reichen hier von akuten Erkrankungen der Bauch- oder Brustorgane über Gefäßkomplikationen im Bereich der Körperschlagader oder der Blutleiter, die die Bauchorgane versorgen, bis hin zu akuten Krankheiten der Nieren, Harnwege und Fortpflanzungsorgane. Außerdem kommen Stoffwechselstörungen einschließlich maßgeblicher Ungleichgewichte der Blutsalze (zum Beispiel Hyperkalzämie), Gehirnerkrankungen und Krisen im Zusammenhang mit Erkrankungen des Blutes in Betracht (vgl. Artikel „Bauchschmerzen“, Symptome & Beschwerden, rechte Spalte). Mögliche Auslöser sind schließlich auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten, insbesondere bei Säuglingen und Keinkindern eine Unverträglichkeit von Kuhmilcheiweiß. Dass Erbrechen nicht nur als Schutzreflex wirkt, sondern selbst zu akuten Komplikationen führen kann, wurde schon gesagt.
- Erkrankungen der Speiseröhre
Die Speiseröhre kann durch eine chronische Entzündung infolge ständigen Rückflusses von Magensäure (Refluxkrankheit, manchmal in Verbindung mit einer Zwerchfellhernie, das heißt Hochrutschen von Magenteilen durch die Zwerchfelllücke am Übergang der Speiseröhre zum Magen) oder durch einen Tumor verengt sein (Stenose oder Striktur). In Wandaussackungen (Divertikel, zum Beispiel beim Zenker-Divertikel im oberen Bereich der Speiseröhre) können sich Nahrungsreste ansammeln und einige Tage später wieder hochkommen. Kleine Divertikel müssen keine Beschwerden machen. Große Divertikel können die Lichtung verlegen. Entweder bilden sich die Ausstülpungen an wandschwachen Stellen, oder sie entstehen durch Narbenzug oder anormale Muskelbewegungen des Organs.
Bei der Achalasie kommt es unter anderem zur fehlenden Erschlaffung des unteren Speiseröhrenschließmuskels während des Schluckens bzw. der Speisepassage. Möglich sind auch Wandbewegungsstörungen. Aufgenommene und verweilende Speisen fließen zurück (Regurgitation, auch im Liegen). Daneben tritt manchmal Erbrechen auf. Ansonsten stehen Schluckstörungen und krampfartige Schmerzen oder ein Druckgefühl im Brustbereich unter dem Brustbein im Vordergrund. Daher wird der Arzt bei der Diagnosestellung auch eine Herzkrankheit berücksichtigen. Röntgenuntersuchungen, eine Spiegelung der Speiseröhre mit Gewebeentnahme und Druckmessungen (Manometrie) können die Diagnose sichern.
- Probleme im Magen und Zwölffingerdarm
Eine Entzündung der Magenschleimhaut, also eine Gastritis, kann akut und chronisch Beschwerden machen: Übelkeit, Schmerzen im Oberbauch, Appetitlosigkeit, Aufstoßen und Erbrechen. Die Ursachen reichen im Akutfall von übermäßigem Alkohol- und Nikotingenuss und verdorbenen Speisen (Lebensmittelvergiftung oder -infektion; Brechdurchfall) bis zu Nebenwirkungen von Medikamenten (siehe nachfolgend), starkem Stress, zum Beispiel bei einer intensivmedizinischen Behandlung oder einem Schock. Eine chronische Gastritis kann durch Schmerzmittel vom Typ nicht steroidaler Antirheumatika / Cox-2-Hemmer und andere Medikamente, Rückfluss von Magen- und Gallensekreten nach einer Magenoperation, infolge einer Immunstörung oder Befall mit dem Magenkeim Helicobacter pylori entstehen. Dieselben Voraussetzungen können auch zu einem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür führen. Dabei stehen ausgeprägte Schmerzen im Oberbauch sofort nach dem Essen, manchmal auch unabhängig davon – möglich bei Magengeschwüren –, oder bei nüchternem Magen – spät abends, nachts, möglich beim Zwölffingerdarmgeschwür – im Vordergrund, ohne dass dies beweisend wäre. Zu Erbrechen kommt es vor allem bei Komplikationen wie Blutung, Durchbruch oder narbigen Verengungen am Magenausgang (Magenausgangsstenose). Eine starke Schwellung bei Geschwür oder Entzündung kann den Magenauslass ebenfalls verengen. Ein Geschwür kann gut- oder bösartig sein. Bei Übelkeit, oft in Verbindnung mit Abneigung gegen Fleisch, wird der Arzt die Oberbauchorgane einschließlich Magen sorgfältig untersuchen, um keine organische Erkrankung außer Acht zu lassen.
Einer chronischen Erschlaffung des Magens – einer Gastroparese – liegt nicht selten ein Diabetes zugrunde. Dabei kommt es zur Schädigung der Nerven, die die Muskeltätigkeit der Magenwand steuern (autonome Neuropathie als Teilaspekt der diabetischen Polyneuropathie). Aber auch andere, vergleichsweise eher seltene Erkrankungen, die das Zusammenspiel von Nerven und Muskeln der Verdauungsorgane beeinträchtigen (intestinale Pseudoobstruktion, vgl. Artikel „Verstopfung“), können den Magen lahmlegen. Symptome: Druck, Völlegefühl im Oberbauch, frühes Sättigungsgefühl, eventuell Erbrechen. Bei Diabetes sind Unterzuckerungen möglich, da die Kohlenhydrate aus der im Magen verweilenden Nahrung nicht aufgenommen werden. Die Diagnose kann der Arzt unter anderem mithilfe von Ultraschall und speziellen nukearmedizinischen Untersuchungen wie einer Magenentleerungsszintigrafie stellen. Die Zuckerkrankheit wird durch Zuckermessungen im Nüchternblut oder einen Zuckerbelastungstest festgestellt. Eine diabetische Polyneuropathie macht sich meist noch mit Symptomen infolge anderer Nervenschäden bemerkbar.
Bei Herzschwäche oder einer das Herz beengenden Herzbeutelentzündung kann Übelkeit zusammen mit Völlegefühl, Appetitlosigkeit und Druck im Oberbauch auftreten. Es sind die Folgen einer Stauungsgastropathie und Hepatopathie. Damit ist gemeint, dass sich das Venenblut bei einer Schwäche des rechten Herzens in die genannten Organe zurückstaut, zu Schwellungen und Funktionsstörungen führt und die entsprechenden Beschwerden auslöst.
Wenn die Darmtätigkeit beeinträchtigt ist, kann es zu Erbrechen kommen. Dieser Zusammenhang spielt beim „akuten Bauch“, beispielsweise bei einer Bauchfellentzündung, eine wichtige Rolle.
Im Verlauf einer Binddarmentzündung kommt es bei etwa der Hälfte der Betroffenen zu Übelkeit und Erbrechen. Leitsymptom ist aber der Bauchschmerz, der meist irgendwo im Mittel- oder Oberbauch beginnt und sich dann oft, wenn auch nicht immer, in den rechten Unterbauch verlagert. Appetitlosigkeit ist relativ typisch. Weitere Ursachen und „akuter Bauch“ siehe Artikel Bauchschmerzen.
- Leber, Bauchspeicheldrüse, Gallenblase
Erkrankungen dieser drei Oberbauchorgane können zu Übelkeit und Erbrechen führen, oft in Verbindung mit (Ober-)bauchschmerzen. Beispielhafte Ursachen: Entzündung der Gallenblase und Gallenkoliken im Zusammenhang mit Gallensteinen, ferner Entzündung der Bauchspeicheldrüse und Leberentzündung (Hepatitis). Letzere kann im Frühstadium mit Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Übelkeit, gelegentlich Druckschmerz im rechten Oberbauch durch Kapselspannung der entzündlich geschwollenen Leber einhergehen. Übelkeit und Appetitlosigkeit kommen auch bei einer Leberzirrhose vor. Zu Leberversagen siehe unten (Hormone und Stoffwechsel).
Dass Krebserkrankungen neben vielen anderen Belastungen oftmals auch noch Übelkeit und Erbrechen mit sich bringen, hängt nicht nur mit Behandlungsmaßnahmen wie Bestrahlung, Chemo- und Schmerztherapie zusammen. Dahinter verbergen sich vielmehr komplexe körperliche und psychische Reaktionen, häufig in fortgeschrittenen Krankheitsphasen. Chemosensoren und das Brechzentrum im Gehirn werden dabei in unterschiedlichster Weise aktiviert.
Ein schwer einstellbarer oder entgleisender Bluthochdruck kann akute Durchblutungsstörungen des Gehirns auslösen (Notfallsituation). Mögliche Anzeichen: starke Kopfschmerzen, Unruhe, (Übelkeit und) Erbrechen, Sehstörungen einschließlich vorübergehender Blindheit, Krämpfe und Bewusstseinsstörungen.
Bei plötzlichem Blutdruckabfall kann es zu einer Mangeldurchblutung des Gehirns mit Ohnmacht (Synkope) kommen. Schwindel, Ohrensausen, Schweißausbruch, Übelkeit und Erbrechen (reaktive Phase) können den Anfall begleiten. Auch andere Kreislauferkrankungen lösen mitunter Synkopen aus, ebenso Herzerkrankungen und viele weitere Störungen. Das Erscheinungsbild von Synkopen ist vielfältig und muss nicht dem genannten Muster folgen.
Im Gehirn zirkuliert auf den vorgegebenen Bahnen eine klare Flüssigkeit namens Liquor. Als Schutzmedium für das zentrale Nervensystem umspült er auch das Rückenmark (daher die Bezeichnung Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit oder Liquor zerebrospinalis). Der Liquor entsteht in den Hirnkammern aus einem Filtrat des Blutes. Das Gleichgewicht zwischen Bildung und Abfluss hält den Hirndruck im physiologischen Bereich. Da das Gehirn fest von den Schädelknochen umschlossen ist, kann es erhöhtem Druck, egal ob es plötzlich oder allmählich dazu kommt, nicht ausweichen. Die Folgen variieren je nach Ursachen, deren Lage im Gehirn und Zeitverlauf. Gehirngewebe kann gequetscht oder eingeklemmt, die Durchblutung vermindert werden – mit Schäden unterschiedlichen Ausmaßes bis hin zum Koma oder Tod. Bei allmählicher Hirndrucksteigerung kommt es nicht selten zu Erbechen, oft im Schwall und ohne Übelkeit. Zu den Ursachen gehören Hirnhautentzündungen, Gehirnentzündungen, Blutungen, Tumoren des Gehirns und Rückenmarks, Hirnvenenverschlüsse (Thrombosen), Polyradikulitis (Entzündung der Nervenwurzeln am Rückenmark), Vergiftungen, Medikamente. Eine Besonderheit sind ursächlich unklare Hirndrucksteigerungen bei jungen, oftmals übergewichtigen Frauen.
Auch nach Kopfverletzungen kann es zur Schwellung des Gehirns kommen. Für eine Gehirnerschütterung beispielsweise sind kurzdauernde Bewusstlosigkeit (bis 15 Minuten), Gedächtnislücken vom Verletzungszeitpunkt bis etwa eine Stunde danach, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, eventuell auch Erbrechen und Sehstörungen relativ typisch.
Mithin können Erkrankungen oder Schädigungen des Gehirns die vielfältigsten neurologischen Symptome nach sich ziehen. Dazu gehören auch Augenmuskellähmungen. Die Folge sind störende Doppelbilder im Aktionsradius des gelähmten Muskels. Da der Betroffene nicht weiß, welches Bild das Trugbild ist, verliert er bei Bewegungen des Kopfes oder Körpers die Orientierung, es kommt zu Schwindel und Übelkeit, eventuell auch Erbrechen.
Zu Befindensstörungen im Rahmen krisenhafter Blutdruckanstiege siehe Blutdruck. Unter einem Sonnenstich versteht man eine Schwellung der Hirnhaut durch länger auf den Kopf und Nacken einwirkende Wärmestrahlung des Sonnenlichtes. Symptome sind unter anderem Übelkeit und Erbrechen, Schwindel, Nackensteifigkeit und ein hochroter, heißer Kopf.
Bei Migräneanfällen gehören Übelkeit und Erbrechen, manchmal im Schwall, zu den typischen Begleitsymptomen.
- Innenohr & Co.: Schwindelerkrankungen
Das Innenohr beherbergt das Hör- und Gleichgewichtsorgan. Über den „vereinigten“ Hör- und Gleichgewichtsnerv erreichen die jeweiligen Impulse ihre Zentren im Gehirn. Insbesondere die Kerngebiete des Gleichgewichts sind in komplexer Weise mit anderen Sinnesinstanzen, etwa für die Augen oder die Muskelbewegungen, sodann mit dem vegetativen Nervensystem und dem Brechzentrum verschaltet. Daher ist Schwindel oft mit Übelkeit und Brechreiz bzw. Erbrechen verbunden. Klassisches Beispiel ist die Menière-Krankheit, die in der Akutphase mit anfallsartigem Drehschwindel, Übelkeit und Erbrechen einhergeht. Oftmals ist sie auch mit ein- oder beidseitigem Hörverlust und starken Ohrgeräuschen (Tinnitus) auf der erkrankten Seite verbunden. Die Ursachen sind unklar. Diskutiert werden Druckschwankungen im Gleichgewichtsorgan, die Umschichtungen der enthaltenen Flüssigkeit bedingen. Damit verbunden sind „falsche Meldungen“ an das Gehirn. Auch Entzündungen des Innen- oder ursprünglich Mittelohrs, ferner des Gleichgewichtsnervs („Neur(on)itis oder Neuropathia vestibularis“), sodann ein Akustikusneurinom (gutartiger Tumor des Gleichgewichts- und Hörnerven) können zu Schwindel mit Übelkeit und Erbrechen führen. Grundsätzlich ist das bei jedem „verstibulären Schwindel“, also jeder Schwindelart, die im Gleichgewichtsorgan des Innenohrs, im Gleichgewichtsnerv oder in den zugehörigen Nervenbahnen und -stationen im Gehirn ihre Ursachen hat, möglich. Mithin kommt es bei vielen, vor allem akuten Schwindelerkrankungen und -formen zu Übelkeit, oft auch Erbrechen.
Bei der Reisekrankheit (Fachbegriff Kinetose) sind Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, oft auch Kreislaufstörungen, regelmäßige Begleiter. Dazu kommt es durch einen Datenkonflikt zwischen dem Gleichgewichtsorgan und Wahrnehmungen der Augen. Typisches Beispiel ist die Seekrankheit. Wie der Höhen- oder Karussell-Schwindel gehören die Kinetosen zu den physiologischen Schwindelformen, sind also nicht wirklich krankhaft. Vorbeugend können Medikamente wie zum Beispiel Dimenhydrinat (enthält das Antihistaminikum Diphenhydramin, das müde macht und daher nichts fürs Steuer ist) oder Scopolamin wirken (Hautpflaster). Beachten Sie jeweils mögliche Nebenwirkungen und Gegenanzeigen, bei Scopolamin etwa Auslösen eines Glaukomanfalls (siehe unten), und informieren Sie sich vor der Reise über praktische Tipps.
Ob Alkohol, verdorbene Lebensmittel, Schwermetalle (Blei, Quecksilber) oder eine Pilzvergiftung: Auf alles dies und viele andere Giftstoffe hin schlagen die Chemorezeptoren im Gehirn Alarm, sodass das Brechzentrum (das womöglich selbst auf begleitende Übelkeit, Ekelgefühle und andere emotionale Effekte reagiert) in Aktion tritt. Unter bestimmten Voraussetzungen kann bewusstes Auslösen von Erbrechen geboten sein, damit die Stoffe nicht ins Blut gelangen. In anderen Fällen kann in Wasser gelöste medizinische Kohle oder – gleich nach Aufnahme eines Giftes (zum Beispiel bei ätzenden Substanzen), sofern es noch nicht spontan zu Erbrechen gekommen ist – wegen des Verdünnungseffektes auch Trinken von Wasser sinnvoll sein. Bei Aufnahme von Laugen, Säuren, diversen Reinigungsmitteln (Achtung: Gefahr von Verätzungen der Speiseröhre!) oder Schäumern darf kein Erbrechen ausgelöst werden; möglich ist hier die Einnahme von Speiseöl. Rufen Sie auf jeden Fall sofort eine der Giftnotrufzentralen an, um sich zu informieren, gegebenenfalls auch den Arzt, bei schlechtem Zustand oder Bewusstlosigkeit des oder der Betroffenen den Rettungsdienst.
Unterfunktion der Nebennierenrinde (Morbus Addison) oder Überfunktion der Nebenschilddrüsen gehen neben Bauchschmerzen häufig mit Übelkeit und Erbrechen einher. Dies gilt auch für die Ketoazidose bei Diabetes (Atemluft riecht nach Azeton), Leberversagen („süßlicher“ Geruch des Atems) oder Nierenversagen mit Harnvergiftung (urinartiger Geruch aus dem Mund). Es kann zu Bewustseinsstörungen bis hin zum Koma kommen. Leber- und Nierenversagen können auch gemeinsam auftreten.
Betablocker, Eisenpräparate, Digitalisglykoside, Anti-Parkinsonmittel wie L-Dopa (wird auch beim Restless-Legs-Syndrom eingesetzt), bestimmte Antibiotika (unter anderem Tetrazykline), Zytostatika, Opioide und vieles mehr können Übelkeit und Brechreiz auslösen. Bei der Gabe von Zytostatika im Rahmen der Chemotherapie werden heute moderne Mittel gegen Brechreiz wie zum Beispiel Serotoninantagonisten eingesetzt.
Morgendliche Übelkeit gehört zu den normalen Anzeichen einer Schwangerschaft. Zumindest kämpfen mehr als zwei Drittel aller Frauen in der Frühschwangerschaft mit dem Unwohlsein. Solange kein ständiges, wiederholtes oder heftiges Erbrechen auftritt und die Schwangere praktisch keinen „Bissen“ oder Trunk mehr bei sich behält (Hyperemesis gravidarum), ist das nicht besorgniserregend. Die Hyperemesis gravidarum tritt im ersten und zweiten Schwangerschaftsdrittel auf. Um Flüssigkeits- und Salzmangel, Stoffwechselentgleisung, Unterernährung und Gewichtsverlust zu vermeiden, kann eine künstliche Ernährung über die Blutbahn notwendig sein. Als Medikamente setzt der Arzt eventuell Dimenhydrinat oder einen Serotoninantagonisten ein.
Nach einer Narkose, manchmal auch verzögert, kann es zu Übelkeit und Erbrechen kommen, häufiger bei Kindern. Heute ist das durch den Einsatz moderner Narkosemittel seltener der Fall als früher.
Ein ekelerregender Geruch, Geschmack oder Anblick, starke negative Emotionen wie Angst oder Schreck, außerdem heftige Schmerzen (siehe oben) reizen das vegetative Nervensystem bzw. das Brechzentrum, sodass Erbrechen ausgelöst werden kann. Bei psychiatrischen Störungen wie zum Beispiel Ess-Störungen wird Erbrechen von den Betroffenen selbst herbeigeführt.
Bei akut blockiertem Abfluss des Kammerwassers im Auge (Winkelblock) kann der Augeninnendruck bei vorbestehendem Engwinkelglaukom drastisch ansteigen. Dies führt zum akuten Glaukomanfall. Kennzeichen: gerötetes Auge, Augenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Sehstörungen. Ein Glaukomanfall ist ein augenärztlicher Notfall!
Therapie
Diese hängt ganz von der Ursache ab. Hauptursachenfelder sind, wie beschrieben:
- Verdauungstrakt
- Gehirn und Sinnesorgane
- Hormone und Stoffwechsel
- Kreislauforgane und Blut
- Arzneimittel
- Vergiftungen
- Reisen
- Schwangerschaft
Demnach schlägt die Therapie einen weiten Bogen. Er reicht von der Umstellung der Ernährung („leichte Kost“, Genussmittelverzicht) oder vorübergehender Nahrungspause bis zu speziellen, vom Arzt verordneten Maßahmen und Eingriffen ambulant oder in der Klinik, ganz zu schweigen von Notfallbehandlungen.
Als Medikamente gegen Brechreiz wirken unter anderem Antiemetika, Prokinetika (zum Beispiel Metoclopramid, nicht aber bei Darmverschluss) und bestimmte Psychopharmaka. Manchmal funktioniert nur die Gabe als Zäpfchen oder Spritze. Bei starkem Erbrechen ist der Ersatz verloren gegangener Flüssigkeit und Salze wichtig, worauf der Arzt insbesondere bei Kindern, älteren Menschen und Schwangeren frühzeitig achten wird, um eine bei ihnen schneller einsetzende Austrocknung zu vermeiden (Anzeichen: trockener Mund, wenig oder kein Urin, Schwäche oder Apathie). Manchmal ist diese Maßnahme nur über die Blutbahn möglich. Für weniger schwere Fälle gibt es beispielsweise Trinklösungen mit Zucker und Elektrolyten. Gegen harmlose Übelkeit können Zubereitungen aus Ingwerwurzelstock oder auch homoöpathische Mittel helfen. Einen erlahmten Magen kann gegebenenfalls ein eingepflanzter künstlicher Schrittmacher antreiben.
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