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Geschwollene Lymphknoten: Was im Körper geschieht

Sie haben einen Knoten an Hals, Achsel oder Leiste entdeckt? Keine Panik, die Ursache ist in der Regel harmlos. Infektiologe Professor Dr. Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg erklärt, wie Lymphknoten funktionieren


Vergrößerter Lymphknoten: In den meisten Fällen kein Grund zur Sorge

Was sind Lymphknoten und welche Funktion haben sie?

Infektiologe Professor Dr. Bernd Salzberger: Das lymphatische System ist ein wichtiger Bestandteil der körpereigenen Abwehr. Es verzweigt sich in unzähligen Gefäßen durch den ganzen Körper und transportiert die Lymphflüssigkeit, die auch als „Lymphe“ bezeichnet wird. In dieser sind vor allem weiße Blutkörperchen enthalten, die der Abwehr von Infektionen dienen. Treffen viele der Gefäße aufeinander, entstehen Knotenpunkte, in denen sich Krankheitserreger fangen und unschädlich gemacht werden. Diese Sammelstellen des Immunsystems nennt man Lymphknoten. An bestimmten Stellen des Körpers kommen sie gehäuft vor: Bei einer Infektion sind sie insbesondere am Hals, in den Achselhöhlen oder in der Leistenbeuge fühlbar. Zum lymphatischen System gehören aber auch Milz, Thymus, Mandeln und das Knochenmark.

Warum schwellen Lymphknoten an?

Salzberger: Wenn ein Lymphknoten größer wird, sich erwärmt und beim Tasten schmerzt, ist das nahezu immer ein Zeichen für eine Immunreaktion, die durch eine Infektion hervorgerufen wurde. Die Erreger werden zunächst von speziellen Zellen im Lymphknoten erkannt. Infolgedessen strömen weitere Entzündungszellen in den Knoten ein. Mehr Blutzellen brauchen auch mehr Platz, wodurch sich die umhüllende Kapsel ausdehnt. Was sich beim Tasten schmerzhaft anfühlt, ist also nichts anderes als ein Dehnungsschmerz, vergleichbar mit einem Mini-Luftballon, der bis an seine Dehnungsgrenze mit Luft gefüllt ist.


Was kann dahinter stecken?

Salzberger: Angeschwollene Lymphknoten sind ein wichtiges Indiz für die Diagnose des behandelnden Arztes, denn je nachdem wo vergrößerte Knoten zu finden sind, engen sie das Gebiet der Infektion ein. Zunächst einmal muss unterschieden werden, ob nur vereinzelte oder alle Lymphknoten im Körper betroffen sind:

Sind einzelne Knoten angeschwollen, handelt es sich praktisch immer um eine lokale Entzündung. Körperlich gesehen verläuft die Bahn des Entzündungsherdes hin zum Lymphknoten immer von außen nach innen: So finden sich etwa bei einer Hautinfektion im Bereich der Hände vergrößerte Lymphknoten in den Achselhöhlen, bei einer Infektion im Bereich der Beine, etwa im Zehennagelbett oder bei einer Geschlechtskrankheit, sind sie in der Leistengegend tastbar. Die gemeinhin bekanntesten Knoten am Hals sind meist bei einer Erkältung oder einer Halsentzündung vergrößert.

Dementsprechend ist es naheliegend, dass eine Vergrößerung aller Lymphknoten auf eine Entzündung im ganzen Körper hindeutet. Dazu gehören vor allem Virusinfektionen, wie etwa das Pfeiffersche Drüsenfieber (Mononukleose), Masern, Röteln, Toxoplasmose und Zytomegalie. Aber auch schwerwiegendere Krankheiten wie AIDS oder Tuberkulose können die Lymphknoten im ganzen Körper anschwellen lassen.

Können vergrößerte Lymphknoten auch auf Krebs hindeuten?

Salzberger: In sehr seltenen Fällen können vergrößerte Lymphknoten auch auf eine bösartige Erkrankung wie Morbus Hodgkin hindeuten. Das Erscheinungsbild ist dann jedoch etwas anders: Beispielsweise bei malignem Lymphom, umgangssprachlich oft Lymphdrüsenkrebs genannt, sind die Knoten weniger heiß und wie bei den meisten Krebsarten kaum schmerzhaft – dafür größer, härter, schlechter verschiebbar. Auch Leukämien oder Metastasen aus benachbarten Organen wie Brust, Lunge oder Haut können Lymphknotenschwellungen hervorrufen. Für die Diagnose erschwerend ist, dass bei bösartigen Krankheiten vor allem die inneren Knoten befallen sind und daher spezielle Untersuchungsverfahren erforderlich sind.

Wann sollte ich zum Arzt?

Salzberger: Vergrößerte Lymphknoten schwellen in der Regel innerhalb weniger Tage wieder ab. Ist folgende Faustregel erfüllt, sollten Sie sich aber unbedingt bei Ihrem Arzt melden:

  1. Wenn die Schwellung nach einer Woche immer noch besteht
  2. Wenn die Schwellung mit weiteren Symptomen wie hohem Fieber und/oder Nachtschweiß einher geht
  3. Wenn Sie zudem aus unerklärlichen Gründen stark an Gewicht verlieren

Der behandelnde Arzt wird die Schwellung zunächst beobachten. Gegebenenfalls veranlasst er auch Blutuntersuchungen, oder er entnimmt eine Gewebeprobe, um die Ursache zu klären.



Bastian Fersch / www.apotheken-umschau.de; 04.10.2011, aktualisiert am 04.10.2011
Bildnachweis: Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY

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