Lunge: Richtig durchatmen

Wer gesund ist, atmet automatisch – ohne darüber nachzudenken, was die Lunge dabei leistet. Manche muten dem lebenswichtigen Organ auch noch Strapazen wie Rauchen zu. Doch bei Lungenkrankheiten, etwa Lungenentzündung oder Lungenkrebs, kann Lebensgefahr drohen

von Simone Herzner, aktualisiert am 04.09.2013

Die menschlichen Lungen: Täglich fließen bei Erwachsenen um die 10 000 Liter Luft hindurch

W&B/J. Steffens, Medical Art Service

Die Luft zum Atmen ist nicht nur sprichwörtlich lebensnotwenig: Sauerstoff ist die Grundlage allen Lebens und an fast jedem Vorgang im Körper beteiligt. Beim Erwachsenen fließen täglich um die 10 000 Liter Luft über die Atemwege in die Lunge. Er atmet pro Atemzug etwa einen halben Liter Luft ein und aus.

Über den Blutkreislauf gelangt der Sauerstoff in den ganzen Körper. Als Abfallprodukt aus den Stoffwechselprozessen entsteht Kohlendioxid (CO2), das über das Blut zurück zur Lunge transportiert und bei jedem Atemzug abgeatmet wird.


Die Funktion der Bronchien

Als Atemwege bezeichnet man alle Körperteile, die beim Ein- und Ausatmen von Luft durchströmt werden: Durch Mund und Nase gelangt die Luft über den Rachen in die Luftröhre. Die Luftröhre teilt sich im Brustkorb in einen linken und einen rechten Ast (Hauptbronchus). Die Äste verzweigen sich in den Lungenflügeln weiter in unzählige kleine Verästelungen (Bronchien). In den Bronchien verteilt sich die Luft, Fremdkörper, Staub und Krankheitserreger werden abgefangen. „Die Fremdstoffe bleiben an einer speziellen Schleimschicht kleben und werden dann durch kleine Flimmerhärchen aus den Bronchien heraustransportiert und unwillkürlich in den Magen hinuntergeschluckt“, erklärt Professor Heinz Dieter Köhler, Internist mit Schwerpunkt Lungen- und Bronchialheilkunde und ehemaliger ärztlicher Direktor der Lungenfachklinik Kloster Grafschaft im nordrheinwestfälischen Schmallenberg. „Nur bei größeren Brocken oder wenn die Flimmerhärchen zum Beispiel aufgrund eines Infekts zerstört sind, behilft der Körper sich mit dem Abhusten des Schleims“, so Köhler. Der Husten reinigt zusätzlich die Bronchien.

Die Anatomie der Lunge

Die Lunge besitzt zwei kegelartige Lungenflügel, die fast den ganzen Brustkorb ausfüllen. Die Spitze dieser Kegel beginnt direkt unter den Schlüsselbeinen, der Boden der Kegel liegt auf dem Zwerchfell auf. Das Zwerchfell ist unser wichtigster Atemmuskel und trennt den Bauchraum von der Brusthöhle.

Die Lungenflügel bestehen aus vielen Lappen und Läppchen, die ihrerseits aus rund 300 Millionen Lungenbläschen bestehen, den sogenannten Alveolen. Sie geben der Lunge ihr schwammartiges Aussehen und verfügen über eine enorm große Oberfläche. "Ihre feinen Wände sind durchzogen von einem Netz hauchdünner Blutgefäße, die einen schnellen Austausch der Atemgase ermöglichen“, erklärt Experte Köhler. Das Blut nimmt Sauerstoff aus den Lungenbläschen auf und gibt Kohlendioxid an sie ab.

Lungenerkrankungen im Überblick

Erkrankt die Lunge, kann das die Atmung behindern. Der mit Abstand größte beeinflussbare Risikofaktor für eine Lungenerkrankung ist das Rauchen. „Die durch den Zigarettenkonsum verursachen Lungenkrankheiten gehören zu den zehn häufigsten Todesursachen weltweit“, warnt Lungenspezialist Köhler. Das Feld der Lungenerkrankungen reicht von einem (meist) harmlosen Husten bis hin zu teilweise lebensgefährlichen Erkrankungen:

Bronchitis, Lungenemphysem, COPD

Sehr bekannt ist die Bronchitis. Man unterscheidet zwischen einer akuten und einer chronischen Form. Bei der ersten handelt es sich um eine akute Entzündung der Schleimhäute in den Bronchien, die meist nach wenigen Tagen oder Wochen wieder abklingt. Wichtigstes Symptom ist der Husten. „Die akute Bronchitis geht zumeist mit einer Entzündung der oberen Luftwege einher und kommt sehr häufig vor, besonders im Winter“, erläutert Köhler. 90 Prozent der Fälle werden durch Virus-Infektionen verursacht. Unter einer chronischen Bronchitis versteht man eine länger anhaltende Form mit Husten und zumeist zähem Schleim.

COPD ist ein internationaler Fachausdruck und steht für den englischen Begriff „chronic obstructive pulmonary disease“ (Englisch für chronisch-obstruktive Lungenerkrankung). Als COPD wird darüber hinaus die chronisch-obstruktive Bronchitis mit oder ohne Lungenemphysem bezeichnet. „Das Lungenemphysem ist eine chronische Lungenerkrankung, bei der die Lungenbläschen teilweise zerstört oder überdehnt sind. Durch die Verkleinerung der Oberfläche der Lunge ist der Atemfluss gestört und der Sauerstoffgehalt im Blut nimmt ab“, erklärt Pneumologe Köhler.

Asthma

Asthma bronchiale ist eine chronische Erkrankung der Atemwege, die zu Atemnotsanfällen führen kann. Man unterscheidet allergisches Asthma, nicht-allergisches (intrinsisches) Asthma und gemischtförmiges Asthma. Typische Beschwerden sind zumeist anfallsweise auftretende pfeifende Atmung, Husten, Engegefühl in der Brust und Kurzatmigkeit bzw. Luftnot.

Lungenentzündung

„Unter einer Lungenentzündung (Pneumonie) versteht man eine akute oder chronisch verlaufende Entzündung der Lungenbläschen und / oder des Lungengewebes – mit Bakterien, seltener mit Viren, Pilzen oder Parasiten“, erklärt Lungenfacharzt Köhler und warnt: „Lungenentzündungen werden oft unterschätzt oder gar nicht erst als solche wahrgenommen.“ Dabei zählt die Krankheit zu den am häufigsten zum Tode führenden Infektionskrankheiten in Westeuropa. Patienten, die an einer Lungenentzündung sterben, haben allerdings oft zusätzliche Erkrankungen.

Menschen mit chronischen Krankheiten, ältere Patienten ab etwa 60 Jahren sowie Säuglinge und Kleinkinder sind besonders anfällig für eine Lungenentzündung. „Etwa jede siebte Pneumonie verläuft so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden muss“, sagt Köhler. Typische Symptome sind Fieber, Schüttelfrost und Atembeschwerden – Letztere können entgegen der landläufigen Meinung auch nur gering ausgeprägt sein.

Lungenkrebs

Etwa 40 000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr an Lungenkrebs. Lungenkrebs geht meist aus den Zellen hervor, welche die Bronchien auskleiden – daher wird die Krebsart auch als Bronchialkarzinom bezeichnet.

Rauchen ist der größte – und noch dazu vermeidbare – Risikofaktor für Lungenkrebs. In Schätzungen gehen Experten davon aus, dass bis zu 90 von 100 Lungenkrebsfällen eine Folge des Tabakkonsums sind. „In den frühen Stadien wird der Lungenkrebs oft erfolgreich mittels einer Operation therapiert“, so Köhler. Leider seien diese Fälle eher selten, so dass bei den fortgeschrittenen Stadien nur eine Chemo- oder Strahlentherapie in Frage komme. Die genaue Therapie hängt vom individuellen Krankheitsbild ab.

Weiterführende Informationen

Ob Lungenkrebs, Lungenentzündung oder COPD – die Liste der Lungenkrankheiten ist lang. Zu den genannten Erkrankungen sowie zu vielen weiteren Lungenkrankheiten wie der Lungenfibrose, der Tuberkulose oder der Lungenembolie haben wir für Sie auf dieser Seite (siehe rechte Spalte und unten) weiterführende Informationen zusammengestellt.




Bildnachweis: W&B/J. Steffens, Medical Art Service
Bildnachweis: W&B/J. Steffens, Medical Art Service

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