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Die Leber: Energielieferant und Entgifter

Die Leber spielt beim Stoffwechsel eine zentrale Rolle, entzieht dem Blut gefährliche Stoffe und produziert Galle für die Verdauung. Alkohol und Giftstoffe können ihre Zellen schädigen


Die Leber ist unser größtes inneres Organ und wichtig für den Stoffwechsel

Die Leber ist das größte unserer inneren Organe. „Sie funktioniert wie eine chemische Fabrik, die Stoffe ab-, um- und aufbaut", erklärt Professor Dr. Hubert Blum, Direktor der Abteilung Innere Medizin II vom Universitätsklinikum Freiburg. Beteiligt ist die Leber am Stoffwechsel von Fetten, Kohlenhydraten und Eiweißen. Giftige Stoffe kann der Organismus über die Leber ausscheiden. In dem Organ entstehen viele wichtige Bluteiweiße, beispielsweise die Gerinnungsfaktoren. Es stellt zudem die Gallensäuren zum Fettabbau zur Verfügung. Überschüssige Glukose speichert die Leber und stellt sie bei Bedarf wieder dem Körper bereit. Auch Vitamine und Spurenelemente wie Eisen, Kupfer, Zink und Mangan speichert unser Organismus in der Leber.

Als einziges Organ außer dem Herzen ist die Leber in zwei Blutkreisläufe eingebunden. Etwa 2.000 Liter Blut fließen pro Tag durch sie. Ihre vielen Aufgaben machen die Leber lebenswichtig – zu viel Alkohol und Fett schaden ihr. Tückisch ist, dass Erkrankungen des schmerzunempfindlichen Organs zunächst oft unbemerkt verlaufen.



Ein Klick auf die Lupe vergrößert die Grafik: So liegt die Leber im Oberbauch

Die Anatomie der Leber

Die Leber wiegt bei einem Erwachsenen 1.500 bis 2.000 Gramm. Sie sieht aus wie ein breiter Keil und liegt direkt unter dem Zwerchfell im rechten Oberbauch. Ein gesundes Organ ist dunkelbraun und weich-elastisch. Es besteht aus zwei großen und zwei kleineren Leberlappen. Unter dem Zwerchfell liegt der rechte Leberlappen (Lobus hepatis dexter). Der linke Leberlappen (Lobus hepatis sinister) ist kleiner als der rechte und reicht bis in den linken Oberbauch. Außerdem: der quadratische Leberlappen (Lobus quadratus) und der „geschwänzte“ Lappen (Lobus caudatus).

Ein Blick durchs Mikroskop zeigt, dass die Leber aus vielen kleinen sechseckigen Leberläppchen besteht. Jedes davon ist etwa ein bis zwei Millimeter im Durchmesser groß. Drei Läppchen umschließen jeweils eine Bindegewebsinsel, in der die zuführenden Blutgefäße verlaufen. Zusammengesetzt sind die Leberläppchen aus einer Vielzahl von Leberzellen (Hepatozyten).

Der Pfortaderkreislauf

An der Unterseite der Leber, der Leberpforte, treten Leberarterien und die Pfortader Vena portae ein. Die Leberarterien versorgen das Organ mit sauerstoffreichem Blut aus dem Herzen. Die Pfortader transportiert sauerstoffarmes Blut aus den Bauchorganen. Es ist reich an Nahrungsbestandteilen aus dem Darm, Abbauprodukten der Milz, und Hormonen aus der Bauchspeicheldrüse. Viele Arzneimittel, die durch den Mund eingenommen werden, gelangen vom Magen oder Darm auf diesem Weg zunächst in die Leber.

Abteilung Entgiftung

Durch die Blutgefäße gelangen auch im Körper unerwünschte Stoffe in die Leber. Das sind giftige Abbauprodukte, Alkohol und mit der Nahrung aufgenommene Schadstoffe. Die Leber wandelt sie nach Möglichkeit um oder scheidet sie aus. Auch geschädigte und alte rote Blutkörperchen gelangen in das Organ. Aus dem roten Blutfarbstoff entsteht hier gelbes Bilirubin. Über das Gallengangsystem gelangt das in den Darm und wird dort mit dem Stuhl ausgeschieden. Kann die Leber nicht richtig arbeiten, staut sich Bilirubin im Körper. Äußerlich erkennt man diese Patienten an der sogenannten Gelbsucht mit gelb gefärbter Haut und gelben Augen.

Leber und Zuckerspiegel

Im Blut zirkuliert ständig eine bestimmte Menge an Glukose. Den Zucker nehmen Körperzellen auf, um daraus Energie herzustellen. Überschüssige Glukose gelangt in die Leber. Dort wird sie in Glykogen umgewandelt und gespeichert. Bis zu 150 Gramm Zucker kann die Leber auf diese Weise aufnehmen. Sinkt die Konzentration an Glukose im Blut, stellt die Leber Glukose aus Glykogen wieder zur Verfügung.

Die Leber als Produktionsstätte

Mehr als einen halben Liter Gallensaft produziert die Leber täglich. Die Flüssigkeit wird in der Gallenblase zur Galle eingedickt und gelangt dann in den Darm. Dort hilft sie bei der Verdauung von Fetten. Die Leber stellt auch einige Gerinnungsfaktoren her. Sie sind wichtig, damit eine Wunde aufhört zu bluten. Der Eiweißstoff Albumin aus der Leber transportiert im Blut andere Stoffe durch den Körper. Zudem bindet er Wasser. „Bei einem Leberausfall fehlt Albumin. Es bilden sich Wasseransammlungen in den Beinen, sogenannte Ödeme“, erklärt Professor Blum. Die Leber stellt außerdem Cholesterin her, das unter anderem als Grundgerüst für einige Hormone dient.

Symptome von Lebererkrankungen

Die Symptome von Lebererkrankungen sind häufig unspezifisch. Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Juckreiz, Appetitverlust, Gewichtsveränderungen, ein Druckgefühl im rechten Oberbauch, lehmfarbener Stuhl und bierbrauner Urin sowie die typische Gelbfärbung der Haut oder Augen können Hinweise sein. Direkte Schmerzsignale sendet das Organ allerdings selten aus.

Ursachen für Lebererkrankungen

Eine häufige Ursache von Leberentzündungen sind Viren. Sie verursachen eine Virushepatitis, die je nach Erreger chronisch verlaufen kann. Auch Alkohol schädigt die Leberzellen. Leberenzyme bauen das Zellgift Alkohol ab, um es unschädlich zu machen. Dabei bilden sich jedoch teilweise schädliche Abbauprodukte und Fettsäuren. Bei hohem Alkoholkonsum entsteht so eine Fettleber. Auch Arzneimittel können dem Organ schaden, wenn sie falsch angewendet werden – vor allem bei Überdosierung. Die Ursache: Viele Medikamente werden über die Leber abgebaut. Belastend sind auch einige Naturheilmittel. Das Risiko für Lebererkrankungen erhöhen außerdem bestimmte Chemikalien und mit Schimmelpilzen vergiftete Nahrungsmittel.

Lebererkrankungen im Überblick

Hepatitis

Hepatitis wird eine Leberentzündung unabhängig von der Ursache genannt. Oft sind Viren die Auslöser. Die Virus-Hepatitis B zählt weltweit zu den häufigsten Infektionserkrankungen. Schätzungsweise 350 Millionen Menschen leiden darunter. Die Krankheit kann chronisch verlaufen. „Das Risiko der Patienten für eine Leberzirrhose und Leberkrebs ist erhöht“, warnt Professor Blum. Hepatitis B ist auf dem Blutweg hoch ansteckend, eine Hauptansteckungsquelle ist ungeschützter Geschlechtsverkehr. Kondome schützen – außerdem gibt es gegen Hepatitis B auch eine Schutzimpfung. Das Hepatitis-C-Virus löst ebenfalls eine chronische Leberentzündung aus. Hepatitis A heilt im Gegensatz zu Hepatitis B und Hepatitis C meist rasch ab.

Fettleber

Bei der Fettleber lagert sich Fett in den Leberzellen ab. Ursachen wie Übergewicht, Alkohol oder Diabetes können ebenso wie eine Virushepatitis zu dem Befund führen. Gefährlich wird es, wenn sich das Organ entzündet. Zu unterscheiden sind durch Alkohol bedingte Entzündungen (alkoholische Steatohepatitis, ASH) und solche, die andere Ursachen haben (nicht alkoholische Steatohepatitis, NASH). Eine Folgeerkrankung kann eine Leberzirrhose sein. Die wiederum erhöht das Risiko für einen Leberkrebs.

Leberzirrhose

Im Endstadium verschiedener Lebererkrankungen kann die Leberzirrhose stehen. Bei dieser Krankheit ersetzt neugebildetes Bindegewebe zunehmend die typische Läppchenstruktur. Die normalen Leberzellen sterben ab. Die Leber kann ihre Aufgaben jetzt nicht mehr ausreichend erfüllen. Mit der Zeit wird sie härter und schrumpft zusammen. Im ganzen Körper kommt es zu Ausfällen und Störungen. Eine Zirrhose bildet sich in der Regel nicht zurück. In Deutschland ist bei etwa der Hälfte der Patienten Alkohol die Krankheitsursache.

Leberkrebs

Das Leberzellkarzinom ist eine bösartige Krebserkrankung der Leberzellen. Häufig geht der Krebserkrankung eine chronische Schädigung der Leberzellen, eine Leberzirrhose, voraus. Die Krankheit verläuft zunächst oft ohne Symptome. Später äußert sie sich unter anderem in Schmerzen im rechten Oberbauch.

Die Leber – ein widerstandfähiges Organ

Die Leber hat eine ganz besondere Eigenschaft: Sie kann sich in gewissen Grenzen selbst erneuern. Das Organ bildet geschädigtes oder bei einer Operation entferntes Gewebe teilweise neu. Diese Fähigkeit nutzt die Medizin bei der Lebendspende in der Lebertransplantationsmedizin. Zum Leben reicht einem gesunden Menschen bereits ein Drittel der Lebermasse.

Die Diagnose von Lebererkrankungen

Ein Indiz für die Leberfunktion ist zum Beispiel der Gehalt an Albumin und Bilirubin im Blutserum. Ist die Leber krank, sinkt oft der Albumingehalt und steigt die Bilirubinkonzentration. Einen wichtigen Hinweis auf den Gesundheitszustand der Leber geben auch die Leberenzyme im Blut. Diese Enzyme sind eventuell erhöht, wenn mit der Leber etwas nicht in Ordnung ist. Es gilt meistens: Je höher die Aktivität der Enzyme im Blutserum, desto größer ist die Schädigung. Laborwerte allein sind aber nur begrenzt aussagekräftig. Sie müssen immer im Zusammenhang mit anderen Befunden gesehen werden. Zur näheren Untersuchung der Leber dienen bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Computertomografie oder Kernspinresonanzspektroskopie. Bei einer Leberbiopsie wird eine Gewebeprobe entnommen und unter dem Mikroskop untersucht.

Weiterführende Informationen

Ob Hepatitis, Leberzirrhose oder ein Leberzellkarzinom – wenn Sie mehr über Leberkrankheiten lesen wollen, empfehlen wir Ihnen die weiterführenden Informationen auf dieser Seite (siehe rechte Spalte).




Bildnachweis: W&B/Szczesny, bearb. Jörg Neisel, W&B/Szczesny

Nicole Schuster / www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 08.08.2013, erstellt am 15.01.2010
Bildnachweis: W&B/Szczesny, bearb. Jörg Neisel, W&B/Szczesny

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