Ein Elektrokardiogramm (EKG) unter Belastung – zum Beispiel auf dem Fahrradergometer – kann den Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit erhärten
Was ist eine koronare Herzkrankheit?
Koronare Herzkrankheit (kurz KHK) heißt eine Erkrankung des Herzens, die durch Engstellen oder Verschlüsse in den Herzkranzgefäßen (Koronararterien) verursacht ist. Herzkranzgefäße werden die Blutgefäße genannt, die das Herz mit sauerstoffreichem Blut und Energie liefernden Nährstoffen versorgen.
Die Krankheit kann sich unterschiedlich bemerkbar machen: Die Bandbreite reicht vom vorübergehenden Angina pectoris-Anfall (mehr dazu im Kapitel "Symptome"), über Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche bis hin zum Herzinfarkt.
Die Erkrankung der Herzkranzgefäße beginnt meist schleichend und unbemerkt mit Fetteinlagerungen in der Gefäßwand. Allmählich können sich deutlichere Ablagerungen in den Adern bilden, sie "verkalken" ("Gefäßverkalkung", Arteriosklerose). Dadurch verengt sich die Strombahn, das Blut kann nicht mehr so gut durchfließen. Leicht entsteht dann ein Ungleichgewicht zwischen dem Sauerstoffbedarf des Herzmuskels und dem Sauerstoffangebot durch die Koronargefäße.
Welche Risikofaktoren gibt es?
Ob und wann sich bei einem Menschen eine koronare Herzkrankheit entwickelt, lässt sich schwer voraussagen. Je höher das sogenannte Risikoprofil für Herz- und Kreislauferkrankungen ist, umso größer ist auch die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung. Das kardiovaskuläre Risiko wird vor allem bestimmt durch die Höhe der Blutfette, durch Bluthochdruck, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Rauchen, Übergewicht und häufig auch durch bestimmte erbliche Faktoren. Auch das männliche Geschlecht und das Alter spielen bei der Beurteilung des Risikos für eine koronare Herzerkrankung eine Rolle. Bei Frauen nimmt das Erkrankungsrisiko in den Wechseljahren deutlich zu. Grund ist, dass in dieser Lebensphase der Spiegel der weiblichen Geschlechtshormone sinkt. Sie haben eine schützende Wirkung auf Herz und Gefäße.
Die Anzahl tödlicher Herzinfarkte ist in Deutschland leicht rückläufig. Dennoch führen auch heute noch die chronische koronare Herzkrankheit und der Herzinfarkt die Todesursachenstatistik an. Die Sterblichkeit des akuten Herzinfarktes beträgt in den ersten 24 Stunden nach Infarkteintritt annähernd 40 bis 50 Prozent, wobei die meisten Infarktpatienten noch vor Klinikaufnahme versterben.
Wie sieht die Behandlung bei KHK aus?
Die Therapie der koronaren Herzkrankheit ist darauf ausgerichtet Beschwerden – das bedeutet die Angina pectoris-Anfälle – zu lindern und die Lebenserwartung (Prognose) zu verbessern. Um diese Ziele zu erreichen, sollten Betroffene aktiv mitarbeiten, indem sie ihren Lebensstil zugunsten einer "herzgesunden" Lebensweise ändern. Außerdem kommen Medikamente und eventuell operative (eingreifende) Therapiemaßnahmen zum Einsatz (siehe hierzu Kapitel Therapie).
Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.
Professor Dr. med. Wolfram Delius ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie in München
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Eine gesicherte Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Denkbar ist, dass die ständige mechanische Beanspruchung durch die Bewegung des Herzens und die dadurch entstehenden hohen Scherkräfte die Innenwand der Herzkranzgefäße mit der Zeit schädigen. Durch die ständige mechanische Belastung wird die innerste Schicht der Gefäße für Risikofaktoren wie erhöhtes Cholesterin, erhöhten Blutzucker, erhöhten Blutdruck und Sauerstoffradikale (schädliche Sauerstoffverbindungen und -moleküle) empfindlicher. Mit der Zeit bilden sich dort sogenannte Plaques, gemeinhin gerne „Verkalkung“ genannt. Besonders empfindlich scheinen vor allem die zahlreichen Gefäßverzweigungen in den Herzkranzgefäßen auf diese Belastungen zu reagieren.
Professor Dr. med. Wolfram Delius, München
Zigarettenrauchen gehört sicher zu den stärksten Risikofaktoren für Herzkranzgefäßerkrankungen (medizinisch koronare Herzkrankheit, abgekürzt KHK). Vereinfacht gesagt: Je mehr geraucht wird, umso gravierender die Veränderungen. Es lohnt sich auf jeden Fall, mit dem Rauchen aufzuhören: Nach einem Jahr des vollständigen Rauchverzichts sinkt das erhöhte Herzinfarktrisiko um die Hälfte – verglichen mit Menschen, die das Rauchen nicht beenden. Und nach 15 rauchfreien Jahren ist es wieder "normal" und entspricht demjenigen von Nichtrauchern. Ähnlich verhält es sich mit dem Schlaganfallrisiko: Fünf bis 15 Jahre nach Rauchstopp liegt es gleichauf mit demjenigen von Nichtrauchern.
Raucherentwöhnungskurse, eventuell Nikotinersatzpräparate und Medikamente wie Bupropion oder Vareniclin können den Weg in ein rauchfreies Leben erleichtern. Daneben gibt es zahlreiche andere Angebote, deren Beschreibung hier zu weit führen würde. Bei Herzrhythmusstörungen, Herzkranzgefäßerkrankungen oder nach einem Schlaganfall sollten Nikotinersatzpräprate nur unter strenger ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden.
Bupropion ist ein Arzneistoff, der im Gehirn wirkt und zu den Antidepressiva gerechnet wird. Er scheint das Rauchverlangen und Entzugssymptome zu unterdrücken. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Schlafstörungen, Mundtrockenheit, Krampfanfälle, psychische Krisen.
Vareniclin setzt an den Nikotin-Rezeptoren im Gehirn an. Rezeptoren sind "Andockstellen". Der Arzneistoff wirkt teilweise wie Nikotin selbst und lindert dadurch Symptome des Rauchverlangens. Teilweise wirkt er aber auch dem Nikotin entgegen bzw. tritt an seine Stelle, sodass sich die "positiven" Wirkungen des Rauchens kaum noch entfalten können. Bei Neigung zu depressiven Verstimmungen oder Nierenproblemen ist hinsichtlich Vareniclin größte Vorsicht geboten.
Beide Medikamente können auch am Herz-Kreislauf-System zu Nebenwirkungen führen. Eine enge Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt ist also sehr wichtig. Empfohlen werden außerdem eine begleitende Beratung und Unterstützung durch psychologische Programme zur Raucherentwöhnung.
Professor Dr. med. Wolfram Delius, München
Die körperliche Belastbarkeit bei stabiler Herzkranzgefäßerkrankung (vergleiche Frage "Was ist eine stabile Herzkranzgefäßerkrankung?") ist individuell sehr unterschiedlich. Die Betroffenen sollten daher vor Trainingsbeginn auf jeden Fall ihren Arzt aufsuchen. Der wird neben einer gründlichen Erhebung der Krankengeschichte auch gezielte Untersuchungen durchführen, um die individuelle Belastbarkeit einzuschätzen – zunächst einmal einen Belastungstest als Fahrrad- oder Laufband-Ergometrie (Belastungs-Elektrokardiogramm oder -EKG), vielleicht auch eine Stress- bzw. Belastungs-Echokardiografie, also eine Ultraschalluntersuchung des Herzens unter Belastung auf einem Fahrradergometer, oder nach Injektion bestimmter Medikamente.
Sportlich aktive Menschen mit einer Herzkranzgefäßerkrankung (koronare Herzkrankheit) haben ein nur mäßig erhöhtes Belastungsrisiko,
Unter diesen Voraussetzungen kann den Betroffenen eine Belastung von 50 bis 80 Prozent der maximalen Ergometrieleistung mit drei bis fünf Trainingseinheiten pro Woche zu jeweils 20 bis 30 Minuten empfohlen werden.
Wer allerdings ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko hat, sollte sich möglichst einer Herzsportgruppe unter ärztlicher Aufsicht anschließen.
Professor Dr. med. Wolfram Delius, München
Ballsportarten mit hoher dynamischer Beanspruchung (Fußball, Tennis) sind wegen der schlechten Steuerbarkeit und der zusätzlichen emotionalen Belastungen für Patienten mit einer Herzkranzgefäßerkrankung, auch wenn sie stabil ist (siehe dazu die Frage "Was ist eine stabile Herzkranzgefäßerkrankung?" aus dieser Sprechstunde), nicht zu empfehlen. Geeigneter sind Ballspiele mit niedriger dynamischer Komnponente wie Golf, Tennis im Doppel oder Handball.
Schwimmen (ideale Wassertemperatur 28 Grad Celsius) wird in der Regel nur besser belastbaren Herz-Patienten mit normaler Ergometrieleistung bei Belastungstests, zum Beispiel beim Belastungs-Elektrokardiogramm oder -EKG, empfohlen.
Freies Ausdauertraining ohne Begleitung durch Fachpersonal ist nur für Herz-Patienten mit leichter Risikoerhöhung empfehlenswert. Geeignet hierfür ist Ergometertraining, Radfahren, Jogging, Walking oder Nordic Walking.
Professor Dr. med. Wolfram Delius, München
Ist bei Ihnen bereits eine Herzkranz- bzw. Koronargefäßerkrankung nachgewiesen, zum Beispiel durch eine Herzkatheteruntersuchung, so besteht spätestens jetzt Handlungsbedarf. Ein Fortschreiten der Erkrankung lässt sich durch Änderung des Lebensstils (Gewichtsabnahme, keine Zigaretten, gesunde Ernährung im Sinne der Mittelmeerkost, sportliche Aktivitäten) und medikamentös durch Behandlung eventuell vorhandener Risikofaktoren (erhöhte Blutfette, Bluthochdruck, Diabetes mellitus) verlangsamen. Ein gesünderer Lebensstil wirkt sich auch auf diese Risikofaktoren günstig aus, sodass gegebenenfalls im Laufe der Zeit Medikamente eingespart oder niedriger dosiert werden können. Manchmal ist es möglich, die arteriosklerotische Gefäßerkrankung, die zu einem Herzinfarkt führen kann, durch die genannten Maßnahmen sogar zu stoppen.
Professor Dr. med. Wolfram Delius, München
Der Wert für das Gesamt-Cholesterin allein betrachtet ist kaum aussagekräftig, denn LDL-Cholesterin und HDL-Cholesterin haben ihren eigenen Stoffwechsel. Das Gesamt-Cholesterin im Blut kann auch dann noch normal sein, wenn die LDL-Cholesterinwerte zu hoch und die HDL-Cholesterinwerte zu niedrig sind. Beides wird im Übrigen als möglicher Risikofaktor für eine Herzkranzgefäßerkrankung (koronare Herzerkrankung) angesehen, welche wiederum die Voraussetzung für einen Herzinfarkt bildet. Je mehr zusätzliche Risikofaktoren vorhanden sind, umso niedriger sollte der Wert für das LDL-Cholesterin sein und umso wichtiger ist ein normaler oder leicht erhöhter HDL-Spiegel.
Professor Dr. med. Wolfram Delius, München
www.apotheken-umschau.de;
13.09.2005, aktualisiert am 13.10.2011
Bildnachweis: W&B/ Bernhard Huber, W&B
"Risikofaktoren für eine Koronare Herzkrankheit addieren sich nicht, sondern potenzieren sich"
Wolfram Delius, Kardiologe
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