Hepatitis

Der Begriff „Hepatitis“ bezeichnet Leberentzündungen unabhängig von ihrer Ursache

aktualisiert am 15.12.2014

Die Leber: Das Organ können zum Beispiel Hepatitis-Viren bedrohen

W&B/ Martina Ibelherr

Überblick

Der Begriff „Hepatitis“ bezeichnet eine Entzündung der Leber. Er leitet sich vom griechischen Wort hepar = Leber ab. Umgangssprachlich wird eine Hepatitis auch Gelbsucht oder Gilb genannt. Diese Namen gehen auf das auffälligste, aber nicht immer vorhandene Symptom einer Leberentzündung zurück: Eine Gelbfärbung der Haut und der weißen Anteile des Augapfels.

Leberentzündungen, die zu Schädigungen der Leberzellen führen, können viele verschiedene Ursachen haben: Zu den häufigsten zählen Viren (Virushepatitis, Begleithepatitiden bei viralen Erkrankungen wie einem Pfeifferschen Drüsenfieber), Alkohol (Fettleberhepatitis bei chronischem Alkoholmißbrauch), Zucker- und Fettstoffwechselstörungen bei Übergewicht („NASH“= nicht-alkoholische Fettleberhepatitis), Medikamente und Autoimmunerkrankungen (zum Beispiel Autoimmunhepatitis).


Welche Symptome eine Hepatitis verursacht, wie sie verläuft und welche Therapie notwendig ist, hängt ganz wesentlich von ihrer Ursache ab. Grundsätzlich unterscheidet man eine akute von einer chronischen Hepatitis. Eine chronische Hepatitis liegt vor, wenn die Entzündung länger als sechs Monate anhält.


Das Hepatitis C-Virus: Einer der Erreger von Leberentzündungen

W&B/Esjottes

Ursachen

Die Palette der möglichen Ursachen für eine Hepatitis ist breit. Sie reicht von Virusinfektionen über Alkoholmissbrauch bis hin zu Autoimmunkrankheiten. Der häufigste Grund für eine ansteckende Leberentzündung ist eine Virushepatitis. Als Auslöser einer Virushepatitis oder einer Begleithepatitis bei einer viralen Infektion kommen zum Beispiel in Frage:
 
    •    klassische Virushepatitis: Hepatitis A, B, C, D, E   


    •    Begleithepatitis: Epstein-Barr-Virus, Cytomegalievirus, Mumpsvirus, Röteln-Virus etc.

Eher selten führen bestimmte Bakterien oder Pilze und Parasiten zu einer Leberentzündung.

Die Fettleberhepatitis wird entweder durch übermäßigen Alkoholkonsum oder durch Zucker- und Fettstoffwechselstörungen („NASH“= nicht-alkoholische Fettleberhepatitis) verursacht. Während sich eine Leberverfettung bei fast allen Personen mit übermäßigem Alkoholkonsum ausbildet, entwickelt nur etwa ein Viertel der Patienten eine Entzündung, also eine Fettleberhepatitis. Auch bestimmte Arzneimittel oder Umweltgifte können eine Entzündung der Leber verursachen.

Weitere wichtige Gründe für eine Hepatitis können Eisen- und Kupferspeicherkrankheiten wie die Hämochromatose oder der Morbus Wilson sowie Autoimmunkrankheiten sein, bei denen das Immunsystem gegen körpereigenen Substanzen und Gewebe reagiert. Es gibt verschiedenen Formen der Autoimmunhepatitis, die durch den Nachweis bestimmter Antikörper unterschieden werden können, die gegen eigene Zellen oder Zellbestandteile gerichtet sind.


Plötzlich gelbe Augen: Das kann auf eine Leberentzündung hinweisen

Image Source/ RYF

Symptome

Die Erkrankung bleibt zunächst oft unbemerkt, da die Symptome unspezifisch und vieldeutig sind. Häufig kommen Müdigkeit, Appetitlosigkeit und unbestimmte Oberbauchbeschwerden vor. Manchmal entwickelt sich auch eine Gelbsucht, also eine Gelbfärbung der Haut und der weißen Augapfelanteile sowie eine Entfärbung des Stuhls und eine Dunkelfärbung des Urins.

Ursache dafür ist die Tatsache, dass durch die hepatitisbedingten Schäden der Leber der gelbe Gallenfarbstoff Bilirubin nicht mehr in ausreichendem Maße in die Galle und damit in den Darm abgegeben wird. Stattdessen sammelt er sich im Blut an und führt zu einer Gelbfärbung von Haut und Augapfel. Ein Teil des Bilirubins wird dann über die Nieren statt über den Darm ausgeschieden. Es färbt der Urin dunkler als normal, während der Stuhlgang seine braune Farbe, die durch die bakterielle Umwandlung des Bilirubins entsteht, verliert und grau bis farblos wird.

Der Gallestau kann auch einen Juckreiz sowie Verdauungsstörungen hervorrufen. Symptome wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen können bei einer Hepatitis ebenfalls vorkommen.


Blutuntersuchung: Erhöhte Leberwerte können auf eine Hepatitis hinweisen

Panthermedia/Josef Müller

Diagnose

Besteht angesichts der Beschwerden ein Verdacht auf eine Hepatitis, wird Ihr Arzt Sie zunächst gründlich untersuchen. Anschließend helfen ihm eine Blutabnahme und die Bestimmung gewisser Laborwerte weiter:

Die Werte bestimmter Leberenzyme (GOT, GPT) sind bei einer Hepatitis üblicherweise erhöht. Auch der Wert für den gelben Gallenfarbstoff (Bilirubin) im Blut kann erhöht sein. Bei schweren Leberschäden durch die Hepatitis verändern sich auch die Gerinnungswerte und die Menge des in der Leber produzierten Eiweißes Albumin.

Bestätigt sich der Verdacht auf eine Hepatitis anhand der Laboruntersuchung, muss als nächstes die Ursache geklärt werden. Da Virushepatitiden besonders häufig sind, ist es sinnvoll, anhand einer Blutuntersuchung zu ermitteln, ob eine solche Infektion hinter der Leberentzündung stecken könnte. Als orientierende Untersuchung eignen sich dazu entsprechende Antikörper-Tests (auf Antikörper gegen Hepatits A,B,C,D und E) und eine Untersuchung auf HBs-Antigen, ein Bestandteil der Hülle des Hepatitis B-Virus. Lassen sich solche Antikörper oder das HBs-Antigen nachweisen, sind weitere Untersuchungen notwendig.

Beim Verdacht auf eine Autoimmunhepatitis können ebenfalls bestimmte Antikörper bestimmt werden, die bei dieser Erkrankung typischerweise vorkommen. Stoffwechselkrankheiten lassen sich meist durch entsprechende Blut- oder Urintests näher einkreisen.

Mit einer Ultraschalluntersuchung, der sogenannten Sonographie, kann der Arzt Größe, Struktur und Kontur der Leber schnell und einfach beurteilen. Über die Ursache einer Leberentzündung lässt sich mit diesem Untersuchungsverfahren allerdings selten etwas herausfinden. Dafür ist das Ausmaß des Leberschadens orientierend erfassbar.

Um den Schweregrad der Entzündung besser abschätzen zu können und um die Ursache zu ermitteln, kann auch eine Entnahme von Gewebe (Biopsie) aus der Leber notwendig sein. Das Gewebe wird anschließend mikroskopisch untersucht. Auch wenn die Leberbiopsie ein geringes Risiko für Komplikationen beinhaltet, ist es doch die Methode, mit der sich die genaueste Aussage zum Grad der Leberentzündung und zum Ausmaß der bindegewebigen Umwandlung des Lebergewebes (Leberfibrose) treffen lässt.


W&B/Reiner Schmitz, Martin Ley, Martina Ibelherr

Therapie

Die Therapie ist abhängig von der Ursache der Leberentzündung und kann hier daher nicht im Einzelnen beschrieben werden. Näheres lesen Sie bei den jeweiligen Krankheitsbildern. Zusammenfassend sei zu einigen wichtigen Ursachen der Hepatitis folgendes gesagt:

Akute Virushepatitiden heilen oft von selbst aus. Während die akute Hepatitis A und die akute Hepatitis E nie chronisch verlaufen, kommt es bei etwa fünf Prozent der erwachsenen Patienten mit einer akuten Hepatitis B und bei 50 bis 80 Prozent der Patienten mit akuter Hepatitis C zur chronischen Infektion. Daher sollte insbesondere bei akuter Hepatitis C bereits sehr früh eine Behandlung diskutiert werden. Bei einer chronischen Hepatitis B oder C ist eine Therapie mit Medikamenten möglich, die eine deutliche Besserung der Erkrankung oder sogar eine vollständige Ausheilung erreichen können. Zur Behandlung der chronischen Hepatitis C sind im letzten Jahr mehrere neue Medikamente zugelassen worden, die bei dem größten Teil der Patienten eine vollständige Ausheilung bei kürzerer Therapiedauer und weniger Nebenwirkungen erreichen können. Insbesondere sind jetzt auch Patienten mit einer fortgeschrittenen Leberzirrhose, für die eine Behandlung mit Interferon-haltigen Therapien nicht mehr möglich war, behandelbar und zu einem hohen Prozentsatz heilbar.

Näheres zur Behandlung der Hepatitis A, B und C lesen Sie bei den jeweiligen Krankheitsbildern.

Bei der Alkoholhepatitis ist die wichtigste Therapiemaßnahme der Verzicht auf das Genussmittel Alkohol. Die weitere Behandlung richtet sich darauf, die Folgen des bereits eingetretenen Leberschadens zu lindern.

Bei Fettleberhepatitis im Rahmen von Übergewicht und Zucker- und Fettstoffwechselstörungen ist eine langsame Gewichtsreduktion mit Anpassung der Ernährung in Kombination mit vermehrter körperlicher Aktivität entscheidend. Eine spezielle medikamentöse Therapie kann derzeit noch nicht empfohlen werden.

Die Autoimmunhepatitis nimmt unbehandelt einen chronisch Verlauf und kann zu einem schweren Leberschaden in Form einer Zirrhose führen. Deshalb ist es wichtig, die Behandlung sobald wie möglich zu beginnen. Da der Leberentzündung eine Störung im Abwehrsystem zu Grunde liegt, werden sogenannte Immunsuppressiva eingesetzt. Dabei handelt es sich um Medikamente, welche die fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems unterdrücken können.

Zu den wichtigsten Immunsuppressiva zählen Kortison und dessen Abkömmlinge. Mit ihnen kann oft eine wesentliche Verbesserung der Autoimmunhepatitis erzielt werden: Die Symptome verschwinden, die Laborwerte normalisieren sich und die Veränderungen des Lebergewebes bilden sich zurück. Allerdings muss die Behandlung über Jahre, mitunter sogar lebenslang beibehalten werden. Dies kann zu Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Veränderungen von Blutwerten oder einer Osteoporose führen. Wer eine längerfristige Kortisontherapie erhält, sollte sich bei seinem Arzt erkundigen, ob er mit derartigen Nebenwirkungen rechnen muss und was sich eventuell dagegen tun lässt.

Ein Medikament, das ebenso bei der Autoimmunhepatitis angewendet wird, ist Azathioprin. Es gehört ebenfalls zu den Immunsuppressiva und wird meist in Kombination mit Kortison verabreicht. Dadurch kann die Kortison-Dosis deutlich reduziert und so unerwünschte Nebenwirkungen vermieden oder zumindest vermindert werden. Wichtig: Wegen möglicher kindlicher Missbildungen müssen Patientinnen mit Kinderwunsch, die mit Azathioprin behandelt werden, zusammen mit Frauenarzt und dem behandelnden Leberspezialisten (Hepatologe) eine genaue Risikoabschätzung vornehmen. Auf keinen Fall darf das Medikament eigenmächtig abgesetzt werden! Meist müssen Personen mit Autoimmunhepatitis über Jahre immunsuppressiv behandelt werden, da es nach Absetzen der Medikamente in bis zu 80 Prozent zum Rückfall kommt.


Kleiner Piks: Eine Impfung kann vor bestimmten Hepatitis-Erregern schützen

W&B/Winfried Fischer

Hepatitis vorbeugen


Nicht vor allen Formen der Hepatitis kann man sich wirksam schützen. Aber gegen Hepatitis A und B gibt es eine Impfung, deren Kosten in vielen Fällen die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen. Bei Ihrem Arzt können Sie sich erkundigen, ob eine solche Impfung für Sie sinnvoll ist.

Um einer Hepatitis A vorzubeugen, sollten Sie vor allem auf Lebensmittel- und Händehygiene achten. Waschen Sie sich nach jedem Gang zur Toilette und vor dem Essen die Hände. In tropischen Ländern und anderen Regionen mit mangelhafter Lebensmittel- und Trinkwasserhygiene sollten Sie alle Nahrungsmittel nur gekocht oder geschält genießen. Trinkwasser kaufen Sie dort am besten in verschlossenen Flaschen oder kochen es ab.

Hepatitisarten, die über Blut und ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen werden, können Sie durch den Gebrauch von Kondomen und durch das Vermeiden von direktem Blutkontakt vorbeugen. Mit infizierten Personen sollten Sie sich auch keine persönlichen Hygieneartikel wie Nagelscheren, Rasierapparate oder Zahnbürsten teilen.

Schonen Sie Ihre Leber: Trinken Sie Alkohol nur in Maßen, essen Sie nicht zu fettreich und nehmen Sie nur dann Medikamente ein, wenn Sie diese wirklich benötigen.


Unser Experte: Professor Dr. med. Helmut M. Diepolder

W&B/Privat

Beratender Experte

Professor Dr. med. Helmut M. Diepolder ist Internist und Gastroenterologe. Von 1995 bis 2003 war er als Wissenschaftlicher Assistent an der Medizinischen Klinik II der Ludwig-Maximilians-Universität München tätig. In dieser Zeit absolvierte er unter anderem die Weiterbildung zum Internisten. Im Jahr 2000 habilitierte er sich an der Ludwig-Maximilians-Universität München, 2003 wurde er zum Oberarzt und 2006 zum außerplanmäßigen Professor ernannt. Seit 2010 ist Professor Diepolder Chefarzt der Medizinischen Klinik I des Klinikums Kaufbeuren.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: W&B/ Martina Ibelherr, Panthermedia/Josef Müller, W&B/Winfried Fischer, W&B/Privat, W&B/Reiner Schmitz, Martin Ley, Martina Ibelherr, W&B/Esjottes, Image Source/ RYF
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