Geschlechtskrankheiten – gefährliche Liebe

Krankheiten, die beim Sex übertragen werden, sind für viele ein Tabuthema. Doch sie können jeden treffen

Sex ist die schönste Nebensache der Welt. Doch leider können beim Liebesspiel auch Krankheiten übertragen werden. Dabei ist jedoch nicht jede Krankheit, die beim Geschlechtsverkehr übertragen wird, eine Geschlechtskrankheit. Ärzte unterscheiden zwischen "sexuell übertragbaren Krankheiten" (die immer häufiger nach der englischen Bezeichnung "sexually transmitted diseases" unter dem Kürzel STD zusammengefasst werden) und Geschlechtskrankheiten.

 

STD werden – wie der Name schon sagt – beim Sex übertragen. Sexuell übertragbare Krankheiten sind Trichomonadeninfektionen, Herpes genitalis, Pilzinfektionen der Genitalien und Feigwarzen. Das Risiko, sich mit einer sexuell übertragbaren Krankheit zu anzustecken, lässt sich jedoch durch Safer Sex erheblich reduzieren. Safer Sex - das bedeutet, die Ansteckung mit verschiedensten Keimen, die durch Geschlechtsverkehr übertragen werden, zu verhindern, und bedeutet damit auch, Rücksicht zu nehmen auf die eigene Gesundheit und die anderer Menschen. Ziemlich sicher ist Sex mit Kondom. Wird die Krankheit früh erkannt und behandelt, sind die Heilungschancen in der Regel gut.

Zu den Geschlechtskrankheiten werden folgende Erkrankungen gezählt: Syphilis, Tripper ("Gonorrhoe"), Weicher Schanker ("Ulcus molle") und eine bestimmte Form der Chlamydieninfektion ("Lymphogranuloma venereum"). Die beiden Begriffe sexuell übertragbare Krankheiten und Geschlechtskrankheiten werden jedoch häufig synonym verwendet.

 

Im folgenden finden Sie einen kurzen Überblick zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten.

 

Chlamydieninfektion

Chlamydieninfektionen gehören weltweit zu einer der häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten – bei Frauen und Männern gleichermaßen. Die Infektion mit den kugelförmigen Bakterien ("Chlamydia trachomatis") erfolgt meistens durch ungeschützten Geschlechtsverkehr.

 

Sympthome einer Chlamydieninfektion sind bei Männern und Frauen ein leichter, andauernder, dünnflüssiger und gelblicher Ausfluss, der manchmal mit Schmerzen beim Wasserlassen einhergeht. Die Erreger verursachen bei Frauen eine Entzündung der Gebärmutterschleimhaut und der Eileiter. Sehr häufig kommt es auch zu einer Eileiterinfektion. Die Sympthome treten normalerweise ein bis drei Wochen nach der Infektion auf.

 

Da die Sympthome jedoch sehr schwach sind und eine Chlamydieninfektion vor allem bei Frauen und bei Jugendlichen anfangs ohne Beschwerden verlaufen kann, bleiben etliche Krankheitsfälle unentdeckt. Sie können bei Männern zu Spätfolgen wie bleibender Verengung der Harnröhre, bei Frauen zu Früh- und Fehlgeburten sowie zu Eileiterschwangerschaften und Unfruchtbarkeit führen. Ein wirksamer Schutz vor Ansteckung ist die Verwendung von Kondomen beim Geschlechtsverkehr. Besonders Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern sollten sich regelmäßig untersuchen lassen.

 

Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika, die ein bis zwei Wochen, bei bestimmten Präparaten auch nur ein einziges Mal genommen werden.

Feigwarzen

Verursacher der Genitalwarzen sind humane Papillomaviren (HPV). Diese Viren verursachen spitze, hellrosa bis graue Hautwarzen an der Scheide, den Schamlippen, am Penis und der Aftergegend. Frauen und Männer sind gleich häufig betroffen. Die Viren sind jedoch nicht immer harmlos: Ungefähr 20 Prozent von ihnen sind sogenannte "High-risk"-Viren, die mit der Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs in Verbindung gebracht werden.

 

Die Behandlung von Feigwarzen ist um so wirkungsvoller, je kleiner sie sind und je früher der Patient mit der Therapie beginnt. Durch Vereisen, Abtragen oder dem Wirkstoff Podophyllin können die Feigwarzen entfernt werden. Dies ist notwendig, da durch die Warzen die Übertragung stattfindet.

 

Die Humanpapillomaviren bleiben aber auch nach der Entfernung der Warzen im Körper und können ähnlich wie bei Herpes nicht endgültig vernichtet werden. Deshalb können sich die Feigwarzen immer wieder von neuem bilden.

Pilzerkrankungen der Genitalien

Die häufigsten Erreger für Pilzerkrankungen der Genitalien sind Hefepilze ("Candida albicans"). Zwar sind diese Pilze in geringer Zahl bei den meisten Menschen in der normalen Keimflora nachweisbar, führen aber nicht bei allen zu Krankheitssymptomen. So findet sich bei Frauen immer eine geringe Anzahl von Hefepilzen in der Scheide. Die säurebildenden Bakterien einer gesunden Scheidenflora verhindern jedoch normalerweise, dass die Hefepilze überhand nehmen.

 

Die Ursachen dafür, dass sich die Pilze vermehren können und es zu einer Infektion kommt, sind vielfältig. Bei Frauen ist oftmals übertriebene Hygiene ein Auslöser: Wird das biologische Gleichgewicht der Scheidenflora gestört, zum Beispiel durch Scheidenspülungen, kann es dort zu einer Pilzinfektion kommen. Da Pilze durch Geschlechtsverkehr übertragen werden, ist die Verwendung von Kondomen zur Vorbeugung sinnvoll.

 

Doch die Pilze können nicht nur durch Sex übertragen werden – man kann sich beispielsweise auch bei einem Schwimmbadbesuch den Erreger einfangen.

 

Bei Frauen verursacht der Pilz eine Schwellung und entzündliche Rötung der Schamlippen und der Scheide ("Vulvovaginitis"). Außerdem haben die Betroffenen Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs und weißlich-bröckeligen Ausfluss ("Fluor"). Besonders quälend ist jedoch der mit dem Scheidenpilz einhergehende Juckreiz

 

Bei Männern ist die Pilzinfektion durch eine Entzündung der Eichel und der Vorhaut ("Balanitis") charakterisiert: Vorhaut und Eichel sind gerötet und nässen manchmal. Auch kann es zu brennenden Schmerzen kommen.

 

Zur lokalen Behandlung stehen etliche Pilzmittel ("Antimykotika") als Creme, Gel, Salbe und auch als Vaginaltabletten zur Verfügung. Eine solche Therapie ist für gewöhnlich nach fünf bis sieben Tagen erfolgreich. Bei milderen Formen kann auch schon eine dreitägige Behandlung ausreichen. Damit das natürliche saure Milieu der Scheide schnell wieder hergestellt ist, empfehlen Ärzte ihren Patientinnen oft, am Ende der Behandlung Vaginalzäpfchen mit Milchsäurebakterien zu verwenden. Führt die lokale Therapie nicht zum Erfolg, besteht die Möglichkeit einer innerlichen Behandlung mit einem Pilzmittel - in hartnäckigen Fällen von immer wieder kehrendem Pilzbefall ("Rezidiv"), etwa aufgrund einer Immunschwäche, kann eine mehrmonatige innerliche Behandlung notwendig werden.

Tripper (Gonorrhoe)

Tripper ist die häufigste Geschlechtskrankheit überhaupt. Sie wird durch das Bakterium  "Neisseria gonorrhoea" verursacht und ist extrem ansteckend. Die Übertragung erfolgt in den allermeisten Fällen durch ungeschützten Geschlechtsverkehr. Die Bakterien befallen jedoch nicht nur die Geschlechtswege und -organe, sondern finden sich auch im Rachen oder Enddarm.

 

Da die Krankheit zu Anfang oft symptomlos verläuft, kann sie - vor allem bei Frauen - chronisch werden, zu Unfruchtbarkeit führen und sogar lebensbedrohlich werden (Chronische Gonorrhoe). Bei Männern kann eine unbehandelte Gonorrhoe zu einer Infektion der Prostata, der Nebenhoden und Samenbläschen führen. Dadurch kann es zu Unfruchtbarkeit kommen.

 

Zeigen sich doch Sympthome, so sind dies sowohl bei Frauen als auch bei Männern brennende Schmerzen beim Wasserlassen und milchig-eitriger Ausfluss.

 

Zwar ist die Krankheit durch Antibiotika gut behandelbar und heilbar, doch werden in den letzten Jahren immer mehr Gonokokken-Stämme gefunden, die resistent gegen bestimmte Antibiotika sind. Ein sicherer Schutz vor Ansteckung ist die Verwendung von Kondomen beim Geschlechtsverkehr.

Syphilis

Die Sympthome dieser Geschlechtskrankheit zeigen sich nicht nur an den Geschlechtsorganen, sondern überall an der Haut und auch im Gesicht. Ausgelöst wird die Syphilis durch Bakterien vom Typ "Treponema pallidum". Nach der Erstinfektion verbreiten sich die Erreger über die Blutbahn im ganzen Körper. Die ersten Anzeichen einer Ansteckung sind Geschwüre an den Schleimhäuten. Syphilis ist wesentlich gefährlicher als Tripper. Die Infektionskrankheit kommt überall in der Welt vor, befällt mehr als doppelt so viele Männer wie Frauen, beide vor allem im jungen Erwachsenenalter. Seit der wirksamen Behandlung mit Antibiotika ist die Häufigkeit weltweit jedoch drastisch zurück gegangen.

 

Syphilis verläuft in mehreren Stadien. Die Symptome wechseln sich mit mehr oder weniger langen beschwerdefreien Zeiten ("Latenzphasen") ab.

 

Ungefähr drei Wochen nach der Infektion entwickeln sich kleine, schmerzlose, braunrote Geschwülste im Geschlechts- oder Mundbereich. Diese Geschwülste werden "Harter Schancker" genannt und sind hoch infektiös. Ungefähr gleichzeitig kommt es zu einer Entzündung und Schwellung der Lymphknoten ("Lymphadenitis"), weil der Keim bis zu den Lymphgefäßen vorgedrungen ist. Unbehandelt heilt das Geschwür nach ungefähr fünf Wochen von selbst ab, hinterlässt aber fast immer eine Narbe.

 

Etwa sieben bis zehn Wochen nach der Infektion spürt der Betroffene allgemeine Krankheitssymptome: Kopf- oder Halsschmerzen, grippeähnliche Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit, Appetitverlust und Gewichtsabnahme, Gelenkschmerzen - der Krankheitserreger hat sich im ganzen Körper ausgebreitet. Sämtliche Lymphknoten sind geschwollen, an der Haut zeigen sich braun-rote Flecken, die sich über große Areale ausbreiten können ("Exanthem"), oder Knötchen ("Papeln"), die sich an den verschiedensten Körperstellen - von den Fußsohlen bis zur Mundschleimhaut - bilden können und sehr infektiös sind. Auch vorübergehender Haarausfall kann ein Symptom der Frühsyphilis sein. Diese Beschwerden gehen systematisch zurück - und es folgt eine Latenzphase von ungefähr einem Jahr.

 

Die Spätsyphilis ist in der westlichen Welt heutzutage sehr selten, da in den meisten Fällen schon vorher eine Behandlung erfolgt. Allerdings hat sich gezeigt, dass bei HIV-Positiven, die zudem mit dem Syphilis-Erreger infiziert sind, die Symptome der Spätsyphilis bedeutend früher als zwei Jahre nach der Ansteckung einsetzen können. Bei der Spätsyphilis circa fünf Jahre nach der Ansteckung kommt es zu gravierenden Schäden der Haut, der Muskeln und der Gefäße. Zuletzt wird das Nervensystem angegriffen und die Krankheit endet unbehandelt in ungefähr 10 Prozent der Fälle mit dem Tod.

 

Mittel der Wahl bei der Behandlung von Syphlilis ist Penicillin, das den Patienten in hohen Dosen durch Injektionen verabreicht wird. Eine Behandlung ist jedoch erst dann sinnvoll, wenn der Erreger nachgewiesen ist und feststeht, in welchem Stadium sich der Betroffene befindet.

HIV-Infektion/ AIDS

Die zu Anfang der achtziger Jahre erstmals beobachtete Immunschwächekrankheit AIDS ist die gefährlichste sexuell übertragbare Krankheit überhaupt. Zwar gibt es mittlerweile Behandlungsmethoden, die den Ausbruch der Aids-Erkrankung erheblich hinauszögern und den HIV-Infizierten zu einer längeren Lebenserwartung und mehr Lebensqualität verhelfen, doch ist die Krankheit nach wie vor tödlich. Innerhalb der letzten zwanzig Jahre haben sich weltweit 40 Millionen Menschen mit dem humanen Immundefizienzvirus HIV angesteckt.

 

Ausgelöst wird sie durch das HI-Virus (Humanes Immunschwäche-Virus). Das Virus befindet sich in den Körperflüssigkeiten – in Blut und Sperma besonders hoch konzentriert. Aids wird heutzutage hauptsächlich durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Durch kleine, meist nicht sichtbare Verletzungen am Genital gelingt es den Erregern, in den Organismus einzudringen.

 

Doch nicht nur beim Sex ausgetauschte Körperflüssigkeiten wie Samen- oder Scheidensekret können zu einer Infektion führen. Die Viren übertragen sich auch durch offene Hautwunden, nicht sterile Injektions- oder Tätowiernadeln. HIV-positive Frauen können ihr Baby bei der Geburt mit dem Virus anstecken.

 

Die Diagnose wird anhand der HIV-Antikörper im Blut gestellt. Diese lassen sich in der Regel sechs bis zwölf Wochen nach der Infektion feststellen. Kam man mit virushaltigen Körperflüssigkeiten in Berührung und besteht die Gefahr einer Übertragung des HI-Virus, besteht die Möglichkeit der sogenannten Postexpositionsprophylaxe. Sie ist in den ersten 72 Stunden nach dem Kontakt sinnvoll und besteht aus einer Anti-Virus-Therapie. Die aufwändige Therapie geht über mehrere Wochen.

 

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