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Schwellungen und Knoten an den Händen – Ursachen: Quervain'sche Verengung, Dupuytren-Krankheit

Entzündungen an den Sehnenscheiden können die schmerzhafte Quervain'sche Verengung hervorrufen. Bei der Dupuytren'schen Kontraktur verformt sich die Hand durch Gewebeablagerungen


Quervain-Krankheit: Hauptleidtragender ist der Daumen. Hier wird das erste Strecksehnenfach zu eng

Quervain'sche Verengung (Tendovaginitis de Quervain): Sehnenscheidentzündung am Handgelenk

Symptome: Kennzeichnend ist eine schmerzhafte, mitunter gerötete Schwellung an der Daumenseite des Handgelenks. Die Schmerzen können in den Daumen und bis in den Unterarm ausstrahlen. Die Beweglichkeit des Daumens ist beeinträchtigt, vor allem bei Spreizbewegungen und wenn der Daumen zum kleinen Finger wie bei einer Faust geführt wird. Auch Handgelenksbewegungen schmerzen. Ebenso ist ein Taubheitsgefühl im Daumen möglich. Im Verlauf der Erkrankung kann sich eine flüssigkeitsgefüllte Zyste in diesem Bereich bilden.

Ursache: Die Beschwerden entstehen vielfach aufgrund einer Überlastung durch bestimmte Handgriffe wie Greifen, Wringen oder SMS-Tippen sowie viele Hausarbeiten, etwa Kartoffelschälen. Daher kommt auch die umgangssprachliche Bezeichnung "Hausfrauendaumen". Monotone, sich häufig wiederholende Bewegungen überreizen die Strecksehnen, die sich daraufhin leicht entzünden. Betroffen sind vor allem Frauen im mittleren Alter.

Neben Sehnenscheidentzündungen können entzündliche Erkrankungen wie eine rheumatoide Arthritis (siehe Kapitel "Entzündliches Rheuma") ebenfalls die nach ihrem Erstbeschreiber benannte Erkrankung verursachen. Das erste Strecksehnenfach, in dem zwei Sehnen und Sehnenscheiden verlaufen, schwillt durch die Überreizung und Entzündung an und verengt sich. Weitere entzündliche Prozesse und Bewegungseinschränkungen sind die Folge, das Sehnenfach kann sogar brechen.

Diagnose: Eine häufig durchgeführte Diagnosemaßnahme ist der sogenannte Finkelstein-Test. Der Arzt führt den Daumen über die Handinnenfläche, die anderen Finger umschließen ihn zu einer Faust. Dann beugt er die Hand am Handgelenk nach unten und in Richtung kleiner Finger. Schmerzt der Daumen heftig bei dieser Bewegung, gibt ihm das schon einen deutlichen Hinweis. Röntgenaufnahmen zeigen die Veränderungen nicht, helfen aber, andere Erkrankungen, etwa eine Polyarthrose (siehe auch Kapitel "Polyarthrose"), auszuschließen.

Therapie: Wichtig ist zunächst, Daumen und Handgelenk ruhig zu stellen. Das kann mit einer Daumenschiene oder sogar einem Gipsverband geschehen. Gegen die Schwellung spritzt der Arzt mitunter Kortison. Als Medikamente kommen nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen und andere infrage. Sind die Beschwerden abgeklungen, sollten die Betroffenen wiederholte, eintönige Handgriffe vermeiden und ihre Hand durch ausgleichende krankengymnastische Übungen stärken.

Eine Operation wird der Arzt nur in schwerwiegenden Fällen in Betracht ziehen. Hierbei eröffnet der Chirurg das Sehnenfach, um den Druck von den Sehnen zu nehmen und vorhandene Schwellungen zu entfernen.

Schnellender Finger: überlastete Beugesehnen

Symptome: Bei der medizinisch Tendovaginitis stenosans genannten Erkrankung treten an einem Fingergrundgelenk, häufig am Daumen, Schmerzen auf, meist bei Beugebewegungen, aber später oft auch schon in ruhiger Haltung. Typischerweise schnappt der zunächst unter Anstrengung ausgestreckte Finger unvermittelt nach vorne oder wieder zurück (Schnappfinger). Manchmal lässt sich dort auch eine verdickte Stelle tasten.

Ursache: Betroffen sind häufig Menschen, die ihre Finger entweder ungewohnt fordern oder regelmäßig überlasten, etwa beim Sport, beim Musizieren oder bei handwerklichen Arbeiten. Die überreizte Beugesehne verdickt und kann nicht mehr ungehindert durch die Sehnenscheiden gleiten. Es kommt zu Verengungen und Entzündungen, schließlich bilden sich Knötchen auf der Sehne.

Diagnose und Therapie: Die Beschwerden geben dem Arzt meist schon deutliche Hinweise. Schonen des erkrankten Fingers, Kortisonspritzen oder operative Eingriffe gehören zu den möglichen Therapiemaßnahmen. Lesen Sie mehr dazu im Ratgeber "Schnellender Finger: Was steckt dahinter?".



Dupuytren-Krankheit: Bindegewebe wuchert in Knoten oder Strängen unter der Haut der Handinnenfläche

Dupuytren’sche Erkrankung oder Kontraktur: verdicktes Gewebe an der Handinnenfläche

Symptome: Erste Zeichen sind spürbare Verdickungen an der Handinnenfläche, die dann auch schwielig aussehen kann. Die harten Gewebeschwellungen und Stränge, die im weiteren Verlauf entstehen, sind manchmal berührungsempfindlich, aber verursachen in der Regel keine Schmerzen. Die Finger krümmen sich in Richtung Handfläche, besonders betroffen sind der kleine und der Ringfinger. Schließlich lassen sich die Finger nicht mehr ausstrecken (Kontraktur). Alltäglich Handgriffe fallen schwer. Häufig erkranken zwar beide Hände, aber eine von beiden ist meist stärker betroffen. Im Zuge einer Dupuytren-Krankheit treten manchmal auch Knubbel an der Oberseite der Fingermittelgelenke auf. Die Mediziner nennen solche Bindegewebseinlagerungen Fingerknöchelpolster oder „knuckle pads“.

Ursache: Die Beschwerden entstehen durch Wucherungen von Bindegewebe zwischen der Haut der Handflächen und den Beugesehnen von Hand und Fingern. Es bilden sich dicke Knoten und Stränge, die die Funktion von Sehnen und Nerven einschränken. Die Ursachen sind noch nicht geklärt. Eine familiäre Veranlagung scheint der Hauptrisikofaktor zu sein. Auch Verletzungen im Arm- oder Handbereich könnten die Entstehung zusätzlich begünstigen. Diabetes, Rauchen und Alkoholkonsum sind weitere mögliche Risikofaktoren. Die Erkrankung verläuft individuell unterschiedlich. Nicht bei allen Betroffenen stellt sich auch eine ausgeprägte Kontraktur der Finger ein. Besonders häufig haben Männer über 50 damit zu tun.

Diagnose: Der Arzt wird Handfläche und Finger eingehend abtasten und begutachten. Die Knoten und Stränge sind meist gut zu spüren und zu sehen. Er prüft die Handfunktion, indem der Patient die Finger spreizt, streckt und die Hand zur Faust schließt. Die Krankengeschichte kann weitere Hinweise liefern. Zusätzliche Untersuchungen wie Laboranalysen oder Röntgenaufnahmen dienen dazu, andere Erkrankungen festzustellen oder auszuschließen. Fachmediziner teilen die Dupuytren-Krankheit in mehrere Stadien ein. Diese zeigen auf, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist, von lediglich fühlbaren Knoten bis hin zu starken Fingerkrümmungen, und wann eventuell eine Operation sinnvoll ist.

Therapie: Die Behandlung richtet sich danach, wie die Erkrankung verläuft. Sie kann sich sehr langsam entwickeln und den Alltag lange nicht oder nur wenig beeinträchtigen. Eine Therapie ist oft erst angezeigt, wenn deutlichere Beschwerden auftreten, wie erste Schwierigkeiten, die Finger zu strecken. Erst dann wird der Arzt gezielte operative Eingriffe in Betracht ziehen. Dazu gehört unter anderem die perkutane Nadelfasziotomie. Hier sticht der Operateur mit einer feinen Nadel durch die Haut und durchtrennt damit die zusammengezogenen Gewebestränge. Dabei muss er keine Schnitte in die Haut setzen. Eine Strahlentherapie in einer dafür spezialisierten Klinik kann in einem frühen Stadium, wenn erste Knoten zu fühlen sind, hilfreich sein.

In späteren Stadien ist möglicherweise auch eine Handoperation angezeigt. Der Handchirurg entfernt Knoten und Gewebestränge von den Beugesehnen. Wichtig ist der richtige Zeitpunkt für den Eingriff, den der Arzt je nach Krankheitsbild individuell unterschiedlich ansetzen kann. Anhaltspunkte geben zudem die verschiedenen Stadien der Kontraktur. Manchmal folgen der Operation weitere Eingriffe sowie Hautplastiken, da die Haut bisweilen schon stark verkürzt ist und entsprechend aufgebaut werden muss. Danach wird die Hand eine bestimmte Zeit ruhig gestellt. Eine behutsame Krankengymnastik hilft, die Handfunktion zu stärken.

Weitere Fibromatosen als Ursache für Verdickungen an den Händen

Neben der Dupuytren-Kontraktur gibt es andere Formen von Gewebeneubildungen (Fibromatosen) an Fingern und Händen. Die Auslöser sind in der Regel nicht bekannt. Die Fibromatose digitale, also Fingerfibromatose, betrifft in erster Linie kleine Kinder, seltener Erwachsene. Es treten meist nicht schmerzende Verdickungen und Knoten an den Fingerrücken und -seiten sowie an den Zehen auf. Sie können spontan abheilen. Manchmal entfernt der Hautarzt sie auch chirurgisch.

Fingerknöchelpolster (sogenannte knuckle pads, siehe oben) sind mitunter Teil der Dupuytren-Krankheit, können sich aber auch unabhängig davon entwickeln, häufiger bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die erhabenen Polster sind teilweise braun verfärbt und rau. Die Verdickungen zeigen sich im Bereich der Fingermittelgelenke und bereiten keine Schmerzen. Zuverlässig wirksame Therapien gibt es bis jetzt nicht. Manche Ärzte spritzen Kortison in die betroffenen Stellen.




Bildnachweis: W&B/Martina Ibelherr
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Andrea Blank-Koppenleitner / www.apotheken-umschau.de; 06.07.2009, aktualisiert am 04.11.2013
Bildnachweis: W&B/Martina Ibelherr

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