Wie gesund ist barfuß laufen?

Unterwegs auf freiem Fuß: Barfuß gehen soll gesund sein und die Muskeln stärken. Der konkrete Nutzen ist aber von Fall zu Fall unterschiedlich

von Stephan Soutschek, aktualisiert am 29.05.2015

Auf nackten Sohlen gehen trainiert die Fußmuskulatur

iStock/Elenathewise

Bereits Sebastian Kneipp empfahl barfuß laufen als wirksames Kurmittel. Auch Buddhistische Mönche verzichten einen Großteil ihres Lebens auf festes Schuhwerk. Und die Sängerin Shakira steht am liebsten mit nackten Füßen auf der Bühne. Kein Wunder, dass auch in Deutschland immer mehr Menschen auf den Geschmack kommen und sich an warmen Tagen auf bloßen Sohlen ins Freie begeben.

Training für die Fußmuskulatur

Barfuß gehen ist ein intensives Gefühlserlebnis und außerdem gesund, behaupten die Befürworter. Tatsächlich müssen sich die Füße ohne schützende Schuhsohle beim Gehen ständig an die Unebenheiten im Boden anpassen. Das stärkt und trainiert die Fußmuskulatur. Diese Muskeln sind wichtig, weil sie das Quer- und Längsgewölbe an der Fußunterseite tragen. Verkümmern die Muskeln dagegen, können sich die Gewölbe absenken. Fehlstellungen wie Platt- oder Senkfüße können die Folge sein.


Besonders für Kinder und Jugendliche kann barfuß laufen daher gut sein und zu einer gesunden Entwicklung des Fußes beitragen. Auch bei Erwachsenen soll es bestimmten Fußdeformitäten vorbeugen – wenn auch im geringeren Maß. "Gerade wenn in der Familie einige Fälle mit Fehlstellungen bekannt sind, macht regelmäßiges barfuß laufen als vorbeugende Maßnahme Sinn", sagt Dr. Christian Kinast vom Orthopädie Zentrum Arabellapark München.


Beschränkter Nutzen bei Fußfehlstellungen

Bei bereits bestehenden Fehlstellungen hilft barfuß laufen allenfalls, wenn die Fehlstellung auf eine unterentwickelte Muskulatur zurückzuführen ist. Sind jedoch falsch gewachsene oder verformte Knochen für den deformierten Fuß verantwortlich, ist der Nutzen relativ gering. Dann trägt barfuß laufen höchstens dazu bei, die Symptome zu lindern. Die trainierten Muskeln machen den Fuß unter Umständen weniger anfällig für Schmerzen.

"Man kann grob unterscheiden, dass barfuß gehen bei Verformungen im Bereich des Vorderfußes eher hilfreich ist, im Bereich des Rückfußes dagegen eher nicht", erklärt Dr. Daniel Frank, Chefarzt für Orthopädie und Unfallmedizin beim Florence-Nightingale-Krankenhaus Düsseldorf. Die weit verbreitete Meinung, barfuß gehen sei gut für die Wirbelsäule, bestätigt Frank nicht.

Beim Barfußlaufen ist Vorsicht ist geboten

Wie dem auch sei, Barfuß-Läufer sollten genau auf den Untergrund achten. Dornen, Insekten, Metallteile oder ähnliches können leicht zur Gefahrenquelle werden. Verletzungen sind schmerzhaft und begünstigen Infektionen. Die Temperatur spielt ebenfalls eine Rolle. Ausgekühlte Böden können rasch zu kalten Füßen führen, zu heißer Sand brennt auf der Haut.

Grundsätzlich gilt: Den aktuellen Stand der Tetanus-Impfung prüfen, bevor Sie sich nackten Fußes in freie Wildbahn begeben. Andernfalls können sich harmlose Verletzungen zu einem gefährlichen Wundstarrkrampf entwickeln. Erwachsene sollten sich alle zehn Jahre gegen Tetanus impfen lassen.

Darüber hinaus müssen Menschen mit bestimmten Krankheiten besonders aufpassen oder ganz auf das Laufen ohne Schuhe verzichten: "Dazu gehören alle, die an Diabetes oder Gefäßkrankheiten leiden. Für sie kann es sogar richtig gefährlich sein", sagt Kinast. Diabetiker haben beispielsweise oft ein gestörtes Schmerzempfinden. Daher bemerken sie leichte Verletzungen an den Füßen erst sehr spät. Das erhöht das Risiko für Infektionen und Komplikationen. Wer an einer Insektengiftallergie leidet, sollte sich gut überlegen, ob er das Risiko eingehen möchte, auf schützende Schuhe zu verzichten. Wer bereits Fußprobleme oder Durchblutungsstörungen hat, fragt vorher besser seinen Arzt.


Barfuß ins Freie

Als Anfänger sollten Sie außerdem darauf achten, Ihren Füßen nicht zu viel zuzumuten.  Eine Wiese – Vorsicht vor Bienen und anderen Tieren – ist ein guter Einstieg für empfindliche Sohlen. Oder Sie gehen in einen Barfußpark. Dort gibt es unterschiedliche Stationen und Pfade, auf denen die Füße verschiedene Untergründe kennen lernen. Auch einen Versuch wert ist barfuß zu wandern: Schlüpfen Sie zwischendurch doch mal spontan aus Ihren Schuhen – Sie können die Treter ja jederzeit wieder anziehen.

Unsere Experten:


W&B/Privat

Christian Kinast

Facharzt für Orthopädie und Unfallmedizin am Orthopädie Zentrum Arabellapark München


W&B/Privat

Daniel Frank

Chefarzt für Orthopädie und Unfallmedizin am Florence-Nightingale-Krankenhaus Düsseldorf




Bildnachweis: iStock/Elenathewise, W&B/Privat
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